Magazin Landtechnik

Tabakanbau :

Sensible Blätter fordern extrem schonende Ernte

Die Tabakpflanze ist anspruchsvoll in Anbau und Ernte. Obwohl die Bedeutung des Tabakanbaus in Europa stark gesunken ist, reizt die Rationalisierung der Ernte den Ingenieursgeist.

Tabakanbau: Sensible Blätter fordern extrem schonende Ernte

Hier wird der Virgin-Tabak komplett in Handarbeit geerntet.

Tabaksorten in Deutschland

Im Wesentlichen dominierten drei Tabaksorten die deutsche Tabaklandschaft: der Burly, dunkelkräftig im Aroma mit hohem Nikotingehalt, der Geudertheimer, ein Zigarrentabak und der helle Virgin mit hohem Zucker- und weniger Nikotingehalt. In den Hochzeiten des Tabakanbaus wurde sowohl der dunkle kräftige Burly-Tabak, der Geudertheimer-Zigarrentabak und der helle süße Virgin-Tabak angebaut. Die deutschen Tabakbauern setzen aktuell ganz auf den Virgin-Tabak. „Der Virgin-Tabak erlebt sogar eine kleine Renaissance als Basis für Wasserpfeifen-Tabake“, erklärt Bernd Jannaschk. Sein landwirtschaftlicher Familienbetrieb mit Pensionswirtschaft in Calau, südlich des Spreewalds in Brandenburg, baut auf ca. 20 Hektar den Virgin an.

In Deutschland gibt es rund 130 Betriebe, die 850 ha Tabak anbauen.

Anbau und Ernte

Ab Ende April – Anfang Mai, nach möglichen Nachtfrösten, werden die ca. 35.000 – 40.000 vorgezogenen Setzlinge pro Hektar ausgepflanzt.

1. Die Tabak-Pflanzen werden mit einer Säge gemäht, gebohrt und oben auf Lamellen-Stahlröhre aufgezogen aufgehängt, ohne manuellen Zwischenschritt.

1. Die Tabak-Pflanzen werden mit einer Säge gemäht, gebohrt und oben auf Lamellen-Stahlröhre aufgezogen aufgehängt, ohne manuellen Zwischenschritt.

Die Ernte beginnt Ende Juli/Anfang August.

Bei der Ernte des Burly-Tabak wird der Staudenstamm knapp über dem Boden abgeschnitten. Die Pflanze wird kopfüber am Strunk aufgehangen und anschließend getrocknet. Der Virgin-Tabak wird in mehreren Durchgängen geerntet. Begonnen wird mit dem unteren Blatt der Pflanze, dem sogenannten Sandblatt oder Grumpen. Die Pflanze bildet eine „Qualitäts-Pyramide“, von unten aufsteigend, steigt auch die Qualität. Das heißt, das Aroma, der Nikotin- und Zuckergehalt nimmt nach oben zu.

Der in Deutschland angebaute helle Virgin wird anschließend in Trocknungskammern bei ca. 75 Grad eine Woche lang getrocknet.

Der Virgin-Tabak erhält erst durch die Ofentrocknung direkt nach der Ernte die goldgelbe Farbe.

Der Virgin-Tabak erhält erst durch die Ofentrocknung direkt nach der Ernte die goldgelbe Farbe.

2. Die Bewegung der Tabak-Pflanze wird mittels Drucktasten (4) angetrieben. Die Übertragungsstange (5) bleibt in Position. Die Pflanzen werden mit Magnet-Klammern (6) gehalten. Blattfedern (7) bringen die Magnet-Klammern wieder in die Ausgangsposition.

2. Die Bewegung der Tabak-Pflanze wird mittels Drucktasten (4) angetrieben. Die Übertragungsstange (5) bleibt in Position. Die Pflanzen werden mit Magnet-Klammern (6) gehalten. Blattfedern (7) bringen die Magnet-Klammern wieder in die Ausgangsposition.

3. Nachdem die Tabak-Pflanze nach oben gefördert wurde, übergibt die letzte Drucktaste (8) den Stengel der Pflanze in eine neue Position (9). Die Wende-Nocke (10) dreht die Tabak-Pflanze um. Sie wird dann auf eine Speicherstange (11) gezogen.

3. Nachdem die Tabak-Pflanze nach oben gefördert wurde, übergibt die letzte Drucktaste (8) den Stengel der Pflanze in eine neue Position (9). Die Wende-Nocke (10) dreht die Tabak-Pflanze um. Sie wird dann auf eine Speicherstange (11) gezogen.

Erst dann haben die Blätter die leuchtend gelb-goldenen Farbe.

Die Erntequalität, ganz gleich welcher Tabak geerntet wird, wird nicht allein durch den Wachstumsprozess der Pflanze und entsprechende Trocknung bestimmt, sondern schon durch die Sorgfalt der Ernte. Die Blätter dürfen keine Risse oder Druckstellen aufweisen. Diese verfärben sich ungleichmäßig während der anschließenden Trocknungsphase. Und spätestens in der Fermentation kann aus kostbarem Rohtabak durch eine übermäßige Zahl „verletzter“ Blätter ein großer teurer Ballen Kompost werden.

Die benötigten Maschinen

Die Auspflanzung mit Pflanzmaschinen ist zumindest in Europa Standard und läuft halbautomatisch bzw. halbmanuell ähnlich wie im Gemüseanbau. Komplizierter ist die Ernte. Je nach Tabaksorte, Anbauregion und Größe der Anbaufläche reicht die technische Ausstattung vom Vollernter (selbstfahrend oder gezogen) über halbautomatische Pflückmaschinen bis zur reinen Handarbeit. Neben den Maschinen der verschiedenen Tabakerntemaschinenhersteller, sind auch unterschiedliche „Eigenkonstruktionen“ unterwegs. Bei Jannaschks in Calau wird der Virgin-Tabak mit einer individuell angepassten Konstruktion aus dem Fahrgestell eines kanadischen Herstellers und der Pflücktechnik aus Italien geerntet.

In den Tabakanbauregionen Frankreichs wird dagegen der Burly angebaut. Für die meisten Tabakbauern sind selbstfahrende Vollernter zu teuer und wären kaum ausgelastet. Die Ernte läuft auch hier teilmechanisiert.

Wie man die Ernte rationalisieren kann, darüber haben sich Jean-Baptiste Larroche und sein Partner Bernard Gutfrind, Professor an der Universität Bordeaux, Gedanken gemacht. Das Ergebnis ist eine gezogenen Erntemaschine, die kostengünstiger als ein Vollernter ist und mindestens so sanft wie die Hände der sonst üblichen Saisonarbeiter auf den Tabakfeldern.

Sanft geerntet

Der Clou bei diesem gezogenen Tabakernter: Die Pflanze wird kaum berührt, nicht gequetscht oder gestaucht. Der zapfwellenbetriebene gezogene Vollernter erledigt schonend gleich mehrere Arbeitsschritte. Die Pflanze wird an der Basis von der Reihenführung umschlossen. Unterhalb des Sandblattes schneidet eine Sägeklinge die Pflanze ab. Eine automatisch ausgelöste Klemme fasst die Pflanze oberhalb des Schnittes und zieht die Pflanze auf einer Lamellen-Stahlröhre auf.

Auf dieser Stange wird die Pflanze von Magnetklemmen aufrecht gehalten, bis sie das obere Ende der Förderschiene passiert. Dort oben sorgt eine Wende-Nocke für das „Kippen“, so dass die Tabakpflanze hängend im Ernte-Bunker lagert, bis der geleert wird.

Sobald eine Lamellen-Stange mit Tabakpflanzen gefüllt ist, wird eine neue Stange freigegeben.

Zum Entladen des „Tabak-Bunkers“ und Füllen des Trocknungsschuppens bleiben die Pflanzen auf den Stangen. So werden sie auch anschließend nicht mechanisch verletzt.

Fazit

Trotz sinkender Nachfrage nach Tabak als Rauchware wird die Sonderkultur Tabak in den klimatisch geeigneten Regionen nicht verschwinden. Weltweit nimmt die Tabakproduktion zu. Und nach wie vor bleibt der Tabakanbau auch für die bäuerliche Landwirtschaft interessant. Der Rohstoff Tabak ist ursprünglich nicht nur als Rauchware in Europa verbraucht worden, sondern fand auch in der Medizin Anwendung. Und genau dort könnte die Zukunft des Tabakanbaus liegen, als Basisrohstoff für Medikamente und Impfstoffe.

Wie für alle Kulturen gilt: eine flächenangepasste, effiziente Erntetechnik ist ein wesentlicher Faktor für einen ökonomisch interessanten Anbau. Insbesondere Sonderkulturen bzw. Nischenprodukte sind für die bäuerliche Landwirtschaft eine Chance, und das weltweit.

Noch existiert diese von Larroche und Gutfrind entwickelte Tabakerntemaschine nur als Prototyp. Inspirieren ließen sich die Ingenieure, die sich in ihrem Institut Transtech sonst mit Patenten der High-End-Technologie, zum Beispiel für Airbus beschäftigen, vom bäuerlichen Tabakanbau vor der Haustür, südlich Bordeaux.

Auf dem europäischen Markt ist das Interesse an neuer Tabakerntetechnik zurzeit nicht zu groß, zu viele Gebrauchtmaschinen stehen zur Verfügung. Trotzdem ist die Larroche-Technik für Regionen mit bäuerlicher Anbaustruktur sehr interessant.

Kontakt:

Jean-Baptiste Larroche

Telefon 00 33-6 63 97 36 66

E-Mail: rose-nay@live.fr

Die Kultivierung der Tabakpflanze macht den Anbau außerhalb der ursprünglichen Region in der Nähe des Äquators erst möglich. Ursprünglich gehört diese, wie die Kartoffel und die Tomate zu den Nachtschattengewächsen. Durch die Züchtung ist es gelungen, die Pflanze unter den in Europa gegebenen Langtagbedingungen anzubauen. Einige Sorten bevorzugen eher magere Böden, andere kommen auch auf satteren Böden zurecht. Es ist nicht die Frostempfindlichkeit allein, die den Tabakanbau in Europa auf wenige Gebiete beschränkte. Wichtig ist die reichliche Wasserversorgung während der Wachstumsperiode. Der Wasserbedarf von 200 bis 900 Liter pro Kilo Trockenmasse verlangt nach viel Niederschlag: 750 mm Jahresdurchschnitt bei Temperaturen von 15 bis 23 Grad Celsius.


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