Nach drei wachstumsstarken Jahren haben geopolitische Rahmenbedingungen im letzten Jahr die Umsatzdynamik der Stihl Gruppe gedämpft. Wie der Hersteller mit Sitz in Waiblingen bei seiner Bilanz-Pressekonferenz in Stuttgart mitteilte, hat die Gruppe das Geschäftsjahr 2023 mit 5,3 Milliarden Euro Umsatz abgeschlossen, verglichen mit 5,5 Milliarden Euro im Vorjahr. Trotz des leichten Rückgangs um 4,1 Prozent bewege sich der Umsatz nach wie vor auf einem deutlich höheren Niveau als vor der Coronavirus-Pandemie, sagte Vorstandsvorsitzender Michael Traub. Zudem drückten negative Kurseffekte auf den Umsatz: Ohne diese Effekte hätte der Umsatzrückgang lediglich 1,1 Prozent betragen. Einen leichten Rückgang verzeichnet der Hersteller von Motorsägen und motorbetriebenen Gartengeräten ebenfalls bei den Mitarbeiterzahlen: Weltweit waren Ende 2023 19.805 Menschen bei Stihl beschäftigt – und damit 3,6 Prozent weniger als ein Jahr zuvor.
Das deutsche Stammhaus, die Andreas Stihl AG & Co. KG, erzielte 2023 einen Umsatz von 1,6 Milliarden Euro, verglichen mit 1,8 Milliarden Euro im Vorjahr, was einem Rückgang von 11,4 Prozent entspricht. Die Zahl der Mitarbeitenden an den deutschen Standorten stieg dagegen leicht um ein Prozent auf 6.003 Beschäftigte zum 31. Dezember 2023.
Traditionell macht das Familienunternehmen keine genauen Angaben zum Gewinn. Stihl-Chef Traub räumte jedoch ein, dass das Ergebnis besser hätte sein können, es aber insgesamt zufriedenstellend sei. Nach besonders wachstumsstarken Jahren während der Coronavirus-Pandemie befinde sich die gesamte Branche nun in einer Phase der Konsolidierung. Die hohe Inflation und steigende Zinsen hätten die Konsumlaune getrübt. „Hinzu kommen hohe Lagerbestände im Handel, die erst abverkauft werden müssen“, so Traub.
Akku-Segment im Wachstum
Parallel dazu setzte die Stihl Gruppe ihre Akku-Strategie im Geschäftsjahr 2023 erfolgreich fort. Demnach steigerte das international tätige Familienunternehmen den Absatzanteil der Akku-Geräte von 20 Prozent im Vorjahr auf nunmehr 24 Prozent. „Damit ist bereits nahezu jedes vierte verkaufte Stihl Produkt ein Akku-Gerät“, sagte Traub.
Während der Absatz von Benzin-Produkten deutlich zurückgegangen sei, habe das Akku- und iMow-Geschäft erfreulich zugelegt. Traub betonte: „Stihl befindet sich auf gutem Weg, eine Spitzenposition im Akku-Segment einzunehmen. Unsere Kundinnen und Kunden wissen, dass sie sich auf die hohe Qualität unserer Produkte und unseren Service verlassen können.“
Wie der Stihl-Chef bei der Vorstellung der Bilanzzahlen erläuterte, spielt die Antriebsart Akku besonders in Westeuropa und Nordamerika bereits eine große Rolle, die in den nächsten Jahren weiter an Bedeutung gewinnen werde. Vor diesem Hintergrund strebt Stihl an, den Absatzanteil der Akku-Produkte bis 2027 auf mindestens 35 Prozent und bis 2035 auf 80 Prozent zu steigern. Traub: „Die Ausweitung des Akku-Produkt- und Serviceportfolios läuft auf Hochtouren – sowohl was das handgetragene Produktsortiment betrifft als auch die Einführung neuer sogenannter ‚Wheeled Products‘, also fahrbarer Produkte.“ Beispielsweise führte Stihl im Januar 2024 in den USA, dem größten Einzelmarkt des Herstellers mit einem Umsatzanteil von rund einem Drittel, den ersten Akku-Zero-Turn-Mower ein – einen Akku-Aufsitzmäher mit Null-Wendekreis-Technik. Wie Traub in Stuttgart ankündigte, sollen allein in den kommenden zwei Jahren weltweit 30 neue Akku-Produkte auf den Markt kommen.
Gut aufgestellt
2023 erreichte die Unternehmensgruppe eine hohe Eigenkapitalquote von fast 66 Prozent und eine solide Bilanzstruktur, was wesentliche strategische Investitionen aus eigenen Mitteln ermöglichte. Dabei wurden rund 432 Millionen Euro in neue Technologien sowie den internationalen Fertigungs- und Vertriebsverbund investiert, wobei die Investitionen die Abschreibungen erneut überstiegen.
Traub unterstrich die mittel- und langfristige Wachstumsplanung, insbesondere im Bereich Akku, und hob hervor, dass die langfristige Investitionsstrategie darauf abziele, den globalen Produktions- und Fertigungsverbund auf die verstärkte Akku-Nachfrage vorzubereiten.
Insgesamt äußerte sich Michael Traub verhalten optimistisch über das laufende Jahr: „Unter den aktuellen Rahmenbedingungen erhoffen wir uns aus heutiger Sicht leichtes Wachstum in der zweiten Jahreshälfte.“ Der Fokus bleibe weiterhin auf der generellen Erweiterung und Erneuerung des Produktportfolios, sowohl für den privaten als auch für den professionellen Einsatz.
Witterung bremst Absatz
2023 erlebte Zentraleuropa ein langes nasses Frühjahr, das in einen trockenen Frühsommer wechselte. Dies bremste die Nachfrage nach Gartengeräten wie zum Beispiel Rasenmäher. Im Heimatmarkt Deutschland, wo Stihl etwa zehn Prozent seiner weltweiten Erlöse erwirtschaftet, verzeichnete das Unternehmen deutliche Absatzeinbußen. Im deutschen Markt hatten sich 2023 wie auch im globalen Umfeld Inflation, Zinsentwicklung, hohe Energiepreise und Kaufzurückhaltung bemerkbar gemacht. Westeuropa insgesamt lag ebenfalls unter dem Vorjahreswert, ebenso Osteuropa. Die Belieferung nach Russland hat Stihl eigenen Angaben zufolge komplett eingestellt.















