Magazin Telemetrie und Logistik

Spudnik :

Der Weg vom Feld bis zur Chipsfabrik

Zwei technische Verfahren bestimmen die Kartoffelernte in Nordamerika – Der eilbote besuchte im US-Staat Washington Kartoffelanbauer, die absätzig roden oder direkt auf den Truck überladen.

Spudnik: Der Weg vom Feld bis zur Chipsfabrik

Eine Einlagerung der Kartoffelernte im Staat Washington, USA: Die Trucks entladen schonend über ein Rollband die Knollen.

Die schwarzen Schläuche führen Flüssigdünger an die Knollen.

Die schwarzen Schläuche führen Flüssigdünger an die Knollen.

Joe Davis legt bei Kundenbesuchen pro Jahr gut 80.000 km zurück. Pro Tag sind dies durchaus mal 500 km. Er ist Regionalvertreter für die Firma Spudnik, Hersteller von Kartoffeltechnik in Idaho, USA. Das Unternehmen gehört seit 2003 zur Grimme Gruppe und ist auf dem nordamerikanischen Markt einer der Hauptanbieter für Pflanz-, Ernte- und Einlagerungstechnik von Kartoffeln. Rund 300 Mitarbeiter beschäftigt das Unternehmen mit Sitz in Blackfoot, Idaho. Idaho liegt im Nordwesten der USA und ist mit 140.000 ha Kartoffelanbau nach Washington mit 68.000 und Oregon mit 16.000 ha, der größte Kartoffelanbaustaat in den USA.

Gemeinsam mit Brock Gibbons besichtigen wir die Schneider-Farm. Sie liegt im Süden des Staates Washington. Gibbons ist Chef der RDO Niederlassung in Pasco. RDO ist mit 75 Stützpunkten einer der führenden John Deere-Händler für Land- und Baumaschinen und über die ganze USA verteilt. In Pasco hat RDO eigens für Spudnik eine Niederlassung mit Ersatzteillager errichtet. Von hier aus bearbeiten für RDO vier Verkäufer und acht Servicetechniker die Kundschaft. Joe Davis und sein Kollege Phil Cardon von Spudnik betreuen wiederum das RDO Team in technischen und verkäuferischen Fragen.

Im März startet die Pflanzung. Ein Überladewagen mit Förderband befüllt die sechsreihigen Pflanzmaschinen.

Im März startet die Pflanzung. Ein Überladewagen mit Förderband befüllt die sechsreihigen Pflanzmaschinen.

Auf der Schneider Farm lernen wir den jüngsten Spudnik-Prototypen – einen sechsreihigen Roder – kennen. Mit seinem Rodeaggregat hebt er die Kartoffeln aus der Erde auf eine ca. sechs Meter breite und drei Meter lange Siebkette. Ein riesiger Ventilator, allein seine Leistungsaufnahme liegt bei ca. 110 PS, bläst die Krautreste aus dem Erntegut. Steine gibt es hier wenige, aber Kluten! Sie werden, so gut es geht, getrennt. Der Roder, gezogen von einem 8000er John Deere ist ISOBUS gesteuert und überlädt direkt in den Truck mit einem Spezialaufbau zum Kartoffeltransport. Er kann die Seiten hydraulisch absenken, hat einen trichterförmigen Aufbau und am Boden ein angetriebenes Förderband zum Entladen. Die hellschaligen Kartoffeln sind sehr groß und wiegen nicht selten 350 Gramm oder mehr. Dieser Truck fährt bei Schneider die Knollen dann bis zum Feldrand und überlädt sie in den Bunker. Von diesem Bunker aus laufen die Kartoffeln über eine Handsortierung und ein Krautgebläse direkt auf einen großen Truck, der diese zum Lagerhaus bringt.

Brock Gibbons, RDO, Phil Cardon und Joe Davis, beide von Spudnik (v. l.), betreuen die Kunden im Nordwesten der USA.

Brock Gibbons, RDO, Phil Cardon und Joe Davis, beide von Spudnik (v. l.), betreuen die Kunden im Nordwesten der USA.

Die Knollen sind sehr groß. Das Verlesepersonal ist überwiegend spanischstämmig.

Die Knollen sind sehr groß. Das Verlesepersonal ist überwiegend spanischstämmig.

Wir fahren ein paar Meilen weiter zur Fläche der Allied Potatoes. Hier beobachten wir das zweite in Nordamerika übliche Ernteverfahren – mit Windrower – übersetzt Schwader. Der Spudnik Roder rodet sechs Reihen und legt diese im Schwad zwischen vier Kartoffelreihen auf dem Acker ab. Eine zweite, folgende Maschine nimmt diese dann auf, rodet die vier Reihen, pustet sie vom Kraut frei und überlädt direkt auf den Truck. Damit die Ernte weitgehend staubfrei über die Bühne geht, beregnet man die Flächen vorher. Beregnung ist ein Muss bei nur 180 mm Niederschlag pro Jahr. Bis zu 1.000 mm kommen aus der Beregnungsanlage pro Saison hinzu. Mit einer Kartoffelanbaufläche von 1.600 ha ist die Allied Potatoes auf Pacht und Landtausch angewiesen. Für eine beregenbare Fläche zahlt man inklusive der Kosten für das Wasser bis zu 2.500 $/ha jährlich an Pacht.

Der Diker, eine Art Spatenmaschine, verhindert das schnelle Abfließen von Wasser zwischen den Dämmen.

Der Diker, eine Art Spatenmaschine, verhindert das schnelle Abfließen von Wasser zwischen den Dämmen.

Ab 10. März beginnt man mit der Pflanzung der insgesamt 1.600 ha Kartoffeln. Dafür kommt ein sechsreihiger Pflanzer von Spudnik und ein spezieller Befüllwagen für niedrige Fallhöhen der Pflanzkartoffeln zum Einsatz.

Davor fand auf Flächen, die bereits mit Kartoffeln bepflanzt waren, eine chemische Nematodenbekämpfung statt. Nach dem Pflanzen heißt es – so Allied Potatoe-Manager Clay Allen – „Plant and pray“ – „Pflanze und bete“. Aber ganz allein dem lieben Gott überlässt Allen seine „Tubes“, so nennt man hier die Kartoffeln, doch nicht dem Himmel. Übrigens, ein Großteil der Kartoffelfarmer im US-Nordwesten gehört der Religionsgemeinschaft der Mormonen an.

Nach dem Häufeln der Kulturen, kommt der Diker zum Einsatz. Dies ist eine Art große Spatenmaschine. Im Abstand von 40 cm gräbt sie 15 cm tiefe Löcher zwischen die Dämme. Dies schränkt die Erosion durch Regen oder Bewässerungswasser deutlich ein. Auch Unkräuter, deren Samen sich über die Beregnungskanäle ausbreiten, müssen chemisch in Schach gehalten werden. Gleiches gilt für die Kartoffelkäfer.

Das einstufige System: Der sechsreihige Roder überlädt direkt auf den Truck.

Das einstufige System: Der sechsreihige Roder überlädt direkt auf den Truck.

Das Siebband ist gut sechs Meter breit.

Das Siebband ist gut sechs Meter breit.

„Generell ist die Qualität der Kartoffeln in diesem Jahr sehr gut. Sowohl die der Chipskartoffeln, als auch die der großen Russet Burbanks, berichtet Jan Muhle. Der Deutsche ist in Blackfoot für das Spudnik-Marketing verantwortlich. Russet Burbank ist die in Nordamerika am häufigsten angebaute Kartoffelsorte mit dunkelbrauner Schale und wenigen Augen. Das Fleisch ist weiß, trocken und eher mehlig. Sie eignet sich gut für Pommes Frites.

„Kostentechnisch sind die meisten Farmen in diesem Jahr okay. Mit den aktuellen Marktpreisen bzw. den Verträgen, die viele Landwirte oder Farmen hier vor Ort mit verarbeitenden Betrieben abschließen, können sie ihre Kosten decken“, so Muhle weiter.

Mit dem zehnreihigen System rodet man an einem Zehn-Stunden Tag ca. 2.500 Tonnen Kartoffeln. Es kommt natürlich auf den Ertrag in dem jeweiligen Feld oder Gebiet an. Im Durchschnitt rechnet man pro Hektar Russet Burbanks in Washington mit einem Ertrag von 90 bis 110 Tonnen.

Clay Allen ist Manager bei Allied Potatoes.

Clay Allen ist Manager bei Allied Potatoes.

Bei Allied Potatoe lädt der Truck direkt am Lagerhaus in einen Bunker mit Reinigungsstufe ab. Danach rollen die „hellen Tubes“ in die Waschanlage und Vorsortierung. Eine Mitarbeiterin kontrolliert durch Halbieren mit dem Messer die Knollen auf Krankheiten, misst den Stärkegehalt und frittiert die Kartoffeln, um die Bräunung zu bestimmen.

Die Kartoffeln werden von spanischstämmigen Frauen abgelesen und gelangen frisch vom Feld in Big Bags zu den Chipsfabriken von Lays und Ketell, in den USA sehr bekannte Marken. Der weitaus größte Anteil der Ernte von Allied Potatoe geht in die Chipsindustrie.

Die Übergrößen sortiert man ab und versendet sie in 20 kg Pappkartons direkt an die Gastronomie, die daraus „Hand Made French Fries“ für ihre Gäste zubereitet.

Zehn Reihen mit Windrower: Die erste Maschine rodet sechs Reihen, legt sie ab, die zweite nimmt diese Knollen auf, rodet vier Reihen und überlädt auf den Truck.

Zehn Reihen mit Windrower: Die erste Maschine rodet sechs Reihen, legt sie ab, die zweite nimmt diese Knollen auf, rodet vier Reihen und überlädt auf den Truck.

Allen schaut auf die Uhr, er hat gleich noch einen Termin im Supermarkt, bzw. eher davor. „Die Verbraucher wissen viel zu wenig über die Landwirtschaft und noch weniger über den Kartoffelanbau. Daher müssen die Erzeuger die Menschen über die Landwirtschaft und ihre Belange sowie den Anbau informieren, also sind wir gefordert!“

Daraus ergibt sich auch der Abschiedsgruß, den uns Allied Potatoe-Manager Allen hinterher ruft als wir in unser Auto steigen: „Good bye. And eat more chips!“


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