Beim Anflug auf den Flughafen von Clermont-Ferrand bietet sich ein beeindruckender Blick auf die 30 Kilometer lange Vulkankette mit über 100 erloschenen Vulkanen. Die Stadt selbst liegt am Fuße des 1.465 Meter hohen Vulkans Puy de Dôme. Sie liegt in der Auvergne, etwa vier Autostunden südlich von Paris.
Clermont-Ferrand ist vielen Landtechnikern als Hauptsitz des Michelin-Konzerns bekannt, der bereits 1889 dort gegründet wurde. Auch in meinem Hotel begrüßt mich in der Lobby das ikonische Michelin-Reifenmännchen als menschengroßes Modell. Die Straßenbahn hat hier nur eine Führungsschiene in der Mitte, sie fährt aber auf komfortablen Pneus.
Das Messegelände der Sommet de l'Élevage am Rand der Stadt umfasst 200.000 m², ist mit einem Kongresszentrum, zwei großen Hallen, einem Theater und mehreren Zelthallen ausgestattet, in denen vor allem die Tiere untergebracht sind. Fast 2.000 Rinder, Schafe, Ziegen und Pferde sind hier ausgestellt. Hier finden laufend, nach Rassen getrennt, Schauen mit Tierprämierungen statt.
Der größte Teil der Ausstellungsstände aus den Bereichen Landtechnik und Stalleinrichtungen befindet sich im Freien. Am Eröffnungstag war das durch den strömenden Regen zwar ein Nachteil, doch das Wetter besserte sich im Laufe des Tages. Insgesamt hätten sich die Veranstalter für die gesamte Messe besseres Wetter gewünscht. Auch in der Außenwirtschaft sind hier alle prominenten Hersteller, darunter viele deutsche, mit Ständen vertreten. Der Standbau ist einfach gehalten, Zelte schützen vor Regenschauern. Man trifft auf viele Familien, die diese Messe als festen Termin in ihrem Jahreskalender stehen haben.
Die Umsätze der französischen Landtechnikhersteller stiegen auch 2023 noch an. „Die Verkäufe von Landmaschinen legten um 3,5 % im Volumen und 11,5 % im Wert zu und erreichten mit 132.500 verkauften Geräten und 9,11 Milliarden Euro einen neuen Rekordwert“, erklärt Laurent de Buyer, Direktor von AXEMA, dem Verband der Landmaschinenhersteller. Im Jahr 2024 gehen aus den gleichen Gründen wie in Deutschland aber auch hier die Auftragseingänge zurück. Zunächst sind es die Standardtraktoren, deren Verkaufszahlen deutlich zurückgehen (-13 %), dann die Teleskoplader (-7 %), die Rundballenpressen (-12 %), die Futtererntemaschinen (-8 %), während Feldhäcksler und Hochdruckpressen nach einer sehr schlechten Saison 2023 wieder an Interesse gewinnen (+27 % bzw. +23 %). Für die Ackerbauern in Frankreich ist 2024 ein schlechtes Jahr. Die Weichweizen- und die Gerstenernte sind nach den aktuellen Schätzungen von Agreste noch schwächer ausgefallen als bislang gedacht. Das Weichweizenaufkommen wird auf 25,4 Mio. Tonnen beziffert, womit das Vorjahresergebnis um 27,6% verfehlt wurde. Gesenkt haben die Statistiker auch ihre Schätzungen für Gerste, Raps, Sonnenblumen und Zuckerrüben. Für Körnermais und Soja wurden sie leicht angehoben.

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Alle namhaften Landtechnikhersteller sind auf der Sommet präsent.
In der Herstellung und im Verkauf von Landmaschinen sind in Frankreich über 55.000 Menschen beschäftigt.
Die Sommet d'Élevage ist für viele Hersteller der Innenwirtschaft die wichtigste Fachmesse in Frankreich. „Die Bauern kommen hierher, um die Technik anfassen zu können", betont ein Aussteller. Die Messe ziehe Besucher aus einem Umkreis von bis zu vier Autostunden an. Der Zeitpunkt der Messe sei günstig gewählt: Die Maissilage sei bereits auf den meisten Höfen eingelagert, und bis zur Aussaat des Getreides bleibe noch etwas Zeit. Auch das Verkehrschaos bei der Anfahrt scheint die Besucher wenig zu stören. Die Anreise zum morgendlichen Messebeginn erfordert viel Zeit. Die zweite große Messe mit Schwerpunkt Tierhaltung ist die Space bei Rennes im Nordwesten Frankreichs. Hier gibt es auch Technik für Schweine- und Geflügelhaltung, die auf der Sommet nicht dabei ist. Beide Ausstellungen hätten, so zeigten meine Gespräche, ihre Berechtigung und Einzugsgebiete.

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Francois Bonneau, Agritubel: „Auf der Sommet treffen wir die praktischen Landwirte!“

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Gerd Mönch-Tegeder, BvL, bleibt optimistisch: „Die Landwirtschaft hat schon immer Krisen, wie auch die Tierseuchen, gemeistert!“
Die Lage der französischen Tierhalter, die im Fokus der Sommet d'Élevage stehen, ist laut den französischen Ausstellern aktuell nicht schlecht. Der Exportleiter des Unternehmens Agritubel, Francois Bonneau, berichtet, dass die Milch- und Fleischpreise in Frankreich relativ stabil sind, was den Landwirten Investitionen ermögliche. Besonders gefragt seien Ausrüstungen zur Arbeitserleichterung und Stalleinrichtungen, die sowohl Arbeitsschutz als auch das Tierwohl verbessern. Auch in Deutschland ziehe das Geschäft mit Stalleinrichtungen seit Sommer wieder an, berichtet Bonneau.
Tierseuchen sind Damoklesschwert
Über der französischen Tierzucht schwebt momentan aber das Damoklesschwert der Tierseuchen. Neben der Blauzungenkrankheit sorgt die „Epizootische hämorrhagische Krankheit“ (EHD) für Besorgnis. Beide Viruskrankheiten, die insbesondere Rinder und Schafe betreffen, sind in ihren Symptomen schwer zu unterscheiden. Hauptüberträger sind Mücken, die sich in diesem relativ feuchten Jahr gut vermehrten. Die Seuchen führen zu erheblichen Leistungseinbußen, Fieber und Fruchtbarkeitsproblemen, mit einer Mortalitätsrate von bis zu 25 % bei Schafen. Der Tierverkehr innerhalb Frankreichs sowie der Export von Zucht- und Schlachtvieh, zum Beispiel von Jungbullen nach Italien, sind bereits stark eingeschränkt. Voraussichtlich werden durch Aborte bei Schafen viele Lämmer in der Vermarktung fehlen. Aktuell laufen große Impfkampagnen in den Regionen. Für den Menschen sind beide Tierkrankheiten ungefährlich.
Auch Philippe Jolivet, Vertriebschef von Patura Frankreich, berichtet von den Herausforderungen, die die Tierseuchen für die Züchter darstellen. Mit 17 Millionen Rindern, darunter 3,2 Millionen Milchkühe, ist Frankreich einer der größten Viehzuchtmärkte in Europa. Zum Vergleich: In Deutschland gibt es rund 11 Millionen Rinder, von denen 3,8 Millionen Milchkühe sind. Besonders wichtig ist in Frankreich auch die Schafhaltung mit einer Population von 7,3 Millionen Tieren

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Die fast 2.000 Ausstellungstiere standen in großen Zelten.
Laut Jolivet wird die Zahl der französischen Tierhalter in Zukunft sinken, was langfristig die Preise stabilisieren könnte. Er kritisiert jedoch die Unzuverlässigkeit der Politik: „Es ist wie bei einem Eishockeyspiel: die Spieler auf dem Feld wechseln ständig, und man weiß gar nicht mehr, wer denn gerade an der Reihe ist."
Für die Firma Güttler, die seit zehn Jahren in Frankreich tätig ist, ist die Sommet das jährliche Messehighlight. Laurent Tonglet, Verkaufsleiter von Güttler Frankreich, bewertet die Sommet d'Élevage äußerst positiv. „Ich liebe diese Messe", sagt er und freut sich über die gute Platzierung des Unternehmens am Hauptgang. Güttler bedient in Frankreich die Zielgruppen Ackerbauern, Milchbauern und Weinbauern. Im Futterbau geriet das Thema Nachsaat in den letzten zwei Jahren aufgrund des feuchten Wetters etwas ins Hintertreffen. Im Weinbau läuft es mit dem Absatz schmaler Maschinen für die Bearbeitung zwischen den Zeilen sehr gut. Tonglet stellt im Jahr auf diversen regionalen Messen aus, um die Vorteile der Güttler Maschinen vorzustellen. Auch durch viele Vorführungen über die Jahre ist mittlerweile ein stabiles Händlernetz entstanden. Tonglet beschreibt die französischen Landwirte als etwas weniger in Technik verliebt als die deutschen. Da bedürfe es detaillierterer Argumente im Verkaufsgespräch.

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Philippe Jolivet (li.) und Bernd Alleé von Patura: „Die Zahl der Tierhalter in Frankreich wird zurückgehen!“

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Laurent Tonglet, Güttler: „Ich liebe diese Messe!“
Auch BvL, Hersteller von Futtermischtechnik, hat sich in Frankreich etabliert. 70 % der Produkte des emsländischen Unternehmens gehen in den Export, wobei Frankreich neben den Niederlanden, Großbritannien und Skandinavien zu den wichtigsten Märkten zählt. Die Einführung von Selbstladefuttermischwagen war ein großer Erfolg auf dem französischen Markt. Trotz der Herausforderungen durch neue Typgenehmigungen, die zusätzliche Bremsanlagen erfordern, blickt BvL auch vor dem Hintergrund der Seuchensituation optimistisch in die Zukunft. „Die Landwirtschaft hat schon immer Krisen gemeistert, und sie wird das auch diesmal schaffen", betont der Verkaufsleiter Gerd Mönch-Tegeder. Die Sommet d'Élevage bleibe für die Branche eine der wichtigsten Plattformen in Frankreich, um Kontakte zu knüpfen, neue Technologien zu entdecken und sich über die Zukunft der Landwirtschaft auszutauschen, so sein Fazit.
„In Anbetracht der derzeitig heiklen Marktsituation in der Landtechnik und Ausrüstung für die Tierzucht können wir uns mit 1.750 Ausstellern sehr glücklich schätzen. Alle Beteiligten sind mit der Anzahl und der Qualität der geknüpften Kontakte zufrieden“, bewertet Fabrice Berthon, Generaldirektor der Sommet de l’Élevage, die Messe.
„Wir verzeichnen ein erfolgreiches Jahr mit rekordverdächtigen Besucherzahlen: Die Anzahl unserer ausländischen Besucher ist um 20 Prozent angestiegen. Von den 6.000 internationalen Besuchern sind zwei Drittel Landwirte und Tierzüchter “, betont Benoît Delaloy, der für internationale Besucher auf der Messe zuständig ist.
Im nächsten Jahr treten die Rassen Charolais und Fleckvieh im nationalen Wettbewerb an. Vom 7. bis zum 10. Oktober 2025 läuft die nächste Ausgabe der Sommet de l’Élevage.











