Magazin Landtechnik

Smart Farming :

Prototypen gehen in Produktentwicklung

Durch die ESA gefördertes Demo-Projekt „agriloc“ abgeschlossen – Hybridmodem für Datenverbindungen auch über Satellit entwickelt – nahezu autonome absolute Positionierung der Aktoren mobiler Arbeitsmaschinen möglich – Testverfahren für beide Prototypen etabliert

Smart Farming: Prototypen gehen in Produktentwicklung

Teilnehmer des abschließenden agriloc-Workshops (v.l.n.r): (obere Reihe) Anke Freimuth, (DLR), Thomas Engel (John Deere), John Lewis (TPZV), Tony Sephton (ESA/ECSAT), Olaf Herper (TPZV), (untere Reihe) Ulrich Rubenschuh (DLG), Patrick Lewis (TPZV), Osman Kalden (TPZV), Jürgen Goldmann (DLG).

Neu entwickeltes hybrides Modem der Telespazio VEGA.

Neu entwickeltes hybrides Modem der Telespazio VEGA.

Neue Testverfahren für Internet über Satellit, ein satellitengesteuertes Lenksystem für Traktoren und ein hybrides Mobilfunk-/Satelliten-Modem – dies sind die Ergebnisse des im Juni abgeschlossenen Demo-Projekts „agriloc“. Die Prototypen gehen nun in die Produktentwicklung. Die Projektpartner DLG, John Deere und Telespazio VEGA Deutschland sehen damit das Ziel des Projekts nach eigenen Angaben mehr als erfüllt.

Das Raumfahrtunternehmen Telespazio VEGA Deutschland entwickelte innerhalb von „agriloc“ eine Lösung für die teils schwache oder fehlende Internetabdeckung auf dem Land – die Grundvoraussetzung für präzise Landwirtschaft ist. Das Ergebnis ist ein hybrides Modem, welches Daten sowohl über Mobilfunk als auch über Satellit senden und empfangen kann. Dieses Modem soll in Zukunft fest in landwirtschaftlichen Fahrzeugen eingebaut werden, ältere Fahrzeuge können nachrüstet werden.

Der Landmaschinenhersteller John Deere forschte an einem Steuerungssystem für Traktoren und deren Arbeitsgeräte, das eine höchstpräzise, automatisierte bzw. nahezu autonome absolute Positionierung der Aktoren der mobilen Arbeitsmaschine ermöglicht. Dadurch können Landwirte zentimetergenau säen, düngen oder bewässern und sparen so Zeit und Produktionskosten ein. Die neue hochpräzise Positioniertechnik soll zukünftig auch auf Feldspritzgeräten eingesetzt werden. Dadurch wird der chemische Pflanzenschutz optimiert; d.h., der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln wird minimiert und Abstände zu Schutzzonen werden genau eingehalten.

Das Testzentrum der DLG (Deutsche Landwirtschafts-Gesellschaft) entwickelte für beide Prototypen neue Testverfahren. Erste Kunden haben diese bereits in Anspruch genommen. Die Testberichte stehen kostenlos im Internet unter www.dlg.org/de/landwirtschaft/tests zur Verfügung.

Osman Kalden, Projektleiter von „agriloc“, ist mit der Kooperation sehr zufrieden: „Nach vier Jahren können wir konkrete Ergebnisse vorweisen, die die Ziele von agriloc übertreffen. Was ursprünglich als Demo-Projekt begann, ging über den Prototypen-Status hinaus und trifft heute auf hochaktuelle Themen, die die Landwirtschaft beschäftigen: Smart Farming, Digitalisierung, Breitbandausbau. Wir sind sehr stolz, dass unsere Ergebnisse zur Lösung dieser Debatten beitragen können; und dankbar für die Förderung des Projekts durch die Europäische Raumfahrtagentur und das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt: Ohne agriloc wären diese Technologien heute noch nicht entwickelt.“

Über agriloc

Innerhalb des Projekts „agriloc“ wurden neue Technologien zur zentimetergenauen Bewirtschaftung landwirtschaftlicher Flächen entwickelt. Satellitennavigation und hochpräzise Korrekturdaten sind hier der Schlüssel: Sie eröffnen der Präzisionslandwirtschaft neue Möglichkeiten für das Säen, Behandeln und Ernten einzelner Pflanzen. Dies setzt eine permanente Anbindung an Internetdienste und Korrektursignale voraus, ebenso ein automatisiertes Lenksystem.

agriloc ist ein Demo-Projekt, das über das ESA Integrated Applications Promotion (ARTES 20) Programm gefördert wurde. artes-apps.esa.int


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