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SIP :

Grünlandtechnik geht in die Breite

Slowenischer Landmaschinenhersteller gehört zu den erfolgreichen Privatisierungen ehemals jugoslawischer Staatsbetriebe – Mähwerk erzielte im Test Bestnoten – Vertrieb in Deutschland wird klar strukturiert

SIP: Grünlandtechnik geht in die Breite

Das Silvercut Mähwerk mit 14,55 m Arbeitsbreite.

Das SIP Werk in Slowien. Das Unternehmen erzielte im letzten Jahr 26 Mio. Euro Umsatz.

Das SIP Werk in Slowien. Das Unternehmen erzielte im letzten Jahr 26 Mio. Euro Umsatz.

Die AGCO-Akquise der Futtererntetechniksparte von Lely, der Kauf von Kongskilde durch CNH sowie die Trennung von Kverneland und Same Deutz-Fahr im Vertrieb lassen aktuell einige Händler in Europa ihre Bezugsquellen in der Futterernte neu überdenken – eine gute Chance für den Futter-erntespezialisten SIP aus Slowenien.

Deutschland stehe auf der Liste der SIP-Exportländer sehr weit vorn, der Maschinenabsatz habe noch viel Luft nach oben, erläutert Andrei Cosovici. Der 42-Jährige ist Verkaufs- und Marketingdirektor bei SIP. Sein Unternehmen baut Maschinen für die Futterernte und ist der größte Landmaschinenhersteller in Slowenien. SIP ist dabei, die Deutschlandkarte mit professionellen Vertriebspartnern, die im Aftersales versiert sind, zu besetzen. Zu diesen gehören bereits im Nordwesten die Firma Burdorf bei Osnabrück, im Süden die Firma Eder und in den neuen Ländern die Firma Götz. In der Ersatzteilversorgung der deutschen Händler arbeitet SIP mit der Firma Schaffelhuber in München zusammen.

In der Vergangenheit lief die deutsche Vertriebsorganisation nicht immer so, wie von SIP gewünscht. Das habe bei dem einen oder anderen Händler und Kunden für Verdruss gesorgt, so Cosovici selbstkritisch. Mit der Neuorganisation sei SIP jetzt auf einem guten Weg, professionelle Strukturen zu schaffen.

In den hellen Büros des modern gestalteten SIP-Verwaltungsgebäudes hört man viele Sprachen. 20 Prozent der 26 Mio. Euro Umsatz erzielt man im Heimatmarkt Slowenien, 80 Prozent gehen über die Landesgrenzen hinaus. Zu den größten Exportländern zählen die nahegelegenen Alpenländer Österreich und Schweiz, die zusammen mit dem ebenfalls wichtigen Markt Neuseeland rund ein Fünftel der Verkäufe bestreiten. Die USA, Italien, Tschechien, Irland und Deutschland bringen es zusammen ebenfalls auf 20 Prozent. Aktuell sind die Slowenen in Frankreich und Polen intensiv im Aufbau ihrer Handelsorganisation engagiert. Hier konnte SIP vor kurzem einige leitende Vertriebsmitarbeiter vom Wettbewerb für sich gewinnen.

Lana Gruncic Krajne und Michael Miheljak verantworten das SIP Marketing.

Lana Gruncic Krajne und Michael Miheljak verantworten das SIP Marketing.

Die SIP-Schwader Serie mit flexibler Pick-up, System Reiter.

Die SIP-Schwader Serie mit flexibler Pick-up, System Reiter.

 

Vertriebschef Cosovici – er arbeitet seit über 20 Jahren bei SIP – erläutert, wie man die Marktpräsenz in den Zielländern verstärken will. Der erste Schritt ist, engagierte und professionelle Händler zu gewinnen, diese intensiv zu schulen und sie durch Vorführgeräte und Präsenz auf Messen zu unterstützen. Für Deutschland übernimmt dies Benjamin Zgank. Der junge Mann spricht sehr gut deutsch und kennt alle deutschen SIP-Vertriebspartner persönlich.

Seit meinem letzten Besuch bei SIP im Jahr 2006 hat sich die Produktpalette deutlich verändert. Damals stand die kleinere Technik beim Mähen, Zetten und Schwaden im Mittelpunkt, denn die slowenische Landwirtschaft ist eher kleinstrukturiert mit durchschnittlichen Betriebsgrößen von sieben Hektar. 60 Prozent des Landes ist hügelig bis bergig.

Kreiselschwader Star mit 12,50 m Arbeitsbreite.

Kreiselschwader Star mit 12,50 m Arbeitsbreite.

Das Heckmähwerk Disc S Alp.

Das Heckmähwerk Disc S Alp.

 

Um in wichtigen Exportmärkten besser Fuß zu fassen, bauten die Slowenen ihre Maschinenarbeitsbreiten aus. Das Segment Scheibenmäher – von Trommelmähern hat man sich komplett verabschiedet – deckt man von 2,16 bis 14,55 m ab. Kreiselzetter beginnen bei 3,4 und reichen jetzt bis 14,8 m.

Der aktuell größte Schwader hat eine Arbeitsbreite von 12,5 Metern. „Wir bauen Technik sowohl für den klein strukturierten Landwirt in den alpinen Regionen, wie auch für den Großbetrieb und Lohnunternehmer“, erläutert Mihael Miheljak das Portfolio beim Werkrundgang. Die hohe Fertigungstiefe ist beeindruckend, fast alle Metallarbeiten macht man hier selbst. Das Werk mit sieben Montagelinien platzt bei meinem Besuch im Frühjahr fast aus allen Nähten. Die 170 Werker haben reichlich Arbeit, die Produktion ist, wie Lana Gruncic Krajnc vom Marketing verrät, bis Oktober 2018 bereits ausverkauft.

Die Maschinen erhalten eine hochwertige KTL- und Pulverbeschichtung und tragen seit der Modernisierung des SIP-Markenauftritts im Jahr 2013 statt rot/gelb jetzt rot mit einem schwarzem Schutztuch. Dass die Technik den Vergleich mit den Platzhirschen nicht zu scheuen braucht, zeigte z. B. ein Test der BLT-Wieselburg in Österreich. Das SIP Mähwerk Disc 260 F ALP erzielte in der Arbeitsqualität und Handhabung Bestnoten im Vergleich mit den Marktführern.

Härtetests in Irland

Die Entwicklungsabteilung setzt die Geräte auch unter den herausfordernden Bedingungen in Irland und Neuseeland ein. Die Wiesen in Irland sind für ihre Steine und das schwere Gras berüchtigt. „In Neuseeland nutzen die Farmer unsere Scheibenmäher auch zum Ausmähen ihrer Viehweiden. Das fordert das Material schon extrem“, so Frau Gruncic Krajnc. SIP gewährt auf seine Maschinen zwei Jahre Garantie. Die Garantiekosten liegen gerade mal bei 0,5 Prozent vom Umsatz, berichtet Miheljak stolz.

Technischen Neuerungen ist das Unternehmen aufgeschlossen: Zur Agritechnica 2017 präsentierte man den Pick-up-Bandschwader namens SIP Air. Dafür produziert man die flexible Pick-up in Lizenz der österreichischen Firma Reiter. Das Besondere dieses Systems ist die Kombination aus flexibler Pick-up mit kleinem Durchmesser und Fingerrotor. Als gemeinsame Entwicklung von SIP und Reiter entstand eine gezogene Variante der SIP Air mit 4,95 m Arbeitsbreite und ein Frontgerät mit 3,45 m. Dies soll für besonders sauberes Futter sorgen. Eine pfiffige Sicherung verhindert den Zinkenverlust. „Wir sehen im SIP Air System eine strategische Investition, von der wir uns zukünftig viel versprechen“, ist Cosovici überzeugt.

In den Jahren 2008 bis 2017 sind 15 Mio. Euro an Investitionen in das Unternehmen geflossen, gut ein Drittel davon in Forschung und Entwicklung. Ein Neubau auf dem acht Hektar großen Grundstück nahe der Autobahn Ljubljana-Maribor ist in Planung. Seit 2007 ist der ehemalige Staatsbetrieb komplett in Privatbesitz. Ein Gesellschafter ist der SIP- CEO und President Uroš Korže. SIP gehöre, so erklärt Miheljak, zu den erfolgreichen Beispielen von privatisierten Unternehmen in Slowenien.

Der Grünlandtechnikhersteller will auf den regionalen Landwirtschaftsmessen und Feldtagen in Deutschland Präsenz zeigen. Die Prospekte und eine moderne auch deutschsprachige Internetseite mit App zeigen die Professionalität mit der man das Business angeht. Gruncic Krajnc und Mihael Miheljak starten gerade die Vorbereitungen für das große internationale Händlermeeting bei SIP im Herbst. Dazu erwartet man im September über 300 Vertriebspartner aus allen Teilen der Welt.


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