Magazin Reifen & Räder

Reifen 5.0 :

Reifendaten auf breiter Basis vernetzen

Die Hersteller rüsten mit Sensoren und Druckluftregelanlagen ihre Reifen für den vielseitigen Einsatz. Unser Fachautor Werner Flebbe beschreibt die technische Entwicklung und Produktneuheiten der letzten Agritechnica.

Reifen 5.0: Reifendaten auf breiter Basis vernetzen

BKT Plexiglas-Gespann mit VF 600/55 R 22.5 V-FLEXA auf den Trailerachsen.

BKT 600/50 R 22.5 Performer mit 100 km/h-Freigabe für Agrotrucks.

BKT 600/50 R 22.5 Performer mit 100 km/h-Freigabe für Agrotrucks.

Die letzte Agritechnica zeigte, dass in der intensiven, hochentwickelten Landwirtschaft die nachhaltige Schonung der Umwelt durch intelligente Verknüpfung von Komponenten durchaus realisierbar ist. Auch der Einsatz von schlagkräftigeren, den Einsatzbedingungen optimal angepassten Maschinen und Geräten trägt dazu bei.

Entwicklungsrichtungen für nachhaltige, künftige Technologie vermittelten die Traktorstudien. Dazu präsentierte Massey-Ferguson die Studie „MF Next Concept“, ein weißer, futuristisch gestylter Traktor, der bei seinem Äußeren Anleihen bei der Raumfahrt nahm. Der MF NEXT soll als intelligent vernetzter Traktor unter Einsatz von neuen Materialien einen Beitrag zur nachhaltigen Bewirtschaftung und einer besseren CO2-Bilanz leisten. Dazu tragen die weißen Reifen von Trelleborg bei. Für die Größen, an der Hinterachse (HA) ein VF 710/70 R 42 bzw. an der Vorderachse (VA) ein VF 600/70 R 30, wird weißes, rußfreies, rollwiderstandsarmes Material eingesetzt, das den Treibstoffverbrauch senkt. Ferner ist der Traktor mit speziellen leichten Felgen und dem CTIS+ Druckregelsystem von Trelleborg ausgerüstet, das in das Smart Farming-System eingebunden ist.

Die Steyr-Traktor-Studie präsentierte das Konzept Plug-in-Hybridantrieb. Die Batterie hat zwei Lademöglichkeiten: entweder durch externen Stromanschluss oder fahrzeugintern durch Verbrennungsmotor mit Generator. Der Antrieb erfolgt durch vier Elektroradnarbenmotoren. Die Studie beinhaltet die Einbindung in ein Smart-Farming-System. Der Traktor steht auf Michelin Evobib-Reifen der Größen VF 710/70 R 42 an der Hinterachse bzw. VF 600/70 R 30 an der Vorderachse. Die Reifenausführung ist prädestiniert für Druckregelung, da sie bei Druckänderung ihre Aufstandsbreite gravierend ändert und sich so dem Einsatz auf dem Acker bzw. der Straße optimal anpasst. Das Druckregelsystem Zen@Terra von Michelin ist speziell auf diese Reifenreihe abgestimmt.

Reifen, vernetzt und „intelligent“

Eine wesentliche Komponente für die Effizienzsteigerung der Maschinen sind Reifen. Sie haben aufgrund ihrer hohen Anpassungsfähigkeit an Einsatzbedingungen ein großes Optimierungspotential und dadurch Einfluss auf Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit. In den vergangenen Jahren waren die reifenbezogenen Systeme noch als unzureichend mit dem Smart Farming verbundene Insellösungen aufgetaucht. Das hat sich jetzt durch die Entwicklung integrierbarer Reifendruckregelsysteme (DRS) geändert. Durch die zunehmende Verbreitung von Smart Farming Systemen ergeben sich vermehrt Möglichkeiten, die Reifen über DRS einzubinden.

New Holland T4 mit PneuTrac für Sonderkulturen.

New Holland T4 mit PneuTrac für Sonderkulturen.

Das DRS von Trelleborg CTIS+ von der Radinnenseite betrachtet.

Das DRS von Trelleborg CTIS+ von der Radinnenseite betrachtet.

Neue Reifendruckregelsysteme

Die DRS erfassen und speichern die einsatzbedingten Daten, berechnen daraus den erforderlichen Reifendruck und regeln ihn entsprechend. Dazu verfügt das DRS neben der Druckregelanlage (DRA) auch über ein Modul für die Berechnung des einsatzabhängigen, bodenschonenden und effizienzsteigernden, „punktgenauen“ Reifendruckes. Die Speicherung und einfache Abrufbarkeit dieser Daten bei wiederholten Einsätzen macht die DRS benutzerfreundlich. Bei Integration in Smart-Farming-Systeme kann damit das Potential der Reifen unter allen Einsatzbedingungen auf dem Feld und der Straße voll ausgenutzt werden. Bei den DRS liegt heute der Schwerpunkt auf Bodenschonung, ökonomischem Maschinen- bzw. Flotten-Management sowie Kostenreduzierung durch gezielte Feldbearbeitung. Solche DRS wurden von Michelin und Trelleborg vorgestellt. Auf dem Wege zu DRS sind auch die Systeme von Continental oder Nokian bzw. TerraCare (eine Gemeinschaftsentwicklung vom Thünen-Institut mit Grasdorf und Steyr), die jedoch noch ausgebaut werden müssen.

Intelligente Reifen

Ein wesentlicher Faktor für die Druckoptimierung ist die Erfassung des Reifenzustandes während des Betriebs. Die Reifendaten werden während des Einsatzes von Sensoren ermittelt. Diese sitzen entweder außerhalb des Reifens und befinden sich z.B. an der Felge, im Ventil oder aber die Sensoren sind im oder am Reifen ein- oder auf-vulkanisiert. Diese mit Sensoren bestückten sogenannten intelligenten Reifen können je nach Ausführung noch weitere Daten erfassen, die relevant sind für die Belastbarkeit von Reifen und Boden. Continentals neuer VF Traktorreifen ist mit einem Sensor ausgerüstet und wurde auf dem Stand präsentiert. Auch Trelleborg hatte einen intelligenten Reifen bei seiner VIP-DRA eingesetzt. Nokian berichtete von seinem Reifen im Zusammenhang mit seinem Druckmonitoringsystem. TerraCare sprach vom intelligenten Rad.

Effizienzsteigerung durch neue Reifenausführungen

Die neuen Reifen bieten mehr Leistungspotential hinsichtlich Tragfähigkeit, Druckreduzierung oder durch Spezialisierung für bestimmte Einsatzsegmente (manchmal auch längere Garantiezeiten). Der Trend geht zu größeren Abmessungen (insbesondere Außendurchmesser), Auflastung durch VF- oder IF-Klassifikation, höheren Geschwindigkeiten und speziellen Produkten mit neuartigen Profilen und einem einsatzspezifischen Reifenaufbau. Die maximalen Reifen-Durchmesser stiegen über 2,15 m auf 2,30 m und das nächste Hoch ist angepeilt mit 2,50 m.

Alle Maschinen vom Traktor bis zum Rübenroder standen im Regelfall auf Reifen und waren häufig mit DRA ausgerüstet. Daneben waren an besonders schweren und leistungsstarken Maschinen für den Einsatz auf weichen Böden alle Arten von Traktion zu finden. Das reichte von gemischten Ausrüstungen mit Reifen an der Vorderachse und Laufwerk an der Hinterachse, bis hin zu reinen Raupen-Schleppern mit Raupen an Vorder- und Hinterachse oder Einzelraupe. Bei den Raupen waren flachbauende, hochbauende und schmale vertreten.

Bodenschonung bei Serienmaschinen durch DRA/DRS

Druckregelanlagen (DRA) waren bei allen führenden Marken zu finden, ob es sich auch um Druckregelsysteme (DRS) handelte, war nicht immer klar ersichtlich.

So präsentierte Claas seinen 150.000 Traktor, einen Axion 870 mit DRA und TRAXIONxxl 710/70 R42 an der Hinterachse bzw. 600/70 R30 an der Vorderachse. Der vernetzte Steyr 6200 mit TM1000 in IF 710/75 R42 bzw. IF 650/60 R34 war mit der DRA von TerraCare ausgerüstet. Der Smart Farming NewHolland T7 stand auf EVOBIB und war mit dem DRS Zen@Terra von Michelin/PTG ausgestattet.

Bei den 60 km/h-Traktoren wurde Bodenschonung mit konzipiert, so wie z. B. am Fendt Vario 942. Dieser war mit DRA an allen Rädern und mit VF-Reifen TM 1060 VF 710/70 R 44 VF 650/60 R 38 ausgerüstet. Der Valtra N174D für 60 km/h stand auf XeoBib VF710/60 R 38 und VF 600/60 R 28. VF-Reifen erlauben den Einsatz von niedrigen Luftdrücken auf dem Feld und der Straße. Ihr Potential kann jedoch mit einer Druckregelanlage besser ausgenutzt werden. Eine Ausstattung fällt jedoch aus den Kategorien Reifen/Laufwerk heraus: die optionale PneuTrac-„Bereifung“ des New Holland Weinbau-Traktors T4 mit VF 480 R 28 und VF 280/70 R 18. PneuTrac ist ein Mittelding zwischen Reifen und Laufband.

Auch bei den Traktoren gab es eine Besonderheit: den von MAN als Traktor bezeichneten Agro-Truck, einen Allrad-getriebenen Lkw mit der neuen Alliance-Bereifung HA 600/50 R 22.5 MPT und VA 445/65 R 22.5 MPT. Diese Reifen können mit gravierend abgesenktem Luftdruck (ab 0,8 bar) gefahren werden.

Mähdrescher mit höchsten Achslasten und für Einsatz auf weichen Böden waren, wie üblich, an der Treibachse mit Laufwerken ausgerüstet und an der Lenkachse mit Reifen. So der Claas Lexion 8900 mit flach bauendem Laufwerk vorne und Reifen mit DRA hinten bzw. der Fendt IDEAL 9T oder John Deere X9 beide mit hochbauenden Laufwerken vorne und Reifen hinten.

Die rundum bereiften großen Mähdrescher bzw. Häcksler standen auf 42“-Reifen an der Treibachse. Durch den größeren Außendurchmesser und die höhere Tragfähigkeit als die herkömmlichen 32“ und 38“ Reifen besitzen sie damit bei gleichem Luftdruck ein Auflastungs- bzw. bei gleicher Last ein Bodenschonungs-Potential. Einige Maschinen waren an der Hinterachse mit DRA ausgerüstet. Auf 42“ standen beispielsweise der Claas Lexion 7700 mit SFT 800/70 R 42 CHO und 620/70 R 30 IMP mit DRA an der Hinterachse, der New Holland CR9 mit VF 710/70 R 42 CFO HC 3000 oder der Krone Häcksler BIG X 680 mit SFT 900/60 R 42.

Hangmähdrescher waren wie üblich ringsum bereift, um die hohen Hangabdriftkräfte aufzunehmen, zu sehen am Claas Tucano 430 Montana mit SFT 800/70 R 32 an der Vorder- und 500/70 R 24 an der Hinterachse.

Auch selbstfahrende Feldspritzen waren mit DRA ausgerüstet wie der 50 km/h Dammann DT 2800H mit DRA von PTG und Reifen VF 520/85 R42 HC 2000. DRA waren auch an Güllewagen zu finden wie bei Joskin 18000 DXT, der auf 900/65 R 32 FlotationTrac stand, mit ISOBUS-Ausrüstung wie bei Briri. Die großen Trailer wiesen ein Gesamtgewicht bis zu 31 t bei Dreiachsern bzw. 21 t bei Zweiachsern auf und waren häufig mit 750/60 R 30.5 Flotationreifen ausgerüstet. Viele Sonderfahrzeuge besaßen eine DRA wie z. B. der Geräteträger von Vredo. Der Umladewagen von Fliegl, der auf flachbauenden Laufwerken stand, war eine Ausnahme.

Die Reifenwelt sortiert sich neu

Die Reifenwelt war auf der Agritechnica insofern wieder in Ordnung, weil praktisch alle relevanten Marken anwesend waren. Das Spektrum reichte von den großen bzw. traditionsreichen über die gut etablierten Marken bis zu denen des Markteintrittssegmentes, die dabei sind, im Markt Fuß zu fassen. Fast alle Hersteller bzw. Importeure waren mit eigenem Stand vertreten.

Aber neben der klassischen Einteilung in Premium, Quality, Budget und Subbudget haben sich zwei weitere Kriterien herausgeschält: 1. Die Vernetzbarkeit der Produkte mit dem Smart-Farming 2. Der Angebotsumfang eines Full-Liners, der das gesamte Spektrum der Traktion (Reifen und Laufwerke) abdeckt.

Derartige vernetztbare Reifen-Systeme wurden in unterschiedlicher Ausprägung von Michelin, Trelleborg und ansatzweise von Continental präsentiert, Druckmonitoringsysteme bei Nokian und von TerraCare. Der Trend zum Full-Liner ist bei den drei großen Marken am ausgeprägtesten.

Bei der Bereifung von imageträchtigen Maschinen sind offenbar Michelin und Trelleborg erste Wahl. Die beiden Premium-Marken waren auch diesmal wieder dort am häufigsten vertreten. Recht oft war jedoch auch Mitas zu sehen.

Alliance präsentierte seine Agriflex+-VF Reifen 389, 372 und 354.

Alliance präsentierte seine Agriflex+-VF Reifen 389, 372 und 354.

Mitas Reifen auf dem Messestand in Hannover.

Mitas Reifen auf dem Messestand in Hannover.

Premium – Michelin ist vernetzbarer Full-Liner

Durch Übernahmen in 2017/18 hat sich Michelin zum Full-Liner entwickelt. Die neuste Akquisition ist der Laufwerkanbieter Camso, der Ende 2018 übernommen wurde. Davor war PTG in die Michelin-Gruppe integriert worden. Zusammen mit den Reifen und dem Druckmanagementsystem bietet Michelin damit ein umfassendes Portfolio für alle Einsätze von Off-Road-Traktionssystemen und deren Vernetzungsmöglichkeiten im Smart-Farming.

Auf dem Michelin-Stand wurden sowohl Michelin-Reifen und das Michelin Druckregelsystem (DRS) Zen@Terra als auch Camso Laufwerke ausgestellt, und auf dem benachbarten PTG-Stand die Reifendruckregelanlage (DRA) von PTG, die Bestandteil von Zen@Terra ist.

Bei den Reifen wurde als Neuheit der ROADBIB in der Größe 710/70 R 42 gezeigt, ein Reifen für On- und Off-Road-Einsätze mit hohem Off-Road-Anteil, der auch in der Größe 600/70 R 30 für die Vorderachse erhältlich ist. Daneben wurde der AXIOBIB 2 in der Dimension VF 710/70 R42 ausgestellt sowie anhand einer transparenten Traktorsilhouette ein Funktionsschema von Zen@Terra.

Das RDS Zen@Terra ist bislang nur auf EVOBIB-Reifen ausgerichtet. Es ermöglicht mit wenigen Klicks während der Fahrt den Reifendruck den Einsatzbedingungen anzupassen. Dazu sind die Daten für die jeweiligen vorhandenen Traktoren sowie die möglichen Anhänge- oder Anbaugeräte und Reifengrößen für die verschiedenen Einsatzfälle im RDS gespeichert. Es können bis zu 30 Kombinationen aufgenommen werden. Nach Auswahl der Kombination für den Einsatzfall, z.B. Straßenfahrt mit einem bestimmten Anbaugerät, wird automatisch der Luftdruck des Reifens in kurzer Zeit angepasst.

Für alle anderen Reifen bietet Michelin kostenlos die Nutzung des Programmpaketes „AgroPressure by Michelin“ an. Mit dem Programm können in Abhängigkeit von den Einsatzbedingungen wie Traktor, Reifenausführung, Arbeitsgerät, Boden, Geschwindigkeit, der optimale Luftdruck und der damit verbundene Bodendruck ermittelt werden. Solche Einsatzfälle können dann auch gespeichert und abgerufen werden.

Trelleborg auf dem Weg zum vernetzbaren Full-Liner

Das Produktportfolio von Trelleborg weist eine einzige Lücke zum Full-Liner auf: das Angebot von Laufwerken. Auf dem Trelleborg-Stand war das Hauptaugenmerk auf das Druckregelsystem (DRS) „CTIS+“ gerichtet. An einer Traktorsilhouette aus Plexiglas wurden die Systemkomponenten dargestellt. Herzstücke sind der Trelleborg Last Calculator (TLC) und eine neue Druckregelanlage, deren Leitungen und Regelventile auf der dem Traktor zugewandten Seite der Räder liegen. Das CTIS+ ermöglicht den Reifendruck von der Fahrer-Kabine aus zu regeln. Dabei wird der optimale Druck für den Einsatzfall vom TLC berechnet. Das CTSI+ kann in Smart Farming-Systeme eingebunden werden.

Eine künftige Weiterentwicklung soll das Trelleborg VIP, eine autarke Druckregelanlage, mit in das DRS integrieren können. Aufgrund zusätzlicher Messdaten wie Reifentemperatur, -einfederung und -schlupf regelt das VIP-System autonom den optimalen Druck. Ein solches System würde dann im Prinzip universell für alle Reifen einsetzbar sein, dürfte aber recht teuer werden.

Bei den Reifen standen der TM 1060 in der Ausführung VF 710/75 R 44 im Mittelpunkt, sowie der TM 1000 Progressive Traction, der in der Version VF 600/70 R 30 mit in die CTIS+ Systemdarstellung integriert war.

Ein weiterer Schwerpunkt war der PneuTrac in der Göße VF 480/65 R 28, ein Mittelding aus Reifen und Laufband, der besonders für den Einsatz in Weinbergen und Obstplantagen geeignet ist, da er bei geringer Aufstandsbreite eine hohe Traktion und Seitensteifigkeit aufweist. Der NewHolland T4 Weinbergtraktor war damit ausgerüstet. Als Beitrag für die CO2-Reduzierung und Bodenschonung hat Trelleborg für die MF Traktorstudie weiße, rollwiderstandreduzierte Reifen mit rußfreien Mischungen gebaut.

Besonders für große Maschinen und Reifen stellte Trelleborg seine neue TW-Felgenkontur vor, die eine leichtere Montage und besseren Wulstsitz ermöglichen soll.

Innovatives Mittelfeld

Continental ist seit zwei Jahren wieder am Landwirtschaftsreifenmarkt. Das Reifen-Portfolio ist noch im Ausbau. Die Marktakzeptanz ist daher noch nicht sichtbar, aber dafür der Wille in Zukunft zu den Key-Playern zu gehören.

Bei den Reifen stand der neue „TractorMaster H“ in der Größe VF 710/70 R 42 im Fokus. Dieser als Hybridreifen bezeichnete VF-Reifen zeichnet sich aus durch einen integrierten Drucksensor und ein neues Profildesign, das auch für einen Einsatz auf der Straße günstig gestaltet wurde.

ContiConnect verbindet die Reifensensoren mit dem Display in der Fahrerkabine. Das System hat sich laut Conti bereits bei EM-Reifen bewährt. Die gesamte Agro-Reifenpalette umfasst jetzt über 100 Dimensionen.

Alliance MPT erschließt neue Einsatzfelder

Alliance Tire Group (ATG), der zu Yokohama gehörende Flotation-Spezialist, hatte sich auf spezielle Einsatzsegmente fokussiert: Agrotruck, Weinbau/Obstplantage und Forst, mit einer Vielzahl an Neuerungen.

Im Mittelpunkt der Messe stand der MPT-Reifen Alliance 398 in der Größe 600/50 R 22.5. Dieser Ganzstahl-Reifen (Karkasse- und Gürtel-Festigkeitsträger aus Stahlcord) ist der erste Landwirtschafts-MPT-Reifen, der bis 100 km/h zugelassen ist und Flotation-Eigenschaften besitzt. Der 398 kann mit Luftdruck von 0,8 bar auf dem Feld und mit bis zu 6,5 bar auf der Straße gefahren werden. Das ermöglicht den Direkttransport ohne Umladewagen. Die momentan verfügbaren Größen waren am MAN Agrotruck zu sehen.

Der Alliance 398 erhielt auf der Agritechnica eine Silbermedaille, die einzige Medaille, die 2019 einem Reifen verliehen wurde. Mit dem Flotation-Reifen 389 Agriflex+ VF 800/60 R 32 hat Alliance einen VF-Flotation-Reifen im Angebot, der gravierend abgesenkte Luftdrücke ermöglicht.

Darüber hinaus wertet Alliance im Rahmen der Umstellung von IF auf VF auch die anderen Agriflex+-Reihen auf. Ausgestellt waren der Traktionsreifen 372 in VF 710/60 R 30 und der Pflegereifen 354 in 380/90 R 54.

Daneben wurde die neue Linie 579 präsentiert, ein Radialreifen für Rasen-, Weinbau- und Obstplantagen-Einsatz. Im Forstsegment wurde der Forestar 344 ELIT ausgestellt, der laut Alliance erste Niederdruck-Forstreifen weltweit, der Druckabsenkungen um bis zu 3 bar gegenüber Standardreifen ermöglicht. Ergänzend wurde der neue Forstreifen 644 ausgestellt.

BKT mit neuem VF-Flotation

Schwerpunkt auf dem BKT-Stand bildete ein dreiachsiger Trailer aus Plexiglas, der den bekannten Plexiglas-Traktor ergänzte. Ein eindrucksvolles Gespann für die Präsentation von Reifen.

BKT stellte drei neue Linien vor: Die neue Linie V-Flexa, ein VF Flotationreifen, wurde in der Größe VF 600/50 R 26.5 an einem Trailer präsentiert. Der Reifen besitzt zusätzlich drei Stahlcord-Gürtellagen für eine erhöhte Verletzungssicherheit. Durch den 30 % niedrigeren Luftdruck gegenüber Standardreifen (bei gleicher Last) wird damit der Bodendruck entsprechend reduziert. Dadurch kann das gesamte Gespann mit VF Reifen ausgerüstet werden und der Boden geschont werden.

Mit dem neuen FL 633 Performer in der Größe 600/50 R 22.5 wurde eine Agrotruck-Linie vorgestellt, die bis 100 km/h zugelassen ist. Dieser Reifen soll ein besseres Befahren des Feldes ermöglichen.

Besonders für den Einsatz an Trailern mit hohem Anteil Straßenfahrten hat BKT den neuen Ridemax FL 699 entwickelt. Der Ganzstahl-Reifen wurde in der Größe 24 R 20.5 präsentiert. Der bekannte Traktionsreifen V-Flecto, ein VF Reifen mit Stahlcord-Gürtel, war in der Größe VF600/60 R 38 auf dem Plexiglas-Traktor montiert. BKTs größter Traktorreifen, der IF 750/75 R 46, war auf dem Stand von Bohnenkamp ausgestellt. BKT stellte als einen weiteren Schwerpunkt seine gesellschaftlichen Aktivitäten heraus. Das sind sowohl soziale Projekte in Indien als auch darüber hinaus das Fußballspielen. Dazu traten bekannte Fußballspieler auf dem Stand auf und zeigten ihr Können. Mittlerweile verschenkte BKT mehr als 500.000 Fußbälle. Aus diesem Anlass gab es auf der Agritechnica 600 „goldene“ Bälle zu gewinnen.

Nokian Ground King am Valtra auf dem Nokian Stand.

Nokian Ground King am Valtra auf dem Nokian Stand.

CEAT Stand: Das indische Unternehmen bietet sieben Jahre Garantie.

CEAT Stand: Das indische Unternehmen bietet sieben Jahre Garantie.

Bridgestone setzt auf VX, Firestone auf Performer Extra

Bridgestone gab auf seinem Stand einen Überblick über die Komponenten, die der Hersteller in seinem Angebot für die Landtechnik hat. Das umfasste neben den Reifen der Marken Bridgestone und Firestone auch Bridgestone-Laufwerkbänder.

Auf dem Gemeinschaftsstand lag der Schwerpunkt auf der Bridgestone VX Tractor-Linie. An dem ausgestellten Reifen 650/65 R 42 wurden die Merkmale herausgehoben, die für die Leistungsfähigkeit charakteristisch sind, wie besonders die Stollenform.

Daneben war die Line VT Tractor ausgestellt. Dieser Reifen mit VF-Klassifizierung besitzt für einige Größen die NRO-Zusatzkennung, die die Montage auf einer schmaleren Felge zulässt als für VF-Reifen genormt, so beim VF 650/65 R 42 NRO.

Die Firestone Performer-Linien stehen vor der Ablösung durch den „Performer Extra“. Von diesem Nachfolger wurde die Größe 340/85 R 24 gezeigt. Weitere Dimensionen folgen in diesem Jahr. Zu den Maxi Traction /Maxi Traction IF-Reihen kam neu die Maxi 65-Reihe hinzu.

Goodyear kehrt zurück

Nach fünfjähriger Abwesenheit will Goodyear wieder auf dem europäischen Markt Fuß fassen. Dazu hat die zur amerikanischen Titan gehörende Marke die entsprechenden Markenrechte erworben. Das Produktportfolio ist auf die Marktanforderungen abgestimmt und überarbeitet worden.

Die Traktionsradialreifen „Optitrac“ in 65-, 70- und 85- sowie XL-Version, meistens als 65 km/h-Reifen in VF-Ausführung, sollen wieder den Markt erobern, zusammen mit der Sprayer-Linie „Ultra Sprayer“, die es in IF-Version gibt.

Als Spezialität bietet Goodyear den LSW-Reifen an, der auf Spezialfelgen montiert wird und auf der Fahrzeugaußenseite einen anderen Felgen-Durchmesser besitzt als auf der Innenseite. Alle Reifen werden derzeit in den USA von Titan gefertigt.

Mitas mit VF Mähdrescher-Reifen

Mitas gehört zur Trelleborg-Gruppe und teilte sich mit Trelleborg den großen Gemeinschaftsstand. Neben den Reifen hatte Mitas eine Fläche für die hochklassige Mountain-Bike Performance Shows reserviert. Mitas stellt auch Fahrrad-Reifen her.

An Reifen wurden die neuen Top-Produkte präsentiert für die Linien HC 2000, HC 300R, HCM und Agrterra 04. Die HC 2000 Reihe sind Traktorreifen in VF Ausführung. Diese wurde in der Dimension VF 480/70 R 38 präsentiert. Beim HC 3000 R handelt es sich um einen VF Erntereifen für Mähdrescher in der neuen Version VF 1000/65 R 32 CFO, der neben der durch die VF-Klassifizierung mögliche Luftdruckabsenkung darüber hinaus wegen der CFO-Kennung bei cyclischem Einsatz mit erhöhter Last (bis 18,9 t) gefahren werden kann.

Der HCM, ein Kommunal- und Industrie-Traktorreifen, besitzt ein Block-Profil, das für hohe Straßenfahrtanteile neben dem Off-Road-Einsatz ausgelegt ist. Ausgestellt war die Größe 650/65 R 42 IND, die auch mit einer M+S-Stempelung versehen ist.

Bei dem Agriterra 04 handelt es sich um einen Flotation-Reifen für Trailer besonders mit Einsatzschwerpunkt off-road, der in der neuen Größe 800/65 R 32 IMP zu sehen war.

Nokian – neue Traktorreifen für schwerste Einsätze

Nokian als Experte für Reifen für schwere Einsätze hatte diesmal den Fokus auf Traktorreifen gelegt. Der komplette Stand war auf den neuen Traktorreifen „Ground King“ ausgerichtet. Daneben waren noch die Linie „Tractor King“, die Mitte 2019 vorgestellt worden war, und der „Hakkapeliitta Tri 2“ sowie der „Tri 2 Extreme Steel“ zu sehen. Alle vier Reifenlinien waren an je einer Position des auf dem Nokian-Stand stehenden Valtra-Schleppers montiert, vorne 28“ und hinten 38“ Reifen. Der Ground King ist als Reifen für den schweren Allround-Einsatz im Forst, im Gelände und auf der Straße entwickelt worden. Sein neuartiges Mehrzweckprofil mit Klotzmittelreihe und in Blöcke aufgelöste Stollen, der sogenannte Hybrilug, wurde speziell darauf ausgelegt.

Der Tractor King zeichnet sich durch seinen charakteristischen Doppelstollen im Schulterbereich aus. Der Traktorreifen ist für den Einsatz im Forst, bei Erdbewegungsarbeiten und Straßenbau sowie schnellen Transportfahrten entwickelt worden. Der Kommunaltraktor auf dem Valtra-Stand war damit bereift.

Die Hakkapeliita Tri 2-Linie, der bekannte Winterreifen, wurde um neue Dimensionen erweitert. Der Tri 2 Extreme Steel ist ein Reifen, der für schwerste Einsätze, die die Verwendung von Ketten erfordern, ausgelegt ist.

Für die Agro-Reifenlinien wurde ein Reifen-Monitoring-System vorgestellt, das „Nokian Tyres Intuitu“, bei dem Sensoren in den Reifen integriert sind und Reifendruck und -temperatur online auf dem Handy angezeigt werden können, wenn die Intuitu-App geladen ist. Für Reifen, die mit dem Intuitu-System überwacht werden, verlängert Nokian die Garantie um ein Jahr.

Vredestein mit größtem Flotationreifen

Vredestein ist Teil der Apollo-Gruppe und dort u.a. die Marke für Radial-Landwirtschaftsreifen, Diagonalreifen werden von Apollo zugesteuert. Vredestein ist einer der Spezialisten für Flotation-Reifen. Auch in diesem Jahr wurde ein neuer Reifen vorgestellt, der Flotation Trac XL, mit dem derzeit größten Durchmesser (2,15 m) am Markt, in der Ausführung 900/65 R 38 IMP 191 D. Dieser Reifen wurde speziell für Güllefässer entwickelt und stand im Mittelpunkt der Präsentation. Den Flotation Trac XL gibt es auch in der Größe 900/65 R 32.

Zweiter Schwerpunkt der Ausstellung waren die Traktorreifen. Hier standen die Hinterachsreifen 710/70 R 42 Traxion XXL aus einem DLG-Abriebstest im Vordergrund. Daneben wurde die neue Linie Traction 65 in der Größe 650/65 R 42 158 D vorgestellt. Ein Standardreifen mit Betonung auf Geräuschkomfort (Vorbeifahrt und Kabine).

Auch die anderen Produktlinien waren vertreten. Beim Traxion Optimall gab es eine neue Größe: VF 600/70 R34 170 D. Auch hierzu präsentierte Vredestein DLG-Test-Ergebnisse.

Der Agritechnica-Stand des Reifengroßhändlers Bohnenkamp.

Der Agritechnica-Stand des Reifengroßhändlers Bohnenkamp.

Vredestein 900/65 R 38 IMP Flotation Trac XL ist der größte Flotationreifen mit einem Durchmesser von 2,15 m.

Vredestein 900/65 R 38 IMP Flotation Trac XL ist der größte Flotationreifen mit einem Durchmesser von 2,15 m.

Newcomer Segment mit vielen Chancen

Dieses Marktsegment war sehr gut besetzt und viele der Marken waren zum wiederholten Male auf der Agritechnica mit einem eigenen Stand anwesend. Zu dieser Gruppe zählten Marken wie CEAT, Petlas, Özka, Maxam, MRL, Starco und Dneproshina .

CEAT mit gutem Angebot

Die CEAT war dabei die progressivste Marke. Sie hatte drei neue Radial-Reifenreihen, 65er Traktor; IF-Traktor und Flotation (22.5“ bis 26.5“), vorgestellt, die mit einer Garantie von sieben Jahren ausgestattet sind. Die Garantieverlängerung können die Wettbewerber auf Dauer wohl kaum ignorieren. Der Vertrieb erfolgt über Kock & Sohn sowie Grasdorf.

Petlas innovativ

Petlas stellte seinen PT Trac in der Größe 380/85 R24 aus. PT Trac ist eine PneuTrac-ähnliche Version. Petlas hatte schon zuvor die Reifenart als Studie vorgestellt, ist jetzt aber in die Vermarktung eingetreten.

Händler von großer Bedeutung

Andere Marken wie Tianli oder Pirelli sind nur bei Händlern vertreten. Für dieses Marktsegment ist die Vermarktung durch große Händler wie Bohnenkamp, EATD, Grasdorf, Heuver, Kock & Sohn oder Ovethi von besonderer Bedeutung. Eine Besonderheit am Rande: Heuver zeigte einen PneuTrac-ähnlichen Reifen in der Größe 710/70 R42, der von Galileo stammen soll.

Realisierungscheck auf Sima 2020

Die Sima 2020 wird zeigen, inwieweit sich welche Trends in der Zwischenzeit etablieren konnten. Für das Smart Farming ist dabei neben den Anschaffungspreisen die Verfügbarkeit des G5-Netzes mit ausschlaggebend. Die Reifenbranche startet in ein spannendes Jahr.


Diesen Artikel bewerten

Diskutieren Sie mit

blog comments powered by Disqus