Bereits von weitem bei der Anfahrt sichtbar sind die in die Höhe ragenden Arme vieler hellgrüner Hubsteiger der Marke Zoomlion. Der neue Eigentümer des Rabe-Werks ist nämlich einer der fünf größten Land- und Baumaschinenhersteller in seinem Heimatland China. Das Freigelände der Landmaschinenfabrik in Bad Essen dient zurzeit auch als Parkplatz für Arbeitsbühnen, die hier in Deutschland vermarktet werden sollen. In den Werkhallen jedoch dominiert weiterhin die Farbe Blau.
„Wir sind eine Pflugfabrik“, betont Geschäftsführer Tim Randy Zia. Mit sieben Jahren Erfahrung bei Amazone, zuletzt als Produktmanager für Düngetechnik, und weiteren acht Jahren Führungstätigkeit beim Logistiker Fiege, wo er Personalverantwortung für circa 70 Mitarbeitende hatte, leitet er nun den Bodenbearbeitungsspezialisten Rabe Agrartechnik. Seine Schwerpunkte sind Produktion, Finanzen, IT, Personal und der Kontakt zur Muttergesellschaft. Unterstützt wird er dabei von Christian Blöcker als Vertriebsleiter. Blöcker bringt sieben Jahre Erfahrung im Vertrieb von Grimme-Kartoffeltechnik in Europa, den USA und Asien mit. Danach sammelte er beim internationalen Unternehmen Wesjohann als Verkaufsleiter Europa für Spezialrezepturen in der Tierfütterung weltweit Vertriebserfahrung.
Beide sind Anfang bis Mitte 40 und kennen die Vorgeschichte des Bodenbearbeitungsspezialisten. Gerade darin sehen sie ihre berufliche Herausforderung und schätzen das Potenzial in Bad Essen. „Wir haben hier eine lange Tradition. Hier wurden immer schon Pflüge gebaut. Diese Erfahrung gehört zu unserer DNA und ist nach wie vor vorhanden“, sagt Blöcker.
Heute sind in Bad Essen etwa 80 Mitarbeitende beschäftigt. „Wir konzentrieren uns auf Pflüge, Kreiseleggen, Grubber und Tiefenlockerer“, berichtet Lars Sieckermann beim Rundgang durch die großen, geschichtsträchtigen Hallen. Sieckermann ist als Produktmanager für das Programm verantwortlich. In den Hallen für den Musterbau steht sein neuestes Projekt, das im Frühjahr als Nullserie starten soll: der Grubber Phoenix. Dieser ist speziell für die flache Bodenbearbeitung ausgelegt und soll den Wettbewerbern Paroli bieten. Ihn gibt es mit bis zu fünf Balken. „Phoenix – der Vogel, der aus der Asche aufstieg“, bemerkt Blöcker schmunzelnd „Das passt doch gut zu uns.“

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In Bad Essen fertigt Rabe auch schwere Kreiseleggen.

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Der neue Grubber Phoenix kommt im Frühjahr 2025.
In den Hallen gibt es noch reichlich Raum für Montageplätze. Die Lackierung ist zu Zeiten von Gregoire Besson hier 2018 neu eingerichtet worden. Viele Baugruppen sind bereits vormontiert und können schnell zur passenden Maschine konfiguriert werden. Das sorgt für sehr schnelle Lieferzeiten. Aktuell fertigt man bestellte Maschinen sowie für Vorführ- und Demo-Maschinen für das sich entwickelnde Handelsnetz. Die Fertigungstiefe bei Maschinen wie Albatros, Kormoran, Digger und Blue Bird liegt bei gut 80 Prozent. Die Pflugkörper schmiedet Rabe selbst; dafür gibt es eine spezielle Stahlrezeptur, die von Thyssen geliefert wird und die gewünschte Mischung aus Zähigkeit und Härte bieten soll.
Alle Beteiligten wissen, dass noch viel Arbeit vor ihnen liegt, aber man ist – wie in einem Start-up-Unternehmen – im energiegeladenen Aufbaumodus. Das Programm soll wachsen. Auf den robusten Kreiseleggen wird schon im Frühjahr 2025 eine aufgebaute mechanische sowie pneumatische Drillmaschine zu sehen sein. Ziel von Lars Sieckermann ist, mittelfristig ein Full-Line-Programm in „Rabe-Blau“ zu präsentieren. Von den in Europa jährlich gut 10.000 verkauften Pflügen will man mittelfristig einen Marktanteil von 10 Prozent erreichen. Dafür muss natürlich der Vertrieb mitwachsen. Aktuell sind in Deutschland bereits drei Gebietsverkäufer für Rabe unterwegs. Europaweit zählt man mittlerweile zwölf Vertriebsmitarbeitende, die die Händler mit der „neuen“ alten Marke vertraut machen, im Frühjahr dieses Jahres waren es erst zwei. Alle Länder, von Estland bis Portugal und von Bulgarien bis Irland, sind jetzt besetzt.

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Das Führungsteam in Bad Essen (v. li.): Tim Borgelt, Tim Randy Zia, Lars Sickermann und Christian Blöcker.

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Unter einem Dach: Auf der chinesischen CIAME im Oktober präsentierte sich das Gespann aus Zoomlion Traktor und Rabe Pflug.
Das Rabe-Führungsteam hat überwiegend auf erfahrene Vertriebler gesetzt, die die Bodenbearbeitung bereits seit vielen Jahren kennen und über ein eigenes Netzwerk verfügen. Besonders freut man sich bei Rabe zum Beispiel über die Partnerschaft mit dem Unternehmen Homburg, das den Import für die Niederlande und Belgien übernimmt. Auch in Rumänien hat man mit MEWI einen potenten Großhändler gewonnen. Die wichtigsten Zielmärkte für die Bodenbearbeitungsspezialisten sind Frankreich gefolgt von Polen, dem Vereinigten Königreich und Skandinavien. Hier ist man bereits mit eigenen Verkäufern vertreten. In Deutschland hat man zwischenzeitlich 25 neue Vertriebspartner für Rabe gewonnen, welche die „Dickschiffe“ wie Fricke, Claas Weser-Ems und einige BayWa-Tochtergesellschaften ergänzen.
Aber warum soll sich ein Händler für die „Blauen aus Bad Essen“ entscheiden? „Der Name Rabe hat bei vielen Landwirten immer noch einen sehr guten Klang. Auf Messen bemerken wir das große Interesse der Besucher an unserem Unternehmen und unserer Technik“, sagt Vertriebsleiter Blöcker. „Nicht jeder ist mit seinem Lieferanten glücklich. Wir begegnen den Händlern auf Augenhöhe, hören zu und versuchen, Lösungen zu finden – notfalls auch in Stückzahl eins. Ein kleines Unternehmen wie unseres kann schnell und flexibel agieren“, betont er.
Die Produktvorteile zu kommunizieren und die Markenbekanntheit zu steigern, ist die Aufgabe von Rabe-Marketingchef Tim Borgelt. Er bringt für diese Aufgabe viele Jahre Agenturerfahrung mit. Der Messekalender für 2025 ist bereits gut gefüllt – die Allgäu Show, Tarmstedt, Karpfham, um nur einige der wichtigsten Messen zu nennen. Höhepunkt wird die Agritechnica 2025 im November sein, bei der Rabe mit einem neuen und somit erweiterten Programm überraschen will. Es gibt noch viel zu tun.









