Magazin Motorgeräte

QMF e.V. :

QMF hat der Branche viel gebracht

Zehn Jahre sind seit der ersten Initiative für die Zertifizierung zum „Qualifizierten Motorgeräte-Fachhändler“ (QMF) vergangen. Wir haben mit den zwei Vorstandsmitgliedern des QMF e.V., dem Vorsitzenden Georg Kersten und Stefan Nedele (Tielbürger), über die bisherigen Erfolge und künftigen Herausforderungen gesprochen.

QMF e.V.: QMF hat der Branche viel gebracht

Bei der QMF-Tagung 2018 in Kufstein wurden die Pioniere der ersten Stunde mit einer Urkunde geehrt.

Vorsitzender Georg Kersten (links) und Stefan Nedele begleiten die QMF-Zertifizierung bereits seit zehn Jahren.

Vorsitzender Georg Kersten (links) und Stefan Nedele begleiten die QMF-Zertifizierung bereits seit zehn Jahren.

eilbote: Zehn Jahre QMF: Wie lautet Ihr Fazit aus Herstellersicht?

Stefan Nedele: Die Gründung war richtig und wichtig. Der Fachhandel brauchte vor zehn Jahren Ideen, um sich gegen die wachsende Konkurrenz vom Baumarkt und Internethandel durchzusetzen. Nach ersten Anlaufschwierigkeiten ist das Konzept angekommen, wir haben heute 250 zertifizierte Betriebe und es gibt ständig neue Nachfragen.

Die zertifizierten Fachbetriebe haben die Außendarstellung und Kundenansprache verbessert und damit mehr Umsatz als vorher. Das ist gerade für einen kleineren Hersteller wie für uns interessant.

Warum?

Nedele: Wir sind vor allem auf Kehrmaschinen und Wildkrautbürsten spezialisiert. Das sind sehr erklärungsbedürftige Produkte. Mit dem Akku-Antrieb nimmt das weiter zu. Auch steigen die Anforderungen an den Händler bezüglich Lagerung, Garantie und Entsorgung. Über QMF wird das Qualitätsmanagement insgesamt verbessert und nicht nur von großen Herstellern aus den Bereichen Motorsägen oder Rasenmäher bestimmt.

Bis vor zwei Jahren gab es weniger als 100 Betriebe, die mitgemacht haben. Was hat den starken Anstieg verursacht?

Nedele: Wir haben im Jahr 2015 die Struktur von QMF komplett geändert. Vorher war es ein loser Zusammenschluss von Industrie und Handel. Wir haben einen eingetragenen Verein gegründet mit Georg Kersten als Vorsitzenden. Außerdem haben wir zwei Außendienstmitarbeiter eingestellt, die Jahrzehnte in der Branche tätig waren und den Händlern vor Ort jetzt bei der Zertifizierung helfen.

Warum war das wichtig?

Nedele: Sie haben im persönlichen Gespräch den Händlern die Ängste genommen und sind gemeinsam die nötigen Checklisten durchgegangen. Dabei konnten die Berater die Fragen klären, die die Händler vor Ort haben.

Georg Kersten: Die Betriebe fühlten sich mit den QMF-Vorgaben und deren Umsetzung in der Vergangenheit oft allein gelassen. Jetzt kann sie der Berater an die Hand nehmen und Schritt für Schritt begleiten – auch bei den Nachaudits, die nach zwei Jahren fällig sind.

Sie haben ja bereits etliche Nachaudits durchgeführt. Welche Trends haben Sie dabei festgestellt?

Kersten: Ja, allein im Jahr 2017 waren es 70 Nachauditierungen. Die meisten Betriebe haben sich in den zwei Jahren in irgendeiner Form weiterentwickelt, z.B. den Betrieb weiter modernisiert oder erweitert bzw. sich dem Markt angepasst.

Sie haben höhere Verkaufsumsätze beschrieben. Was hat der Händler noch von QMF?

Nedele: Es kommt immer häufiger vor, dass Kommunen Aufträge in Ausschreibungen an eine Qualifizierung des Fachhändlers binden. Das QMF-Zertifikat ist zwar noch nicht so bekannt bei den Kommunen, hilft aber heute schon als Qualitätsnachweis. Da der Verein auch bei Roadshows, Messen usw. anwesend ist, die auch Vertreter von Kommunen besuchen, wird das Siegel immer bekannter.

Kersten: Unser Fachhandelsgeschäft in Rees ist jetzt auch seit zehn Jahren QMF-zertifiziert. Darin haben wir festgestellt, dass man durch die Zertifizierung auch auf Dinge achtet, die bisher gar nicht mehr aufgefallen sind wie bestimmte Abläufe. Auch kommt man ständig auf neue Ideen bei der Fahrzeugbeschriftung oder Ladenausstattung.

Was sind Ihre Ziele für die nächsten Jahre?

Kersten: Wir haben allein für 2018 weitere 50 Betriebe in Wartestellung für die Zertifizierung. Mittelfristig streben wir 400 Betriebe an. Außerdem wollen wir die Zahl der Hersteller von derzeit zwölf weiter erhöhen. Ein weiterer Vorteil ist, dass Kunden bei der Suche im Internet über den Dealer Locator des Herstellers schneller auf den qualifizierten Betrieb stoßen.

Einige Betriebe befürchten, dass bei steigender Anzahl von zertifizierten Händlern ihr Alleinstellungsmerkmal verloren geht. Ist die Sorge berechtigt?

Kersten: Nein. Zunächst ist wichtig zu verstehen, dass QMF kein Instrument ist, um Händlern ein Alleinstellungsmerkmal gegenüber Berufskollegen zu verschaffen, sondern ein Instrument zur Qualitätssteigerung und Absatzförderung im Fachhandel.

Außerdem gibt es in Deutschland rund 2.500 Motorgeräte-Fachhändler. Mit 250 Mitgliedern haben wir derzeit erst zehn Prozent von ihnen erreicht. Selbst die angestrebten 400 wären noch weniger als ein Fünftel aller Motorgeräte-Fachhändler in Deutschland. Damit gäbe es noch genügend Betriebe, die kein Zertifikat haben.

Die Fragen stellte Hinrich Neumann.


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