Magazin Landtechnik

Praxistest :

In zehn Sekunden alles gekuppelt

Beim Anhängen oder Anbau von Geräten oder Maschinen müssen viele Schläuche, Leitungen und Kabel umständlich und zeitraubend mit dem Traktor verbunden werden. Fliegl will mit seinem F-CON Schnellkuppelsystem diese unbeliebte Arbeit deutlich erleichtern und verkürzen. Wir haben es über zwei Monate im täglichen Einsatz getestet.

Praxistest: In zehn Sekunden alles gekuppelt

Der eilbote installierte und testete das F-CON Schnellkupplungssystem von Fliegl.

Das Schlepperheck vor (links) und nach dem Umbau.

Das Schlepperheck vor (links) und nach dem Umbau.

Im hektischen Arbeitsalltag ist das Ankuppeln oder Umhängen von Geräten und Maschinen umständlich und zeitraubend, besonders wenn viele Schläuche, Leitungen und Kabel zu kuppeln sind. Hinzu kommt noch, dass es bei herkömmlichen Steckkupplungen auch mal vorkommt, dass sich maschinenseitig auf einem Schlauch Restdruck aufbaut und das saubere Ankuppeln erschwert, oder die LS-Kupplungen das Traktorheck „versabbern“. Schließlich müssen ja auch alle Leitungen mit dem Traktor richtig und sauber verbunden sein, inklusive der Elektro- und Druckluftverbindungen.

Man muss ständig auf die Farben oder Kennzeichnungen achten, sofern diese überhaupt vorhanden ist. Bei Aushilfsfahrern oder weniger geübten Bedienern birgt das zudem das Risiko von Verwechslungen.

Die Firma Fliegl hat mit dem F-CON (Fliegl Connect) ein Schnellkuppelsystem entwickelt, welches sich genau diesen Anforderungen stellt und die Verbindung von Zugfahrzeug und Anbaugeräten vereinfachen und erleichtern soll. Wir haben das auf unserem Testbetrieb in der Schweiz ausgiebig getestet.

Chris Warzel  hat das F-CON System vor Ort montiert. Die Platten und Großteile lassen sich vorbereiten, aber die Montage und vor allem die Positionierung sind dann für jedes Fahrzeug spezifisch zu lösen. Aber alles lässt sich vor Ort ohne große Umbauarbeiten erledigen.

Chris Warzel hat das F-CON System vor Ort montiert. Die Platten und Großteile lassen sich vorbereiten, aber die Montage und vor allem die Positionierung sind dann für jedes Fahrzeug spezifisch zu lösen. Aber alles lässt sich vor Ort ohne große Umbauarbeiten erledigen.

Im Praxistest haben wir einen Ladewagen und ein Güllefass auf das F-CON Multi umgerüstet.

Im Praxistest haben wir einen Ladewagen und ein Güllefass auf das F-CON Multi umgerüstet.

Einfaches, durchdachtes Prinzip mit viel Praxisbezug

Chris Warzel von der Firma Fliegl Trailer hat das Kuppelsystem F-CON Multi für den Test montiert. Er ist als Praktiker und Lehrausbilder bei der Fliegl Fahrzeugbau GmbH von Anfang an bei der Entwicklung dabei und „der“ F-CON-Spezialist schlechthin. Ziel der Entwicklung war eine praxis- nahe und möglichst einfache Lösung für das Kuppeln sämtlicher Hydraulikanschlüsse sowie Daten- und Stromleitungen bis hin zu Wasser-, Dünger- oder Reinigungsmittelleitungen – und das Ganze verwechslungsfrei. Chris Warzel betont, dass das F-CON praktisch an jeden Schlepper individuell montiert werden kann. Es sei aber nicht erforderlich, dass der ganze Fuhrpark nachgerüstet wird.

Um möglichst vielen Ansprüchen gerecht zu werden, bietet Fliegl drei Ausführungen an:

Links eine optionale, bis 350 bar Druck kuppelbare Kupplung. Rechts die Standardkupplung, kuppelbar bis ca. 6 bar, mit optionalem Druckentlaster und Auffanggefäß.

Links eine optionale, bis 350 bar Druck kuppelbare Kupplung. Rechts die Standardkupplung, kuppelbar bis ca. 6 bar, mit optionalem Druckentlaster und Auffanggefäß.

Zuerst wird die Anbauplatte mit den entsprechenden Kupplungen bestückt.

Zuerst wird die Anbauplatte mit den entsprechenden Kupplungen bestückt.

Für spezielle, hartnäckig unter Druck stehende Schläuche mit viel Ölrestmenge haben wir einen zusätzlichen manuellen Druckablassknopf (rot) montiert. Zusätzlich wird ein Auffangbehälter am Anbaugerät montiert.

Für spezielle, hartnäckig unter Druck stehende Schläuche mit viel Ölrestmenge haben wir einen zusätzlichen manuellen Druckablassknopf (rot) montiert. Zusätzlich wird ein Auffangbehälter am Anbaugerät montiert.

Drei Versionen für verschiedenste Ansprüche

F-CON als kleinste Ausstattungsstufe mit acht flachdichtenden Hydraulikkupplungen in der Baugröße 3, NW12 ist für einfachere, rein hydraulische Anwendungen gedacht. Eine Auswahl gibt es hier noch nicht, die Baubreite liegt bei ca. 460 mm.

Das F-CON Multi bietet zu den acht flachdichtenden Hydraulikkupplungen (zwei Module à vier Kupplungen) Baugröße 3, noch zusätzlich jeweils eine elektrische sieben- und dreipolige Verbindung, sowie zwei Pneumatikkupplungen (Duomatic), ist also für den durchschnittlichen Einsatz ausgelegt. Die Hydraulikkupplungen sind hier mit je 60 l/min Durchflussleistung die gleichen wie im F-CON.

Das F-CON Premium ist die umfangreichste Variante für den anspruchsvollen Einsatz. Die Baubreite ist je nach Anzahl und Ausführung der Anschlüsse mit bis zu knapp 670 mm entsprechend größer. Hier kann jedoch ganz individuell nach den jeweiligen Anforderungen frei konfiguriert werden. Beispielsweise im oberen Teil ein Power-Beyond-Modul mit vier verschieden großen Baugrößen 2–5 und 5–380 l/min, daneben zwei Module mit je vier Anschlüssen Baugröße 2–5 mit 5–380 l/min, wobei im Standard Anschlüsse mit bis zu 220 l/min zur Auswahl stehen. Unter den bis zu zwölf Hydraulikkupplungen in den oberen drei Modulen finden bis zu vier elektrische Verbindungen in zwei weiteren Elektromodulen Platz. Diese können aus zwei- (bis 250 Ampere), drei-, sieben- und 15-poliger oder auch ISOBUS-Verbindungen bestehen. In einem dritten unteren Modul kann die Zweikreis-Druckluftbremse gekuppelt werden. Weitere Größen und Sonderlösungen sowie Durchflussmengen bis 400 l/min sind auf Anfrage möglich.

Sind die Kupplungen auf den Anbauteilen montiert, werden noch die Steckdosen ausgerichtet und in der passenden Position festgeklemmt.

Sind die Kupplungen auf den Anbauteilen montiert, werden noch die Steckdosen ausgerichtet und in der passenden Position festgeklemmt.

Das Anbauteil am Güllefass wiegt gerade einmal sechs Kilogramm und lässt sich sehr gut in die Basisstation am Schlepper einlegen.

Das Anbauteil am Güllefass wiegt gerade einmal sechs Kilogramm und lässt sich sehr gut in die Basisstation am Schlepper einlegen.

Man muss nicht den ganzen Fuhrpark umrüsten. Entweder kann man auch kostengünstige, flachdichtende Kupplungen anschrauben, die sich sehr gut manuell stecken lassen oder man kuppelt über die „alten“ Steckkupplungen.

Man muss nicht den ganzen Fuhrpark umrüsten. Entweder kann man auch kostengünstige, flachdichtende Kupplungen anschrauben, die sich sehr gut manuell stecken lassen oder man kuppelt über die „alten“ Steckkupplungen.

Sauberes Kuppeln unter Restdruck bis 350 bar

Standardmäßig sind in den beiden Standard-Versionen F-CON und F-CON Multi flachdichtende Kupplungen verbaut, die sich bis zu einem Restdruck von etwa 6 bar einwandfrei stecken lassen und 60 l/min Durchfluss bieten. Bei unserem Testmodell wurden Steckkupplungen ausgerüstet, mit denen sich bis zu 350 bar unter Druck stehende Leitungen verbinden lassen. Das ist etwas teurer, lohnt sich aber. Auch die LS Leitungen können bei laufendem Traktor sauber und ohne zu „sabbern“ schnell, einfach und sicher gekuppelt werden. Auch hier spielen die flachdichtenden Steckkupplungen ihren Vorteil voll aus. Als weitere Variante gibt es ein Nachrüstkit mit einem Druckablassventil und einem Auffangbehälter. Dieses wird einfach hinter die „Problemverschraubung“ montiert, und über einen kleinen Schlauch fließt dann das Öl auf Knopfdruck sauber in den Auffangbehälter am Anbaugerät. Eine gute Lösung, wenn viel Ölmenge auf den Restdruck einwirkt. Wer richtig „Power“ braucht, dem können Sonderlösungen oder die Baugröße 5 mit bis zu 400 l/min Durchfluss bei 250 bar angeboten werden.

Zwei Schrauben und ein kleiner Haltebügel reichten für den Anbau. Der Anschluss erfolgt mit Schläuchen über die vorhandenen Kupplungen im Heck.

Zwei Schrauben und ein kleiner Haltebügel reichten für den Anbau. Der Anschluss erfolgt mit Schläuchen über die vorhandenen Kupplungen im Heck.

Optimale Platzierung ist wichtig

Das ganze Kuppelsystem wird so montiert, dass am Schlepper die Basisstation so optimal wie möglich platziert ist, um die Sicht auf das Heck nicht zu behindern. In unserem Fall am John Deere passt es so gut, dass weder der Oberlenker noch das Zugmaul beeinträchtigt sind, und der Blick durch die Aussparung in der Platte auf das Zugmaul bei demontiertem Oberlenker noch recht gut ist. Zwei M12 Schrauben an einem bestehenden Halter und ein kleiner Haltebügel nach hinten reichen für die Befestigung aus. Für den Testeinsatz wurden ein Güllefass mit Schleppschuhverteiler und ein Erntewagen entsprechend ausgerüstet. Beide verfügen über Kamerasysteme und Zweikreis-Druckluftbremsanlage.

Bei der Montage des Systems werden an der fest montierten Basisstation am Schlepper alle erforderlichen Hydraulikleitungen über Schläuche in die bestehenden Hydraulikanschlüsse gesteckt. Danach sind die dreipolige Dose und die siebenpolige Beleuchtungssteckdose dran. Letztere wird im F-CON auf eine massivere Lkw-Steckdose (ISO 1185 Typ N) adaptiert, die viel massiver und im Kuppelvorgang zuverlässiger ist. Nun sind noch die beiden Druckluftbremsleitungen dran, welche unten am System an eine Doumatic-Kupplung mit einem Verriegelungshebel fest verschraubt werden. Jetzt folgt das Bedienteil, das alle Leitungen vom Anbaugerät, also in unserem Fall das Güllefass und der Erntewagen, sauber in einem Strang zusammenführt. Hier werden alle Kupplungen entfernt und die Leitungen werden direkt auf die Anschlüsse der Platte geschraubt. Nun legt man das Bedienteil in die beiden Aufnahmepunkte der Basisstation und richtet alles noch sauber aus. Je genauer man ausrichtet, umso sicherer ist der Einsatz später. Dazu wird das System gekuppelt und verriegelt, wobei die Elektrostecker zunächst noch etwas lose in den Klemmschalen stecken. Dadurch kann man diese noch einfach in die passende Position drehen.

Zum Schluss bleibt noch das Anziehen der Stecker-Klemmschalen, und fertig ist die Montage mit allen Einstellungen.

Durch die hohe Montage ergibt sich eine hochgezogene und kompakte Schlauchführung.

Durch die hohe Montage ergibt sich eine hochgezogene und kompakte Schlauchführung.

Der Blick nach hinten wird kaum eingeschränkt. Bei demontiertem Oberlenker ist unter der Basisstation hindurch gerade noch die Sicht auf das Zugmaul möglich.

Der Blick nach hinten wird kaum eingeschränkt. Bei demontiertem Oberlenker ist unter der Basisstation hindurch gerade noch die Sicht auf das Zugmaul möglich.

Einfaches, durchdachtes Funktionsprinzip

Das Funktionsprinzip vom F-CON ist schnell erklärt: Erst am Schlepper alle Steuerventile in Schwimmstellung schalten, dabei kann der Motor weiter laufen. Unbedingt mit einem Lappen vorher die Steckkupplungen der Basisstation kurz sauberwischen, damit beim Kuppelvorgang kein Schmutz in den Ölkreislauf gelangt. Dann das Bedienteil, welches aus einer biegefesten aber leichten Aluminiumlegierung besteht, in die beiden Aufnahmen der Basisstation legen. Nun braucht man nur noch die über ein Parallelogramm geführte Verriegelung mit dem Fünfkant-Spezialschlüssel über den Totpunkt einzurasten – und fertig. Dabei muss man das Schlauchpaket hinter dem Bedienteil ganz leicht anheben, um das „Einfädeln“ zu erleichtern. Mit ein wenig Routine ist dann das System mit acht Hydraulikleitungen, zwei Stromleitungen und zwei Bremsanschlüssen in etwa acht bis zehn Sekunden perfekt und ohne Ölflecken verriegelt.

Die siebenpolige Steckdose in schwerer Lkw-Qualität ist viel robuster und leitsicherer als herkömmliche Billigstecker. Alle Verbindungsteile sind handelsüblich und keine teuren Sonderanfertigungen. Unten im Bild die mit dem Hebel arretierte Duomatic-Kupplung, die bei Nichtgebrauch verschlossen wird.

Die siebenpolige Steckdose in schwerer Lkw-Qualität ist viel robuster und leitsicherer als herkömmliche Billigstecker. Alle Verbindungsteile sind handelsüblich und keine teuren Sonderanfertigungen. Unten im Bild die mit dem Hebel arretierte Duomatic-Kupplung, die bei Nichtgebrauch verschlossen wird.

Beim Ladewagen sind nur wenige Anschlüsse nötig, freie Plätze werden mit Stopfen verschlossen.

Beim Ladewagen sind nur wenige Anschlüsse nötig, freie Plätze werden mit Stopfen verschlossen.

Flexibel einsetzbar

Ein großer Vorteil ist, dass mit der Umrüstung auf F-CON nicht zwingend der ganze Fuhrpark nachgerüstet werden muss. Das Kuppelsystem wird über Stecker mit den bestehenden Anschlüssen am Traktor verbunden, welche bei Bedarf jederzeit wieder verfügbar sind. Oder man schraubt flachdichtende Kupplungen an die Schläuche der (noch) nicht umgerüsteten Geräte. Ebenso sind die Duomatic Kupplung und die Elektrosteckdosen jederzeit noch für den „manuellen“ Gebrauch ohne Einschränkung einsatzbereit. Etwas anders ist es bei umgerüsteten Anbaugeräten. Wer diese auch mit „normalen“ Steckkupplungen nutzen möchte, muss entweder diese wieder montieren oder schließt sie gleich gesteckt an das Bedienteil an. Hier muss man individuell abwägen, was Sinn macht oder möglich ist, denn das System ist wirklich sehr vielseitig nutzbar.

Praxiserfahrungen

Im Testzeitraum von zwei Monaten konnten wir das Fliegl F-CON Multi vor allem am Güllefass ausgiebig testen. Hier waren oft Schmutz und Gülle im Spiel, was aber kein Problem darstellte. Das System funktionierte immer einwandfrei. Man muss beim Ankuppeln das Schlauchpaket hinter der Platte ein wenig stützen, dann passt es einwandfrei. Der Kuppelvorgang dauert mit ein wenig Routine gerade mal etwa 10 Sekunden, und das ohne Kleckern und Klemmen. Eine richtig feine Sache, die viel Zeit und Mühe einspart. Gerade bei vielen Schläuchen und Leitungen ist das eine echte Erleichterung.

In puncto Wartung ist das F-CON sehr genügsam. Während des Tests wurde es bei starker Verschmutzung mit dem Hochdruckreiniger abgewaschen oder mit einem sauberen Lappen abgewischt. Die Elektrosteckdosen gelegentlich mit einem Multispray zu pflegen, schadet sicher nicht. Längerfristig kann es, wie auch bei herkömmlichen Kupplungen, möglich sein, dass mal eine stark beanspruchte Kupplung undicht wird. Der Austausch ist aber sehr schnell und einfach. Der Fünfkant-Multifunktionsschlüssel, der etwas Gewöhnung braucht, ist für die Verriegelung gut einsetzbar. Die ungewöhnliche Fünfkant-Form hat jedoch einige Vorteile gegenüber einer üblichen Sechs- oder Vierkant-Form: zum einen dient sie dem Manipulationsschutz und zum anderen lässt sie durch das andersseitige Aufstecken des Schlüssels noch mehr Positionierungsmöglichkeiten zu. Gerade bei schwierigen Platzverhältnissen ist dies ein großer ergonomischer Vorteil. Da er in der Halterung oft geklappert hat, fand er schnell Platz in der Kabine. Praktisch ist, dass das Werkzeug mit vielen gängigen Schlüsselweiten versehen ist, sodass es neben eventuellen Einstellarbeiten am F-CON immer als universeller Schraubenschlüssel im Alltag dabei ist.

Beim Testmodell vom F-CON Multi hätten wir uns noch einen Anschluss mit einer 200 l/min Durchsatzleistung für den drucklosen Rücklauf gewünscht. Diese Baugröße ist leider erst ab dem Premiummodell verfügbar.

Neu und schon ausgereift

Fazit: Das Fliegl Multikuppelsystem F-CON Multi ist ausgereift und bietet eine individuelle Lösung für praktisch alle Anforderungen. Für den Anbau muss man den Platz gut wählen, damit die Sicht durch die Basisstation nicht zu stark behindert wird. Eine Umrüstung ist nicht für den gesamten Fuhrpark zwingend, denn durch die vielen Möglichkeiten lassen sich die Maschinen und Geräte auch weiterhin konventionell kuppeln.

Man kann von der einfachen Ausführung bis zu hohen Ansprüchen mit großer Leistung sein System individuell zusammenstellen. Das kostet natürlich etwas, aber man bekommt auch ein sehr ordentliches Produkt dafür.