Magazin Kehren & Bürsten

Praxistest: :

Das Unkraut vom Pflaster bürsten

Wildkrautbürsten für Freischneider scheinen für mittlere Flächen eine kostengünstige Lösung zu sein. Eilbote-Autor Hinrich Neumann schildert seine mehrjährigen Erfahrungen.

Praxistest:: Das Unkraut vom Pflaster bürsten

Wege aus gebrannten Ziegelsteinen im Garten lassen sich sehr gut reinigen und gleichzeitig die Rasenkante zurückstutzen.

540 m2 Zufahrt mit Betonpflastersteinen, ein 300 m2 großer Hof mit alten Ziegelstein- und Kopfsteinpflaster und rund 100 m2 Wege im Garten plus Terrasse: Auf unserem Resthof gibt es sehr viele zu pflegende Pflasterflächen, die im feuchtwarmen Klima Norddeutschlands regelmäßig von März bis Oktober ergrünen. Typischer Bewuchs ist vor allem Gras, aber auch andere „Fugenpflanzen“ wie Kamille, Breitwegerich, Vogelmiere oder Löwenzahn.

Seit dem Jahr 2008 pflegen wir die Fläche mit einer „Tiger Unkrautbürste klein“ der Tiger GmbH aus Endingen (Baden-Württemberg), die wir mit der Motorsense UMK 435 E von Honda (35 Kubikzentimeter Hubraum, 1,2 kW Leistung) betreiben. Die Einweg-Zopftellerbürste besteht aus einem runden Teller, an den etwa 30 nach unten gebogene Stahlzöpfe befestigt sind.

Wildkrautbürsten ist die häufigste Anwendung der Motorsense, die sechs Jahre lang problemlos lief. Erst in diesem Jahr hatten wir einen Schaden an der Welle und der Kupplung.

Montage der Tellerbürste an der Motorsense.

Montage der Tellerbürste an der Motorsense.

Unser Fazit nach sechs Jahren:

• Auf allen Pflasterarten beseitigt die Wildkrautbürste gründlich die unerwünschten Pflanzen. Die Fugen zwischen den Steinen vertieften sich dabei nicht, da die Wurzeln der Pflanzen nicht herausgerissen werden.

• Der Betrieb der Motorsense mit der Wildkrautbürste ist anstrengender als mit einem Grasschneideblatt, aber problemlos möglich.

• Die Wildkrautbürste ist sehr gut geeignet, um auch festgefahrene Blätter, dicke Grassoden mit Wurzeln und andere Materialien vom Pflaster zu entfernen. Auch lassen sich mit ihr Rasenkanten zurückstutzen oder unerwünschte Wildkräuter oder dünne Sträucher unter Hecken am Wegesrand entfernen.

• Nach etwa vier Wochen müssen Gras und Unkräuter erneut entfernt werden.

• Auf Kopfsteinpflaster dauert die Reinigung länger als auf glatten Flächen. Steine werden nicht beschädigt, auch Kratzer sind kaum zu sehen. Nur bei älteren, nicht hartgebrannten Ziegeln platzt hier und da eine Ecke ab.

• Zur Reinigung der rund 1.000 m2 Fläche benötigen wir je nach Bewuchs zwischen 4 und 5 Stunden. Die meiste Zeit nimmt das anschließende Fegen abgeschlagenen Aufwuchses in Anspruch. Der Einsatz einer motorbetriebenen Kehrmaschine mit Bürstenwalze hat sich wegen der größtenteils unebenen Fläche als untauglich erwiesen. Sowohl die Reinigung als auch die Aufnahme im Kehrgutbehälter funktionierte nicht, zuviel des Kehrichts blieb zurück. Auch die Reinigung mit einer handgeschobenen Kehrmaschine einer namhaften Firma mit Bürstenwalze und zwei gegenläufigen Tellerbesen funktionierte nur im ersten Jahr: Nach zwei Jahren war die rund 400 Euro teure Maschine nicht mehr zu reparieren. Daher sind wir wieder zum Handbesen zurückgekehrt.

• Eine Tellerbürste reicht je nach Bewuchs für die Reinigung von rund 1000 m2 aus. Bei feuchten Wetter funktioniert die Reinigung besser und der Verschleiß ist nicht zu hoch.

Die Wildkrautbürste haben wir hier mit einer Schutzhaube in Betrieb.

Die Wildkrautbürste haben wir hier mit einer Schutzhaube in Betrieb.

• Gerade auf Wegen im Garten ist die Wildkrautbürste besser geeignet als herkömmliche Abflammgeräte. Denn die Hitze der Flammgeräte versengt nicht nur den Rasen, sondern z.B. auch Buchsbaum und andere Sträucher. Daher ist die Bürste für uns gerade auf engen Raum die erste Wahl.

• Auf Wegen oder der Hoffläche ist eine Kombination aus Wildkrautbürste und Abflammtechnik von Gräsern und anderen „feinerem“ Unkraut ideal und sehr effizient.

• Wegschleudernde Steine sind bei Einsatz einer Schutzhaube kein Problem.

Interview – „Das Verfahren muss zur Fläche passen“

Wir sprachen mit Brigitte Weigand vom Pflanzenschutzdienst der Landwirtschaftskammer NRW über erlaubte und unerlaubte Methoden zur Unkrautbekämpfung.

eilbote: Welche Möglichkeiten haben Grundstücksbesitzer und Landwirte, um Unkraut auf gepflasterten Flächen chemisch zu bekämpfen?

Weigand: Das muss man differenziert betrachten. Private Grundstücksbesitzer oder Landwirte dürfen überhaupt keine Pflanzenschutzmittel einsetzen, um auf gepflasterten Flächen Bewuchs abzutöten. Es gibt findige Menschen, die nicht nur Round up, sondern beispielsweise auch Essig, Reinigungsmittel oder Chlorprodukte einsetzen. Das ist alles nach dem Pflanzenschutzgesetz unzulässig. Denn mit dem Ziel, Pflanzen abzutöten, werden diese Substanzen zum Herbizid. Da sie für diese Anwendung keine Zulassung haben, dürfen sie auch nicht eingesetzt werden.

Nur Kommunen, Energieversorger oder Bahnbetreiber können – mit Aussicht auf Erfolg – eine Ausnahmegenehmigung nach dem Pflanzenschutzgesetz beantragen. Diese können erteilt werden, wenn dringender Bedarf ist und keine andere Möglichkeit besteht, Bewuchs zu beseitigen. ‚Verkehrssicherungspflicht‘ ist hier das ausschlaggebende Stichwort.

eilbote: Was können die Kommunen dann tun?

Weigand: Mit der Ausnahmegenehmigung gibt beispielsweise die Möglichkeit, das Rotofix-Gerät einzusetzen mit Glyphosat (Handelsname: Round up). In Nordrhein-Westfalen dürfen die Kommunen selbst das nicht einsetzen. Eine auch in NRW erlaubte Alternative ist das Mittel Finalsan. Dieses ebenfalls zugelassene Herbizid wirkt im Gegensatz zu Glyphosat nur oberirdisch, hat keine Wurzelwirkung und wird daher als Abbrenner bezeichnet. Es wird mit der Rückenspritze ausgebracht. Es hat keine Dauerwirkung, da die Pflanzen ja wieder austreiben können.

eilbote: Besitzer von Pflasterflächen wie Hofflächen, Terrassen oder Auffahrten müssen also Unkraut thermisch oder mechanisch zu Leibe rücken. Welche Methode würden Sie empfehlen?

Weigand: Es gibt keine pauschale Empfehlung. Denn das geeignete Verfahren richtet sich immer nach der Oberfläche der Steine und nach der Flächengröße und der Form. Ein Parkplatz ist anders als eine Fläche mit vielen Winkeln und Blumenkübeln. Auf einer großen Fläche kann man sehr gut arbeiten mit Wildkrautbürsten, also den Tellerbürsten. Die entfernen das Unkraut zuverlässig und reinigen gleichzeitig den Hof. Aber dafür muss das Pflaster gut verlegt sein. Auch dürfen die Steine nicht zu weich sein, da die Bürsten relativ aggressiv arbeiten. Tellerbürsten gibt es in der Größe von Motorsensen bis zum Traktor. Gerade bei größeren Anbaugeräten für den Traktor könnte man an den überbetrieblichen Einsatz denken. Das wäre eine Option für Lohnunternehmer.

Eine andere denkbare Möglichkeit ist das Abflammen.

eilbote: Wie bewerten Sie Heißwasser als Methode?

Weigand: Das ist ein umweltfreundliches Verfahren. In Verbindung mit Heißschaum, der die Hitze auf der Fläche länger hält, sind die Verfahren sehr wirkungsvoll. Die Anwendung auf dem Privatgrundstück ohne entsprechende Ausrüstung ist aber sehr aufwändig. Denn das Wasser muss ja erhitzt werden und bleibt nicht lange heiß. Anwendungen mit größeren Maschinen dagegen sind nur für Kommunen oder den überbetrieblichen Einsatz wirtschaftlich, da die Geräte selbst für einen Landwirt mit großer Hoffläche zu teuer in der Anschaffung wären.

eilbote: Wie groß ist ohnehin die Dauerwirkung der Unkrautbekämpfung?

Weigand: Die wichtigste Methode ist Fegen und immer wieder Fegen. Damit holt man die Samen aus den Ritzen. Da hat man dann viel ‚im Keim erstickt.‘ Es kommt auch auf die Art der Unkräuter an. Löwenzahn beispielsweise ist wegen der Pfahlwurzel ein sehr hartnäckiges Unkraut. Genauso Ackerschachtelhalm oder Wegerich-Arten.

Schon bei der Anlage einer Hof- oder befestigten Fläche an die spätere Pflege zu denken, erspart Mühe, Zeit und Geld für die Unkrautbeseitigung. Jeder Gegenstand (beispielsweise Blumenkübel), der auf einer Fläche abgestellt wird, mutiert schnell zur Dreckecke; breite Fugen mögen hübsch aussehen, bieten allerdings Unkraut viele Entfaltungsmöglichkeiten. Schmale Fugen, die mit einer Bewuchs hemmenden Masse ausgestrichen werden, helfen auch für einige Zeit, die Fläche unkrautarm zu halten.

Das Interview führte Hinrich Neumann


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