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Mit dem Update des ZF Prüfstandes (Foto oben) kann Pokrandt nun Kompakteinheiten der Marken Bosch Rexroth, Linde, Sauer Danfoss, ZF etc. prüfen, einstellen und damit auch fachmännisch reparieren (Foto unten).
Möwen fliegen über den Standort der Pokrandt Hydraulik Service GmbH in der Müggenburger Straße in Hamburg. Elbe und Hafen sind in Sichtweite. Werften und Reedereien sorgen für eine gute Grundauslastung des Geschäfts in der hier gelegenen 1800 m² großen Werkstatt. Die 14 Mitarbeitenden packen Werkzeug und Material in Gitterboxen. Die Werkstatt ist bereits halb leer. Laufen die Geschäfte so schlecht? Nein, ganz im Gegenteil, entgegnet mir Geschäftsführer Jens Möllering lachend: „Die Werkstatt hat jetzt noch dunkelgrauen Estrich. Sie bekommt nun einen neuen, hellen Boden aus Epoxidharz. Wir predigen unseren Kunden immer: Sauberkeit ist in der Hydraulik das oberste Gebot. Das wollen wir nun auch an unserem Standort für Besucher sichtbarer machen!“
Möllering führt mich weiter durch die Werkstatt, an der Teilewaschanlage mit dem großen Säurebad vorbei, in die ungefähr 12 × 20 Meter große „Schatzkammer“ seines Unternehmens. Hier stehen sie: vier Prüfstände, drei von Bosch Rexroth, der größte ein Dreikreis-Pumpenprüfstand für Leistungen bis zu 386 kW, Grundfläche immerhin 3 × 6 Meter und ein kleinerer von ZF. Unter der 150 cm langen Schutzglasabdeckung des hellblauen Prüfstandes ist ein ZF S-Matic 180-Getriebe eingespannt. Auf der einen Seite führen dicke Hydraulikschläuche und viele Messkabel in das Gehäuse, auf der anderen Seite schließt die Gelenkwelle an. Neben dem Glaskasten steht ein weißes Bedienpult mit vielen analogen und einigen digitalen Anzeigen. Integriert ist ein Computerbildschirm. „Daran erkennen Sie das diesjährige Upgrade“, erklärt mir Möllering. Mit den Elektromaschinenbauspezialisten von OEM aus Lüneburg und den Stahlbauexperten von Adolf Cornels, Brunsbüttel, verpasste man dem Prüfstand ein Upgrade: Die geforderten Antriebs- und Bremskräfte generiert der Prüfstand ohne Probleme. Der gesamte Prüfzyklus läuft jetzt vollautomatisch, ebenso die Dokumentation sämtlicher relevanter Parameter. Prüfstandsleiter Lennart Hess benötigt circa 20 Minuten zum Aufspannen der Kompakteinheit und dem Anschließen der Ölleitungen und Messkabel. Der folgende Prüfzyklus für so ein Getriebe dauert gut zehn Minuten.

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Als Maschinenbauer mit internationaler Erfahrung verantwortet Jens Möllering das operative Geschäft.
Die Antriebseinheit simuliert den Motor, der das Getriebe antreibt. Sie liefert die notwendige Drehzahl und das Drehmoment für die Tests. Die Belastungseinheit simuliert die Lastbedingungen, die das Getriebe während des Betriebs erfahren wird. Sie kann verschiedene Lastszenarien darstellen, um die Leistungsfähigkeit des Aggregats zu überprüfen. Die Punkte, an denen die Leistung im Getriebe aufgeteilt und wieder zusammengeführt wird, werden messtechnisch erfasst.
„Wir sind jetzt in der Lage, Kompakteinheiten von Bosch Rexroth, Linde, Sauer Danfoss, ZF und anderen fachmännisch zu reparieren und einzustellen. Keine Einheit verlässt ungeprüft unser Haus“, betont Möllering. Kompakteinheiten werden in leistungsverzweigte Getriebe, zum Beispiel in Schleppern der Marken Case IH, New Holland, Deutz-Fahr, Valtra, Claas, Steyr sowie in vielen Baumaschinen eingebaut.
Der Ein- und Ausbau der Kompakteinheiten aus dem Traktor oder anderen Maschinen läuft in der Regel beim Land- und Baumaschinenbetrieb. Sie werden dann nach Hamburg versendet oder die Kunden nutzen den Abholservice. Dort demontieren Pok- randt-Fachleute den Motor oder das Getriebe, begutachten und unterbreiten dem Kunden ein Festpreisangebot. Der Kunde kann jetzt entscheiden: Lohnt sich eine Reparatur oder wähle ich ein generalüberholtes Austauschgetriebe? Oder gar eine ganz neue Einheit? Die gängigsten Getriebetypen liegen generalüberholt bei der Firma Pokrandt im Regal. „Durch unsere Expertise und Prüfmöglichkeiten gibt es kaum Reklamationen. Und wenn, dann bitte ich den Kunden zur gemeinsamen Befundung bei uns vor Ort. Oft finden wir dann Metallspäne als Schadenursache. Das heißt, der Hydraulikkreislauf wurde bei der Reparatur nicht gründlich gespült. Daher mein Mantra: Sauberkeit, Sauberkeit, Sauberkeit!“, so Möllering.

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Sie gehören zur Ausstattung in der Hamburger Pokrandt-Werkstatt: Der 3-Kreis-Prüfstand (384 kW) und 2-Kreis-Prüfstand (315 kW).
Pokrandt Hydraulik Service – Die Hydraulikspezialisten am Hafen
Helmut Pokrandt startete am Hamburger Hafen 1984 die Vermietung von Gabelstaplern. Die Gabelstaplerflotte wuchs auf über 100 Stück in der gesamten D-A-CH-Region an. Mit der Zeit entdeckten jedoch die großen Hersteller dieses Geschäftsfeld der Vermietung für sich und boten konkurrierende Miet- und Leasingmodelle an.
Mit der Reparatur von Flurförderzeugen hatte man bei Pok- randt bereits viel Erfahrung mit Hydraulik gesammelt. Der technisch versierte Tüftler Pokrandt baute 1995 einen eigenen Prüfstand und entwickelte die Firma zu einem Hydraulikspezialisten mit Kunden weltweit. In den Folgejahren investierte der Unternehmer in drei Bosch-Rexroth Prüfstände bis zu einer Leistung von 386 kW. Hinzu kam ein ZF Prüfstand für Lastschaltgetriebe. Alle Prüfstände sind nach einem Hersteller-Upgrade in den letzten zwei Jahren auf dem neuesten technischen Stand.
Für Bosch Rexroth ist Pokrandt zertifizierter Servicepartner, aber auch zu Herstellern wie Linde, Sauer Danfoss, Voith, ZF, Parker und anderen pflegt Pokrandt einen ausgezeichneten Kontakt. Gut 50 Prozent des Umsatzes stammen aus dem maritimen Bereich. Hier repariert man vor allem hydraulische Antriebe für Ruderanlagen großer Frachtschiffe. Reeder versenden sie aus der ganzen Welt nach Hamburg.
Im Kundendienst arbeitet Pokrandt mit HIT, Viereck und Cornels zusammen. Diese verfügen über ergänzende Prüfmöglichkeiten, zum Beispiel für Ventile, sowie Zerspanungskapazitäten und alle erforderlichen Schweißzertifikate. Sie sind an sieben Standorten im Norden Deutschlands mit rund 160 Monteuren, die auf Wunsch auch Aggregate ein- und ausbauen, vertreten.
Aus Altersgründen übergab Helmut Pokrandt seine Firma 2019. Die installierte enorme Prüfkapazität und das Know-how des Teams begründeten einen sehr guten Ruf, waren und sind bis heute das Kapital des Unternehmens. Das Beton- und Baustoffunternehmen Manzke mit über 600 Mitarbeitenden, mit Sitz in Volkstorf bei Lüneburg, übernahm den Hydraulikspezialisten. Felix-Benjamin Manzke und Jens Möllering sind Geschäftsführer. Als Maschinenbauer mit internationaler Erfahrung verantwortet Möllering das operative Geschäft.









