Magazin Forsttechnik

Pflanzung :

Sicheres Bett für sturmfeste Bäume

Der Forstdienstleister Jassmann im sächsischen Grimma bereitet unter anderem sturmgeschädigte Waldflächen für die Wiederbegründung vor. Dafür wurde ein schwerer Forstpflug (TTS-Gerät) aus Finnland umgebaut.

Pflanzung: Sicheres Bett für sturmfeste Bäume

Die Vorbereitung von sturmgeschädigten Waldflächen für die Wiederaufforstung ist gegenwärtig ein Schwerpunkt bei den Arbeiten der Forstdienstleister Reinmut (l.) und Enrico Jassmann in Sachsen.

Forstdienstleister waren bislang angehalten, ein möglichst breites Spektrum waldbaulicher Tätigkeiten anzubieten. Doch mittlerweile sind auch Spezialisierungen gefragt. Neben dem ohnehin ständigen Bestreben, die teure Technik auszulasten, befördert die aktuelle Situation diesen Trend. Die zahlreichen Waldflächen, auf denen die Stürme „Herwart“ und „Friederike“ im vergangenen Jahr zum Teil komplette Bestände zu Boden brachten, müssen nicht nur zügig beräumt werden, um eine Ausbreitung des Borkenkäfers einzudämmen. Zugleich gilt es, schnell wiederaufzuforsten und die Sturmlücken mit stabilen und strukturreichen Mischwäldern zu schließen.

Das beschert Forstdienstleistern eine gute Auftragslage. Die im Ortsteil Nimbschen der sächsischen Kleinstadt Grimma ansässige Firma Reinmut Jassmann hat sich in diesem Zusammenhang auf die Pflanzbettvorbereitung von Flächen zur Wiederbewaldung spezialisiert. Für die Durchführung solcher Arbeiten erweiterte das Familienunternehmen, in dem neben Seniorchef Reinmut Jassmann, seine Frau Sylvia, Sohn Enrico und dessen Frau Mandy sowie Tochter Claudia tätig sind, in den vergangenen Jahren den Bestand der Anbaugeräte für die Traktoren Fendt 718, Valtra N 111 und eine ferngesteuerte Miniraupe vom Hersteller Pfanzelt. Dazu gehören Räumrechen, Streifenpflüge in Arbeitsbreiten von 30 cm bis 1,50 m, Bodenmeißel, Mulcher, schwere Scheibenegge sowie eine AHWI-Streifenfräse. Zu den vorhandenen, landläufig als TTS-Gerät bezeichneten, Forstpflügen für die Saat- bzw. Pflanzbettbereitung kam in jüngster Zeit eine schwere Ausführung hinzu. Der Name TTS geht auf die finnische Ingenieurorganisation Työtehoseura, Kürzel TTS, zurück. Der überbetriebliche Zusammenschluss fördert technische Innovationen. Eine davon war die Entwicklung des Gerätes mit den typischen gewölbten Sternrädern. Es ist auf finnische Verhältnisse zugeschnitten, die durch steinige Böden und die Notwenigkeit gekennzeichnet sind, in den Sommermonaten kurzfristig große Waldbereiche für die Baumanpflanzung zu erschließen.

Einmaliges Angebot online entdeckt

„Jetzt haben wir für jedes Gelände und jede Kundenanforderung das passende Gerät“, meint Enrico Jassmann, der den Bereich Flächenvorbereitung betreut. Als Glücksfall betrachtet er die Anschaffung des neuesten TTS-Gerätes. „Ich stöbere öfter im Internet nach interessanten Maschinen und stieß an einem Sonntagabend auf das Angebot“, berichtet der 37-jährige. Ihm sei gleich klar gewesen, dass sich hier eine einmalige Chance zum Erwerb eines größeren TTS-Gerätes bot. Zumal der Preis akzeptabel war und das Gerät im nahen Leipzig zur Abholung bereit stand. Die robusten Geräte seien nahezu unverwüstlich und würden daher als Gebrauchtmaschine nur äußerst selten zum Verkauf stehen. Enrico Jassmann klickte also auf Sofortkauf und konnte auch seinen Vater von der Nützlichkeit des Erwerbs überzeugen. „Dass ich da den Kauf bereits getätigt hatte, habe ich ihm allerdings erst im Nachhinein verraten“, sagt der Juniorchef schmunzelnd. Einige Tage später rollte das rund zwei Tonnen schwere TTS-Gerät auf dem Lkw in Richtung Betriebshof in Nimbschen.

Um es im Betrieb für die Flächenvorbereitung einsetzen zu können, war jedoch noch ein Umbau fällig. Das Originalgerät wurde über eine Deichsel gezogen und musste zum Umsetzen oder für den Transport über einen Auslegearm am Traktorheck, wie es sie früher beispielsweise optional für den K 700 gab, angehoben werden. Deshalb ersetzten Jassmanns die Deichsel mit Hilfe einer Schlosserei durch eine angeschweißte Dreipunktaufnahme. „Wir haben da einige Wochen getüftelt und mehrere Veränderungen vorgenommen. Denn das schwere TTS-Gerät muss etwas Spiel haben, damit es den Traktor nicht aus der Spur drängt, wenn es sich seitwärts bewegt oder über einen Stubben rollt“, erläutert Reinmut Jassmann. Letztlich habe man eine praktikable Lösung gefunden, etwa durch den Einsatz einer Kette als Oberlenker, und seit Inbetriebnahme im Frühjahr 2019 etwa 50 ha Waldfläche für die Wiederaufforstung hergerichtet. Die Auftraggeber hätten sich mit dem Arbeitsergebnis durchweg zufrieden gezeigt.

Beim Rollen über den Waldboden werfen die schweren Sternräder des TTS-Gerätes den Oberboden entlang der Furche zur Seite.

Beim Rollen über den Waldboden werfen die schweren Sternräder des TTS-Gerätes den Oberboden entlang der Furche zur Seite.

Die per Zapfwelle angetriebene Walze der AHWI-Streifenfräse mit den aufmontierten Meißeln.

Die per Zapfwelle angetriebene Walze der AHWI-Streifenfräse mit den aufmontierten Meißeln.

Forstfräse und TTS-Gerät im Vergleich

Wir treffen Vater und Sohn am 9. August bei Arbeiten auf einer 1,6 ha großen Privatwaldfläche im Thümmlitzwald. Das Waldgebiet im Landkreis Leipzig umfasst 1.500 ha. Insbesondere das verheerende Sturmtief Friederike verursachte hier große Schäden. Im Privatwald wurden 90 Prozent des Fichtenbestandes beschädigt. In wenigen Stunden fielen 12.000 Festmeter Holz.

Am Rand der Wiederaufforstungsfläche, auf der im Vorjahr bereits ein schwerer Forstmulcher im Einsatz war, stehen ein Fendt 718 mit dem modifizierten TTS-Gerät an der Dreipunkt-Aufhängung und ein Valtra N 111 mit anmontierter Streifenfräse AHWI S700-650. Als notwendige Frontgewichte fungieren am Fendt der etwa 1 t schwere Räumrechen (Räumfix von Wahlers) und am Valtra ein Polterschild mit Bergewinde.

„Wir setzen hier ausnahmsweise beide Methoden zur Bodenvorbereitung parallel ein“, erklärt Enrico Jassmann. Ziel sei es, die Etablierung des noch zu pflanzenden Baumbestandes nach den unterschiedlichen Verfahren der Saatbettbereitung zu testen. So werden auch die Unterschiede in der Arbeitsweise und im Ergebnis der Überfahrt deutlich:

Beim TTS-Gerät rollen die beiden gewölbten, 1,10 m großen Sternräder über die Fläche. Durch ihr Gewicht dringen sie einige Zentimeter in den Oberboden ein und werfen diesen heraus, sodass sich jeweils an den Außenseiten ein kleiner Damm bildet. Im Ergebnis entstehen im freigelegten Mineralboden zwei Pflanzfurchen mit einem Abstand von 2 m, die sofort bepflanzt werden können. Im Furchenboden hinterlassen die Zähne der Sternräder eine rippenförmige Struktur. „In den tieferen Bereichen sammelt sich Feuchtigkeit, die das Anwachsen der Setzlinge erleichtert. Das ist insbesondere in Hangbereichen ein Vorteil“, weiß Enrico Jassmann.

Der Räumrechen am Fendt und das Polterschild am Valtra fungieren zugleich als Frontgewichte bei der Bearbeitung des Waldbodens.

Der Räumrechen am Fendt und das Polterschild am Valtra fungieren zugleich als Frontgewichte bei der Bearbeitung des Waldbodens.

Die Arbeitsbilder von TTS-Gerät (l.) und Streifenfräse im Vergleich. Testweise wendete der sächsische Forstdienstleister auf dieser Fläche beide Verfahren an.

Die Arbeitsbilder von TTS-Gerät (l.) und Streifenfräse im Vergleich. Testweise wendete der sächsische Forstdienstleister auf dieser Fläche beide Verfahren an.

Da mit einer Arbeitsgeschwindigkeit von etwa 3 km/h gefahren wird und dabei gleich zwei Pflanzstreifen entstehen, sei die Flächenvorbereitung mit einem TTS-Gerät ein schnelles und kostengünstiges Verfahren. Der Juniorchef möchte wegen der unterschiedlichen Bedingungen, die zu berücksichtigen sind, keine konkreten Zahlen nennen, spricht aber vom halben Preis gegenüber der Streifenfräse. Außerdem könne steiniger Boden dem TTS-Gerät nichts anhaben. Über Wurzelstöcke und große Steine würden die Sternräder in aller Regel einfach rüberklettern. Verhake sich doch einmal ein Sternrad, beispielsweise in einer Baumwurzel, greife ein Schutzmechanismus und ermögliche das Wegklappen.

Dass der Staatsbetrieb Sachsenforst bei seinen Ausschreibungen dennoch das Anlegen von Pflanzstreifen mit der kostenintensiveren Forstfräse bevorzugt, hat drei Gründe. Das Pflanzen auf dem ebenerdigen Pflanzstreifen ist einfacher als in einer geripppten Pflanzfurche, die Anwuchswahrscheinlichkeit in der gefrästen, durchmischten Bodenschicht ist höher und auf dem breiten Frässtreifen ist im ersten Jahr meist keine Kulturpflege notwendig. Allerdings muss sich der frisch angelegte Streifen erst sechs bis acht Wochen setzen, bevor gepflanzt werden kann. Kommen die Setzlinge zu früh nach der Überfahrt in den Boden, besteht die Gefahr, dass durch die Setzbewegung des stark aufgelockerten Bodens Teile der Wurzel frei liegen. Der Forstdienstleister Jassmann erwarb in diesem Frühjahr, als Ersatz für ein verschlissenes baugleiches Gerät, die AHWI-Streifenfräse S700-650 bei der Hagl Forst- und Umwelttechnik Vertriebs GmbH, mit der das Unternehmen seit vielen Jahren in Geschäftsbeziehung steht. Die mit Hartmetallmeißeln bestückte, über die Zapfwelle angetriebene Walze legt im Waldboden einen 60 cm breiten und 30 cm tiefen Pflanzstreifen an.

„Wir betrachten die Beratung der Waldbesitzer unter anderem über die Vor- und Nachteile der beiden Verfahren zur Bodenvorbereitung für die Wiederaufforstung als wichtigen Teil unseres Leistungsangebotes. Mit dem Vergleichstest, den wir hier anlegen und auf dessen Ergebnis ich gespannt bin, können wir dies unseren Kunden künftig auf einer Beispielfläche ganz praktisch demonstrieren“, sagt Enrico Jassmann.


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