Magazin on track – das Magazin 2018/2019

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„Pflanze und Technik unter einem Hut“

Andreas Möller (30) arbeitet seit Kurzem bei Fendt als Produktmarketingmanager im Bereich Feldspritzen. Dabei fasziniert ihn, dass er nicht nur die Technik, sondern auch den Pflanzenbau im Blick hat.

: „Pflanze und Technik unter einem Hut“

Andreas Müller gestaltet die Schnittstelle zwischen Konstruktion, Produktmanagement und Endkunden.

On track: Herr Möller, was macht ein Produktmarketingmanager?

Andreas Möller: Unser Team ist die Schnittstelle und das Kommunikationsorgan zwischen Produktmanagement und Konstruktion sowie letztendlich den Endkunden, also den Landwirten. Wir definieren Marktanforderungen an das Produkt, wie z.B. Modellpalette, Leistungsbereiche, Basisausstattung, Optionen, Alleinstellungsmerkmale und arbeiten Verkaufsargumente für das Produkt aus. Wir klären also, welchen Nutzen das Produkt und die einzelnen Features für den Landwirt haben und was es ihm Wert sein darf. Daraus leiten sich dann auch Zielpreis und Zielkosten ab. Ich habe hierbei die Gesamtverantwortung für den Produktbereich Pflanzenschutzspritzen bei Fendt.

Pflanzenschutzspritzen sind nicht das erste, an das man bei der Marke Fendt denkt. Was macht für Sie den Reiz aus, eine so junge Produktgruppe zu betreuen?

Es stimmt, die Pflanzenschutzspritzen werden erst seit diesem Jahr unter der Marke Fendt verkauft. Aber für den AGCO-Konzern, zu dem Fendt gehört, ist der Bereich ja nicht neu. Die AGCO-Marke Challenger hat Spritzen schon einige Jahrzehnte im Programm. Es ist dennoch spannend, wenn in einem großen, renommierten Unternehmen wie Fendt derart neue Produkte in das Portfolio integriert werden. Da hat man im Marketing deutlich mehr Aufgaben als bei einem schon länger eingeführten Produkt wie dem Traktor. Dort ist das Team größer und die Aufgaben des Einzelnen sind schon perfekt eingespielt. Ich habe dagegen relativ viele Freiheiten und kann viel selbst gestalten. Dazu kommt der Reiz, dass ich auch direkt mit dem Ackerbau zu tun habe.

Inwiefern?

Ein Traktor beispielsweise ist ein High-Tech Zugfahrzeug, aber er ist am Ende doch ‚nur‘ ein Zugfahrzeug bzw. Energielieferant für das Anbaugerät. Bei der Pflanzenschutzspritze dagegen muss ich die Stadien im Pflanzenwachstum, mögliche Krankheiten und Schädlinge und viele andere Herausforderungen beachten, mit denen der Landwirt zu tun hat. Dazu kommen rechtliche Anforderungen bezüglich Abdrift und Ausbringmenge, die Mittelwahl bis hin zum Pflanzenschutzgesetz und anderen rechtlichen Anforderungen.

Dazu gehört ja sehr umfangreiches Wissen. Welche Ausbildung haben Sie gemacht?

Wie viele Quereinsteiger komme ich selbst nicht vom Hof, habe aber über einen Betrieb bei uns im Dorf die Landwirtschaft kennengelernt. Dann habe ich Kontakt zu einem Lohnunternehmer bekommen, bei dem ich auch in den Semesterferien gearbeitet habe. Ich habe in Gießen Agrarwissenschaften mit Schwerpunkt Pflanzenbau studiert. Nach einer dreijährigen Zwischenstation beim Landtechnikhersteller Kuhn, wo ich in der Vertriebszentrale in Schopsdorf tätig war, bin ich im Mai zu Fendt gekommen.

Was war der Grund für den Wechsel?

Ich habe gemerkt, dass nur der Verkauf der Technik mich nicht erfüllt. Mir fehlte die landwirtschaftliche Komponente. Daher hatte mich die Stellenausschreibung bei Fendt sehr gereizt.

Wollten Sie denn immer schon in die Landtechnikindustrie? Mit dem Pflanzenbaustudium hätten Sie ja auch andere Optionen gehabt.

Das ist richtig. Aber Landtechnik hatte mich seit der Zeit beim Lohnunternehmen immer schon fasziniert. Aus dem Grund wollte ich eigentlich Maschinenbau an der RWTH Aachen studieren und hatte auch schon angefangen. Aber ich habe im zweiten Semester festgestellt, dass das für mich viel zu weit weg von der landwirtschaftlichen Praxis ist. Ich wollte ja auch nicht im Bereich Konstruktion oder so arbeiten. Daher ist mein jetziger Job genau passend für mich.

Was hat Sie denn jetzt am meisten auf den Beruf vorbereitet? Das Studium? Praktika? Ihre vorherige Tätigkeit im Vertrieb?

Ich würde sagen, alles zusammen. Im Bachelorstudium habe ich zunächst alle Grundlagen vermittelt bekommen bis hin zur Nutztierhaltung. Dann habe ich gezielt Pflanzenbau für das Masterstudium gewählt, auch mit Modulen zur Betriebswirtschaft und zur Technik. Praktika habe ich nicht gemacht, ich habe dafür ja insgesamt acht Jahre lang beim Lohnunternehmer gearbeitet. Das hat mich auch geprägt, ich weiß heute, was die Praktiker für Anforderungen an die Technik haben und welche Probleme es draußen gibt. Die Arbeit im Vertrieb war sehr gut, um auch diesen Bereich kennenzulernen – alles Aspekte, die ich heute für meine Tätigkeit gut gebrauchen kann.

Welchen Rat würden Sie nach Ihrem Berufseinstieg anderen jungen Menschen mit auf den Weg geben?

Man sollte sich zwar überlegen, was man später machen möchte. Aber wenn man feststellt, dass die erste Idee vielleicht nicht die richtige ist, sollte man auch den Mut haben, sich das einzugestehen. Ohne die beiden Wechsel wäre ich nicht zu meinem jetzigen Job gekommen. Auch ist es aus meiner Sicht hilfreich, wenn man nach dem Bachelorstudium weiß, was man später machen will. Dann kann man das Masterstudium mit seinen Modulen ganz gezielt auswählen und sich spezialisieren.

Die Fragen stellte Hinrich Neumann.

Seit 2018 vertreibt AGCO Pflanzenschutztechnik des Konzerns unter der Marke Fendt.

Seit 2018 vertreibt AGCO Pflanzenschutztechnik des Konzerns unter der Marke Fendt.


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