Magazin Wirtschaft

Ostdeutschland :

Starke Gebrauchte ziehen gut

Im Osten Deutschlands sind Großtraktoren derzeit gefragt. Sie können Arbeitsspitzen abpuffern und schonen die Liquidität. Wie Dr. Enrico Sieber, Geschäftsführer von Titan Machinery Deutschland in Burkau, im eilbote-Interview berichtet, investieren die Landwirte derzeit vorsichtiger. Vor allem die Folgen der Dürre sorgen in vielen Betrieben für eine angespannte wirtschaftliche Lage.

eilbote: Wie läuft es derzeit im GM-Geschäft?

Dr. Enrico Sieber: Derzeit laufen insbesondere Gebrauchttraktoren recht gut – allerdings sehr marken- und modellabhängig. Im Moment stellen wir in unserem Vertriebsgebiet eine rege Nachfrage nach größeren Zugmaschinen jenseits der 250 PS für die Bodenbearbeitung fest.

Gute und junge Gebrauchte gewinnen aus Kundensicht immer mehr an Attraktivität, so dass wir sie derzeit gut verkaufen können. Sogar Schlepper, die über tausend Stunden auf dem Tacho haben, werden im Land nachgefragt. Traditionell gehen die größeren Maschinen mit mehr Stunden aber eigentlich eher ins Ausland.

Welche gebrauchten Case-Maschinen schlagen sich besonders gut?

Insbesondere bei gebrauchten Magnums und Pumas, aber auch bei Quadtracs ist die Nachfrage derzeit gut. Gleiches gilt aber auch für entsprechende Großtraktoren des Wettbewerbs, die wir bei Neumaschinengeschäften in Zahlung nehmen.

Titan Machinery Deutschland ist Tochter eines börsennotierten Konzerns, der zahlreiche Standorte in der ganzen Welt unterhält. Können Sie davon im GM-Segment profitieren?

Die Titan-Standorte sind vernetzt. Wir kennen daher die jeweiligen Bestände an Gebrauchtmaschinen und kommunizieren diese auch untereinander, ebenso wie relevante Kundenanfragen. Aus Deutschland fließen die Gebrauchten über das Titan-Netz jedoch nur in Richtung der anderen Länder ab – insbesondere nach Osteuropa. Umgekehrt vermarkten wir in Deutschland aber keine Secondhand-Maschinen unserer ausländischen Partnerbetriebe.

Die Vermarktung von gebrauchten Hightech-Großtraktoren ist herausfordernd.

Wir bieten unseren Käufern größerer und komplexerer Gebrauchtmaschinen eine Einweisung an. In einigen Fällen haben wir die Käufer hochgradiger Gebrauchtmaschinen auch schon vor Ort betreut.

Grundsätzlich tendieren die Endkunden bei Gebrauchtschleppern eher zum mechanischen als zum stufenlosen Getriebe. Allerdings ist das regional unterschiedlich und hängt auch vom Service der Hersteller bzw. Lieferanten in den einzelnen Ländern ab. Zum Beispiel können wir sehr gut stufenlos fahrende CVX-Traktoren nach Rumänien verkaufen, weil Titan Machinery dort mit einem umfangreichen Filialnetz vertreten ist und den Kunden vor Ort einen guten Service anbieten kann. Davon können wir als Mitglied der Titan-Gruppe natürlich profitieren.

Gebrauchte Großtraktoren brummen also. Gilt das auch für die Bodenbearbeitungstechnik?

Bei den Ackergeräten, insbesondere den stark gebrauchten, herrscht zurzeit eine totale Flaute. Dennoch sind auch in diesem Segment immer wieder junge Gebrauchte und Vorführer gefragt. Eher schleppend laufen dagegen Maschinen und Geräte, die in unserem Vertriebsgebiet klassischer Weise aus Großbetrieben zurückkommen und schon einige tausend Hektar auf dem Buckel haben. Im Bereich Bodenbearbeitungstechnik werden in den neuen Bundesländern eher Neumaschinen nachgefragt.

Wie steht es um Erntemaschinen?

Ein eher zähes Geschäft. Grundsätzlich generiert der Fachhandel ja Gebrauche, indem er Neumaschinen verkauft. Im Segment der selbstfahrenden Erntetechnik ist Titan Deutschland allerdings noch nicht da, wo wir hin wollen. Der Bereich gebrauchte Erntetechnik ist für uns daher ein klassisches Zukaufsgeschäft.

Dennoch fließen junge gebrauchte Niedrigläufer unserer Hausmarke Case im Land gut ab, wohingegen sich der Export im Moment eher schwierig gestaltet. Wir beobachten, dass der Markt für gebrauchte und auch für neue Erntemaschinen extrem unter Druck steht.

Sind das Auswirkungen der Dürre?

Ich denke schon. Die Landwirte investieren im Moment eher vorsichtig. Der Trend zu Mieten und Kurzmieten von Maschinen nimmt von Jahr zu Jahr zu. Dadurch wollen die Landwirte ihre finanziellen Verpflichtungen reduzieren und Auslastungsspitzen abdecken. Zudem fragen immer mehr Kunden Verlängerungen von Zahlungszielen an. Alles das deutet auf eine angespannte Ertragslage hin.

Im Juli letzten Jahres hat Titan Machinery Germany die Nachfolge der Agram-Gruppe angetreten. Können Sie von der langjährigen Tradition des Case IH/Steyr-Händlers profitieren?

Es gibt natürlich noch immer Kunden, die „zur Agram fahren“. Nach 27-jähriger Firmengeschichte und zum Teil engen Beziehungen zur Kundschaft ist es logisch, dass der Name ein positives Image hat und noch in den Köpfen verankert ist.

Dennoch ist die Akzeptanz unserer Kundschaft für den Wechsel hoch, und auch die Mitarbeiter haben sich schnell umgestellt.

Wie ist Ihre Prognose für das Gebrauchtmaschinengeschäft in 2019?

Ein Großteil der Händlerschaft wird das abgelaufene zweite Quartal sicher eher als durchwachsen bewerten; das wird immer wieder in Gesprächen deutlich. Auch die Zulassungszahlen zeigen das.

Ich erwarte ein relativ stabiles, aber dennoch im Vergleich zum Vorjahreszeitraum leicht gedämpftes drittes Quartal. Grund dafür ist zum einen die Wettersituation, die in unserem Vertriebsgebiet in den letzten drei Jahren sehr angespannt war. Entweder hatten wir mit Kälte und Niederschlägen oder mit Hitze und Trockenheit zu kämpfen. Zum anderen wird die Agritechnica ihre Schatten auf das dritte Quartal vorauswerfen, weil potenzielle Käufer tendenziell erst die Fachmesse in Hannover abwarten, um anschließend ihre Investitionsentscheidungen zu treffen. Wenn jedoch die Neumaschinengeschäfte hinausgezögert werden, verzögert sich natürlich auch der Abverkauf von Gebrauchten, so dass weniger frische Ware an Gebrauchttechnik auf den Markt kommt...

... zudem ist die wirtschaftliche Lage in der Landwirtschaft durchaus angespannt ...

... tatsächlich sind die Kassen der Landwirte derzeit nicht so prall gefüllt. Zudem haben wir bei Gebrauchtmaschinen oft das Phänomen, dass die Kunden ihre Maschinen erst kurz vor dem Einsatz kaufen. Damit könnte es sich negativ auf das vierte Quartal auswirken, wenn zum Beispiel die Herbstarbeiten aufgrund der Witterung schon relativ früh erledigt sind.

Dagegen gibt es aber auch Endkunden, die vor allem Großmaschinen direkt nach der Ernte kaufen, weil sie wissen, dass sie diese dann zu relativ attraktiven Preisen erhalten. Bei Rückläufern aus Mähdreschermieten ist hier sogar ein gewisser Run zu erkennen.

Das Interview führte Annette Schulze Ising

Zur Person

Dr. Enrico Sieber.

Dr. Enrico Sieber.

Dr. Enrico Sieber ist promovierter Agraringenieur und einer von zwei Geschäftsführern der Titan Machinery Deutschland, Tochter des US-amerikanischen Branchenriesen Titan Machinery. Der börsennotierte Konzern unterhält allein in den Vereinigten Staaten mehr als 70 Niederlassungen. Über 20 weitere Standorte werden von der Europa-Zentrale in Wien aus geführt und betreuen Kunden in Deutschland sowie in Bulgarien, Rumänien, Serbien und der Ukraine.

Erst seit Sommer vergangenen Jahres wehen die Flaggen der Titan-Gruppe im sächsischen Burkau und an den anderen früheren Standorten der ehemaligen Firma Agram. Deren Firmengründer hatten ihr Unternehmen aus Altersgründen an die Titan-Gruppe verkauft.

Heute betreut Titan Machinery Deutschland als Vertragshändler der Marken Case IH und Steyr mit insgesamt fünf Betrieben und knapp 110 Mitarbeitern ein Gebiet, das sich von der Insel Rügen über Thüringen bis hin zum Erzgebirge an der tschechischen Grenze erstreckt. Die Kundschaft reicht vom 10- bis zum 15.000-Hektar-Betrieb und umfasst alle Segmente, angefangen von Gemüse- oder Obstbauern über Tierhalter bis hin zu reinen Ackerbaubetrieben.

Kontakt:

Dr. Enrico Sieber

Titan Machinery Deutschland GmbH

D-01906 Burkau

Telefon (0 35 95) 32 70

Mobil 01 51 - 16 32 70 12

enrico.sieber @ titanmachinery.de

www.titanmachinery.de


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