Magazin Obst- und Weinbautechnik

Obst- und Weinbautechnik :

Anbau steht im Zeichen der Präzision

Egal, ob beim Pflanzenschutz, der Pflege oder der Ernte: Der Obst- und Weinbau steht vor neuen Herausforderungen. Entsprechend schnell schreitet der technische Fortschritt voran. Ein Überblick über Trends und neue technische Entwicklungen.

Obst- und Weinbautechnik: Anbau steht im Zeichen der Präzision

Windegger bietet spezielle Hubarbeitsbühnen zur Ernte an. Im Bild die K5, hier in der „Alpin“-Version.

Nicht nur die Landwirtschaft, sondern auch der Anbau von Sonderkulturen steht vor einem starken Umbruch. Die fortschreitende Klimaveränderung, neue Schaderreger, neue Kulturen, aber auch neue Anbaumethoden und Bekämpfungsverfahren sorgen dafür, dass sich die Technik bei Anbau, Pflege und Ernte ständig verändert. Dazu kommt der Wegfall bzw. die Entwicklung und Zulassung von neuen Mitteln gepaart mit Resistenzen der Schaderreger gegen bestimmte Mittel. Verlieren bewährte Mittel ihre Wirkung, steht aber nicht zwangsläufig ein neuer Wirkstoff zur Verfügung. Die Erforschung neuer Pflanzenschutzlösung ist nicht einfach, da der Anbau dieser Kulturen oft auf kleinen Flächen stattfindet und es ein breites Angebot an Obst, Gemüse und Zierpflanzen gibt.

Bei der Applikationstechnik ist nicht zuletzt deshalb eine immer höhere Präzision mit möglichst automatischer Zu- und Abschaltung gefragt. Denn das Spritzen muss auch in den meist windstillen Abend- und Nachtstunden erfolgen können. Damit kommt aktuell der Entwicklung der Fahrwerke und Lenksysteme sowie insbesondere auch der Weiterentwicklung der Applikationstechnik, wie z. B. der Spritzgestänge, Sensoren und Düsentechnik eine weiterhin wichtige Rolle zu. Düsenbeleuchtung und automatische Düsenüberwachung gewinnen deshalb ebenso schnell an Bedeutung, wie Systeme zur automatisierten Lenkung, Gestängeführung und Applikation.

Zu den technischen Herausforderungen kommen neue Rechtsvorschriften auf die Obstbauern, Landwirte und Brenner zu wie die Düngeverordnung 2018 oder die Abschaffung des Branntweinmonopols.

Neue Schmalspurschlepper für den Obst- und Weinbau

Massey Ferguson (MF) bietet in diesem Jahr die neue Spezialtraktorenbaureihe MF 3700 mit 75 bis 105 PS an, welche das Angebot für Winzer, Obstbauern und alpine Betriebe um 76 verschiedene Modellvarianten erweitert. Der Hersteller hatte die inzwischen bereits mehrfach ausgezeichnete Baureihe auf der Agritechnica 2017 erstmals vorgestellt.

Die vier Modelle sind in fünf Grundausführungen und 76 Varianten mit verschiedenen Op- tionen erhältlich:

■ V = Vineyard (Weinbau) – für den Einsatz in Weinbergen mit in der Regel schmalen Reihenabständen; die maximale Geschwindigkeit liegt bei 40 km/h.

■ S = Special (Sonderkulturen) – für Weinberge mit weiteren Reihenabständen, mit einem etwas breiteren Chassis und einer geräumigeren Kabine für den Fahrer.

■ F = Fruit (Obstbau) – für den Einsatz bei weit auseinander liegenden Weinstöcken und Obstplantagen, ein gut ausgestatteter Traktor mit einer breiteren Vorderachse und einer geräumigeren Kabine.

■ G = Ground Effect (Niedrigbauweise) – für Arbeiten unter Bäumen, in Polytunneln und unter überdachten Weinstöcken, mit einer breiteren Vorderachse für zusätzliche Stabilität.

■ WF = Wide Fruit (Breiter Obstbau) – ein breiterer Traktor für den Einsatz in Obstplantagen, aber auch ideal für die Almwirtschaft sowie Veredlungsbetriebe geeignet; mit niedrigem Schwerpunkt und zusätzlicher Stabilität an Hängen dank einer breiteren Vorder- und Hinterachse, niedrigen Gewichtes sowie mit einer geräumigeren Kabine.

Die Traktoren sind mit einem Common-Rail-Vierzylindermotor der nächsten Generation ausgestattet, der die Abgasnorm Stufe 3B erfüllt (www.AGCOcorp.com).

Im Obstbau sind verschiedene Hydraulikanschlüsse gefragt. Deutz-Fahr reagiert darauf mit einer neuen Hydraulikanlage.

Im Obstbau sind verschiedene Hydraulikanschlüsse gefragt. Deutz-Fahr reagiert darauf mit einer neuen Hydraulikanlage.

Der MF 3700 hier in der Version „F“ (Fruit) für den Obstbau. Der Leistungsbereich dieser Baureihe liegt zwischen 75 und 105 PS.

Der MF 3700 hier in der Version „F“ (Fruit) für den Obstbau. Der Leistungsbereich dieser Baureihe liegt zwischen 75 und 105 PS.

Neue Hydraulikanlage für Spezialtraktoren

Deutz-Fahr bietet für Spezialtraktoren eine neue Hydraulikanlage an. Denn gerade bei Spezialtraktoren, die im Wein- und Obstbau eingesetzt werden, müsse sich die Arbeitshydraulik dem betriebsindividuellen Arbeitsprofil anpassen lassen, so der Hersteller. Manche Betriebe bräuchten viele Hydraulikanschlüsse mit geringer Ölmenge. Andere wiederum wenige Anschlüsse jedoch mit hohen Durchflussmengen oder einer Zeitsteuerung. Damit die Landwirte verschiedene Anbaugerätekombinationen präzise steuern können, bietet Deutz-Fahr jetzt für die Spezialtraktorserie 5DF/DS/DV eine modulare Hydraulikanlage an. Damit sollen Kunden die Hydraulikanlage passend zu ihrem Einsatzprofil und ihren Anbaugeräten auswählen, um die Hydraulikleistung effizient und präzise genau da abzurufen und einzusetzen, wo sie gebraucht wird. Bestellbar sind drei Varianten: Setting-Flow, Power-Flow und High-Flow.

Neue Mulcher

Der Ecosprint von Berti kürzt Unkraut in Obstplantagen mit Nylonfäden.

Der Ecosprint von Berti kürzt Unkraut in Obstplantagen mit Nylonfäden.

Neu beim italienischen Hersteller Berti ist das Modell BF/S, ein Mulchgerät für Wein- und Obstgärten für Traktoren mit 40 bis 80 PS. Es hält Gras und Reisig bis zu einem Durchmesser von 5 cm kurz. Dank der besonders niedrigen Rahmenbauweise ist es vor allem für niedrige Pflanzen ideal: Es arbeitet auf einer Höhe von maximal 47 cm vom Boden. Der Rahmen besteht aus dem Spezialstahl „Strenx“, um ein geringes Gewicht des Mulchers zu erreichen und gleichzeitig für die richtige Stabilität der Kombination Mulcher-Arbeitsgerät zu sorgen.

Die hydraulische Fortbewegung mit Parallelführung des Auslegers soll dafür sorgen, dass das Gerät sowohl links als auch rechts maximal über die Spurweite des Traktors hinausragt. Der automatische Riemenspanner vermeidet das Verschieben der Riemen, wenn das Gerät unter Belastung arbeitet. Auf Anfrage kann die Ausstattung des Geräts mit einem Satz Sammelrechen, Stützkufen und einer Gelenkwelle ausgestattet werden.

Außerdem bietet Berti neuerdings die Unkrautmähmaschine Ecosprint an. Damit sollen Landwirte Unkraut und Gras unter Nutzpflanzen beseitigen können. Die Maschine arbeitet mit einem Rotor mit Nylonfäden, die die Rinde der Nutzpflanzen nicht schädigen sollen. Denn die Rollen stehen senkrecht, sodass auch die Fäden senkrecht arbeiten. Am Rotor sind 16 Einzelspulen angebracht, was einen schnellen Austausch der Fäden vereinfachen soll. Die Schutzabdeckung lässt sich mechanisch in Höhe, Tiefe und Neigung verstellen. (www.bertima.it)

Der Hersteller Tehnos aus Slowenien hat den Kreiselmulcher Vario MTV3 neu im Programm. Er ist vor allem vorgesehen für das Mulchen von Gras im Obstbau und Weinbau mit unterschiedlichen Reihenabständen. Die empfohlene Leistung des Traktors liegt zwischen 68 und 102 PS. Die Ankopplung am Traktor ist sowohl hinten als auch vorn möglich. Die Version mit drei Rotoren ermöglicht eine geringere Tiefe des Mulchers, was die Wendigkeit erhöhen soll. Die Arbeitsbreite lässt sich hydraulisch von 1,9 bis 2,6 m verstellen. Das optimierte Innere des Gehäuses sorgt für einen optimalen Mulcheffekt und gleichmäßigen Auswurf der Mulchmasse, verspricht der Hersteller. Die drei Rotoren mit zwölf geraden und beweglichen Messern, die in zwei Höhen angeordnet sind, verbessern das Arbeitsergebnis. Bewegliche Messer weichen beim Anfahren auf ein Hindernis aus. Eine flexible elastische Kupplung zwischen dem Rotor und dem Triebwerk schützt vor eventuellen Schlägen. Das robuste Gehäuse ist aus hochfestem und verschleißfestem Blech. Die Maschine wiegt 694 kg. Wegen des an beiden Seiten niedrigen Gehäuses kann der Vario MTV3 auch unter Bäumen eingesetzt werden.

Tehnos hat eine mehr als 30-jährige Tradition in der Produktion von Landmaschinen und bietet universelle und landwirtschaftliche Mulcher von 1,1 bis 9 m Arbeitsbreite an. Im Bereich Obstbau und Weinbau hat Tehnos spezielle Mulcher bis 2 m Arbeitsbreite, Kreiselmulcher mit festen Arbeitsbreiten bis 2,6 m und Vario-Modelle bis 2,6 m Arbeitsbreite im Programm. Zudem gibt es Reihenbürsten und Reihenfädenmulcher. (www.tehnos.si)

Neue Erntemaschinen

Bei der Erntemaschine K7+ von Windegger wird die Kiste für das Erntegut über einen integrierten Kettenzug auf- und abgeladen.

Bei der Erntemaschine K7+ von Windegger wird die Kiste für das Erntegut über einen integrierten Kettenzug auf- und abgeladen.

Die Allround-Hebebühne K5 von Windegger ist für kleinere und mittelgroße Betriebe konzipiert. Mit einer Bühnenhöhe von bis zu 2,70 m soll sie ein angenehmes Arbeiten beim Öffnen und Schließen von Hagelnetzen oder der Ernte garantieren.

Mithilfe des patentierten Kistenentleerungssystems werden die Pflückkörbe automatisch von oben in die Kiste abgesenkt und entleert. Auf diese Weise sollen bis zu fünf Personen bequem im Boden- und Gipfelbereich pflücken können. Dank ihrer kompakten Bauweise lässt sich die Erntemaschine im Stand wenden. Gesteuert wird die K5 über einen Joystick am wetterfesten Steuerpult. Die Version „Alpin“ ist für die Arbeit am Hang u.a. mit einem Neigungsausgleich ausgestattet.

Eine Version größer ist die K7+ mit 500 kg Tragkraft und einer Höhe der Arbeitsbühne von 1,05 bis 2,80 m. Die Maschine besitzt einen sehr niedrigen Geschwindigkeitsbereich von nur 30 cm pro Minute. Das Getriebe lässt sich individuell auf die Kundenwünsche anpassen. Die K7+ mit Batterieantrieb ist standardmäßig mit Allradantrieb sowie Einzelradlenkung ausgestattet. Die Kiste für das Erntegut wird über einen integrierten Kettenzug auf die Arbeitsbühne befördert. Damit kann sie auch an steileren Hängen einfach auf- und abgeladen werden, so der Hersteller. Mit einer zertifizierten Fahrtneigung von 58 % und Hangneigung von 30 % soll sie zudem ein sicheres Arbeiten garantieren (www.windegger.eu).

Die Seitengitter des ZDK 180 BK-Box von Oehler lassen sich hydraulisch öffnen und schließen.

Die Seitengitter des ZDK 180 BK-Box von Oehler lassen sich hydraulisch öffnen und schließen.

Die Firma Oehler mit Sitz in Offenburg hat den neuen Anhänger ZDK 180 BK-Box zum Transport von Großkisten im Programm. Das Fahrzeug ist mit 8.000 bis 24.000 kg zulässigem Gesamtgewicht erhältlich. Es besitzt eine patentierte Ladungssicherung mit zwei hydraulischen Seitenarmen. Die Seitengitter lassen sich hydraulisch öffnen und schließen und über eine Steuerung an der Fahrzeugfront bedienen. Das Be- und Entladen ist von beiden Seiten möglich, das Fahrzeug kann somit flexibel eingesetzt werden. Ein großes Ladevolumen wird dadurch erreicht, dass  die Kisten übereinander gestapelt werden können, außerdem ist das Fahrzeug für unterschiedliche Kistengrößen ausgelegt. Das Fahrgestell basiert auf einem geschlossenen C-Rahmen, was für Stabilität sorgen soll.

Mit dem Dreiseitenkipper ZDK 80 bietet Oehler einen weiteren Spezialanhänger jetzt auch in einer schmalen und wendigen Weinbauversion an. Bei dieser hat er 8 t zulässiges Gesamtgewicht. Die Bodenplatte ist durchgehend und nicht geschweißt. Der ZDK 80 besitzt außerdem einen vierstufigen, hartverchromten und kardangelagerten Hubzylinder. Die seitlich verstärkten Bordwände werden hydraulisch verschlossen. (www.oehlermaschinen.de)

Unterstützung beim Rückschnitt

Die Pflege von Reben ist im professionellen Weinanbau eine zeitaufwändige und körperlich anstrengende Tätigkeit. Unterstützung soll die leichte Akku-Schere ASA 65 bieten, die Stihl seit 2017 im Programm hat. Sie ist ergonomisch geformt und erlaubt es dem Anwender, Weinreben mit einem Durchmesser bis zu 35 mm kräfteschonend zu schneiden. Den hierfür nötigen Strom liefert ein Lithium-Ionen-Akku. Stihl empfiehlt dafür den Akku AP 200 aus dem Akkusystem Pro. Dieser reicht für etwa sieben Stunden Arbeit und wird auf dem Rücken getragen. Die Rebschere selbst wiegt 750 Gramm.

Die elektrische Rebschere ASA 65 wird von einem Akku aus versorgt, der sich – wie hier im Bild – auf dem Rücken tragen lässt.

Die elektrische Rebschere ASA 65 wird von einem Akku aus versorgt, der sich – wie hier im Bild – auf dem Rücken tragen lässt.

Die Öffnungsweite der Klinge lässt sich über ein elektronisches Steuergerät an unterschiedliche Schnittstärken anpassen. Bei „100 %“ öffnen sich die Klingen auf die maximale Schnittstärke von 35 mm. Für dünnere Äste können Anwender die Klingenöffnung auf 70 %, 60 % oder 50 % verringern. Je geringer die Klingenöffnung, desto höher wird die Schnittgeschwindigkeit bei gleichzeitig reduziertem Energieverbrauch. Am Steuergerät lässt sich auch der Schneidmodus einstellen. Beim Proportionalschnitt folgt die Klingenbewegung dem Fingerdruck: Die Klinge schließt immer nur so weit, wie auch der Schalthebel gedrückt wird und öffnet sich sofort wieder, wenn dieser losgelassen wird. Diese Technik erlaubt maximale Schnittkontrolle. Das ist laut Stihl unverzichtbar, wenn es um sehr präzise Schnitte geht. Beim Impulsschnitt schließt sich die Klinge dagegen direkt nach dem Betätigen des Schalthebels komplett. Die Akku-Schere arbeitet damit vergleichbar wie eine pneumatische Astschere und ist in diesem Modus auf schnelles und effizientes Arbeiten ausgelegt.

Eine etwas größere Version ist die Stihl ASA 85, die Äste bis 45 mm Durchmesser schafft. Für den Schnitt von stärkeren Ästen, für den sich keine Motorsäge lohnt, bietet Stihl zudem die Handsägen PR 27 C und PR 33 C mit 27 bzw. 33 cm langem Sägeblatt an. Sie sind mit einer besonders scharfen, dreiseitigen Japan-Zahnung ausgestattet. (www.stihl.de)


Massey Ferguson

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