Magazin Wirtschaft

Neue Hoffnung für Biogas :

Der Energiemarkt ist derzeit stark im Umbruch. Beispiele für neue Bewegung im Strommarkt:

  • Deutschland hat sich im Jahr 2015 in Paris zu dem Klimaschutzabkommen bekannt und die beschlossenen Ziele auch in den abgebrochenen Jamaika-Sondierungsgesprächen zur Regierungsbildung bestätigt. Allerdings wird Deutschland mit großer Wahrscheinlichkeit die Ziele für 2020 verfehlen, da die Emissionen in der Energieerzeugung gestiegen sind. Schuld sind vor allem ältere Kohlekraftwerke. Daher ist zu erwarten, dass in den nächsten Jahren die ersten davon abgeschaltet werden.

  • Im Rahmen des Atomausstiegs werden bis zum Jahr 2019 weitere 5 Gigawatt (also 5 Mio. Kilowatt) Kraftwerksleistung abgeschaltet. Gleichzeitig sollen 8 bis 10 Gigawatt Wind- und Solaranlagen errichtet werden. „Das wird die Strompreise immer stärker schwanken lassen. Damit bekommen Biogasanlagen eine neue Chance, am Strommarkt Geld zu verdienen“, sagt Daniel Hölder, Geschäftsführer des Stromhandelsunternehmens Clean Energy Trading aus Leipzig.

  • Auf EU-Ebene wird eine Abgabe auf CO2 immer stärker diskutiert. Erst am 12. Dezember haben Länder wie Deutschland und Frankreich sich dazu bekannt, einen solchen Preis pro Tonne CO2-Ausstoß einzuführen. Wird dieser z.B. auf fossile Brenn- und Kraftstoffe erhoben, wird Kohlestrom oder fossiler Diesel noch unattraktiver.

Doch auch aus dem Bereich Verkehr kommen neue Signale. So will z.B. Volkswagen AG zusammen mit anderen Industriepartnern bis zum Jahr 2025 die Zahl der Gastankstellen in Deutschland auf 2.000 mehr als verdoppeln und mindestens 1 Mio. CNG-Fahrzeuge auf die Straße bringen. CNG steht für „Compressed Natural Gas“, also auf 200 bar komprimiertes Erd- oder Biogas. Der Konzern setzt außerdem künftig wieder stärker auf Biogas als Kraftstoff. „Nach dem Dieselgate lag der Fokus bei uns lange Zeit nur auf der Elektromobilität. Aber es gibt große Bereiche, in denen der Stromantrieb nicht sinnvoll ist“, erklärte Dr. Jasper Kammeyer, Leiter Neue Energieträger bei der Volkswagen AG, Anfang Dezember auf der Biomethankonferenz der Deutschen Energieagentur in Berlin. Beim Gasantrieb setzt VW auf CNG für Pkw und verflüssigtes Gas (LNG, Liquid Natural Gas) für den Schwerlastverkehr. Auch Schiffe haben Interesse an LNG, erste Reeder haben beispielsweise Binnenschiffe damit ausgestattet.

Kammeyer sieht den großen Vorteil des Gasantriebs darin, dass sich heute schon mit dem Einsatz von fossilem Erdgas 25 % der CO2-Emissionen im Vergleich zu Benzin einsparen lassen. Schrittweise lässt sich dann der fossile Anteil ohne Änderung der Infrastruktur oder Fahrzeugtechnik auf erneuerbare Energien umstellen, indem der Anteil von Biogas nach und nach erhöht wird. Biogas wäre also eine Möglichkeit, die Flottenziele der Pkw-Industrie einzuhalten. Noch sträubt sich die Politik dagegen. Aber Kammeyer verweist auf die Schweiz als Vorbild: Dort liegt der Anteil von Biomethan im gesamten Gasnetz bei 10 %. „Darüber ist sichergestellt, dass alle Fahrzeuge, die in der Schweiz tanken, mindestens 10 % Biomethan an Bord haben und damit sind Gasfahrzeuge in der Schweiz 10 % CO2-reduziert zugelassen“, erklärte er.


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