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Flacher und flexibler

Nachschau DLG Feldtage: Flacher und flexibler

Die ActiCut von 4Disc, auch „fahrende Brotschneidemaschine“ genannt, wurde für die sehr flache Bodenbearbeitung entwickelt. Die Schneidscheiben, die gegenläufig rotieren und 7 cm überlappen, werden über Rotoren aktiv angetrieben. Über einen Druckverstärker am Unterlenker lässt sich mehr Druck auf die Maschine bringen.

Von Christian Mühlhausen

Aktualisiert am

Nachschau DLG Feldtage: Flacher und flexibler

Der lange Rahmen des sechsbalkigen Amazone Cobra 6000 2TX ermöglicht einen guten Durchfluss der Organik, tiefengeführt wird er über zwei Räder und die Packerwalze. Auch er ist während der Fahrt stufenlos in der Tiefe verstellbar.

In einem Ackerbau, der zunehmend Herausforderungen ausgesetzt ist – etwa den Beschränkungen bei der Düngung, dem Wegfall von Pflanzenschutzmittelwirkstoffen, zunehmenden Resistenzen und förderpolitischen Vorgaben wie Fruchtfolge und einzuhaltende Fristen – kommt es auf jede Stellschraube an, um auf dem Acker einen bestmöglichen Ertrag zu erzielen. Eine Schlüsselrolle kommt dabei der Bodenbearbeitung vor allem nach der Ernte zu, um einerseits Schädlingen und Krankheiten den Nährboden zu entziehen und rasch den gewünschten Zustand für die nachfolgende Bestellung herzustellen, andererseits den Boden bedeckt zu halten, um Erosion durch Wind und Wasser zu verhindern sowie Humus aufzubauen oder zumindest zu erhalten.

Auch im Wechsel der Jahre sind flexible Konzepte gesucht, denn in einem Trockenjahr soll beispielsweise möglichst flach und wassersparend gearbeitet werden, um die Restfeuchte für die Aussaat von Zwischenfrüchten zu ermöglichen, in einem anderen nassen Jahr aber muss vor allem nicht geerntetes Lagergetreide beziehungsweise liegendes Stroh eingearbeitet und auf tonigem Boden die Verdunstung gefördert werden, damit die weitere Bearbeitung oder Aussaat überhaupt erfolgen kann. Gefragt ist hier die klassische eierlegende Wollmilchsau, die es bekanntermaßen nicht gibt. Dennoch hat sich in diesem Sektor in den vergangenen Jahren eine Menge getan und auch tatsächliche Innovationen hervorgebracht, wie die kürzlich bei Soest stattgefundenen DLG Feldtage zeigten. Dort wurde in Vorführungen die gesamte Palette der flachen Bodenbearbeitung vorgestellt und praktisch im Einsatz gezeigt.

Generell gibt es in diesem Bereich einige Tendenzen, die sich aus den Anforderungen der Anwender ergeben haben. Auch wenn der Glyphosateinsatz noch einmal verlängert worden ist: Der Wegfall beziehungsweise die Beschränkungen von Pflanzenschutzmitteln wird dazu führen, dass künftig mehr Stahl statt Chemie beim Nacherntemanagement zum Einsatz kommen wird. In der Praxis heißt das aber auch, dass häufigere flache Bearbeitungsgänge beispielsweise durch Scheibenegge und flache Grubber nötig sein werden, um den gewünschten Effekt beim Beseitigen von Ausfallgetreide/-raps sowie Beikräutern und -gräsern zu erreichen. Weil mit jedem Bearbeitungsgang der Bedeckungsgrad der organischen Masse an der Oberfläche schwindet, sind hier Lösungen in Form von Geräten oder speziellen Scharformen gefragt, die diesen Aspekt berücksichtigen.

War die Digitalisierung, das exakte Ansteuern von Anbaugeräten über das Terminal, bislang eher ein Thema bei Aussaat, Düngung und Pflanzenschutz, hat es mittlerweile auch in die Bodenbearbeitung Einzug gehalten, etwa bei der optimalen beziehungsweise gewünschten Bearbeitungstiefe über die Hydraulik (so kann der Fahrer oder die Elektronik die Tiefe während der Fahrt nachjustieren), aber auch bei der Überlappung. Sensoren geben hier dem Fahrer oder der Technik Rückmeldung über den Zustand des Bodens und mittlerweile gibt es sogar Systeme, die die Bodenbearbeitungstiefe auf Basis einer Bodenkarte automatisch gesteuert ausführt. Dadurch wird dieser Arbeitsgang nicht nur präziser, sondern für den Anwender auch einfacher, da die Elektronik einen Teil der Arbeit übernimmt. 

Nachschau DLG Feldtage: Flacher und flexibler

Der Flachgrubber (oder Großfederzinkenegge) von Bremer zeichnet sich durch den Einsatz von hartmetallbeschichteten Gänsefußscharen und den sechsreihigen Aufbau aus, hier gefolgt von einem dreireihigen Striegelfeld. Der recht hohe Rahmen von 51 cm ermöglicht einen guten Materialdurchfluss.

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Zu Hause auf großen Schlägen im australischen Outback hat die Kellyegge längst auf hiesigen Betrieben Einzug gehalten, um ultraflach den Oberboden abzuscheren. Sie besticht durch einfachen Aufbau der ineinander gehängten Kettenglieder, perfekte Bodenanpassung und Leichtzügigkeit, zudem durch eine große Flächenleistung von 12 ha/h.

Damit die Bodenbearbeitung bestmöglich wirken und homogene Bedingungen für die später erfolgende Aussaat liefern kann, müssen zuvor die Bedingungen stimmen. Im Mittelpunkt steht dabei der Mähdrescher, der bei immer größeren Arbeitsbreiten eine Schlüsselstellung einnimmt. Nur bei optimaler Strohquerverteilung, die idealerweise direkt über den Häcksler erfolgt und ergänzend mit dem Strohstriegel korrigiert werden kann, kann das Bodenbearbeitungsgerät die Erntereste optimal einarbeiten. Entscheidender, als die Strohverteilung zu unterstützen, ist beim Strohstriegel aber der Aspekt, dass er bei minimalem Eingriff in die Erdoberfläche unerwünschte Gräser sowie Ausfallgetreide zum Auflaufen bringt, um sie später erfassen zu können. Auch der Mulchereinsatz kann sinnvoll sein und das nicht nur in Randbereichen aus phytosanitären Gründen, sondern auch zum Stoppelmanagement, auf jeden Fall im Mais, aber besonders bei hohem Drusch auch im Raps, um die Rotte zu fördern.

Der Vollständigkeit halber sei erwähnt, dass neben der flachen, ganzflächigen Bearbeitung, um homogene Bedingungen auf dem ganzen Acker zu schaffen, auch Bodenbearbeitungskonzepte in der Entwicklung sind, die sehr minimalistisch arbeiten, um möglichst wenig Boden zu bewegen und dadurch keine unerwünschten Samen in Keimstimmung zu bringen. Diese Konzepte hätten vermutlich bei einem Glyphosatverbot einen noch stärkeren weiteren Aufschwung bekommen.

Bei der Auswahl der nachfolgend auf das Nacherntemanagement folgenden Technik kommt dem Standort eine entscheidende Rolle zu sowie der vorhandenen weiteren (Aussaat-)Technik. Einerseits soll viel organische Masse an der Oberfläche bleiben als Regenwurmfutter, als Schutz vor Verdunstung und Austrocknung, als Erosionsschutz. Gleichzeitig darf aber nur so viel Biomasse an der Oberfläche bleiben, wie die Technik zur späteren Aussaat verkraftet, ohne zu verstopfen. Mulchsaatmaschinen mit speziellen Räumscharen, die die Saatrille freiräumen, kommen hier zum Einsatz. Das Belassen von viel organischer Masse an der Oberfläche kann vor allem auf tonigen Standorten und „Minutenböden“ in nassen Jahren aber auch ins Gegenteil umschlagen, da die Böden bei viel Bedeckung schlechter abtrocknen und für die spätere tiefere Lockerung nicht mehr zu bearbeiten sind - hier sind Fingerspitzengefühl und die Erfahrung der Betriebsleitung gefragt.

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Der Köckerling Allrounder flatline ist 6 m breit und 8 t schwer, tiefengeführt wird er über zwei luftbereifte Räder. Die Besonderheit ist der dreiteilige Aufbau mit einem Mittelteil und zwei Seitenflügeln, die sich damit besonders gut beim „Überstreichen“ dem Boden im geneigten Gelände anpassen sollen und auch im flachen Gelände satt aufliegen.

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Der Coverseeder von Müthing ist ein Mulcher, hier in 6 m Arbeitsbreite, der eine Zwischenfruchtsaateinheit zwischengeschaltet hat. Das Besondere: Die ausgesäte Zwischenfruchtsaat wird mit der gemulchten Organik bedeckt, um gute Bedingungen zur Keimung zu schaffen.

In der Praxis laufen Kurzscheibeneggen, Grubber sowie Kombigeräte, die also Scheiben und Grubberzinken in einer Maschine vereinen, gefragt sind auch universelle Geräte mit flexibler Arbeitstiefe von vier bis 30 Zentimetern. Ihr Job ist die Beseitigung von Aufwuchs, das Einmischen von Reststoffen, die Lockerung des Oberbodens, das Schaffen eines Krümelgefüges sowie die anschließende Rückverfestigung. Wichtig ist bei allen Geräten, dass die Zugkraft des Schleppers zum Anbaugerät (Breite, Gewicht, Arbeitstiefe…) passt, denn diese benötigen für ein optimales Arbeitsergebnis eine gewisse Geschwindigkeit. Mit größeren Arbeitsbreiten steigt auch die Anforderung an die exakte Tiefenführung auf ganzer Breite, was zum Beispiel über Tasträder und flexibel ansteuerbare Zinkenfelder als Teilarbeitsbreite möglich ist. Grundsätzlich ist die Wahl der Bodenbearbeitung eine Frage des Standorts, der betrieblichen Ausrichtung und des Anbauprogramms. Die Tendenz geht beim ersten Einsatz zum flachen Arbeiten bis etwa vier Zentimeter, um den Boden flächig zu schneiden – weshalb die Schare überlappen müssen. Auf den Vorführungen bei den DLG Feldtagen war auffallend, dass viele Anbieter dem Gerät einen nachlaufenden Striegel spendiert haben, der einerseits die Pflanzen von Erde befreien soll, damit sie nicht wieder anwachsen, und andererseits auch die oben liegende organische Masse auseinanderziehen soll. 

Auch wenn es keine bahnbrechenden Erfindungen in der Bodenbearbeitung gibt und neue Technik eher im Detail verbessert und intelligenter wird, gibt es doch auch immer wieder neue Ansätze. So ermöglicht der ActiCut vom Hersteller 4Disc das ultraflache Arbeiten über hydraulisch angetriebene Scheiben, die in nur 1,5 bis 2 Zentimeter in den Boden wirken. Ähnlich funktioniert der GrindStar von Saphir/TH Köln, wenngleich hier große, 75 Zentimeter messende und an Parallelogrammen hängende Rotoren den Boden schneiden, die Rotoren werden dabei passiv über das Fahren angetrieben.

Weniger ist heute mehr und generell gilt, dass der „saubere Tisch“, wie ihn früher die Pflugfurche hinterlassen hat, der Vergangenheit angehört (wenngleich der Pflug natürlich bei etlichen Anwendungszwecken noch seine Berechtigung hat – und auch auf den DLG Feldtagen wurde ein ultraflach als Schälpflug eingesetzter Kverneland-Pflug gezeigt), weil sich moderne, bodenschonende, kostengünstigere und umweltgerechtere Verfahren durchgesetzt haben. Bei den Vorteilen gegenüber dem Pflug zu nennen sind neben den Kosten der Schutz vor Erosion durch Wind und Wasser, der Schutz vor Austrocknung, die Förderung des Bodenlebens, die Vorbeugung vor Verschlämmung, Humusschonung beziehungsweise -aufbau sowie die Förderung der Bodenstruktur und -festigkeit.


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