Magazin Forsttechnik

Mobile Energieversorgung :

Steckdose für Akkusäge & Co.

Bei Pflegearbeiten im Forst kommen zunehmend auch Akkugeräte zum Einsatz. Eine Powerbank für das schnelle Aufladen direkt vor Ort verlängert die Einsatzzeit der Geräte.

Mobile Energieversorgung: Steckdose für Akkusäge & Co.

Die Funktion der Waldsteckdose übernahm in diesem mit Unterstützung des Forstbezirkes Leipzig durchgeführten Test mit elektrischen Arbeitsgeräten das Stromversorgungssystem „FAEcoline“ von der Firma FAE in Heidenau.

Die kleinste Variante des Stromversorgungssystems „FAEcoline“ wiegt etwa 10 kg und kann 0,5 kWh speichern.

Die kleinste Variante des Stromversorgungssystems „FAEcoline“ wiegt etwa 10 kg und kann 0,5 kWh speichern.

Im heimischen Garten und sogar bei der professionellen Landschaftspflege haben sich akkubetriebene Geräte bereits etabliert. Denn Lithium-Ionen-Akkus und leistungsstarke Elektromotoren ermöglichen ein kraftvolles Arbeiten ohne Benzingestank oder Kabelsalat. Auch im Forstbereich kommen Akkugeräte zunehmend zum Einsatz, insbesondere in der Jungbestandspflege. Experten gehen davon aus, dass Tätigkeiten, für die eine Motorsäge mit einer Leistung von 2 kW ausreicht, ebenso mit einer Akkusäge erledigt werden können.

Zwar sind die Anschaffungskosten gegenüber Geräten mit Verbrennungsmotor höher, aber elektrische Antriebe haben neben dem höheren Wirkungsgrad beim Arbeiten in den Beständen einige praktische Vorteile. So entfällt das lästige Anlassen bei wechselnden Einsatzbereichen. Es muss nicht mit brennbaren Flüssigkeiten im Wald hantiert werden. Außerdem relativieren sich die höheren Einkaufspreise für Akkugeräte im Verlauf der Einsatzzeit durch einen geringeren Aufwand für die Wartung und damit niedrigere Betriebskosten.

Ein Nachteil bleibt allerdings. Da die Energiedichte von Lithium-Ionen-Akkus noch deutlich unter der von Kraftstoff liegt, ist entweder die Arbeitszeit eingeschränkt oder es müssen geladene Wechselakkus mitgeführt werden. Schließlich gibt es im Wald keine Steckdose.

Für dieses Problem präsentierte die in Heidenau (Sachsen) ansässige Firma FAE Elektrotechnik auf der Leipziger Landwirtschaftsmesse agra im vergangenen Jahr eine Lösung und erhielt dafür den Innovationspreis in der Kategorie Forstwirtschaft.

Lehrausbilder Andreas Schwientek (l.) erläutert den Lehrlingen Tobias Streicher (M.) und Christopher Richter (r.), was beim Anschluss und Laden akkubetriebener Arbeitsgeräte zu beachten ist.

Lehrausbilder Andreas Schwientek (l.) erläutert den Lehrlingen Tobias Streicher (M.) und Christopher Richter (r.), was beim Anschluss und Laden akkubetriebener Arbeitsgeräte zu beachten ist.

Dieser Anhänger mit Seilwinde, Waage, Wasserbehälter, leistungsstarker Pumpe und Beleuchtungsmast kommt bei den Drückjagden im Forstbezirk Leipzig zum Einsatz. Die Stromversorgung für die Aggregate könnte künftig ein emissionsfreies Stromversorgungssystem wie das in Heidenau entwickelte „FAEcoline“ übernehmen (schwarzer Kasten im Vordergrund).

Dieser Anhänger mit Seilwinde, Waage, Wasserbehälter, leistungsstarker Pumpe und Beleuchtungsmast kommt bei den Drückjagden im Forstbezirk Leipzig zum Einsatz. Die Stromversorgung für die Aggregate könnte künftig ein emissionsfreies Stromversorgungssystem wie das in Heidenau entwickelte „FAEcoline“ übernehmen (schwarzer Kasten im Vordergrund).

Energienachschub aus der Powerbank

Sie entwickelte das Stromversorgungssystem „FAEcoline“ als Produktlinie für Bereiche, in denen eine geräusch- und emissionsfreie Energiebereitstellung erwünscht ist.

„Herzstück der Geräte sind eine spezielle Art von Lithium-Akkumulatoren, wie sie auch in Elektroautos zum Einsatz kommen“, erklärt Projektleiter Felix Bemme. Diese seien durch ihre Robustheit und weitestgehende Unempfindlichkeit gegenüber Temperaturschwankungen in der Umgebung bestens für den Außeneinsatz geeignet. Zudem würden sie Spannungsspitzen vertragen und hätten gegenüber Bleiakkus eine bis zu zehnfach höhere Lebensdauer. „Nach 1.500 Ladezyklen – das entspricht etwa einem Einsatz über sechs Jahre an jedem Arbeitstag - liegt die Speicherleistung immer noch bei 80 Prozent“, so Bemme.

Besonders stolz sind die Entwickler auf die ausgeklügelte elektronische Regelung, die jede einzelne Akkuzelle beim Laden und Entladen überwacht und steuert. „Das wirkt nicht nur schonend und verlängert die Laufzeit. Gleichzeitig ist dadurch eine Selbstentzündung, wie sie etwa im Sommer vergangenen Jahres bei Handyakkus für Schlagzeilen sorgte, praktisch ausgeschlossen“, sagt FAE-Geschäftsführer Lutz Fleck. Neben 230 V-Schukosteckdosen verfügen die für den Profieinsatz konzipierten wetterfesten Aggregate über 12 V-Akkulader, USB-Schnittstelle und als kleines Gimmick neuerdings über eine Qi-Lademulde fürs Smartphone.

Noch gibt es keine einheitliche Norm für Stecker und Anschlüsse von akkubetriebenen Arbeitsgeräten.

Noch gibt es keine einheitliche Norm für Stecker und Anschlüsse von akkubetriebenen Arbeitsgeräten.

Die Akkumulatoren für elektrisch angetriebene Arbeitsgeräte reichen meist nicht über den gesamten Arbeitstag und müssen in der Lademulde wieder „Saft“ erhalten.

Die Akkumulatoren für elektrisch angetriebene Arbeitsgeräte reichen meist nicht über den gesamten Arbeitstag und müssen in der Lademulde wieder „Saft“ erhalten.

Die Produktlinie „FAEcoline“ gibt es in unterschiedlichen Ausführungen. Die kleinste Variante hat die Ausmaße eines Aktenkoffers, wiegt etwa 10 kg und speichert 0,5 kWh. Die größeren Geräte mit einem Gewicht bis zu 100 kg haben eine Speicherkapazität von 2,5 bzw. 5 kWh und könnten z. B. auf der Ladefläche eines Pickup befestigt werden. Eine der Systemvarianten ist zusätzlich mit einer Brennstoffzelle ausgerüstet, die die Akkumulatoren regelmäßig nachlädt. Die Brennstoffzelle wird mit Wasserstoff angetrieben. „Bei einem Praxistest zeigte sich, dass mit einer üblicherweise in Schweißgeräten verwendeten 300 bar-Flasche, die 50 l Wasserstoff enthält, zwei elektrische Profiheckenscheren mehr als sechs Tage lang betrieben werden können“, informiert Projektleiter Bemme.

Der Leiter des Forstbezirkes Leipzig im Staatsbetrieb Sachsenforst, Andreas Padberg, der gemeinsam mit der Lehrausbildung eine Technikvorführung organisierte, sieht im Gespräch mit dem Eilboten mehrere Einsatzoptionen für die Akkutechnologie. Zum einen ergäben sich durch elektrisch angetriebene Geräte ergonomische Vorteile und eine Entlastung bei der Waldarbeit. Weniger Lärm und Vibration sowie der Wegfall von Motorabgasen seien hier entscheidende Argumente. Im Gegensatz zu Sägen oder Freischneidern mit Verbrennungsmotor, die viel im Leerlauf tuckern, würden elektrische Geräte außerdem nur laufen, wenn sie wirklich arbeiten müssen.

Als Beispiel nennt der Forstbezirksleiter die Kulturpflege mit der Motorsense oder die nachgelagerte Jungwuchs- bzw. Jungbestandspflege mit leichten Motorsägen. Im Zuge der Umwandlung von Nadelholzreinkulturen in Laubmischbestände oder auch durch Erstaufforstung entstehen allein im Forstbezirk Leipzig jährlich Kulturen auf rund 100 ha Fläche. „Die Pflegemaßnahmen laufen über mehrere Jahre. Und man kann sich vorstellen, welcher Lärm entsteht, wenn mehrere Motorsensen in Betrieb sind und was da an Abgaswolken durch die Bestände zieht“, sagt Padberg. Daher würden im Bereich Lehrausbildung des Forstbezirkes am Standort Colditz bereits seit einiger Zeit elektrisch angetriebene Freischneider und Kettensägen getestet. Das Problem: Die am Gürtel oder auf dem Rücken mitgeführten Akkus reichen nicht den ganzen Arbeitstag. Mittels einer leistungsstarken Powerbank wie dem System von FAE könnten diese in einer Arbeitspause oder im Wechsel geladen werden. Ebenso stehe damit eine zusätzliche Energiequelle für eine ganztägige intensive Nutzung von Forstdrohnen zur Verfügung. Der Forstbezirk beteiligt sich gegenwärtig an einem Projekt zur Früherkennung von Borkenkäferbefall mittels solcher fliegender Sensorplattformen.

Eine bessere Gewichtsverteilung, keine Abgase sowie weniger Vibration und Lärm sind Pluspunkte bei der Arbeit im Forst mit elektrisch angetriebenen Geräten.

Eine bessere Gewichtsverteilung, keine Abgase sowie weniger Vibration und Lärm sind Pluspunkte bei der Arbeit im Forst mit elektrisch angetriebenen Geräten.

Eine bessere Umweltverträglichkeit und weniger Lärm erhofft sich der Forstbezirksleiter außerdem durch den Einsatz des abgasfreien Energieversorgungssystems bei den regelmäßigen herbstlichen Drückjagden. Insbesondere für die Beleuchtung zum Erfassen der Strecke in oft dreistelliger Anzahl sowie zur Wasserbereitstellung für die Wildbrethygiene, aber auch für Ausstellung und Ausdrucken der Begleitpapiere zur sofortigen Vermarktung des erlegten Wilds werde Energie benötigt. „Beim Streckelegen müssen die gegenwärtig noch üblichen Dieselaggregate abgestellt werden, damit eine Verständigung akustisch überhaupt möglich ist. Und da fehlt dann der dringend benötigte Strom, damit die mit dem Verkauf befassten Mitarbeiter zügig weiterarbeiten können“, argumentiert Padberg für eine emissionsfreie Stromversorgung beim Jagdabschluss.

Derzeit entstehen die Energieversorgungssysteme mit einer Leistung zwischen 350 W und 5 kW nach Aussage von FAE noch im Manufakturbetrieb. Mit der in diesem Jahr geplanten Markteinführung will man aber den Kleinserienmaßstab erreichen.


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