Magazin on track – das Magazin 2018/2019

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„Mitarbeiter finden – Mitarbeiter binden“

Joachim Zwank, Leiter des Karriere- und Bildungsportals AgroBrain, gibt Tipps, wie Händler Fachkräfte gewinnen und halten können. Das öffnet auch Perspektiven für Studenten.



Joachim Zwank, Karrierecoach bei AgroBrain: „Das Gehalt steht in der Prioritätsliste der Bewerber nicht an erster Stelle.“

Joachim Zwank, Karrierecoach bei AgroBrain: „Das Gehalt steht in der Prioritätsliste der Bewerber nicht an erster Stelle.“

On track:  Herr Zwank, viele Landtechnikhersteller werben schon an Unis oder Hochschulen um Praktikanten oder vergeben Themen für Abschlussarbeiten, um Fachkräfte früh zu binden. Ist das ein Vorbild auch für Fachhändler, die Hochschulabsolventen suchen?

Zwank: Das ist ein guter Weg. Man sollte allerdings noch früher ansetzen. Dabei geht es nicht nur um Mitarbeiterwerbung, sondern auch darum, Menschen für den Beruf zu begeistern. Das ist in der 9. oder 10. Klasse sinnvoll, damit die Schüler dieses Berufsfeld schon bei der Wahl von Ausbildungs- oder Studienplatz einplanen – beispielsweise für ein duales Studium. Fachhändler können in der Schule natürlich auch für handwerkliche Berufe, wie den des Landmaschinenmechanikers, werben, da viele junge Menschen in dieser Zeit bei technischen Berufen eher das Kfz-Handwerk vor Augen haben.

Händler haben heute schon Personalnot. Gerade kleinere Unternehmen können Imagewerbung nicht allein stemmen. Wo bekommen sie Hilfe?

Bei der Imagewerbung oder der Vermittlung von Fachkräften können u.a. die Landtechnikhersteller helfen, die die Fachhändler beliefern. Aber auch der Landbautechnik Bundesverband ist in diesem Bereich aktiv und nicht zuletzt können auch Karriere- und Bildungsportale wie AgroBrain ihren Teil dazu beitragen. Allerdings hilft es auch, wenn Betriebe vor Ort aktiv werden, weil sie lokal vernetzt sind und die örtlichen Schulen oder andere Bildungseinrichtungen kennen.

Andere Handwerksbranchen gehen diesen Weg übrigens schon länger, weil es hier viel früher zum Fachkräftemangel kam. Die „Grüne Branche“ hat in diesem Bereich noch einiges nachzuholen.

Welche Möglichkeiten zur Imagewerbung gibt es?

Sinnvoll ist alles, was dazu beiträgt auf den Betrieb aufmerksam zu machen. Dazu zählt der „Tag der offenen Werkstatt“ genauso wie Aktivitäten in sozialen Netzwerken. Auch hier kann man virtuelle Einblicke in das Unternehmen bieten, z.B. mit Videoclips über die Arbeit der Mitarbeiter. Eine weitere Chance sind Messen oder beispielsweise unser Digitaler Agrarkarrieretag. Bei Veranstaltungen wie diesem zeigen sich bislang nur große Unternehmen.

In vielen Regionen stehen Fachhändler in Konkurrenz zur Industrie. Mit welchen Argumenten können sie junge Menschen für eine Tätigkeit im Handel begeistern?

Viele Händler bauen in ihren Filialen inzwischen eine zweite Managementebene auf und suchen dafür Hochschulabsolventen. Ein wichtiges Argument ist die Tätigkeit vor Ort. Landmaschinenhändler sind bundesweit verteilt und bieten daher Arbeitsplätze in Heimatnähe. Viele junge Menschen wollen heute nicht mehr 200 km oder sogar noch weiter vom Heimatort entfernt sein, sei es, dass sie ihr soziales Umfeld nicht aufgeben wollen, einen kleinen Hof zu Hause haben oder anders gebunden sind. Wir hören im Karrierecoaching oft die Aussage, dass die Atmosphäre im Unternehmen und die Nähe zum Heimatort wichtiger sind als das Gehalt. Daher sollten Händler auch nicht davor zurückschrecken, Masterabsolventen anzusprechen.

Warum ist der Masterabschluss nicht immer so gefragt?

Er schreckt einige Personalverantwortliche in kleineren Unternehmen ab, die befürchten, Masterkandidaten könnten zu hohe Gehaltsforderungen haben. Aber wie gesagt: Das Gehalt steht heute eher an dritter oder vierter Stelle.

Dann halten sie den Bachelor-Abschluss als ausreichend für eine Tätigkeit im Handel?

Für die meisten Tätigkeiten, ja. Damit können viele Hochschulabgänger schon einmal den Einstieg ins Berufsleben schaffen. Ein Masterabschluss ist dagegen dann sinnvoll, wenn es sich von Anfang an um eine leitende Tätigkeit mit Verantwortung für Mitarbeiter oder Budgets handelt. Wer später einmal eine höhere Position anstrebt, kann berufsbegleitende Aufstiegsweiterbildungen absolvieren. Das kann dann auch u.a. ein Master sein oder eine andere Qualifikation speziell für seinen Bereich. Wir raten jungen Menschen, sich vor Abschluss des Bachelorstudiums direkt bei AgroBrain oder beim Wunschunternehmen vor Ort zu erkundigen, welche Möglichkeiten sie haben und ob ein Masterstudium überhaupt sinnvoll ist.

Die Fragen stellte Hinrich Neumann.


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