Magazin Landtechnik

Michelin :

Neue Vulkanisationspressen sollen Strom einsparen

Michelin will am Standort in Bad Kreuznach mit innovativen und energieeffizienten Elektro-Vulkanisationspressen Anlagen ersetzen, die energieintensiv mit Heißwasser und Dampf betrieben werden.

Michelin: Neue Vulkanisationspressen sollen Strom einsparen

Energieministerin Ulrike Höfken (rechts) stellte Michelin Werkdirektor Christian Metzger (links) interessierte Fragen zu der neuen Technologie.

Die rheinland-pfälzische Umweltministerin Ulrike Höfken hat am 03.05.2018 einen EU-Förderbescheid über knapp 700.000 Euro an Michelin Werkdirektor Christian Metzger in Bad Kreuznach übergeben. Das Geld fließt in die Installation von innovativen und besonders energieeffizienten Elektro-Vulkanisationspressen an dem Standort. Sie ersetzen herkömmliche Anlagen, die energieintensiv mit Heißwasser und Dampf betrieben werden. „Die Reduzierung des Energieverbrauchs ist der beste Weg zur Energieeffizienz. Hier ist die Investition der Michelin Reifenwerke vorbildlich – nicht nur in Bezug auf die Energiewende und als Beitrag zum Klimaschutz. Die Modernisierung der Anlagen stärkt zugleich den Standort Bad Kreuznach“, lobte die Ministerin.

Die Fördermittel kommen aus dem Programm „Zukunftsfähige Energieinfrastruktur“. In den neuen Elektropressen findet die Vulkanisation statt, bei der die Reifenrohlinge unter hohem Druck ihr Profil erhalten und in einem chemischen Prozess vom plastischen in den elastischen Zustand übergehen. Dafür sind sehr hohe Temperaturen erforderlich. Bisher wird die Hälfte des Energieverbrauchs eines Reifenwerkes für die Vulkanisation aufgewendet. Vulkanisationspressen, die mit heißem Dampf und Wasser erhitzt werden, können nur vier Prozent der aufgewendeten Energie nutzbringend verwerten. 96 Prozent der Energie gehen also verloren. Bei Elektropressen dagegen erhöht sich dieser sogenannte Wirkungsgrad von vier auf rund 60 Prozent. Damit reduziert sich der Energiebedarf um 90 Prozent. Mit der Inbetriebnahme von insgesamt 15 neuen Elektropressen bis Ende 2018 wird Michelin die Kohlendioxid-Emissionen um jährlich 2.500 Tonnen senken. Dafür investiert das Unternehmen an der Nahe mehrere Millionen Euro.

Die sogenannte Individuelle Elektropresse (Presse électrique individuelle, PEI) kombiniert mechanische Bauteile, die frei auf dem Markt erhältlich sind, und elektrothermische Elemente, die Michelin-Ingenieure entwickelt haben. Dank ihrer ausgeklügelten Technologie erhitzt sie den Reifen, der an unterschiedlichen Stellen verschiedene Stärken aufweist, schnell und gleichmäßig – ein Durchbruch hinsichtlich energieeffizienter und umweltschonender Produktionsprozesse in der Pkw-Reifenfertigung. Der weltweite Prototyp der Elektropresse vom Typ PEI wurde im Jahr 2011 im Reifenwerk Bad Kreuznach installiert. Das lokale Projektteam hat ihn gemeinsam mit der zentralen Forschungs- und Entwicklungsabteilung in Frankreich für den Betrieb unter industriellen Bedingungen qualifiziert.

Zur nachhaltigen Energiepolitik des Werkes an der Nahe gehören eine werkeigene Kraft-Wärmekopplung, eine Kondithermanlage, die Energie aus Prozessdampf zurückgewinnt sowie Photovoltaikflächen auf dem Mitarbeiterparkplatz und den Produktionshallen. Die von 2005 bis 2013 in mehreren Etappen installierte Solarmodulfläche hat eine Größe von 97.700 Quadratmetern, eine Leistung von 4,9 Megawatt und stellt Strom für umgerechnet etwa 1.430 Haushalte her, der ins öffentliche Netz eingespeist wird.


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