Mascar :

Mit Optimismus und klarer Strategie in neue Märkte

Spezialist für Rundballenpressen, Ballenwickler und Einzelkornsämaschinen etabliert sich im europäischen Landmaschinenmarkt

Zwei galoppierende Pferde prägen das Logo des jungen italienischen Landmaschinenherstellers Mascar S.p.A. Die Dynamik des Logos drückt den Stil der Firma, die seit vier Jahren mit Rundballenpressen, Ballenwicklern und pneumatischen Einzelkornsämaschinen am Markt präsent ist, aus. Die neue Marke hat nämlich unabhängig von den zum Teil schwierigen Marktverhältnissen in dieser Zeit immer zweistellige Umsatzzuwächse erzielt. Allerdings sind weder die Mascar-Inhaber noch die Landmaschinenfabrikation in Jmolo delle Abesse bei Venedig in der Branche unbekannte Größen.

Mascar gehört der Familie von Antonio Maschio, dem ältesten der drei Gebrüder Maschio. Zusammen mit seinen jüngeren Brüdern hatte er Anfang der sechziger Jahre die Maschio S.p.A. gegründet. Im Sommer 1997 gab Antonio Maschio seine Aktien an seine jüngeren Brüder ab und schied aus der Gesellschaft aus. Doch statt den Ruhestand zu genießen, griff der engagierte Unternehmer im Frühjahr 1998 zusammen mit seinem Sohn Sante, seiner Tochter Mariateresa und deren Ehemann Carlo Cotogni zu, als das Carraro-Werk zum Verkauf stand.

 

Unter neuem Namen in die Zukunft

Die Carraro FAH S.p.A. war in den sechziger Jahren gegründet worden. Durch eine viel zu breite Produktpalette und eine zu geringe Produktivität schlitterte das Unternehmen 1997 in wirtschaftliche Schwierigkeiten, die nicht mehr behoben werden konnten. Maschio kam für das Werk als Retter in der Not. Mit der Übernahme wurde die Firma in Mascar umbenannt. Der neue Name bedeutet Maschio-Carraro und stellt so die Verbindung zwischen der Zukunft und der Vergangenheit her.

Ein Besitzerwechsel allein garantiert jedoch noch keinen Wiederaufstieg, wenn ein eingesessenes Landmaschinenunternehmen in wirtschaftliche Schwierigkeiten gerät. Die neuen Inhaber krempelten den Betrieb deshalb komplett um und sorgten für klare Strukturen. Antonio Maschio brachte seine jahrzehntelange Erfahrung in der Landmaschinenindustrie ein und übernahm selbst das Amt des Präsidenten.

Sein Schwiegersohn Carlo Cotogni, erfahrener Industriemanager, fungiert als alleiniger Geschäftsführer. Dessen Frau Mariateresa leitet das Finanzwesen, Sante Maschio steuert gemeinsam mit seinem Vater Antonio Maschio verantwortlich die Entwicklung und die Produktion.

Vom Gemischtwarenladen zum absoluten Spezialisten

In den vergangenen vier Jahren haben die vier Familienmitglieder bereits viel bewegt. Heute präsentiert sich Mascar mit einem erweiterten und gleichzeitig völlig renovierten Werk. Das Produktspektrum wurde auf wenige Produkte im Bereich der Ballen- und Sätechnik konzentriert. Derzeit machen die Pressen mehr als 70 Prozent des Umsatzes aus. Aber das soll sich ändern. Der Vertrieb der Sämaschinen soll intensiviert werden. Carlo Cotogni nutzt hierfür alle Möglichkeiten, die der Markt bietet: "Wir sind von vornherein sehr offen für Allianzen mit Wettbewerbern, um beispielsweise im Bereich der Säkombinationen gemeinsam eine stärkere Stellung aufzubauen." Er ist ein Freund der Spezialisierung und Arbeitsteilung. "Wir haben kein Problem damit, Produkte von Wettbewerbern zu kaufen oder unsere Technik an Kollegen zu liefern - in jeder anderen Industriesparte, aber auch im Schlepperbereich ist das doch üblich, warum also nicht auch bei Mascar", so Cotogni.

Entwicklung, Endmontage und Vertrieb in der eigenen Hand

Einer schnellen Verbreiterung des Produktprogramms erteilt der konsequent handelnde Unternehmer eine klare Absage: "Die Mascar-Strategie beinhaltet heute die Konzentration auf wenige Produktlinien, die wir dafür umso besser beherrschen. Wir wollen unsere Ressourcen vor allem auf die Entwicklung und den Vertrieb konzentrieren - dort wo wir auf Grund unserer Erfahrung auch unsere wirklichen Stärken haben."

Bei der so bewirkten drastischen Straffung des Programms blieben alte Carraro F.11i-Produkte wie Kreiseleggen oder Beregnungsanlagen auf der Strecke. Zu unterschiedlich war die Technik, zu klein die jeweiligen Stückzahlen und zu groß der Aufwand, um derart verschiedene Produkte schlagkräftig an die Kunden im In- und Ausland zu verkaufen.

Lohnunternehmer und größere Betriebe im Visier

Produziert wird auf einem rund 20.000 Quadratmeter großen Werksgelände, wovon gut die Hälfte bebaut ist. Mascar konzentriert sich alit, die Entwicklung, den Proto penbau und die Endmontage einschließlich der Lackierung der Maschinen. Nur die besonders wichtigen Bearbeitungsprozesse werden selbst durchgeführt. Die reine Metallbearbeitung erfolgt dagegen bei spezialisierten Zulieferern in der Region.

Die neue Maxime für das Mascar-Programm umschreibt Cotogni mit dem Satz "Wir profilieren uns als Spezialist mit leistungsfähiger Technik für Großbetriebe und Lohnunternehmer." Hier sieht er die interessanteste Zielgruppe: "Der Lohnunternehmer muss immer mit modernsten Maschinen auf das Feld kommen, alte Maschinen sind nicht gerade vertrauenserweckend. Das gilt besonders für die Rundballen3sse, die technisch sehr anspruchsvoll ist. Eine Presse muss im Lohneinsatz problemlos laufen und Fläche schaffen. Sie darf allein deshalb schon nicht auf dem Feld ausfallen, weil die Ernte sehr witterungsabhängig ist."

Mascars Antwort auf diesen Anspruch umfasst vier Pressenmodelle. Die beiden Festkammerpressenmodelle 120 und 150 arbeiten mit 33 oder 41 Querleisten und produzieren einen weichen, gut durchlüftbaren Ballenkern. Das größere Modell 150 ist mit einer Doppelrolle ausgestattet und wurde gezielt für die Strohbergung konzipiert.

Die Festkammerpresse Power Cut liefert Rundballen im Format von 120 x 120 Zentimetern. Sie ist für den Schneidwerkseinsatz entwickelt worden. Das Schneidaggregat ist mit 14 Messern ausgestattet und am Ausgang des Einzugs platziert, wodurch ein Verlangsamen des Materialflusses vermieden werden soll.

Runde Ballen pressen und einwickeln

Mit der Varia 165 bietet Mascar eine Rundballenpresse mit variabler Kammer an. Sowohl die Größe als auch die Dichte der Ballen können verändert werden, das Ergebnis sind gleichmäßig geformte Ballen mit einem Durchmesser zwischen 60 und 165 Zentimetern.

Zum Einwickeln der Rundballen bietet Mascar drei verschiedene Ballenwickler an. Das Modell 1800 wird in der Dreipunkthydraulik zum Einsatzort gebracht und arbeitet beispielsweise am Feldrand. Die Beladung erfolgt durch einen Frontlader. Die Modelle 2100, 3100 und 4100 werden vom Schlepper gezogen und können direkt auf dem Feld arbeiten. Der 4100er Wickler kann dabei mit Hilfe seiner Abladefläche einen zweiten Ballen transportieren. Alle drei Maschinen können Ballen mit einem Durchmesser zwischen 90 und 160 Zentimetern einwickeln.

Bei den pneumatischen Einzelkornsämaschinen werden drei Baureihen mit den Bezeichnungen Futura, Futura Maxi und Omega angeboten. Je nach Version können zwischen zwei und zwölf Reihen gelegt werden.

Händlernetz in 25 Ländern im Aufbau

Mascar hat sich von Anfang an nicht nur auf den italienischen Heimatmarkt verlassen, sondern voll auf das Exportgeschäft gesetzt. Bereits gleich nach der Übernahme exportierte Mascar seine Produkte schon in elf Länder, heute sind es bereits 25 Staaten. In Westeuropa haben Spanien und Frankreich die größte Bedeutung, in Osteuropa sind es Polen und Ungarn.

Das Deutschland-Geschäft wird in diesem Jahr verstärkt aufgebaut. Mit Beginn des Jahres 2002 übernahm die Firma Baumann in Wurmannsquick-Rogglfing den Vertrieb der pneumatischen Einzelkornsämaschinen für die Gebiete Bayern und Österreich. Für Rheinland-Pfalz wurden zwei Händler als exklusive Mascar-Partner unter Vertrag genommen. Weitere werden für das gesamte Bundesgebiet gesucht. Je nach Struktur stellt sich Cotogni in jedem Bundesland ein Händlernetz mit ein bis zwei leistungsfähigen Landmaschinenhändlern vor.

Bei der Auswahl seiner Wiederverkäufer stellt Mascar hohe Ansprüche: "Wir suchen Vertragspartner, die sich voll und ganz mit Mascar identifizieren. Händler, die unsere Produkte nur als fünftes Rad am Wagen mitnehmen, wollen wir nicht. Wir wollen mit einem eng an uns angelehntes Händlernetz arbeiten. Das dauert zwar länger, bis man es aufgebaut hat, dafür ist es aber umso wirkungsvoller."

Interessante Chancen sieht Carlo Cotogni in Osteuropa und hier vor allem auf dem polnischen Markt: "Es gibt drei Millionen Bauern in Polen, die Hälfte verbraucht die Erträge der Felder jedoch im Rahmen der Eigenversorgung.

Osteuropa bietet interessante Chancen

Noch kommen also viele Betriebe gar nicht mit Produkten an den Markt und damit auch nicht zu einer größeren Kaufkraft. Das wird sich in wenigen Jahren ändern. Dieser Markt wird sich für den Landmaschinenverkauf entwickeln - das kann man abwarten, wenn man den Fuß bereits in der Tür hat."

Der bisherige Erfolg bestätigt die Einschätzungen des Mascar-Teams: Inzwischen werden schon 40 Mitarbeiter beschäftigt. Mit Hilfe eines starken Händlernetzes in den Auslandsmärkten sollen die zweistelligen Umsatzzuwächse auch für die Folgejahre zur Gewohnheit werden.

Dirk Gieschen


Diesen Artikel bewerten

Diskutieren Sie mit

blog comments powered by Disqus