Magazin Nachwachsende Rohstoffe

Marktnische :

Pelletierung auf Rädern

Mit einer mobilen Pelletieranlage stellen Lohnunternehmer auf dem landwirtschaftlichen Betrieb Pellets aus Stroh, Miscanthus, Heu und anderer Biomasse her. Wie so etwas funktioniert, zeigten die Firmen Regiopell, TerFirmo und PCM vergangene Woche auf einer Maschinenvorführung im niedersächsischen Söhlde.

Marktnische: Pelletierung auf Rädern

Die mobile Pelletierung steht auf einem dreiachsigen Fahrgestell.

Mobile Pelletieranlage zum Einstieg

Für den Einstieg ist eine mobile Pelletieranlage eine Alternative, mit der Lohnunternehmer auf dem landwirtschaftlichen Betrieb Pellets herstellen. Wie so eine Anlage funktioniert, zeigten die Firmen Regiopell, TerFirmo und PCM vergangene Woche bei einer Maschinenvorführung im niedersächsischen Söhlde bei Salzgitter. Das Lohnunternehmen Regiopell betreibt die Maschine bundesweit und hat bei der Vorführung im Auftrag der Firma TerFirmo Weizenstroh pelletiert.

Die 25 Tonnen schwere Pelletieranlage MPA 1000 der Firma PCM Green Energy ist in einem 40 Fuß-Container untergebracht und auf einem dreiachsigen Container-Chassis montiert. Die Versorgung erfolgt über ein integriertes Dieselaggregat, es ist aber auch ein Stromanschluss möglich. Der Motor hat eine Leistung von 200 kW. Pro Tonne Material verbraucht die Anlage rund 35 bis 40 l Kraftstoff.

Die Anlage stellt pro Stunde je nach Material bis zu 1 bis 1,5 t Pellets her. Sie kann neben Langstroh auch Pferdemist, Heu, Miscanthus, aber auch Dinkelspelz oder Spreu aus Getreidereinigungsanlagen verarbeiten. Wichtig ist ein Feuchtigkeitsgehalt von maximal 17 %. Schlechtes Stroh ist nicht nur nachteilig für den Pelletierprozess, da es zu Verstopfungen kommen kann. Auch mindert es die Pelletqualität und erhöht den Verschleiß.

Die Pellets werden per Förderband in die Big-Bags gefüllt.

Die Pellets werden per Förderband in die Big-Bags gefüllt.

Stroh wird gemahlen

Die Quaderballen werden per Gabelstapler auf den Rand des Mischers gesetzt und von dort per Hand eingefüllt.

Die Quaderballen werden per Gabelstapler auf den Rand des Mischers gesetzt und von dort per Hand eingefüllt.

Die Anlage ist in zwei Teile aufgeteilt: eine Aufbereitung mit Mischer, Mühlen und Konditionierung, dann die Pelletierung mit Kühlstrecke und Reinigung. Für die vollautomatische Pelletierung werden Quader- oder Rundballen per Gabelstapler oder Teleskoplader auf die Anlage gehoben und die Bänder entfernt. Dann löst ein Mischaggregat mit Vertikalschnecken die Ballen auf und homogenisiert das Stroh. In den Mischer wird auch das Schüttgut eingefüllt. Gleichzeitig werden Fremdstoffe wie Steine oder Metall abgetrennt. Der eigens dafür konstruierte Mischer stammt aus der Biogastechnik. Anschließend wird das Material in zwei Hammermühlen zerkleinert: Eine dient der Vorzerkleinerung, eine andere der Nachzerkleinerung. Das feine Material gelangt anschließend in die Pelletiereinheit mit Ringmatrize. Gleichzeitig wird Staub abgeschieden. Die gepressten Pellets werden über ein externes Förderband in ein Big-Bag gefüllt, der rund 600 kg davon aufnimmt. Hier müssen die Presslinge zunächst auskühlen. Denn beim Pelletieren entsteht eine Temperatur von 100 bis 110 °C.

Damit die Pellets sich besser verdichten lassen, kann dem gehäckselten Stroh nach der Hammermühle etwas Wasser dazu dosiert werden. Denn die Pelletfestigkeit wird bestimmt durch den Ligninanteil, der Feuchtigkeit und den Pressdruck. Der Pressdruck lässt sich über die Länge des Presskanals steuern, in die die Rohware eingepresst wird. Diese können von 45 bis 85 mm lang sein. Je länger der Presskanal, desto höher der Gegendruck. Einstreupellets haben im Schnitt ein Schüttgewicht von 550 kg pro m3, Brennpellets dagegen 650 bis 720 kg/m3.

Weiche Pellets zum Einstreuen

Pellets zum Einstreuen sind für eine bessere Wasseraufnahme weicher gepresst, Pellets für die Verbrennung sind dagegen sehr hart, da sie ja mehrmaliges Umladen vom Transport-LKW in das Silo und anschließend den Transport in den Heizkessel möglichst ohne zu zerbröseln überstehen sollen.

Die Pelletierkosten liegen laut PCM je nach Betriebsstunden, Material und Energieeinsatz (Strom, Heizöl, Diesel) zwischen 75 und 120 €/t. Die Wartung kostet 12 bis 15 €/t. Als Mindestmenge für die Lohnpelletierung gibt der Hersteller Mengen von 50 bis 100 t Stroh an, damit sich Anfahrt und Rüstzeiten rechnen. Als Minimum für den Lohnunternehmer gilt dagegen eine Laufzeit von 2000 Stunden bzw. eine Mindestmenge von 2000 t im Jahr, damit sich die Investition lohnt. Produziert würde dabei an 200 Tagen à 10 Stunden im Einschichtbetrieb. Zum Bedienen der Maschine ist eine Arbeitskraft nötig.

Vermarktung als Einstreumaterial

In diesen Mietboxen liefert TerFirmo die Strohpellets zu den Kunden.

In diesen Mietboxen liefert TerFirmo die Strohpellets zu den Kunden.

Die Firma TerFirmo ist vor drei Jahren in die Vermarktung von Pellets eingestiegen. „Die mobile Lösung ist ideal, um sich erst einmal einen Markt aufzubauen“, nennt Landwirt und Geschäftsführer Dr. Cord-Herwig Plumeyer den Grund, warum er sich für diese Lösung entschieden hat. Im Jahr vermarktet die Firma heute erst ca. 500 t Pellets, aber dies ist erst der Anfang. Wichtigstes Produkt ist Pferdeeinstreu unter der Marke „Equipell“. TerFirmo liefert die Strohpellets lose, in Big-Bags oder in Mietboxen mit 1,5 m3 Volumen. Zusätzlich bietet das Unternehmen an, den Mist per Hakenliftcontainer wieder abzuholen, sodass sich die Pferdebetriebe keine Sorgen mehr um die Stroh- und Mistlagerung machen müssen.

Der Inhalt einer Mietbox reicht bei einer Pferdebox mit 12 bis 14 m2 für sechs Monate.

Weniger gefragt sind dagegen Strohpellets als Brennstoff. Denn die Verbrennung ist wegen hoher Auflagen hinsichtlich Staubemissionen schwieriger geworden. Gleichzeitig sorgt der niedrige Ölpreis des letzten Jahres dazu, dass sich nur wenige Landwirte für diesen Brennstoff interessieren.

Pelletierung an der Strohlagerhalle

„Ohnehin gehört Stroh in den Stall und Holz in den Ofen“, sagt er mit Blick auf das auch häufig eingesetzte Einstreumaterial Holzspäne, das auf dem Acker schlecht verrottet und auch nicht in Biogasanlagen eingesetzt werden kann. TerFirmo setzt hauptsächlich Weizenstroh ein, das Plumeyer regelmäßig auf Rückstände von Pflanzenschutzmitteln oder Salmonellen untersuchen lässt. „Wir sind QS-konform und können es auch als Futtermittel an QS-Betriebe liefern“, erklärt der Geschäftsfüher.

Das Stroh lagert er bis zum Pelletieren in einer Lagerhalle außerhalb der Ortschaft. Hier findet auch das Pelletieren statt. Denn für einen effizienten Betrieb muss die Pelletieranlage direkt neben dem Strohlager stehen. Bei 1 t Pellets pro Stunde wird etwa alle 15 Minuten ein neuer Quaderballen benötigt. Aber auch die teilweise auftretende Staubentwicklung bei Pelletieren macht diese Arbeit innerhalb von Ortschaften schwierig.

Neben den normalen weichen Einstreupellets erzeugt Plumeyer noch ein Granulat für Hähnchenställe. Hierbei bricht er die erzeugten Pellets noch einmal mit einer Bröckelwalze. Die Zerkleinerung sorgt dafür, dass sie noch mehr Feuchtigkeit aufnehmen. Bei der Vermarktung argumentiert Plumeyer mit der regionalen Herkunft: „Es gibt auch sehr günstige Strohpellets aus Osteuropa, bei denen man aber nichts über Inhaltsstoffe weiß.“ Plumeyer ist sich sicher, dass die Nachfrage nach Strohpellets weiter steigen wird.

Dr. Cord-Herwig Plumeyer ist Landwirt und Geschäftsführer der TerFirmo GmbH aus Söhlde.

Dr. Cord-Herwig Plumeyer ist Landwirt und Geschäftsführer der TerFirmo GmbH aus Söhlde.

Mit der Herstellung von Pellets können Landwirte die Wertschöpfung von Rohstoffen wie Miscanthus, Stroh, Heu, Biokohle oder Gärresten erhöhen und sich neue Vermarktungswege erschließen – z.B. mit dem Verkauf als Brennstoff, Dünge- oder Futtermittel. Am Beispiel von Dinkelspelzen lässt sich der Vorteil der Pelletierung deutlich machen: Dieser Reststoff hat ein Schüttgewicht von 130 kg/m3. Eine Lkw-Ladung Spelzen benötigt in pelletierter Form nur noch 10 Big-Bags, was die Transportwürdigkeit deutlich erhöht. Das gilt auch für nachwachsende Rohstoffe wie Miscanthus.

Es gibt noch weitere Vorteile:

• Pellets sind schütt- und rieselfähig und lassen sich per Schnecke oder Gebläse transportieren sowie einfach lagern.

• Strohpellets haben als Einstreu eine mindestens vier Mal höhere Saugfähigkeit als Langstroh und sind nicht nur bei Pferdehaltern, sondern auch bei Kleintierbesitzern beliebt.

• Da beim Pelletieren auch Staub entfernt wird, ist das Material staubärmer als Stroh. Auch binden die Pellets Ammoniak, was beides bei Haltern von Pferden mit Atemwegserkrankungen gefragt ist.

• Mit Strohpellets lässt sich das Mistaufkommen deutlich reduzieren.

• Die Temperatur beim Pelletieren von rund 100 °C tötet auch Keime ab, was u.a. in Geflügelställen sehr gefragt ist.

• Im Geflügelstall oder auf anderen großen Flächen lassen sich Pellets per Universalstreuer einstreuen.

• Zur Herstellung von Futtermitteln lassen sich beispielsweise Stroh und Heu mischen. Die Pellets sind einfach in den Futtertrog zu dosieren.

• Die Vermarktung ist bei Pellets flexibler, bei Bedarf lassen sie sich auch als Gartenmulch bzw. als Einstreu in Erdbeerkulturen verkaufen.

• Ebenfalls interessante Abnehmer können Biogasanlagenbetreiber sein, die den Mist auf Basis einsetzen. Stroh ist dabei mechanisch, thermisch und biologisch aufgeschlossen und liefert nur etwas weniger Biogas als Silomais. Anlagenbetreiber könnten die Strohpellets aber auch direkt der Gülle zugeben, um Stroh in der Anlage einsetzen zu können. Erste Versuche dazu laufen bereits. Doch eine Pelletieranlage ist teuer und rechnet sich oft erst ab Laufzeiten von 3.000 Stunden im Jahr und mehr.