Magazin Saatbettbereitung

Markt :

Zurück zurNormalität

Verhaltener Optimismus bei Herstellern von Bodenbearbeitungs- und Sätechnik – Professionelle landwirtschaftliche Betriebe investieren in moderne Technik – Biogas-Boom sorgt für Nachfrageschub – Pflugeinsatz behält seine Berechtigung

Markt: Zurück zurNormalität

Die Stimmung der Anbieter von Bodenbearbeitungs- und Sätechnik ist verhalten positiv. Das geht aus einer Befragung der Hersteller hervor, die das Magazin eilbote Ende Mai 2010 durchgeführt hat.

Demnach hat sich die Nachfrage im heimischen Markt nach den überdurchschnittlich erfolgreichen vergangenen zwei Jahren auf einem stabilen Niveau in Höhe der Vorjahre eingependelt. So sieht Rainer Krug, Verkaufsleiter Kuhn Maschinen-Vertrieb GmbH, bei der Bodenbearbeitung und Sätechnik in der Nachfrage und im Verkauf mehr Kontinuität als bei anderen Produktgruppen. „Allerdings erfolgen alle Anfragen und Aufträge extrem kurzfristig“, stellt Stephanie Egerland-Rau, Geschäftsführerin der Firma Rabe Agri GmbH fest.

In den ersten vier Monaten dieses Jahres sei bei Bodenbearbeitung und Aussaat die Nachfrage aus Deutschland nach Lemken-Geräten erheblich besser gewesen als im gleichen Zeitraum 2009, berichtet Dr. Franz-Georg von Busse, Geschäftsführer der Firma Lemken. Nach seinen Angaben liegt die Nachfrage im Inland für die ersten vier Monate 2010 um ca. zehn Prozent über dem Niveau von 2007, erreicht aber nur 60 Prozent der Nachfrage von 2008.

Deutschland: Stimmung hellt sich auf

Ähnlich fällt die Einschätzung von Wolfgang Schutte, Amazone-Vertriebsleiter für Deutschland und Österreich aus. „Nach den überdurchschnittlich erfolgreichen Jahren 2008 und 2009 hat sich die Nachfrage zurzeit auf einem stabilen Niveau unterhalb des letzten Jahres und damit etwa in Höhe des Jahres 2007 eingependelt. Dank der engen Zusammenarbeit und des starken Engagements unserer Vertriebspartner ist es Amazone zugleich gelungen, seine Marktanteile weiter auszubauen.“ Auch nach Einschätzung von Thomas Bidell, Leiter Vertrieb und Marketing beim Hersteller Vogel & Noot, war die Nachfrage im ersten Quartal deutlich zurückhaltender als in 2009 und den Vorjahren. Als Gründe führt Bidell den lang anhaltenden Winter, aber auch die momentane Situation in der Landwirtschaft und die niedrigen Erzeugerpreise an.

Pöttinger verzeichnete nach Angaben von Dr. Petra Kuchinka, Marketingleitung, bis Mitte vergangenen Jahres relativ stabile Auftragseingänge und Umsätze. In den letzten Monaten des Jahres 2009 sei der Auftragseingang allerdings deutlich zurückgegangen. Doch seit Beginn 2010 zeige sich wieder eine leichte Erholung des Marktes. Dr. Kuchinka: „Unserer Meinung nach ist der Tiefpunkt überschritten. Wir rechnen mit steigender Nachfrage.“

Profi-Betriebe investieren

Kurt Glück, Marketingleiter der Firma Horsch, stellt nach den zwei Ausnahmejahren eine Stabilisierung der Nachfrage nach Bodenbearbeitung fest. Das Interesse an Sätechnik in Deutschland sei dagegen leicht rückläufig. Wie Glück weiter ausführt, gibt es auf dem heimischen Markt klare Unterschiede zwischen kleineren und größeren landwirtschaftlichen Betrieben. Während bei den Kleineren eher eine Zurückhaltung herrsche, folgten die Großbetriebe weiter ihrem Investitionsplan. Glück: „Dort wird einfach jährlich eine Summe X in aktuelle Technik investiert. Diese Betriebe müssen investieren und tun es auch.“ Bedeutende regionale Unterschiede, was das Investitionsverhalten der Landwirte angeht, sieht auch Wolfgang Schutte nicht. Dagegen zeichnet sich für den Amazone-Vertriebsleiter der Trend ab, dass vor allem Profi-Betriebe investieren. Dazu zählt er landwirtschaftliche Betriebe, die weiter wachsen wollen, sowie Lohnunternehmen und Maschinenringe. Laut Schutte investieren sie in leistungsfähigere Technik, um bei gleicher Arbeitskraft-Kapazität mehr Leistung zu schaffen.

„Wir sehen, dass insbesondere intensiv arbeitende Ackerbaubetriebe mit Maisanbau und Biogas-Betriebe am meisten in innovative Landtechnik investieren“, berichtet Dr. von Busse. „Das ist auch ein Grund dafür, dass beispielsweise die Nachfrage nach Einzelkornsämaschinen auf einem hohen Niveau geblieben ist“, weiß Rainer Krug. Im Übrigen hat der Kuhn-Verkaufsleiter im Inland eine Intensivierung des Ackerbaus in den letzten Jahren festgestellt. „Die Kulturen rücken zusammen“, sagt er. Beispiele dafür seien Grünroggen vor der Maisaussaat, Raps nach der Getreideernte oder Getreide nach der Maisernte. Als Folge der Intensivierung des Ackerbaus kämen auch Lohnunternehmer zum Zug, die in Einzelkornsämaschinen, Mulchgeräte, große Mulchsaatdrillkombinationen, aber auch in Pflugtechnik investieren.

Nach Auskunft von Dr. Wolfgang Kath-Petersen, Leitung Marketing und Verkauf bei Kverneland Group Deutschland, hält sich der durchschnittliche westliche Marktfruchtbaubetrieb mit Investitionen zurück und plant verhaltener. Schließlich seien die Weizenpreise noch immer eher mäßig, was nur teilweise durch den guten Rapspreis kompensiert werde. Er glaubt, dass ein großer Teil der Investitionen im Moment in alternative Energien fließt. So würden vorhandene Scheunendächer mit Photovoltaik bestückt und somit andere Einkommensquellen „angezapft“. Kurzfristig wirke sich diese Entwicklung voraussichtlich ungünstig für die Bestelltechnik aus. Mittelfristig könne sie jedoch zu einer insgesamt stabileren Einkommensentwicklung eines Betriebes führen und so den Ackerbau auch insgesamt auf ein zusätzliches, planbares Bein stellen. „Ist die Technik verschlissen, kann auch wieder investiert werden. Für die einzelbetriebliche Einkommenssituation sind somit die kurzfristigen Verlagerungen der Investitionen mittelfristig auch eher positiv zu bewerten“, urteilt Dr. Kath-Petersen.

Nachfrage bei Pflügen

„Der Absatz von Pflügen steigt europaweit“, berichtet Stephanie Egerland-Rau. Laut Dr. Petra Kuchinka investieren liquide Zukunftsbetriebe und Lohnunternehmer derzeit am stärksten. Die Nachfrage nach Pflügen in Deutschland in den letzten Wochen bezeichnet sie als relativ stabil bis leicht steigend.

Für Rainer Krug ist der Pflug aus vielen Ackerbaustrategien nicht wegzudenken. Es gebe schließlich kein ultimatives Ackerbauverfahren, sondern unterschiedliche Anpassungsstrategien an Kulturart, Fruchtfolge, Schädlingsdruck, Bodenverhältnisse, Niederschläge und Witterungsbedingungen. In diesem Zusammenhang weißt Krug auf die feuchten Winter vor zwei, drei Jahren hin, die auf verschiedenen Schlägen zu hohem Fusarienbefall führten, welcher sich unter anderem auch durch einen gezielten Pflugeinsatz vermindern lasse. Dr. Wolfgang Kath-Petersen erkennt einen engen Zusammenhang zwischen der Ausweitung der Maisflächen aufgrund des Biogas-Booms und dem Pflugeinsatz. Wegen der zunehmenden Herausforderungen mit höherer Maisdichte und seinen damit verbundenen Risiken für den Krankheitsdruck werde speziell zu Mais mehr gepflügt. Insgesamt hat sich laut Dr. Kath-Petersen der Pflugverkauf im Westen Deutschlands auf einem geringeren Niveau als in 2008 stabilisiert, nachdem der Gesamtabsatz in der Bodenbearbeitung 2009 insgesamt unter Druck geriet. Der Osten Deutschlands bewege sich insgesamt auf einem niedrigerem Niveau. Dass tendenziell im Westen mehr als im Osten gepflügt wird, führt Dr. Kath-Petersen vor allem auf engere Fruchtfolgen und geringere Flächenausstattung der Betriebe im Westen sowie die regionalen Unterschiede bei den Niederschlagsmengen zurück.

„In diesem Jahr hat sich die Nachfrage nach Grubbern und Kurzscheibeneggen aus dem Hause Lemken im Vergleich zu 2009 besser entwickelt als bei Pflügen“, sagt Dr. von Busse. Dennoch sei der Umsatzwert von Pflügen in den letzten Jahren kontinuierlich gestiegen, was der Geschäftsführer allerdings nicht allein dem größeren Marktvolumen, sondern auch einem gestiegenen Marktanteil von Lemken zuschreibt.

Schlagkraft ist gefragt

Arbeitsqualität, Effizienz, dauerhafte Zuverlässigkeit und Kostensenkungspotenzial stehen bei den Landwirten bei der Bewertung von Maschinen bzw. Verfahren im Vordergrund. Das berichten die Hersteller quasi unisono. „Insbesondere im Osten der Republik ist die Nachfrage an steigende Schlagkraft ungebrochen“, weiß Dr. Wolfgang Kath-Petersen. „Arbeitsbreiten von neun bis zwölf Meter sind hier heute der Standard.“ Im Westen erkennt er zur Saat einen stabilen Markt für die Drei-Meter-Arbeitsbreite. „Kleine und mittlere Betriebe nutzen vor allem die Drei-Meter-Maschinen, weil damit auch der Straßentransport am einfachsten zu bewältigen ist“, bestätigt auch Wolfgang Schutte. Die größeren Betriebe setzten hingegen stärker auf einklappbare Maschinen mit sechs Metern Arbeitsbreite.

Die Nachfrage nach steigender Schlagkraft scheint ungebrochen. So erkennt Kurt Glück auf größeren Betrieben aktuell einen Trend von sechs auf acht bis neun Meter Arbeitsbreite. Bei mittleren Betrieben gebe es die Tendenz von drei bis vier Metern auf fünf bis sechs Metern Arbeitsbreite.

„Nimmt man den Auftragswert pro Gerät zum Maßstab und der kann ein Indikator für ansteigende Arbeitsbreiten sein, dann ist der Trend in Deutschland zu größeren Geräten bei Drillmaschinen und Anbaupflügen ausgeprägter als bei Grubbern und Kurzscheibeneggen“, stellt Dr. von Busse fest.

Lichtblicke im Osten

Nach Angaben der Hersteller ziehen die Exportgeschäfte vor allem in den krisengeschüttelten Regionen wie Russland und der Ukraine wieder an. Nachdem insbesondere in den GUS-Staaten das Geschäft aufgrund fehlender Finanzierungsangebote und zusätzlicher Einfuhrzölle stark zurückgegangen war, sieht Dr. Franz-Georg von Busse auch in vielen osteuropäischen Märkten die Talsohle durchschritten. „Bei Lemken ist das Exportgeschäft in den ersten vier Monaten 2010 im Zahlenvergleich sogar noch besser gelaufen als im Vorjahreszeitraum“, sagt er. Dabei sei allerdings zu berücksichtigen, dass die Vergleichszahlen in 2009 durch die seinerzeit verrechneten Stornierungen niedriger ausgefallen seien, als es der tatsächlichen Marktlage im letzen Jahr entsprochen habe.

Nicht zufrieden ist Thomas Bidell mit der Nachfrage aus Osteuropa – insbesondere Russland. „Im Gegensatz dazu ist die Nachfrage in Westeuropa bisher ungebrochen gut “, erklärt Bidell.

Wolfgang Schutte berichtet von einer leicht ansteigenden Nachfrage in Osteuropa. „Der Absatz ist jedoch – insbesondere aufgrund fehlender Liquidität – noch unter dem Niveau von 2008 und weiterhin etwas schwächer als 2007.“ Laut Dr. Wolfgang Kath-Petersen reagiert Osteuropa insgesamt sehr uneinheitlich. „Neben dem deutlichen Absturz der Zahlen im russischen Markt gibt es auch kleinere Lichtblicke in angrenzenden Ländern, die den traurigen Gesamteindruck etwas aufhellen können. Insgesamt zeigt sich speziell im Bereich der Einzelkornsaat für Osteuropa noch ein einigermaßen erträgliches Bild. Bodenbearbeitung und Drilltechnik laufen dagegen sehr verhalten.“ Stephanie Egerland-Rau zeichnet ein sehr differenziertes Bild vom Exportgeschäft nach Osteuropa: „Je nach Land läuft es von sehr schwach – wie in Ungarn, der Ukraine sowie in Litauen, Lettland und Estland – über stabil – wie in Rumänien und Bulgarien – bis hin zu wachsend – wie zum Beispiel in Polen.“ Insgesamt schwach läuft derzeit nach Angaben der Geschäftsführerin das Westeuropa-Geschäft. Ausnahmen seien da lediglich Belgien und Österreich.

Fazit

Nach zwei „Ausnahmejahren“ stellen die Hersteller von Bodenbearbeitungs- und Sätechnik eine Konsolidierung des heimischen Marktes fest und rechnen für das Jahr 2010 mit Umsätzen auf 2007er Niveau. Dabei sind die Entwicklungen je nach Region, Betriebs- und auch Gerätetyp durchaus unterschiedlich. Beispielsweise profitiert nach wie vor der Absatz von Mais-Einzelkornsägeräten vom Biogas-Boom in der Landwirtschaft.

Annette Schulze Ising


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