Landtechnikfrost weltweit

Erst schadeten geopolitische Krisen wie der Ukraine-Krieg oder der Nahost-Konflikt den Bauern und damit der Landtechnik. Nun sorgt die erneut erwartete Chaospolitik des designierten US-Präsidenten Donald Trump für schlechte Aussichten in der Branche. Und auch die EU-Agrarpolitik setzt keine positiven Impulse.

Landtechnikmarkt: Landtechnikfrost weltweit

Das fette Jahr ist vorbei: Nachdem die durchschnittlichen Einnahmen von landwirtschaftlichen Haupterwerbsbetrieben im Wirtschaftsjahr 2022/23 noch ein Allzeithoch markiert hatten, büßten die deutschen Bauern 2023/24 deutlich Einkommen ein. Bei Ackerbaubetrieben waren es mit 72.871 Euro 32 Prozent weniger, in der Milchwirtschaft betrug das Minus sogar 42 Prozent. Auch im ohnehin von den Corona-Nachwehen gebeutelten Ökolandbau waren es mit 89.000 Euro acht Prozent weniger. Für Zukunftsinvestitionen wie neue Landtechnik bleibt da nicht viel Spielraum.

Das Minus traf nicht nur die Landwirte von Flensburg bis Garmisch, sondern auch die Agrarier im restlichen Europa. Wie die Entwicklung der Märkte und die Unsicherheiten aus der Agrarpolitik sich auf die Umsätze der Landtechnik auswirken, zeigt das Beispiel von Claas. Das nicht börsennotierte Unternehmen verzeichnete in seinem Ende September abgeschlossenen Geschäftsjahr einen Umsatzrückgang von 19 Prozent auf rund fünf Milliarden Euro. Und eine Umkehr des Abwärtstrends ist für Jan-Hendrik Mohr, CEO der Harsewinkler, auch für 2025 nicht in Sicht. Er rechnet mit einem weiteren „moderaten“ Umsatzrückgang, beim Ergebnis vor Steuern sogar mit einem „merklichen Rückgang“.

Auch wenn das Wetter und die Folgen der Klimaveränderung in der Landwirtschaft eine große Rolle beim Ernteerfolg und damit beim Einkommen spielen, haben die letzten Jahre deutlich gezeigt, welchen großen Einfluss die Politik auf die Agrarwirtschaft hat – von den Umwälzungen in Folge des Ukrainekrieges bis hin zur unausgereiften Agrarpolitik der EU und der Ampelregierung. Joachim Rukwied, Präsident des Deutschen Bauernverbandes, forderte deshalb bei der Vorstellung der jüngsten Zahlen einen Neustart in der Agrarpolitik Berlins mit echten Entlastungen der Betriebe und Investitionsimpulsen.

Weltweit zunehmende Verunsicherung der Bauern

Doch der wachsende Einfluss der Politik nach dem Ende der Globalisierung verbunden mit einer zunehmenden Verunsicherung der Bauern zeigt sich weltweit. Etwa beim Blick auf Amerika, den größten Landtechnikmarkt der Welt. Ein großer Unterschied zwischen Bauern in Europa und Farmern in den USA sei, so heißt es bei Kennern beider Kontinente oft, dass jenseits des Atlantiks nicht besonders groß in die weitere Zukunft und auch nicht in die jüngere Vergangenheit gedacht werde. Was für Amerikaner zähle, seien die Ernte und der Profit des aktuellen Jahres, im neuen Jahr gebe es ja wieder neue Chancen.

Vielleicht ist damit zu erklären, dass sich die Stimmung unter den US-Farmern seit dem Wahlsieg von Trump laut Umfragen deutlich verbessert hat. Als Gründe werden die Erwartung von niedrigeren Steuern, Kostensenkungen durch weniger Inflation und Hoffnung auf höhere Preise für Agrarrohstoffe durch hohe Einfuhrzölle angegeben. All das hat der Großstädter Trump im Wahlkampf dem Landvolk wieder einmal versprochen. Vergessen scheint, was der Immobilienerbe nach seinem letzten Amtsantritt durch den unter anderem mit China angezettelten Handelskrieg ausgelöst hatte: Die Asiaten suchten sich andere Handelspartner, etwa in Südamerika – die exportverwöhnten US-Farmer blieben auf Soja & Co sitzen. Die Regierung in Washington musste mit Milliarden Dollar schuldenfinanzierter Agrarhilfen die eigene Landwirtschaft stützen.

Bei einer Minderheit zwar, mit 42 Prozent der Befragten aber einer großen, scheint das Gedächtnis noch zu funktionieren. Sie fürchten ernsthafte Probleme für ihre Branche durch die Rückkehr des selbsternannten Deal-Makers. Dabei sind die US-Farmeinkommen schon in den vergangenen zwei Jahren deutlich gesunken, die durchschnittliche Verschuldung der Höfe dürfte laut dem US-Landwirtschaftsministerium 2024 auf einen neuen Höchststand steigen.

Gleichzeitig sind die Preise für Farmland vom Golf von Mexiko bis hinauf zu den Großen Seen kräftig gestiegen, seit 2021 um bis zu 80 Prozent – und damit auch die Pachtpreise. Die höheren Fixkosten und teuren Zinsen werden nach Schätzungen von BRF, einem der größten Lebensmittelunternehmen der Welt aus den USA, auch im kommenden Jahr durch weiter niedrige Notierungen für Agrarrohstoffe, schwächerer Konsumentennachfrage und weniger Bedarf der Biosprithersteller in Amerika begleitet.

20-Jahres-Tief für Landtechnik

Angesichts dieser Aussichten für die Farmer dürfen auch die Landtechniker kommendes Jahr keine besseren Geschäfte in den USA erwarten, vielmehr einen weiteren Rückgang der Farm-Investitionen. Die Experten des Wirtschaftsdienstes Bloomberg erwarten bei den Bestellungen für große Traktoren und Mähdrescher für 2024 einen Rückgang um 15 bis 20 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Für 2025 sind sie noch pessimistischer und fürchten ein Absatzminus von weiteren 20 bis 30 Prozent, das Umsatzvolumen der US-Landtechnik würde damit auf die niedrigsten Werte seit dem Jahr 2003 fallen. Und obwohl Michael Bloomberg, Besitzer der gleichnamigen Agentur, ein Trump-Unterstützer ist, kommen seine Wirtschaftsexperten nach den Erfahrungen der Agrarpolitik aus Trumps erster Amtszeit von 2017 bis 2021 zu dem Schluss, dass das schlechte Umfeld für Bauern über 2025 hinaus anhalten wird. Entsprechend rechnen sie mit einem erneuten zweistelligen Umsatzminus für die Landtechnik in den USA.

Von der Trumpschen Chaos-Politik einst und bald wieder profitiert vor allem Südamerika. Brasilien und Argentinien, die zusammen bereits mehr als die Hälfte der globalen Soja-Ernte liefern, erhöhen ihre Produktion weiter, um die Nachfrage aus China zu decken. Über die letzten 15 Jahre sind die Importe Pekings von Sojabohnen aus Brasilien im Schnitt um jährlich 13 Prozent gewachsen, so Bloomberg.

In Argentinien hat sich unter dem neuen Präsidenten Javier Milei zwar die Hyperinflation abgeschwächt, die Rate liegt aber immer noch bei über 200 Prozent jährlich. Der „Kettensägen-Mann“ wie sich Milei gerne titulieren lässt, hat trotz harter Sparmaßnahmen immer noch mehr als die Hälfte der Bevölkerung hinter sich, die Bauern haben aber von einer stärkeren marktwirtschaftlichen Ausrichtung noch nicht profitiert. Den einst von den Sozialisten eingeführten Steuersatz von rund 70 Prozent auf Erträge aus der Landwirtschaft tastet Milei nicht an, sind diese Abgaben doch noch auf lange Sicht die Haupteinnahmequelle des argentinischen Staates, der zudem dringend die Export-Dollar für seine Devisenkasse braucht.

Die erfolgreichen Gaucho-Farmer investieren ihre Gewinne deshalb kaum in neue Maschinen, dafür lieber in Acker- und Weideland, das noch günstig zu haben ist, und hoffen auf eine bessere Zukunft. Schließlich ist Argentinien einer der weltweit wettbewerbsfähigsten Landwirtschafts-Standorte. Die Landtechnik-Investitionen sind aber von rund 1,8 Milliarden Dollar in 2009 auf etwa 1,3 Milliarden in diesem Jahr gesunken. Deere, Agco, Kubota, Yanmar und CNH, die auch vor Ort montieren, profitieren vorerst nicht davon.

In Brasilien, dem größten Land Südamerikas, flächenmäßig der fünftgrößte und in Bezug auf die Einwohnerzahl der sechstgrößte Staat der Erde, ist die Landwirtschaft ebenfalls der wichtigste Wirtschaftsfaktor. 40 Prozent des südamerikanischen Landtechnikvolumens entfallen allein auf den Amazonasstaat. Allerdings hatte Ex-Präsident Jair Bolsonaro seine Politik ganz auf die Interessen der Großgrundbesitzer ausgerichtet. So waren schon 2023 die Umsätze der Landtechniker um 20 Prozent eingebrochen, weil wenig Nachfrage aus dem Mittelstand und von Kleinbauern kam. Seit Lula da Silva wieder in Brasilia regiert, hat er kein Kreditprogramm zu Förderung der Mechanisierung mehr aufgelegt, was auch in diesem Jahr zu rückläufigen Käufen bei der Technik führte.

Und obwohl die großen (westlichen) Landtechniker in Brasilien eigene Fertigungen oder Montagen haben, sucht Lulas Agrarministerium den Schulterschluss zu China. Im Sommer beschloss die Cosban, die „Chinesisch-Brasilianische Hochrangige Kommission für Konzertierung und Zusammenarbeit“ Unternehmenskooperationen von chinesischen und brasilianischen Firmen, die Geräte für die kleinbäuerliche Landwirtschaft produzieren, samt „gewünschtem Technologietransfer von China nach Brasilien“. Anfang Dezember sind nun rund 50 China-Maschinen – Traktoren, Ernte- und Pflanzgeräte sowie Düngerstreuer auf der Farm Água Limpa der Universität Brasilia zum Testen eingetroffen. Offensichtlich setzt die sozialistische Regierung unter Lula nun vermehrt auf die Kooperation mit den Kommunisten aus China. Wachstumssignale gehen vom brasilianischen Markt für Deere, Agco, CNH oder Kubota derzeit jedenfalls nicht aus.

China-Traum ist ausgeträumt

Die nach wie vor vergleichsweise günstigen Produktionsbedingungen in China nutzen alle großen Landtechnikhersteller, zumindest, was Bauteile betrifft. Die Erwartungen, wie einst Volkswagen mit vor Ort produzierten Autos den riesigen chinesischen Markt ebenso mit westlicher Landtechnik erobern zu können, werden sich wohl nicht mehr erfüllen. Zwar ist das Reich der Mitte in den vergangenen zehn Jahren zum weltgrößten Importland von landwirtschaftlichen Produkten geworden. Vor allem Soja, Fleisch und Milchprodukte muss Peking weltweit einkaufen.

Doch Peking setzt alles daran, die heimische landwirtschaftliche Produktion hochzufahren. Wenn notwendig auch mit importierter Technik. Doch die – von China von je her erzwungenen – Joint Ventures eigener oft staatlich gelenkter Unternehmen mit den großen ausländischen Konzernen haben viel Know-how ins Land gebracht, das nach den offen kommunizierten Plänen der kommunistischen Partei nun von den chinesischen Unternehmen allein weiterentwickelt werden soll. Das Ziel „absolute Selbstversorgung“ hat Parteichef Xi Jingping in diesem Jahr sogar als Gesetz beschlossen. Und mit den geopolitischen Veränderungen der letzten Jahre nutzt China mehr und mehr seine Möglichkeiten, die Sino-Landtechnik auch in Afrika, Russland oder sogar Europa zu etablieren. Selbst wenn eine bessere Konjunktur Deere, Agco und Co. noch einmal bessere China-Geschäfte bescheren könnte – der große Wachstumstraum dort ist langfristig ausgeträumt.

Der große Nachbar Indien hingegen, inzwischen das bevölkerungsreichste Land der Erde, nutzt seine „neutrale“ Position zwischen den alten Konkurrenten Ost und West geschickt für die eigene Entwicklung. Dabei spielt die Regierung in Mumbai ihre Bedeutung als Im- und Exportland von Agrarrohstoffen durch kurzfristige Abgaben ebenso aus wie bei Importzöllen für ausländische Technik. Man hat von China gelernt und fördert so Auslandsinvestitionen in indische Produktion. Bei von Weltbank und Internationalem Währungsfonds geschätzten sieben Prozent Wirtschaftswachstum für die erste Hälfte 2025 profitiert die Landwirtschaft als einer der großen Faktoren dabei besonders. Und somit auch die Landtechnik.

Nach wie vor gilt, dass die Bauern auf dem Subkontinent schon „traktorisiert“, aber noch nicht mechanisiert sind. Die inländischen Platzhirsche Mahindra & Mahindra, Sonalika, Tafe sowie Escorts (bei denen die japanische Kubota groß eingestiegen ist), bauen deshalb ihre Produktpalette neben den Schleppern kräftig aus. Der Markt für Sämaschinen, Düngerstreuer, Hacker aber auch Selbstfahrer wie Drescher, Häcksler und Sprayer made in India ist riesig.

Indien noch nicht reif für Hightech

Warum die westlichen, börsennotierten Landtechnikhersteller davon nicht profitieren? Eine Erklärung ist, dass sie auf das sogenannte „Leap frogging“ gesetzt haben, also auf einen Technologiesprung bei Indiens Bedarf für Landtechnik. Angesichts einer Analphabeten-Quote von 25 Prozent landesweit, die im Agrarsektor noch viel höher liegt, ist es vielen indischen Bauern allerdings schon schwer zu vermitteln, dass Hybridsorten von Getreide einerseits einen Mehrertrag von rund 30 Prozent bringen können, das Saatgut aber jedes Jahr neu gekauft werden muss. Dieses Missverständnis aufgrund selbstverschuldeter Ahnungslosigkeit, das tatsächlich Tausende Bauern aus dem Milliardenvolk wegen Überschuldung in den Selbstmord treibt, wird von NGOs und auch deutschen Medien kontinuierlich Saatgutproduzenten wie Bayer (Monsanto) einseitig zur Last gelegt und für Schlagzeilen ausgenutzt. Tatsächlich ist das Bildungsdefizit von Indiens Bauern der größte Hemmschuh für die mögliche Entwicklung der Landwirtschaft in dem Land. Indien ist noch nicht bereit für Hightech – zumindest nicht im Agrarsektor.

Das neue Selbstbewusstsein Indiens zeigt sich aber auch im aktuellen Streit zwischen der indischen Tafe und der amerikanischen Agco. Seit 64 Jahren besteht eine Partnerschaft der Inder mit Massey Ferguson als Lizenzgeber, deren Mutterkonzern Agco 21 Prozent der Aktien von Tafe als Finanzbeteiligung besitzt. Seit 2013 allerdings hat Tafe-Chefin Mallika Srinivasan umgekehrt eine 16-Prozent-Beteiligung an Agco aufgebaut. Und weil ihre Agco-Aktien seit ihrem Einstieg laut Bloomberg nur 93 Prozent an Wert gewonnen haben, während der breite US-Aktienindex S&P 500 um rund 280 Prozent an Wert zulegte, fordert Srinivasan wegen „verpasster Marktchancen“ nun massive Umbauten in der Agco-Führung. Sogar über eine Übernahme der Amerikaner durch die indische Großaktionärin wird spekuliert (siehe Aktienbesprechung).

Als Reaktion kündigte Agco Ende September den Lizenzvertrag, was für Tafe bedeuten würde, dass sie die traditionsreiche Marke Massey Ferguson in Indien, Nepal, Sri Lanka, Bangladesch und Bhutan weder nutzen, vertreiben noch verkaufen darf. Mitte November bestätigte ein hohes indisches Gericht einerseits die Namensrechte der Amerikaner, Tafe wiederum erklärte, alle Produkte unter dem Namen seien seit Langem Eigenentwicklungen, weshalb man eigentlich Besitzer der Marke in ihrem Vertriebsgebiet sei. Der Streit dürfte in die nächste Runde gehen – und damit beiden Unternehmen schaden.

In Afrika sind solche Kulturbrüche für die Agrartechnik-Industrie nicht zu erwarten. Bis auf wenige Montage-Linien in Nord- und Südafrika sind die Länder des Kontinents vor allem in der Sub-Sahara-Zone komplett auf Landtechnik-Importe angewiesen. In den vergangenen Jahren hatte dafür ein Boom bei Start-ups eingesetzt, die smarte Lösungen für die Landwirtschaft entwickelten. Die Zahl der Neugründungen ebbt inzwischen jedoch ab, nun geht es mehr darum, welche Lösungen sich breit am Markt durchsetzen. Mit der neuen Regierung in Südafrika besteht die Chance, dass sich die großen Landtechniker dort wieder Potenziale erschließen können, das tatsächliche Geschäft bleibt aber weit hinter den Möglichkeiten zurück. So kommen auch aus Afrika keine positiven Impulse für die darbende Landtechnik-Branche.

Ähnlich wie China eine Blackbox in Sachen Agrarproduktion und Rohstoffimporte ist, fällt auch die Einschätzung des russischen Marktes schwer. Nachschub für westliche Technik gibt es nur noch über Umwege wie ehemalige Sowjet-Staaten. Und der jüngste Einbruch der Währung Rubel dürfte den Landwirten des russischen Riesenreichs auch Importe aus China oder Indien, die als Ersatz für die Westlieferungen dienten, zunehmend erschweren. Denn beim Geld, das haben Russlands BRIC-Partner China und Indien deutlich klargemacht, hört die Freundschaft schnell auf.

Landtechnikmarkt: Landtechnikfrost weltweit

Anleger, die auf die börsennotierten Landtechniker gesetzt haben, können die Entwicklung in ihren Depots klar ablesen. An Wert verloren haben die Anteilsscheine der gesamten Branche – mit Ausnahme Mahindras dank der indischen Sondersituation. Zwar haben die Unternehmen auf die absehbare Entwicklung reagiert und sowohl Kosten reduziert wie auch Abläufe optimiert. Auch Personalabbau gehört bereits zu den Maßnahmen. Die Gewinnsituation wird sich auf absehbare Zeit allerdings nicht verändern, eher noch verschlechtern. Ob das die ohnehin schon stark gefallenen Aktienkurse noch weiter nach unten drückt, ist trotzdem offen. Denn oft setzt an den Börsen schon eine Gegenreaktion ein, wenn die Realität noch gar nicht für einen Neueinstieg spricht. Und vielleicht kommen positive Impulse für die Branche ja ausgerechnet aus der Politik, die für so viel Unsicherheit gesorgt hat. Eine Friedenslösung für die Ukraine wäre ein Anfang.

Landtechnikmarkt: Landtechnikfrost weltweit

Der Bär dominiert die Kurse

Die Umsatz- und Gewinn-Perspektiven der meisten börsennotierten Landtechnikhersteller haben sich im zweiten Halbjahr weiter verschlechtert. Das zeigt sich entsprechend an den Aktienkursen. Für Langfrist-Anleger bleibt ein Engagement in der Branche dennoch weiter attraktiv, bildet sie doch einen Megatrend ab. Kurzfristig lohnt ein Einstieg bei den wenigsten Titeln.

Informationen

Was bedeuten die Empfehlungen?

Bei „Halten“ ist eine Entwicklung des Aktienkurses nahe der allgemeinen Entwicklung der Aktienmärkte zu erwarten.
Bei „Kaufen“ wird eine überproportionale Steigerung des Aktienkurses zu den breiten Aktienindizes erwartet.
„Zielkurs“ ist der Kurs, den die Aktie nach Analysten und anderen Experten auf Sicht von zwölf Monaten erreichen sollte.
„Verkaufen“: Der Kurs der Aktie wird sich schlechter als der breite Markt und nach unten entwickeln.
„Stoppkurs“: Damit sichern sich Anleger gegen allzu große Verluste ab. Fällt der Kurs auf oder unter die Marke, ist eine Neubetrachtung der Wertpapieranalyse notwendig, ein Verkauf meist geboten.
„ISIN“: Nummer des Wertpapiers für den Handel an der Börse.
Aktuelle Informationen im Internet unter www.finanzen.net.
Eine Haftung wird nicht übernommen.
Die Informationen stellen keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren dar.

Kursstand 16.12.2024, 10.00 Uhr

Landtechnikmarkt: Landtechnikfrost weltweit

Deere & Co (John Deere)

Kaum war klar, dass Donald Trump der nächste Präsident der USA wird, machte der Aktienkurs von Deere & Co einen kräftigen Sprung nach oben. Dabei hatte der Republikaner dem Konzern während des Wahlkampfs noch lautstark gedroht: Werde Deere tatsächlich wie geplant in Mexiko eine Fertigung ausbauen, werde Trump den Konzern mit hohen Strafzöllen bei der Einfuhr von Landtechnik belegen. Dass die Börse die Nummer 1 der Landtechnik weltweit dennoch mit einem Bonus belegte, hat mehrere Gründe. Vor allem die von Trump angekündigten Steuersenkungen von Unternehmen sollten Deere zugutekommen. Für Strafzölle auf Mexiko-Produkte hingegen müssten die USA erstmal das Freihandelsabkommen mit dem Nachbarn kündigen, was die gesamte US-Industrie schwer schädigen würde, und schließlich kann Deere seine Mexiko-Produktion auch außerhalb der USA verkaufen. Deere fertigt ohnehin in vielen anderen Ländern. Die Zahlen zum Ende Oktober abgeschlossenen Quartal zeigen jedoch die schlechte aktuelle Situation. Der Umsatz fiel im Vergleich zum Vorjahresviertel um 27,7 Prozent auf 11,14 Milliarden Dollar, auf Zwölf-Monats-Sicht minderte sich der Umsatz mit 51,7 Milliarden Dollar um 15,5 Prozent. Der Gewinn je Aktie sank übers Jahr von 43,8 auf 25,7 Dollar. Alles besser, als die Analysten geschätzt hatten. Auf jeden Fall halten.

ISIN: US2441991054
Kurs: 418,25 Euro
Ziel: 450,00 Euro
Stopp: 300,00 Euro

Landtechnikmarkt: Landtechnikfrost weltweit

Agco (Fendt, Massey Ferguson, Valtra)

Der Mutterkonzern von Fendt & Co hat im Ende September abgelaufenen Jahresviertel 2,6 Milliarden Dollar Umsatz eingefahren. Mit knapp 25 Prozent unter dem Vorjahreswert von gut 3,5 Milliarden Dollar entsprach das noch den Erwartungen des Marktes. Wirklich enttäuschend aber war die Gewinnentwicklung: Nach 3,75 Dollar je Anteilsschein im Vorjahresviertel standen nun nur noch 0,40 Dollar pro Aktie in den Büchern. Kein Wunder, dass die Großaktionärin Mallika Srinivasan, zugleich Haupteigentümerin des indischen Tafe-Konzerns, ihre Forderungen nach massiven Änderungen im Vorstand und Aufsichtsrat der Amerikaner verstärkt hat. Der in Folge ausgebrochene Rechtsstreit um den Besitz der Marke Massey Ferguson (MF) in Indien, die seit Jahrzehnten von Tafe genutzt wurde, ist inzwischen so eskaliert, dass beide Konzerne ihn nun auch noch über große Anzeigenkampagnen führen. Noch steht die Prognose von AGCO-Chef Eric Hansotia für 2024 mit etwa 12,5 Milliarden US-Dollar Umsatz, eine Milliarde weniger als 2023, die operative Marge wurde von 11,3 Prozent auf etwa neun Prozent angepasst. Der bereinigte Gewinn pro Aktie wurde von etwa zwölf Dollar auf acht Dollar revidiert. Abwarten, was die Jahreszahlen wirklich bringen.

ISIN: US0010841023
Kurs: 93,26 Euro
Ziel: 115,00 Euro
Stopp: 73,00 Euro

Landtechnikmarkt: Landtechnikfrost weltweit

CNH Industrial (Case IH, New Holland, Steyr)

Dass er ein schweres Erbe antreten wird, war Gerrit Marx bewusst, als er im Sommer seinen erfolgreichen Job als Iveco-Boss mit dem Chefsessel von CNH Industrial tauschte. Schließlich schleppt der italienisch-amerikanische Konzern, einst aus Fiat ausgegründet, viele Probleme schon seit Jahren mit sich herum. So musste Marx bei der Vorstellung der Zahlen zum dritten Quartal die Jahresprognose für den bereinigten Gewinn von den zuvor erwarteten 1,30 bis 1,40 Dollar je Aktie auf eine Spanne von 1,05 bis 1,15 Dollar senken, die dritte Ergebnisreduzierung in Folge. Entsprechend wurden auch die Umsatzprognosen der Landwirtschaftssparte für das Gesamtjahr angepasst, statt einem Rückgang von 15 bis 20 Prozent wird nun ein Minus von 22 bis 23 Prozent gegenüber dem Vorjahr befürchtet. Besonders hart trifft CNH der Absatzrückgang bei den Mähdreschern, in Südamerika sowie Europa, dem Nahen Osten und Afrika ging er im dritten Quartal um 32 bzw. um 50 Prozent zurück. Mit fast 30 Prozent Minus im Jahreszeitenvergleich sah es auch beim Umsatz der Baumaschinen nicht besser aus. Auch wenn Marx die Produktion künftig besser an die Nachfrage anpassen will, belasten nicht verkaufte Maschinen den Konzern massiv. Auch wenn die Dividenden nicht gekürzt werden sollten, zählt die CNH-Aktie derzeit keinesfalls als Kauf.

ISIN: NL0010545661
Kurs: 11,19 Euro
Ziel: 12,00 Euro
Stopp: 8,00 Euro

Landtechnikmarkt: Landtechnikfrost weltweit

Kubota (Kverneland)

Seit drei Jahren zeigt die Entwicklung des Aktienkurses von Kubota bei hoher Volatilität konsequent nach unten. Das entspricht zwar nicht der tatsächlichen Entwicklung des Konzerns, doch offensichtlich können die Japaner die Börse nicht von besseren Aussichten überzeugen. Auch wenn es in den Sparten Bewässerungstechnik oder Eisenbahnausrüstung in den vergangenen Jahren eigentlich recht gut lief, fallen die Sparten Agrartechnik mit rund 70 Prozent Umsatzanteil sowie Baumaschinen mit knapp 19 Prozent bei der Bewertung des Unternehmens einfach mehr ins Gewicht. Der Kursabschlag von fast 40 Prozent seit 2021 ist eigentlich nicht gerechtfertigt. So hat sich Kubota im dritten Quartal mit einem Ergebnis je Aktie von 40,50 Yen zum Vorjahresergebnis mit 45,42 Yen gegen die Branchenentwicklung gut behauptet. Auch das Umsatzminus fiel mit 5,4 Prozent erträglich aus. Spannend ist die Entwicklung von Kubotas Engagement in Indien, wo die Japaner den örtlichen Hersteller Escorts übernommen haben. Dort wollen sie in den nächsten fünf bis sechs Jahren signifikant wachsen, doch nicht nur auf dem Subkontinent, sondern in einem neuen Werk in Uttar Pradesh unter anderem auch Grünland-Geräte für den Export in alle Welt produzieren. Mutige Anleger kaufen den Indien-Bonus, sonst besser beobachten.

ISIN: JP3266400005
Kurs: 11,55 Euro
Stopp: 9,80 Euro
Ziel: 13,00 Euro

Landtechnikmarkt: Landtechnikfrost weltweit

Bucher Industries (Kuhn Group)

Angesichts des starken Einbruchs im Landtechnikgeschäft bei der Marke Kuhn hält sich die Aktie des Mutterkonzerns Bucher Industries wacker, der Kurs der Schweizer ist auf Fünf-Jahres-Sicht auf einem relativ hohen Niveau, legte in diesem Zeitraum sogar um ein Viertel zu. Dabei hatten die unterschiedlichen Divisionen durchaus mit starken Schwankungen zu kämpfen. Die Bilanz der Kuhn Group, die traditionell für etwa die Hälfte des Bucher-Geschäfts verantwortlich war, fiel nach neun Monaten des Geschäftsjahres wenig erfreulich aus: Der Umsatz betrug 913 Millionen Franken (minus 19,3 Prozent), der Auftragseingang lag bei 643 Millionen Franken (minus 24,3 Prozent), der Auftragsbestand bei 390 Millionen Franken (minus 44 Prozent). Begründet wurde das von den Eidgenossen mit wetterbedingt schlechten Ernten in Brasilien und Europa, während das Segment der Milch- und Viehwirtschaft global von soliden Milch- und sehr hohen Fleischpreisen profitierte. Viele Händler von Kuhn leiden offensichtlich unter ihren hohen Beständen. Getroffen hat die Entwicklung auch die mit der Landwirtschaft verknüpften Bereiche wie Bucher Emhart Glass, die Maschinen etwa für Fruchtsäfte produzieren. Besser lief es wieder in der Sparte der Kommunalmaschinen Bucher Municipal. Die Ergebnisse für den Gesamtkonzern bis Ende September: Umsatz 2,42 Milliarden Franken (minus 11,4 Prozent, Auftragseingang 1,96 Milliarden Franken (minus 19,7 Prozent). Halten.

ISIN: CH0002432174
Kurs: 367,50 Euro
Ziel: 380,00 Euro
Stopp: 335,00 Euro

Landtechnikmarkt: Landtechnikfrost weltweit

Mahindra & Mahindra (Sampo Rosenlew, Erkunt)

Dass Indien auch in diesem Jahr mit einem ordentlichen Wirtschaftswachstum glänzt, zeigt sich am Aktienkurs von Mahindra & Mahindra. Um fast 90 Prozent hat er binnen eines Jahres zugelegt, auf Sicht von drei Jahren steht sogar ein Plus von mehr als 260 Prozent zu Buche. Dem Multi-Konzern kommt zugute, dass er neben der Landtechnik auch eine bedeutende Produktion von Automobilen sowie Lastwagen und Baumaschinen hat, und das sind unabhängig von der Entwicklung der Landwirtschaft Indiens klare Wachstumsbranchen im dem immer noch wenig motorisierten Land. Allein die SUV-Verkäufe stiegen im Juli-bis-September-Quartal um 19 Prozent. Und auch bei der Landtechnik geht es nach einem Vorjahr mit unterm Strich sieben Prozent weniger Traktor-Umsatz wieder bergauf. Ein gut verlaufener Monsun hat die Kauflust indischer Bauern unterstützt, weshalb Rajesh Jejurikar, CEO der Auto- und Landwirtschaftsparte, bei der Agrartechnik ein Umsatzplus von rund zehn Prozent im Jahresvergleich verkünden konnte. Der Umsatz im Gesamtkonzern lag zuletzt bei umgerechnet 4,5 Milliarden US-Dollar, nach 4,15 Milliarden im Vorjahreszeitraum. Der Gewinn entwickelte sich noch besser mit nun 0,34 Dollar nach 0,25 im Vorjahreszeitraum. Die Aktie ist nicht billig, trotzdem kaufen.

ISIN: USY541641194 (ADR-Schein, da in den USA besser handelbar)
Kurs: 34,60 Euro
Stopp: 29,50 Euro
Zielkurs: 40,00 Euro

Landtechnikmarkt: Landtechnikfrost weltweit

Wacker Neuson (Weidemann, Kramer)

Der Münchner Baumaschinenhersteller, der mit der Tochter Weidemann Hoflader und der Marke Kramer auch stark in der Landtechnik unterwegs ist, gibt traditionell keine gesonderten Ergebnisse für die Agrartechnik bekannt. Nach den ersten neun Monaten lag der Konzernumsatz bei rund 1,7 Milliarden Euro (minus 14,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr). Die Ebit-Marge (Ergebnis vor Steuern und Zinsen) fiel im Jahresvergleich deutlich von 11,9 Prozent auf 6,3 Prozent, wobei sich vor allem ein schlechtes drittes Quartal bemerkbar gemacht hat. Zwar ist Wacker Neuson international unterwegs, der Kernmarkt vor allem bei der Landtechnik ist aber Europa. So sank der Umsatz in der Region EMEA im Vergleich zum Vorjahr um 12,1 Prozent auf rund 1,3 Milliarden Euro. Die Schwäche der Baumaschinen, zu denen auch Rüttler oder andere handgeführte Geräte gehören, zeigt sich in der Region Amerika (Nord und Süd), hier ging der Umsatz um 20,3 Prozent auf rund 357 Millionen Euro zurück. Noch stärker zeigte sich der Absatztrend in der Region Asien-Pazifik mit einem Umsatzrückgang von 30,1 Prozent auf 42,4 Millionen Euro. Die Prognose für 2024 wurde nach unten angepasst. Erwartet wird nun ein Jahresumsatz zwischen 2,2 und 2,3 Milliarden Euro (zuvor: 2,3 bis 2,4 Milliarden Euro) bei einer Ebit-Marge zwischen 5,5 und 6,5 Prozent (zuvor: zwischen 6,0 und 7,0 Prozent). Für ein Halten spricht die erwartete Dividendenrendite von 3,7 Prozent.

ISIN: DE000WACK012
Kurs: 14,28 Euro
Stopp: 12,00 Euro
Ziel: 16,00 Euro


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