Magazin Finanzen

Landtechnikaktien :

Agco war Top-Performer der Branche

Die Aussichten für die Landtechnik-Branche für 2020 sind nicht rosig. Experten erwarten eine Umsatz- stagnation oder sogar Rückgänge. Doch weil global gesehen das Geschäftsniveau recht hoch ist, haben sich die Aktienkurse der börsennotierten Hersteller bisher gut gehalten. Sieben Landtechnik-Aktien in der Einzelbeurteilung.

John Deere

Ausgerechnet die US-Farmer waren begeisterte Trump-Wähler – und spüren nun am kräftigsten die Auswirkungen seiner Handelspolitik mit Peitsche und ohne Zuckerbrot. Und auch die Nummer 1 der Landtechnik, Deere & Co., ist von Trumps Politik betroffen. Der Konzern überraschte seine Anteilseigner im Herbst mit einer erneuten Umsatz- und Gewinnwarnung aufgrund des Handelskonflikts der USA mit China. Das war die zweite solche Warnung innerhalb von nur drei Monaten, was die Investoren vorsichtig werden ließ. Doch tatsächlich fielen die Ergebnisse dann doch wie ursprünglich erwartet aus: Im Geschäftsjahr 2018/2019 (bis Oktober) stieg der Umsatz um fünf Prozent auf 35,7 Milliarden Euro, der Nettogewinn legte um 37 Prozent auf drei Milliarden Euro zu. Die Sparten Baumaschinen (dazu gehört auch die deutsche Wirtgen-Gruppe mit dem Ludwigshafener Straßenfertiger-Produzenten Vögele) sowie Forstgeräte spielen bei Deere eine immer wichtigere Rolle, ein Plus von vier Prozent bei den Umsätzen brachte insgesamt 10,13 Milliarden Euro.

Beim Ausblick auf 2020 zeigte sich Vorstandschef John C. May dann wieder vorsichtiger: Bei Bau und Forst sieht er ein mögliches Umsatzminus von fünf bis zehn Prozent, bei den Landmaschinen im US-Markt fünf Prozent weniger, Europa und Südamerika sollten die Umsätze halten können. Deere zahlt seit 48 Jahren zuverlässig eine Dividende und selbst bei reduzierten Umsätzen im kommenden Jahr sollte der Gewinn das Niveau halten. So notiert das Papier immer noch nahe seines Allzeithochs, der Kurs hatte im Jahresverlauf um mehr als 18 Prozent zugelegt. Die Aktie ist zwar nicht mehr günstig, weshalb Vorsichtige die nächsten Zahlen abwarten sollten. Deere-Fans jedoch kaufen den Anteilsschein.

ISIN: US 2441991054
Kurs: 156,60 Euro
Stoppkurs: 118,00 Euro
Zielkurs: 180,00 Euro

CNH Industrial (Case IH, Steyr, New Holland)

„Die Geschäftserwartungen sind etwas gedämpfter, aber eben keine Katastrophe, deswegen bin ich vorsichtig optimistisch“, erklärte CNH-Chef Hubertus Mühlhäuser im November gegenüber US-Börsenjournalisten. In den vergangenen Wochen hatte der Deutsche auf dem Chefsessel des ursprünglich italienischen Konzerns ohnehin die fernere Zukunft im Blick: CNH hat 250 Millionen Dollar in eine bei knapp acht Prozent liegende Beteiligung in den US-Lkw-Entwickler Nikola investiert. Das Start-up mit Sitz in Phoenix, Arizona, wird inzwischen auf mehr als drei Milliarden Dollar Wert taxiert, obwohl bisher nur Prototypen der letztlich mit Wasserstoff und Brennstoffzelle angetriebenen Elektro-Trucks existieren. Das Potenzial der Marke Nikola ist indes immens, für die US-Brummis sollen schon rund 14.000 Vorbestellungen eingegangen sein.

Für CNH allerdings sind vorerst nur die Nikola-Lastwagen für den europäischen Markt interessant, die auf der Technik seiner kommendes Jahr startenden S-Reihe basieren. Und in der Lkw-Branche herrscht derzeit ziemliche Flaute. Auch bei den Baumaschinen deutete ein Minus von 8,5 Prozent beim Umsatz im dritten Quartal auf ein rückläufiges Jahr 2020 hin. Immerhin hat die zurückgefahrene Produktion bei der Landtechnik die Margen steigen lassen. Die zurückgenommenen Jahresziele sind im Kurs längst enthalten, ein Kauf der Aktie drängt sich derzeit dennoch nicht auf. Halten.

ISIN: NL 0010545661
Kurs: 9,63 Euro
Stoppkurs: 7,50 Euro
Zielkurs: 10,50 Euro

AGCO (Fendt, Massey Ferguson, Valtra, Challenger)

Auch wenn Agco-Chef Martin Richenhagen neben der deutschen auch die US-amerikanische Staatsbürgerschaft besitzt, ist Europa immer noch der wichtigste Markt für den US-Konzern. Doch Richenhagen denkt gerne global und gab deshalb im November in einem Interview Gedankenspiele preis, ein Fendt-Werk auch in Nordamerika bauen zu wollen. Schließlich wächst die Nachfrage nach den grünen Profi-Schleppern mit den roten Felgen auch jenseits des großen Teichs. So könnte man einerseits möglichen Zoll-Kapriolen aus dem Weißen Haus entgegenwirken. Und der Weg von Nord- nach Südamerika, wo die Großfarmer nun die Hightech-Geräte aus dem Allgäu auch als Objekt der Begierde entdecken, wäre auch nicht so weit. Binnen zwölf Monaten hat die Agco-Aktie um rund 40 Prozent zugelegt und war so der Top-Performer der Branche. Analysten begründen die Kurs-Rallye mit den Neun-Monats-Zahlen des Konzerns, welche die Erwartungen übertroffen haben.

Zudem gab sich Richenhagen auch für das kommende Jahr vorsichtig optimistisch. Weil sich die langfristigen Gewinnaussichten durch ein zweistelliges Plus aufgrund besserer Margen und erwarteter strategischer Investments auszeichnen, ist die Agco-Aktie ein Kauf. Unterstützt wird das durch ein günstiges KGV um rund 14. Allerdings besteht nach der Bekanntgabe der Jahresergebnisse ein erhebliches Rückschlagrisiko beim Kurs, weshalb der Stopp mit großem Abstand gesetzt werden sollte.

ISIN: US 0010841023
Kurs: 68,66 Euro
Stoppkurs: 45,00 Euro
Zielkurs: 80,00 Euro

Kubota

Mischkonzerne wie Kubota haben einen Vorteil: Wenn es in einer Sparte mal nicht so läuft, kann das in einem anderen Segment ausgeglichen werden. So produzieren die Japaner in ihren weltweit verteilten Werken nicht nur Land- und Baumaschinen, sondern auch Müllverbrennungsanlagen, Recyclingtechnik, Generatoren, Trinkwasseraufbereitung und Wasserpumpen. Und selbst in der Landtechnik-Sparte zeigt sich bei Kubota, dass eine breite Produktpalette hilfreich sein kann. So gingen die Umsätze in Asien bis Enden des dritten Quartals vor allem wegen weniger Nachfrage aus China und Wetter-Problemen in Thailand um mehr als zehn Prozent zurück.

Doch in den USA fragten die durch Trumps Steuerentlastungen verwöhnten Wohlhabenden die Kleintraktoren oder Beregnungsanlagen für Gärten oder Golfplätze verstärkt nach. Weil das Management bei den Prognosen generell recht zurückhaltend ist, hat es fürs Gesamtjahr das Umsatzziel um zwei Prozent auf umgerechnet 15,9 Mrd. Euro zurückgenommen. Der operative Gewinn sollte dennoch um rund 5,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr steigen. Der Aktienkurs der Japaner ist – auch durch die Währungsschwankungen zwischen Dollar, Euro und Yen – recht volatil und das Papier auch nicht wirklich billig, doch mutige Anleger kaufen.

ISIN: JP 3266400005
Kurs: 14,15 Euro
Stoppkurs: 12,00 Euro
Zielkurs: 16,00 Euro

Bucher Industries (Kuhn)

Und immer wieder der größte Landtechnik-Markt USA: Weil insbesondere das Geschäft der Agrartechnik-Sparte Kuhn in den USA schwächelte, hat Bucher-CEO Jacques Sanche die Prognosen für den Gewinn des schweizerischen Konzerns im Gesamtjahr zurückgenommen. Und Sanche sieht bislang noch keine Stabilisierung in den USA: „Unser Umsatz in Brasilien hat sich spürbar gesteigert, aber es ist für uns nicht so bedeutend wie das nordamerikanische Geschäft.“ Das wirkt sich auch auf die zweitgrößte Division Hydraulics aus, denn die liefert Komponenten für die Bau- und ebenfalls für die Landtechnik. Der Auftragseingang bei Hydraulics lag nach neun Monaten um beinahe 40 Prozent unter dem Vorjahr. Immerhin soll es kommendes Jahr nicht mehr so kräftig rückwärts gehen, der Bucher-Boss sieht für die Sparte ein Minus von etwa fünf Prozent.

Mehr Freude machte da der westeuropäische Markt für Kuhn-Produkte, die Sparte für die Milch- und Viehwirtschaft verkaufte auf „zufriedenstellendem Niveau“. Unterm Strich legte der Konzernumsatz etwa dank der Glas-Sparte (Emhard) nach neun Monaten um gut fünf Prozent zu. Wichtig für Anleger: Wegen eines Handelsstreits der EU mit der Schweiz können helvetische Werte derzeit nur außerbörslich gehandelt werden. Aber die Aktie ist mit einem KGV von 12 günstig, kaufen.

ISIN: CH 0002432174
Kurs: 295,40 Euro
Stoppkurs: 235,00 Euro
Zielkurs: 310 Euro

Wacker Neuson (Weidemann, Kramer)

Der Münchner Baumaschinen- und Landtechnik-Hersteller glänzte bei den Zahlen zum dritten Quartal mit einem zweistelligen Umsatzwachstum zum Vorjahreszeitraum von zwölf Prozent auf 467,2 Millionen Euro. Entsprechend hat Konzernchef Martin Lehner seine Prognose für das Gesamtjahr 2019 angepasst: Der Umsatz soll das obere Ende der prognostizierten Spanne von 1,7 bis 1,8 Milliarden Euro erreichen, ein neuer Rekordwert für Wacker. Zu verdanken ist das zu einem großen Teil den Konzernmarken Kramer und Weidemann. Allein in Europa – bei Wacker Neuson für gut drei Viertel des Konzernumsatzes verantwortlich – waren die Rad- und Teleskoplader für die Landwirtschaft gut gefragt, der Umsatz stieg in diesem Segment im Vergleich zum Vorjahresquartal um 23,4 Prozent auf 72,8 Millionen Euro.

Gut lief es ebenfalls auf den amerikanischen Märkten, wo vor allem die Baustellengeräte des Konzerns eine Rolle spielen. 17,6 Prozent mehr Umsatz (114,9 Millionen Euro) als im dritten Quartal 2018. Und sogar im Raum Asien-Pazifik erreichte der Umsatz 14,7 Millionen Euro, nach 11,1 Millionen im Vorjahresquartal. Soweit alles gut – doch Lehner gab seinen Aktionären eine Gewinnwarnung mit auf den Weg. Ursache: Durch die Lieferkrise mit dem Motorenbauer Deutz stark gestiegene Vorräte und Kunden, die nicht zahlen. Trotzdem: Wacker-Neuson ist nun deutlich unterbewertet, kaufen.

ISIN: DE 000WACK012
Kurs: 17,34 Euro
Stoppkurs: 14,00 Euro
Zielkurs: 22,00 Euro

Mahindra & Mahindra

Fast 4,5 Millionen Traktoren hat der indische Mischkonzern Mahindra & Mahindra in den vergangen 40 Jahren gefertigt. Zahlen, von denen andere Hersteller nur träumen können – wenn sie denn solch schlichtes Gerät wie die Inder produziert hätten. Doch Rajesh Jejurikar, Vorstandsmitglied bei Mahindra und Leiter der Sparte Landtechnik, will sich mit westlichen Landtechnik-Herstellern gar nicht messen: „Wir sind die Nummer 1 mit aktuell 43 Prozent Marktanteil.“ In Indien – und das hat immerhin 1,33 Milliarden Einwohner, von denen ein Großteil auch in der Landwirtschaft arbeitet. Bei den geländegängigen Fahrzeugen ist Mahindra die Nummer 2 in der Heimat. Und bei den Traktoren unter 80 PS sieht sich Jerurikar weltweit als Nummer 3 der Hersteller. Das reicht für das sechstgrößte Unternehmen in Indien für 30 Milliarden US-Dollar Börsenbewertung.

Auch wenn der Konzern längst auch mit Smart-Farming und neuer Technik arbeitet, sieht Jerurikar seine Zielgruppe nicht im Hightech-Segment: „Unser Focus liegt auf den 550 Millionen kleiner Landwirte weltweit. Kleinbauern sind für uns Betriebe mit weniger als 50 Hektar, aber das sind mehr als 90 Prozent der Bauern weltweit.“ Die Umsatzeinbrüche des Jahres 2019 bei Traktoren, Bussen oder Lkw will Mahindra 2020 wieder wettmachen und die rund 20 Milliarden Dollar Umsatz aus 2018 wieder einholen. Auf Jahressicht hat der Aktienkurs von Mahindra rund ein Viertel an Wert abgegeben. Das ist fundamental nicht gerechtfertigt. Doch aus charttechnischer Sicht ist das Papier erst bei Kursen über 8,50 Euro wieder ein Kauf. Bis dahin beobachten.

ISIN: US Y541641194 (ADR, wird auch außerhalb Indiens gehandelt)
Kurs: 6,39 Euro
Stoppkurs: 6,00 Euro
Zielkurs: 9,00 Euro

Was bedeuten die Empfehlungen?

Bei „Halten“ ist von einer Entwicklung des Aktienkurses nahe der allgemeinen Entwicklung der Aktienmärkte zu erwarten.

Bei „Kaufen“ wird eine überproportionale Steigerung des Aktienkurses zu den breiten Aktienindizes erwartet.

„Zielkurs“ ist der Kurs, den die Aktie nach Analysten und anderen Experten auf Sicht von zwölf Monaten erreichen sollte.

„Verkaufen“: Der Kurs der Aktie wird sich schlechter als der breite Markt und nach unten entwickeln.

„Stoppkurs“: Damit sichern sich Anleger gegen allzu große Verluste ab. Fällt der Kurs auf oder unter die Marke, ist eine Neubetrachtung der Wertpapieranalyse notwendig, ein Verkauf meist geboten.

„ISIN“: Nummer des Wertpapiers für den Handel an der Börse.

Aktuelle Informationen im Internet unter www.finanzen.net.

Eine Haftung wird nicht übernommen. Die Informationen stellen keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren dar.

Kursstand 16.12.2019, 10.00 Uhr


Diesen Artikel bewerten

Diskutieren Sie mit

blog comments powered by Disqus