Magazin on track – das Magazin 2018/2019

Landmaschinenvertrieb :

Spannende Aufgaben für Hochschulabsolventen

Produkt- oder Marketingspezialisten sind nicht nur in der Industrie gefragt. Wir stellen vier junge Absolventen vor, die interessante Jobs bei einem bayerischen Landmaschinenhändler übernommen haben.

Landmaschinenvertrieb: Spannende Aufgaben für Hochschulabsolventen

Johannes Brunner ist bei der D.O.B. Landtechnik der Spezialist für Agrarmanagementsysteme.

Landwirtschaftliche Lehre, Studium und einen Job bei einem Hersteller: Die Karriere von Johannes Brunner (29) lief genau nach seinen Vorstellungen. Brunner hatte sich an der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf auf Landwirtschaft mit Schwerpunkt Agrar- ökonomie und später beim Masterstudium an der TU München auf Pflanzenbau spezialisiert. Dann stieg er bei einem Händler für automatische Lenksysteme ein und war hier dreieinhalb Jahre zunächst im Service und dann im Vertrieb tätig. „Ich habe dort von der Beratung über den Verkauf bis zum Service viele Aufgaben übernommen“, berichtet er.

Spezialist für Präzisionslandwirtschaft

Der Job war spannend – aber auch mit vielen Reisen verbunden. Denn Brunner war für ganz Bayern und Österreich zuständig und musste dementsprechend 40 bis 50 Mal im Jahr im Hotel übernachten. Dabei hätte er gern mehr Zeit zuhause verbracht. „Meine Eltern haben daheim einen Hof, auf dem ich gern mithelfe, das war in der Zeit kaum möglich“, blickt er zurück.

Daher freute es ihn, als er im Mai 2018 das Angebot bekam, bei der D.O.B. Landtechnik aus Lauterhofen bei Neumarkt (Oberpfalz) einzusteigen. Bei dem John Deere-Vertriebspartner (siehe Kasten) ist er jetzt Spezialist für Präzisionslandwirtschaft (Agrar-Managementsys- teme, AMS) und Pflanzenschutz. Zu seinen Aufgaben gehören Vorführungen, Beratung, Einsatz von neuen Maschinen oder Hilfe bei speziellen Herausforderungen. „Als Produktspezialist unterstützen wir die Verkäufer, die für alle Produkte von John Deere und der anderen Lieferanten in den einzelnen Regionen zuständig sind“, erklärt Brunner. Jetzt übernachtet er nur noch selten auswärts, hat aber trotzdem eine vielseitige Tätigkeit, bei der er auf die Erfahrungen und Kenntnisse bauen kann, die er im Studium und in seinem ersten Job erworben hat.

Vom Spezialisten zum Verkäufer

Auch Georg Eichenseher (29) hat in Triesdorf Landwirtschaft studiert. Auch er arbeitet gern noch auf dem Nebenerwerbsbetrieb seiner Eltern im Landkreis Regensburg, weshalb er nach dem Studium möglichst ortsnah einen Job gesucht hat. „Ich wollte gern in den vor- oder nachgelagerten Bereich der Landwirtschaft“, blickt er zurück. Diesen fand er beim Handelsunternehmen Landmaschinen Weger in Regensburg, auch ein John Deere-Vertriebspartner, der nach mehreren Umstrukturierungen im Jahr 2017 von der D.O.B. übernommen wurde.

Zu Beginn war Eichenseher Produktspezialist für AMS und Pflanzenschutz, jetzt hat er den Landmaschinenverkauf im Raum Regensburg übernommen. „Zum Landmaschinenverkauf gehört die Betreuung von Bestandskunden, die Akquise von Neukunden sowie die Beratung“, zählt er auf. Die Beziehung zu den Kunden ist sehr intensiv und mündet oft in richtigen Freundschaften. Bei vielen Terminen steht das Verkaufsgespräch oft im Hintergrund, vielmehr geht es den Landwirten auch darum, mit einem verständnisvollen Partner über Sorgen und Nöte, sowie die aktuelle Situation in der Landwirtschaft zu sprechen. Daher ist es aus seiner Sicht für diesen Job unumgänglich, dass man nicht nur die technischen Daten der Maschine herunterbeten kann, sondern auch die Landwirtschaft und ihre aktuellen Herausforderungen versteht. „Ein reiner Verkäufer wäre da schnell unten durch, die Kunden wollen Gesprächspartner auf Augenhöhe. Das Zwischenmenschliche ist ganz wichtig“, lautet seine Erfahrung. Diese Art der Kundenbeziehung ist aus seiner Sicht eine große Stärke des Landmaschinenhandels.

Georg Eichenseher (re.): „Zum Landmaschinenverkauf gehört neben Technikwissen auch das Zwischenmenschliche.“

Georg Eichenseher (re.): „Zum Landmaschinenverkauf gehört neben Technikwissen auch das Zwischenmenschliche.“

Auf Erntemaschinen spezialisiert

Auch Markus Meyer (29) hat sich bewusst für eine Tätigkeit im Handel entschieden, obwohl er auch andere Angebote hatte. „Mir war es bei der Arbeitsplatzwahl ganz wichtig, dass die Arbeit herausfordernd ist und eine gute Stimmung im Team mit den Kollegen herrscht“, erklärt er. Darauf hat er am Tag des Vorstellungsgesprächs bei der D.O.B. besonders geachtet. Dazu kam die Aussicht auf viel Abwechslung im Berufsalltag – etwas, das er bei den Industriebetrieben, bei denen er vorstellig gewesen ist, so nicht gehabt hätte.

Meyer hat schon einiges gesehen von der Welt. Nach der Fachoberschule in Triesdorf hat der Landwirtssohn insgesamt ein Jahr in Neuseeland und Kalifornien als technischer Trainee bei einigen Lohnunternehmen gearbeitet.

Der Aufenthalt hat bei ihm nicht nur die Fähigkeit gefördert, selbstständig Problemlösungen zu finden, sondern auch geholfen, die Sinne über den Tellerrand hinaus zu schärfen.

Anschließend studierte er den Bachelorstudiengang Agrartechnik an der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf (HSWT). Bei der D.O.B. stieg er als Produktspezialist für Erntemaschinen ein. „Ich hab einen Arbeitsplatz gesucht, der mir wie im Studium nicht nur Büroarbeit, sondern abwechslungsreiche Aufgaben bietet“, sagt er. Dazu zählt er Organisation, Außentermine, Kundenkontakte, Veranstaltungsplanung usw. All das hat er jetzt in dem Handelsunternehmen.

Fachlich bleibt er durch Schulungen bei den Herstellern auf dem Laufenden, aber auch die Kontakte zum Werkstattpersonal sind sehr wichtig. Außerdem helfen ihm die Erfahrungen zur Problemlösungskompetenz aus dem Auslandsjahr.

Kreative Tätigkeit im Marketing

Kristin Kaiser: „Beruf und Familie lassen sich bei der Arbeit in einem Handelsunternehmen vor Ort sehr gut vereinen!“

Kristin Kaiser: „Beruf und Familie lassen sich bei der Arbeit in einem Handelsunternehmen vor Ort sehr gut vereinen!“

Sehr abwechslungsreich ist auch die Tätigkeit von Kristin Kaiser (30), die bereits seit sieben Jahren bei der D.O.B. arbeitet.

Sie hat an der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf (HSWT) Agrarmarketing und Management studiert und war auch bei der D.O.B. zunächst im Marketing tätig. „Dann führte das Unternehmen die Produktspezialisten ein und ich wechselte als AMS-Spezialistin in den Vertrieb. Vor allem schätzte ich hier die enge Zusammenarbeit mit dem Hersteller. Durch die Kundennähe und den Praxisbezug kann ich unmittelbar auf die Produktweiterentwicklung und Verbesserung einwirken.“ Diesen Bereich hatte sie fünf Jahre betreut, bis sie nach der Familiengründung und Geburt ihrer Tochter ein Jahr in Elternzeit aussetzte. Durch die heutigen Möglichkeiten der Teilzeit in Elternzeit ist sie wieder im Marketing tätig. Jetzt ist sie für den Online-Auftritt des Unternehmens zuständig, der die Internetseite und Soziale Medien umfasst. Dazu kommt das Erstellen von Katalogen und Flyern, die Planung von Messeauftritten und viele andere Dinge, die alle sechs Filialen der D.O.B. betreffen. „Beruf und Familie lassen sich bei der Arbeit in einem Handelsunternehmen vor Ort sehr gut vereinbaren. Auch ist der Wiedereinstieg als Frau nach einer privaten Auszeit hier sehr gut möglich“, zählt sie die Vorzüge ihrer jetzigen Tätigkeit auf.

Aus ihrer Sicht gibt es zudem sehr gute Chancen für die persönliche Weiterentwicklung. So hat sie eine Weiterbildung zur IHK-Verkaufsberaterin gemacht. Andere Kollegen haben sich zum Abteilungsleiter weiterbilden lassen.

Die Vorteile bei einem Job im Handel

Alle vier Hochschulabsolventen beschreiben zusammenfassend folgende Vorteile:

■ Landmaschinenverkauf ist kein reiner Vertriebsjob und daher auch überhaupt nicht mit ähnlichen Tätigkeiten wie z.B. im Kfz-Handel zu vergleichen.

■ Die Tätigkeit lässt sich gut mit Familie und/oder einem Nebenerwerbsbetrieb in Einklang bringen.

■ Neben der Technik spielt das Zwischenmenschliche eine große Rolle.

■ Die Struktur heutiger Landmaschinenhändler ist nicht mehr mit der Dorfschmiede zu vergleichen.

■ Auch sind sie nicht einfach der verlängerte Arm der Industrie, sondern als erster Ansprechpartner der Landwirte selbständige Systemanbieter und Problemlöser.

■ Sie raten dazu, bei der Wahl des Jobs nicht an erster Stelle auf das Gehalt, sondern vielmehr auf das berufliche Umfeld und das „Gesamtpaket“ zu achten, das der Arbeitgeber bietet.

Markus Meyer: „Die gute Stimmung im Kollegenteam war bei der Arbeitswahl wichtig.“

Markus Meyer: „Die gute Stimmung im Kollegenteam war bei der Arbeitswahl wichtig.“

Die D.O.B.-Landtechnik

Die D.O.B. Landtechnik ist ein typi- sches Beispiel für den Strukturwandel im Landmaschinenhandel. Ursprünglich im Jahr 1996 von den drei Namensgebern als D.O.B. Landtechnik GmbH & Donhauser-Oettl-Bärnreuther GbR gegründetes Einzelunternehmen ist es im Laufe der vergangenen 21 Jahre nach der Übernahme, bzw. nach dem Zusammenschluss mit mehreren kleineren Händlern, zu einem Unternehmensverbund mit sechs eigenen Niederlassungen und neun Partnerbetrieben geworden. Heute arbeiten 110 Menschen bei D.O.B., dessen Verkaufsgebiet sich über 13 Landkreise in Bayern erstreckt. Das Unternehmen gehört mittlerweile zu den größten John Deere-Vertriebspartnern in Deutschland und zählt zu den umsatzstärksten Landtechnikhändlern bundesweit.

Kurzinterview

Günter Donhauser: „Mich interessieren weniger die Noten!“

Günter Donhauser: „Mich interessieren weniger die Noten!“

„Es kommt mehr auf Motivation als auf gute Noten an“

Firmengründer und Vorstandsmitglied Günter Donhauser erläutert, welche Chancen Hochschulabsolventen im Landmaschinenhandel haben und welche Voraussetzungen sie mitbringen sollten.

on track: Worauf achten Sie bei den Bewerbungsunterlagen von Hochschulabgängern vor allem?

Günter Donhauser: Mich interessieren weniger die Noten. Ich bin jetzt 41 Jahre im Geschäft und habe schon oft festgestellt: Gerade diejenigen, die in der Theorie nicht die Überflieger waren, haben sich in der Praxis als sehr patent und fähig erwiesen. Das gilt auch für Hochschulabgänger. Wichtig ist mir, dass sie motiviert sind und zum Team passen.

Wie stellen Sie die richtige Motivation fest?

Am besten ist es natürlich, wenn wir den Bewerber schon von einem Praktikum oder einer Abschlussarbeit her kennen und er uns auch. Aber ich schaue auch, was er sonst so gemacht hat. Wir wollen nicht den dreißigjährigen Studenten, sondern jemanden, der vielleicht schon mal im Ausland war oder anders gezeigt hat, dass er eigenständig ist.

Oft klagen Händler, dass die Industrie Hochschulabgänger besser bezahlt und sie daher abwirbt. Sehen Sie das Problem auch?

Das war früher der Fall. Aber der Landmaschinenhandel hat sich in den letzten zehn Jahren sehr stark verändert. Heute gibt es vielfach eine zweite Führungsebene mit Abteilungsleitern, die für Produktbereiche, den Kundendienst oder die Werkstatt zuständig sind. Wir und andere Händler haben heute eine Unternehmensgröße erreicht, dass wir Produktspezialisten beschäftigen können. Das Einkommen unterscheidet sich oft nicht mehr von der Industrie.

Auch die Industrie hat ja im Produktmanagement oder Vertrieb Spezialisten, die den Handel beim Verkauf unterstützen. Warum lohnt es sich für den Handel, diese Spezialsten selbst auszubilden und einzusetzen?

Der heutige Landmaschinenhandel übernimmt viel mehr Aufgaben als nur den Maschinenverkauf. Wir sind Systemanbieter und Problemlöser. Die Produkte der Hersteller sind heute so ausgefeilt, dass sie sich untereinander nur noch in Nuancen unterscheiden. Das Geschäft wird heute über den Service, die Beratung und andere Faktoren entschieden. Der Kunde will schnelle Hilfe, Beratung und guten Service, den nur der Landhändler vor Ort bieten kann. Dafür brauchen wir Experten im Bereich ISOBUS, Digitalisierung, Precision Farming und so weiter. Bei uns finden die Absolventen einen vielseitigen Arbeitsplatz, bei dem sie auch eigene Ideen einbringen und verwirklichen können.