Landmaschinenindustrie:

Global wird das Wachstum weitergehen

Europa und Nordamerika waren 2021 die Umsatztreiber – China und Indien sind noch Problemmärkte – Missernten durch Trockenheit und Überschwemmungen treiben global Agrarpreise nach oben – Für 2022 rechnet die Branche mit Rekordumsätzen – Danach dürfte wieder eine Normalisierung eintreffen

Landmaschinenindustrie: Global wird das Wachstum weitergehen

Die Farm-Einkommen in den USA fallen in diesem Jahr fast 20 Prozent höher aus als im Vorjahr. Das fördert die Modernisierung der in die Jahre gekommenen Landtechnikflotte.

Die nach wie vor steigenden Preise für Agrarrohstoffe bescheren den Landwirten rund um den Globus bessere Einnahmen. Entsprechend groß ist ihre Einkaufslaune bei der Landtechnik. Die Branche und besonders ihre großen, börsennotierten Unternehmen verzeichnen nicht nur Umsatz-, sondern teilweise auch Gewinnrekorde. Ein Rück- und Ausblick auf die Landtechnikmärkte.

Früher redete man übers Wetter, heutzutage redet man gleich übers Klima. Dass sich letzteres schon immer gewandelt hat und das Ende der sogenannten „kleinen Eiszeit“ gerade einmal 150 Jahre zurückliegt, wird dabei gerne vergessen. Welchen Einfluss der Mensch und unsere moderne Industriegesellschaft auf die nun relativ rasche Erwärmung des Weltklimas haben, werden uns wohl erst spätere Generationen sicher sagen können – eventuell mit einem gewaltigen Vorwurf an ihre Ahnen verbunden. Für 2021 lässt sich jedenfalls feststellen, dass die Wetterbedingungen für die Landwirtschaft rund um den Globus ungünstig waren. In den USA oder in Russland war es für den Weizen zu trocken, in Brasilien war es für Soja oder Orangen zu heiß, in Vietnam, Indonesien oder Malaysia standen Felder und Plantagen unter Wasser. Für die jeweils betroffenen Bauern schlecht, die Preise für Agrarrohstoffe allerdings treibt das nach oben – und andere Bauern mit besseren Ernten verdienen mehr.

Um fast 58 Prozent beispielsweise ist der Bloomberg Agriculture Subindex in den vergangenen zwölf Monaten gestiegen, der die Preise von Agrarrohstoffen (ohne Notierungen für Schweine oder Rinder) abbildet. Der Food Price Index der Welternährungsorganisation FAO, der die Kosten von Grundnahrungsmitteln verfolgt, hat seit dem Sommer 2020 rund ein Drittel zugelegt. Der Index nähert sich dem Niveau seines letzten Hochs im Jahr 2011. Diese Preissteigerungen haben neben dem widrigen Wetter noch andere Gründe. So hat China zum Beispiel wieder die weltgrößte Schweine-herde aufgebaut, nachdem wegen der afrikanischen Schweinepest der nationale Bestand Massenschlachtungen zum Opfer gefallen war. Entsprechend groß war und ist die Nachfrage im Reich der Mitte bei Futtergetreide.

Doch nicht nur China kauft auf den Rohstoffmärkten kräftig ein, auch andere Staaten haben während der Corona-Pandemie erkannt, dass die durch diese bedingten Liefer- und Logistik-Probleme die Versorgung mit Grundnahrungsmitteln schnell gefährden können und füllen nun ihre Lager auf – auf wesentlich höhere Bestände als in den Zeiten vor der Pandemie. Diese Zusatznachfrage dürfte sich zwar bis zum Ende des Winters wieder legen. Doch schon beunruhigen andere Umstände die Vorrats-Strategen weltweit. So hat sich entlang der Westküste des amerikanischen Kontinents eine sogenannte La-Nina-Konstellation aufgebaut. Typischerweise bringt diese Wetterlage Dürren mit sich, Meteorologen schätzen die Wahrscheinlichkeit dafür auf 70 bis 80 Prozent. 2021 schon hat die Trockenheit unter anderem ein Viertel der Kaffee-Ernte in Brasilien zerstört.

US-Farmer verdienen fast 20 Prozent mehr

Was die Verbraucher schmerzlich an der Supermarktkasse zu spüren bekommen, hebt indes die Laune der Landwirte. Das US-Landwirtschaftsministerium etwa schätzt, dass das Farm-Einkommen in diesem Jahr 19,5 Prozent höher als im Vorjahr ausfallen wird, auf rund 113 Milliarden Dollar und damit das höchste Niveau seit 2013. Mit diesem Plus in der Tasche gehen die Farmer nun bei der Agrartechnik shoppen, wie die Bestellungen bei den Händlern belegen. Zum einen ist die Farmtechnik-Flotte der USA immer noch die älteste seit rund zehn Jahren und muss dringend durch Neugerät ersetzt werden. Zum anderen konnten viele US-Händler in 2021 die Nachfrage nicht vollständig bedienen, weil etwa pandemiebedingt Rohstoffe für die Produktion fehlten oder durch die gestörten Lieferketten wichtige Teile nicht zeitig in den Werken von John Deere oder New Holland ankamen. So werden sich viele Auslieferungen ins Jahr 2022 verschieben – und sich damit auch erst dann in den Bilanzen der Hersteller niederschlagen.

Auch auf den Landtechnikmärkten Europas haben sich die Probleme der gesamten produzierenden Industrie niedergeschlagen: Ob Auto, Lastwagen oder Traktor – ohne die Computer-Chips aus Asien lassen sich die Geräte nicht fertigbauen. Weil sich neue Kapazitäten der Chiphersteller nur über Jahre aufbauen lassen, dürfte die Chip-Krise wohl das gesamte kommende Jahr ihre Spuren hinterlassen. Mangels Alternativen üben sich kaufwillige Bauern in Geduld. Die Rahmenbedingungen für die Agrarbranche in der Europäischen Union sind jedenfalls besser als im Jahr zuvor – das für die Landtechniker dennoch schon ein gutes war. So hat sich der Milchpreis etwas verbessert, und auch die Preise für Rind- und Schweinefleisch zeigen positive Tendenzen.

Landtechnik-Hoch auch in Europa

Die Unsicherheiten, die sich in Deutschland für die Bauern durch die neue Regierung mit Beteiligung der eher landwirtschaftsfeindlich eingestellten Grünen ergeben, plagen viele Nachbarn nicht. Frankreichs Agrarier, die zeitweise in eine Art Käuferstreik bei Landtechnik getreten waren, holen ihre Investitionen inzwischen nach. Agco beispielsweise setzte bis Ende September bei den Franzosen fast 20 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum um.

Großbritanniens Farmer kauften ebenfalls deutlich mehr Landtechnik. Hier könnten allerdings auch die Brexit-Folgen eine Rolle spielen, denn die Angst, dringend benötigte Produkte nicht zu bekommen, spüren die Briten nicht nur angesichts leerer Supermärkte, sondern auch beim Dünger oder bei Veterinärmedizin. Ihr Premierminister Boris Johnson jedenfalls, der den EU-Austritt auch durch starken Rückhalt in der Landbevölkerung geschafft hatte, zeigt wenig Lust, seine Wahlkampfversprechen gegenüber den Farmern auch einzuhalten. Hilfszahlungen bleiben aus, die unsicherer gewordene rechtliche Stellung der für Großbritannien typischen Pächter gegenüber ihren Landlords findet in Downing Street 10 wenig Beachtung.

Dennoch: Für die westlichen Staaten zu beiden Seiten des Atlantiks sehen Analysten auch für 2022 zweistellige Zusatzraten beim Landtechnik-Umsatz.

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Eine wichtige Agrarreform ist in Indien gescheitert. Dies bremst die Landtechnikkonjunktur.

Die Situation in Asien ist anders

Anders ist die Situation in Asien. Der potenziell riesige Markt Chinas hat bisher bei weitem die Absatzerwartungen westlicher Technikhersteller nicht erfüllt. Dabei müsste die Regierung in Peking angesichts der demografischen Entwicklung – sprich: Überalterung – und der anhaltenden Landflucht auf eine weitere Mechanisierung der eigenen Landwirtschaft setzen. Andererseits treiben die Kommunisten ihre eigene Art der Kolonialisierung stramm voran und sichern sich durch die Unterstützung autokratischer Regime riesige landwirtschaftliche Flächen, beispielsweise in Afrika oder entlang ihrer „neuen Seidenstraße“.

Riesiges Potenzial für Landtechniker hat auch Indien mit der zweitgrößten Bevölkerung der Welt, 15 Prozent seiner Wirtschaftsleistung stammen aus der Landwirtschaft. Das bestätigte jüngst auch Mahindras Agrartechnik-Chef Rajesh Jerurikar: „Indien ist zwar schon traktorisiert – aber noch lange nicht mechanisiert.“ Was der Manager damit meint: Die Schlepper werden auf dem Subkontinent vielleicht zum Pflügen oder Transportieren eingesetzt, in Europa aber selbstverständliche Geräte wie Sämaschinen oder Grünfuttertechnik sind in Indien noch rar, Handarbeit auf der Wiese oder Krume noch der Standard.

Problemfall Indien

Doch eine überraschende und gleichzeitig tragische Wende bremst nicht nur die Landtechniker in Indien nun aus. In dem Land, das auf dem Welthungerindex auf Platz 101 von 116 Ländern steht und in dem 68 Prozent der Todesfälle bei Kindern auf Unterernährung zurückzuführen sind, hatte Ministerpräsident Narendra Modi ehrgeizige Reformen des Agrarsektors beschlossen. Die waren dringend notwendig, denn noch verschwendet das Land verschiedenen Studien zufolge jedes Jahr rund 67 Millionen Tonnen Lebensmittel im Wert von 12,25 Milliarden Dollar – fast fünfmal so viel wie die meisten großen Volkswirtschaften. Doch ausgerechnet die Bauern selbst haben dafür gesorgt, dass die von Modi angeschobene Modernisierung der Landwirtschaft – und damit auch Chancen auf bessere Einkommen der Agrarier – im November wieder zurückgenommen wurde. Massive Proteste in einigen Landesteilen und die für Modis Regierung entscheidenden Wahlen im bevölkerungsreichen Bundesstaat Uttar Pradesh Anfang nächsten Jahres hatten der wohl wichtigsten Reform in Indien seit Jahrzehnten den Garaus gemacht.

Was war passiert? Modi hatte vor rund einem Jahr beschlossen, das noch aus der Kolonialzeit stammende Prinzip, dass Landwirte ihre Produkte an die rund 7.000 staatlich regulierten Großmärkte zu festgelegten Preisen liefern müssen, aufzugeben. Private Händler, Einzelhändler und Lebensmittelverarbeiter konnten nun direkt bei den Landwirten einkaufen und Provisionen und Marktgebühren der Zwischenhändler einsparen. Damit sollten sowohl indische als auch internationale Unternehmen Anreize für Investitionen im Agrarsektor bekommen. Und tatsächlich machte sich eine gewaltige Aufbruchstimmung sowohl bei Landtechnikern als auch anderen Beteiligten der Landwirtschaftsbranche breit.

Zudem sollte die Öffnung der Märkte dafür sorgen, dass sich die gigantischen Verluste etwa durch schlechte Lagerung in den staatlich subventionierten Sammelstellen verringern. Das freie Spiel von Angebot und Nachfrage fing gerade an, die einseitige Produktion der Bauern zu verändern und für eine Diversifizierung der Anbauprodukte, vor allem mehr Obst und Gemüse, zu sorgen. Die staatlichen Preisgarantien hatten zuvor für eine Überproduktion bei Reis und Weizen gesorgt. In den staatlichen Lagern verdarben teuer subventionierte Grundnahrungsmittel im Wert von vielen Milliarden Dollar, die auch aufgrund von Bürokratie und Korruption sowie fehlender Infrastruktur nicht an die Bedürftigen verteilt werden konnten.

Doch die durch die Reform um ihre sicheren Einkommensquellen gebrachten Zwischenhändler sowie aus ideologischen Gründen Parteien aus dem linken Lager wollten die Umstellung auf ein effizienteres, marktorientiertes System nicht akzeptieren und machten bei den meist wenig gebildeten Bauern Indiens kräftig Stimmung gegen die Reform. Auch wurde das Gerücht verbreitet, ausländische Großkonzerne könnten den Markt unter sich aufteilen und dann die Kleinbauern unter Druck setzen.

Nach Angaben des Branchenverbandes Confederation of Indian Industry hätten Modis Gesetze allein dem 34 Milliarden Dollar schweren Sektor der Lebensmittelverarbeitung zu einem exponentiellen Wachstum verholfen. Modis Rolle rückwärts aufgrund der Desinformationskampagne seiner Gegner hat das nun verhindert. Landtechnikhersteller, Saatgutproduzenten oder auch Düngerlieferanten hoffen nun, dass wenigstens lokale Behörden in den Bundesstaaten des Subkontinents noch einen Teil der Reformen umsetzen.

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Auch für das kommende Jahr versprechen Landtechnikaktien eine gute Entwicklung.

2022 wird global ein Rekordjahr

Global gesehen wird das Wachstum für die Landtechnikbranche auf jeden Fall weitergehen, auch wenn sich die Nachfrage nach einem zu erwartenden Rekordjahr 2022 wieder beruhigen wird. Dann sind vielleicht nicht Wetterereignisse, hohe Rohstoffnotierungen oder politische Entscheidungen die entscheidenden Absatztreiber, dafür gibt es dann andere Trends, die die Einkommen der Landwirte verbessern.

Eric Hansotia, seit bald einem Jahr Chef bei Agco, erklärte jüngst in einem Interview: „Je mehr die Farmer ihre Produktion digitalisieren, desto besser verdienen sie.“ Was er nicht dazusagen musste: dann natürlich auch die Landtechniker.

Der Autor – Carl Batisweiler

Landmaschinenindustrie: Global wird das Wachstum weitergehen

ist Textchef und Ressortleiter bei der Finanz-Wochenzeitung €uro am Sonntag sowie dem Monatsmagazin €uro. Er beschäftigt sich seit vielen Jahren mit den Agrarrohstoffmärkten sowie den börsennotierten Landtechnikherstellern weltweit.

Landtechnik-Aktien – Kurse dürften sich weiter gut entwickeln

Als Aktien-Anleger hat man in den vergangenen zwei Jahren entweder mit Tech-Aktien wie Apple, Microsoft oder Alphabet (Google) richtig gut verdient – oder mit Anteilsscheinen von Unternehmen der Landtechnik. Verteuerten Rohstoffen für die Herstellung, der Chip-Krise oder Logistik-Problemen zum Trotz dürften sich die Kurse der Branche auch 2022 weiter gut entwickeln.

Deere & Co (John Deere)

Wer sich vor fünf Jahren das Deere-Papier ins Depot legte, dessen Investment hat seinen Wert inzwischen auf fast das Zweieinhalbfache gesteigert. Die Dividenden sind dabei noch gar nicht berücksichtigt. Das Geschäftsjahr der Nummer 1 der Branche endete im Oktober – und war zugleich das beste in der Unternehmensgeschichte: Der Umsatz stieg um 24 Prozent auf 44 Milliarden Dollar. Dabei hatten mit Beginn der Corona-Krise Engpässe, etwa bei Stahl und Reifen, die Fertigung und Auslieferung verzögert, und die Störungen in den Lieferketten halten bis heute an. Dennoch erwartet Deere-Boss John C. May ausgehend von der aktuellen Auftragslage nun für das neue Geschäftsjahr eine Steigerung des Nettogewinns auf 6,5 bis sieben Milliarden Dollar. Für das nun laufende Geschäftsjahr peilt Deere allein in der deutschen Produktion in Mannheim eine Steigerung bei der Traktorenproduktion von 36.000 auf 40.000 an. Und auch die zu Deere gehörende deutsche Wirtgen Group, weltweit erfolgreich mit Maschinen für den Straßenbau (unter anderem Hamm, Vögele), meldete nach einer Corona-Delle des Vorjahrs wieder kräftige Auftragseingänge, dürfte zudem vom ambitionierten Infrastrukturprogramm in den USA profitieren. Der Aktienkurs erreichte ein Allzeithoch. Doch bei einem Kurs/Gewinn-Verhältnis von unter 17 ist das Papier noch nicht zu teuer. Kaufen.

ISIN: US2441991054
Kurs: 316,80 Euro
Stopp: 260,00 Euro
Ziel: 345,00 Euro

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Agco (Fendt, Massey Ferguson, Valtra, Challenger)

Man schrieb das Jahr 1847, als ein gewisser Daniel Massey im kanadischen Bundesstaat Ontario begann, Werkzeuge für Bauern herzustellen. 175 Jahre später ist sein Unternehmen zwar längst im US-Konzern Agco aufgegangen, doch die Marke besteht nach wie vor und hat in Deutschland mit den Übernahmen von Eicher oder Hanomag auch Landtechnikgeschichte geschrieben. Dass ausgerechnet die deutsche Konzernschwester Fendt zunehmend in (nord- und süd-)amerikanischen Märkten ackert, ist für Agco-Chef Eric Hansotia kein Problem, liefern die Deutschen doch deutlich bessere Margen ab. Ohnehin läuft es für Agco nach einem erfolgreichen 2020 auch 2021 bestens, die Umsätze bei den Traktoren stiegen bis Ende des dritten Quartals in Nordamerika um 17 Prozent, in Südamerika um 23 Prozent und in Westeuropa um 18 Prozent. Der Mähdrescherverkauf zog in den drei Regionen um 20, 28 beziehungsweise 14 Prozent an. Die acht Milliarden Dollar Umsatz des Gesamtkonzerns bis Ende September entsprechen einem Plus von 24,1 Prozent. Hätte es nicht die branchenübergreifenden Liefer- und Logistikprobleme weltweit gegeben, wären die Zahlen noch besser ausgefallen. Das im Vergleich zu den Wettbewerbern günstige KGV von rund 12 und die Dividendenrendite von mehr als vier Prozent sprechen für reichlich Kurspotenzial bei der Agco-Aktie. Kaufen.

ISIN: US0010841023
Kurs: 103,10 Euro
Stopp: 87,00 Euro
Zielkurs: 130,00 Euro

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CNH Industrial (Case IH, New Holland, Steyr)

Die einstige Lastwagen-, Motoren- und Landtechniksparte des Fiat-Konzerns erfährt zum Jahreswechsel eine gewaltige Änderung: Die Lkw-Sparte (On-Highway, unter anderem Iveco, Magirus) samt der Motorenfertigung (FPT) geht künftig als eigenständiges Unternehmen Iveco Group ihren Weg, indem sie gesondert an die Börse gebracht wird, die Landtechnik sowie die Baumaschinen (Off-Highway) firmieren weiter unter CNH Industrial. Nachdem in diesem Jahr für die künftige Entwicklung der Agrartechnik schon der US-Spezialist Raven Technologies zugekauft wurde, hat sich der Konzern Anfang Dezember noch mit dem Software-Unternehmen NX9 verstärkt, der etwa bei ISOBUS-Anwendungen erfolgreich ist. Vom Großaktionär, der Fiat-Familie, hat CNH auch schon das „Go“ bekommen, künftig mehr für Forschung und Entwicklung auszugeben, schließlich hinkt die Produktpalette technologisch vielen Wettbewerbern noch hinterher. Auf Neun-Monats-Sicht hatte CNH den Gesamtumsatz um rund 34 Prozent steigern können, die Landtechnik machte mit 10,5 Milliarden US-Dollar ein Plus von fast 38 Prozent. Beim Gewinn trat man aber auf der Stelle. Wie die Börsenbewertung ab Januar aussieht, hängt vom Erfolg der Iveco-Papiere zum Jahresanfang ab. Mit einem großen Kurs-Abschlag bei CNH ist aber nicht zu rechnen, schließlich hält der Konzern vorerst weiter den Löwenanteil an Iveco. Mit 74 Prozent Kursplus binnen zwölf Monaten ist die Iveco-Abspaltung dennoch schon eingepreist, mutige Anleger kaufen noch.

ISIN: NL0010545661
Kurs: 15,78 Euro
Stopp: 10,50 Euro
Zielkurs: 16,50 Euro

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Bucher Industries (Kuhn)

Digitalisierung ist auch bei dem Schweizer Mischkonzern Bucher Industries, deren größter Geschäftszweig die Landtechnik von Kuhn ist, ein wichtiges Thema. Allerdings war es nicht der Corona-Virus, der Teile des Konzerns Anfang Dezember lähmte, sondern ein Computervirus, den Hacker versucht hatten, bei Buchers Kommunalfahrzeug-sparte Municipal einzuschleusen. Auf das Geschäftsergebnis 2021 soll der Vorfall aber keinen Einfluss haben, verkündete das Management um Chef Jaques Sanche. Und die Ergebnisse dürften gut ausfallen. Schon nach dem dritten Quartal hatte Bucher die Schätzungen der Analysten weit übertroffen, von Januar bis September war der Umsatz um knapp 18 Prozent auf 2,36 Milliarden Schweizer Franken gestiegen. Der Auftragseingang über alle Sparten – Emhart Glas, Hydraulik und Landtechnik – lag im Herbst mit 2,94 Milliarden Franken sogar um 50 Prozent über dem Vorjahreszeitraum. Das Problem: Bucher und vor allem Kuhn plagen neben den globalen Problemen der Industrie besonders fehlende qualifizierte Mitarbeiter. Dennoch sprechen die aktuelle Aktienbewertung sowie die finanztechnischen Kennzahlen und die Dividende für ein Engagement bei den Schweizern. Das allerdings muss über einen Broker mit Zugang zur Zürcher Börse erfolgen, da die Papiere in Deutschland derzeit nicht direkt gehandelt werden dürfen.

ISIN: CH0002432174
Kurs: 414,20 Euro
Stopp: 380,00 Euro
Ziel: 460,50 Euro

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Kubota

Mit seiner Traktorenfertigung in Frankreich geht der japanische Hersteller von Landtechnik, Baumaschinen und Bewässerungssystemen in Europa klar den Weg zu mehr Technik und Digitalisierung sowie Precision Farming. Ganz anders in Asien: Dort erhöht Kubota unter anderem durch eine Aktienumschichtung seinen Anteil am indischen Schlepper-Hersteller Escort auf rund die Hälfte. Ziel: mit Escort robuste und technisch einfache Traktoren speziell für die Märkte in Entwicklungs- und Schwellenländern zu entwickeln und zu vertreiben. Ein attraktiver Wachstumsmarkt sind für Kubota auch die USA. Das Verhältnis des japanischen Yen zum erstarkenden US-Dollar könnte nach Analystenmeinung den Profit für die Japaner heben, weil sie immer noch wenig Fertigung im US-Markt haben und entsprechend mit hohen Margen importieren können. Zudem soll die anhaltende Konsumlust der Amerikaner für steigende Umsätze besonders bei den Klein- und Gartentraktoren sorgen. Auch bei den Baumaschinen soll das gewaltige US-Infrastrukturprogramm von Präsident Biden Kubota voranbringen. Der Konzernumsatz stieg in den ersten neun Monaten 2021 um rund 21 Prozent, der operative Gewinn sogar um 62 Prozent. Land- und Baumaschinen, die rund 85 Prozent des Gesamtumsatzes ausmachen, legten um 26,5 Prozent zu. Die Kubota Aktie ist mit einem KGV von 14,8 günstig bewertet, wegen der Euro/Yen-Wechselkurse aber sehr volatil. Als Depot-Beimischung ein Kauf.

ISIN: JP 3266400005
Kurs: 19,76 Euro
Stopp: 16,50 Euro
Zielkurs: 22,00 Euro

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Wacker Neuson (Weidemann)

Mit seinen Kompaktmaschinen für die Landwirtschaft, die von der Konzerntochter Weidemann produziert werden, macht der Münchner Maschinenbaukonzern vor allem in Europa Umsatz. Wacker-Boss Karl Tragl, erst während des Jahres auf den Chefposten gesetzt, konnte sich über seine Landtechnik bei der Vorstellung der Zahlen zum dritten Quartal richtig freuen: Um 23,2 Prozent auf 78,7 Millionen Euro legte der Umsatz der Sparte von Juli bis September im Vergleich zum Vorjahreszeitraum zu. Der Gesamtkonzern kam in den ersten neun Monaten des Jahres mit 1,39 Millionen Euro auf ein Umsatzplus von 17 Prozent. Nach wenig Dynamik im Vorjahr läuft es beim Geschäft mit Baumaschinen 2021 auch wieder besser. Vor allem das Amerika-Geschäft zog wieder an, Q3 brachte eine Umsatzsteigerung von rund 28 Prozent auf 84,3 Millionen Euro. Angesichts der Kostensteigerungen und anderer schwieriger Rahmenbedingungen zeigte sich der Wacker Neuson-Vorstand dennoch mutig – und hob seine Umsatz- und Ergebnisprognose für 2021 beim Umsatz auf eine Spanne von 1,77 bis 1,83 Milliarden Euro an, die Ebit-Marge könnte demnach statt bis zu 9,5 nun bis zu 9,7 Prozent erreichen. Die Aktie hatte ihr Jahres-Kursziel bei 32,50 Euro zwischendurch zwar schon erreicht, negative Analystenkommentare ließen die Bewertungen aber wieder sinken. Eine gute Chance für den aktuellen Einstieg, bereits engagierte Anleger sollten das Papier halten.

ISIN: DE000WACK012
Kurs: 26,88 Euro
Stopp: 21,00 Euro
Zielkurs: 32,50 Euro

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Mahindra & Mahindra

Mit rund 40 Prozent Marktanteil in Indien bei Traktoren ist Mahindra & Mahindra ein bedeutender Player in der Branche. Doch gemessen an den anderen Geschäftsfeldern des indischen Multi-Konzerns spielt die Agrarsparte zwar noch eine wichtige, jedoch nicht entscheidende Rolle. Ob Mahindras Hotels, Fluglinien, Computer, Software oder Automobil- und Lkw-Produktion – Indiens Wirtschaft wurde auch 2021 hart von der Corona-Pandemie getroffen. Und globale Probleme wie verteuerte Rohstoffe (Stahl) oder fehlende Bauteile (Chips) belasten Mahindra weiter. Umsatz und Gewinn sind im Vergleich zur Vorjahresperiode (dritten Quartal) um rund 20 Prozent gesunken. Die Agrartechnik ist zudem stark von der Wettersituation in den jeweiligen Regionen des riesigen Subkontinents abhängig. So ging etwa der Schlepper-Absatz von 36.619 Stück im November 2020 auf nun 26.094 Stück zurück. Dafür erklärte Mahindras Agrartechnik-Chef Rajesh Jerurikar ehrgeizige Ziele bei der noch im Aufbau begriffenen Sparte Futter- und Erntetechnik (Sampo Mähdrescher und andere Zukäufe): Jedes Jahr soll hier in den kommenden fünf Jahren ein exponentielles Wachstum erreicht werden – bis zu einem den Traktoren entsprechenden Marktanteil. Ein Kauf der Aktie drängt sich derzeit nicht auf – außer man wettet auf Indiens Erholung.

ISIN: USY541641194
Kurs: 9,70 Euro
Stopp: 8,50 Euro
Zielkurs: 9,80 Euro

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Informationen – Was bedeuten die Empfehlungen?

Bei „Halten“ ist eine Entwicklung des Aktienkurses nahe der allgemeinen Entwicklung der Aktienmärkte zu erwarten.

Bei „Kaufen“ wird eine überproportionale Steigerung des Aktienkurses zu den breiten Aktienindizes erwartet.

„Zielkurs“ ist der Kurs, den die Aktie nach Analysten und anderen Experten auf Sicht von zwölf Monaten erreichen sollte.

„Verkaufen“: Der Kurs der Aktie wird sich schlechter als der breite Markt und nach unten entwickeln.

„Stoppkurs“: Damit sichern sich Anleger gegen allzu große Verluste ab. Fällt der Kurs auf oder unter die Marke, ist eine Neubetrachtung der Wertpapieranalyse notwendig, ein Verkauf meist geboten.

„ISIN“: Nummer des Wertpapiers für den Handel an der Börse.

Aktuelle Informationen im Internet unter www.finanzen.net.

Eine Haftung wird nicht übernommen.

Die Informationen stellen keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren dar.

Kursstand 13.12.2021, 10.00 Uhr

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