Magazin Wirtschaft

LandBau Technik Bundesverband :

„Ich schraube, also bin ich!“

Deutz-Fahr hatte zum fünften Tag der LandBau Technik in sein Traktorenwerk Lauingen eingeladen. Über 150 Gäste aus dem Landmaschinenhandel und der Ausbildung lauschten den Fachvorträgen und erfuhren interessante Fakten über die jüngste Produktionsanlage des Same Deutz-Fahr Konzerns.

LandBau Technik Bundesverband: „Ich schraube, also bin ich!“
Über 150 Gäste folgten der Einladung des LBT-Bundesverbandes zur LandBau Technik Tagung bei Deutz-Fahr in Lauingen.

Über 150 Gäste folgten der Einladung des LBT-Bundesverbandes zur LandBau Technik Tagung bei Deutz-Fahr in Lauingen.

„Wenn wir wie unsere Lieferanten Erträge von acht bis zehn Prozent erreichen würden, dann wären wir sehr zufrieden. Die Ergebnisse unserer Betriebe bewegen sich aber zwischen null bis zwei Prozent“, so Ulf Kopplin, Präsident des LandBau Technik Bundesverbandes bei der Eröffnung der 5. LandBau Technik Tagung am 21. März bei Deutz-Fahr in Lauingen.

Lange Lieferzeiten erschweren laut LBT-Präsident aktuell das Leben der Landmaschinenhändler. „Wenn die Maschine dann endlich geliefert wird, ist die von uns bereits zu einem festen Preis in Zahlung genommene Gebrauchtmaschine einige Monate und etliche Betriebsstunden älter“, reklamiert Kopplin.

Er berichtete auch über die zu Jahresanfang erfolgte Trennung der LBT-Bürogemeinschaft mit dem Bundesverband Metall. Der Bundesverband ist jetzt mit einer eigenen Mannschaft in neuen eigenen Büroräumen exklusiv für die Geschäfte der LandBau Technik-Verbände aktiv.

2017 erwarben 393 junge Menschen in unserem Gewerk ihren Meisterbrief, das ist eine Steigerung von über 17 Prozent. 1.892 Auszubildende erhielten ihren Gesellenbrief, insgesamt sind 8.463 Auszubildende auf ihrem Weg zur Gesellenprüfung. Diese Zahlen nannte LBT Hauptgeschäftsführer Dr. Michael Oelck. Er kündigte an, das auf der Agritechnica erfolgreiche Format „Werkstatt live“ in die Fläche zu übertragen. Nach wie vor stehe das Thema „Vergütung von Garantieleistungen“ auf der Gesprächsagenda mit den Landtechnikherstellern. Erhebungen des Verbandes ergaben je Landmaschinenbetrieb eine durchschnittliche Belastung von 66.200 Euro entgangenen Erlösen jährlich bei für Hersteller erbrachten Garantieleistungen.

Bundesinnungsmeister Leo Thiesgen erläuterte die anstehende Zertifizierung der Meisterschulen: „Die Spannbreite der Lehrgangsdauer und auch der Kosten für die Teilnehmer ist sehr groß. Mit einer Zertifizierung wollen wir die Vorbereitung zur Meisterprüfung qualitätsmäßig standardisieren.“

Handwerkspräsident Peter Wollseifer freute sich: „Endlich werden wir regiert!“
Prof. Ines Härtel: „Aussitzen des neuen Datenschutzgesetzes hilft nicht!“

Handwerkspräsident Peter Wollseifer freute sich: „Endlich werden wir regiert!“ Prof. Ines Härtel: „Aussitzen des neuen Datenschutzgesetzes hilft nicht!“

Mehrere Workshops

Im Workshopblock der Tagung stellten Referenten Technik- und Managementthemen zur Diskussion. Rechtsanwalt Dr. Stefan Zipse machte auf die Problematik der Besetzung eines 24-Stunden-Services in der Landmaschinenwerkstatt aufmerksam. „Bereitschaftsdienst ist Arbeitszeit“, so Dr. Zipse. Er forderte die Personalverantwortlichen auf, das Thema Arbeitschutz mit den erforderlichen Ruhezeiten nicht auf die leichte Schulter zu nehmen. „Unter Umständen können Sie dafür haftbar sein, wenn Ihr Mitarbeiter nach zwanzig Stunden Einsatzzeit im Sekundenschlaf mit dem Auto verunglückt“, so seine Warnung.

Rolf Jansen von der Assekuranz Service NRW GmbH forderte die Händler auf, das Thema Garantie in die eigenen Hände zu nehmen. Angesichts der oben genannten 66.200 Euro entgangenen Erlöse bei Garantieleistungen sollten die Betriebe als Branche mit einer eigenen Garantieversicherung das Heft des Handelns selbst in die Hand nehmen, so Jansen.

Die Richterin Prof. Dr. Ines Härtel wies auf die Pflichten der Betriebe hin, die sich unter anderem aus dem neuen Datenschutzgesetz ergeben. Sie zeigte sehr praxisnah, welche Aufgaben wie gelöst werden können und warnte: „Stellen Sie sich diesen Herausforderungen, Aussitzen hilft hier nicht!“ Auch Dr. Alexander Barthel vom ZDH zeigte Ideen, wie Handwerksbetriebe die Digitalisierung im eigenen Unternehmen sinnvoll umsetzen können.

„Wir werden endlich regiert“, mit diesem freudigen Ausspruch begrüßte der Präsident des Deutschen Handwerks, Peter Wollseifer, die Gäste in der Deutz-Fahr Arena. Sein Verband habe Kanzlerin Angela Merkel auf Schwachpunkte im Koalitionsvertrag aufmerksam gemacht. „Der Vertrag bleibt viele Antworten schuldig und ist aus unserer Sicht zu mutlos“, so Wollseifer. Der Präsident warb für die enorme Ausbildungsleistung seiner Mitgliedsbetriebe mit aktuell 360.000 Auszubildenden. Man müsse sich dem demografischen Wandel in der Gesellschaft stellen und noch mehr für die Ausbildung im Handwerk werben. Zu viele junge Leute würden ein Studium anstreben, das jährlich 100.000 von ihnen wieder abbrechen. Viele Studierende klagten zudem über psychische Probleme. „Handwerk kann vielen jungen Menschen Erfüllung bieten, die sie für sich offensichtlich so im Studium nicht finden!“ In diesem Zusammenhang zitierte Wollseifer den Buchtitel eines hochdotierten Managers, der aus seinem akademischen Berufsweg ausstieg und seine Karriere als Motorradmechaniker startete: „Ich schraube, also bin ich!“

Verbandsspitze und Mitglieder beim Rundgang durch das neue Deutz-Fahr Werk.

Verbandsspitze und Mitglieder beim Rundgang durch das neue Deutz-Fahr Werk.

Deutz-Fahr – Der „Wow-Effekt“ für Deutz-Fahr Traktorenkunden

Die Besucher des Tags der LandBau Technik lernten in Lauingen das neueste Traktorenwerk in Europa kennen. SDF-Geschäftsführer Rainer Morgenstern: „Wir sind ein bodenständiges italienisches Familienunternehmen!“

Langsam bewegt sich das schwarze Montageband vorwärts. Es schiebt den Antriebsstrang eines Traktors langsam vorbei an den Trollies mit Teilen und vormontierten Kits. Das Besondere: Auf diesem Band fahren auch die Monteure mit. Das soll Wege einsparen und mit einer leichten Federung die Gelenke der Werker schonen.

Wir besuchen die vor gut einem Jahr in Betrieb genommene Montagehalle bei Deutz-Fahr in Lauingen. Auffällig sind hier die vielen Hebehilfen, die über der Montagelinie angebracht sind. Mit ihnen kann man jede Position am zu montierenden Traktor erreichen, so dass das manuelle Heben von schweren Teilen komplett entfällt. Am Ende des ersten gut 150 Meter langen Montagebandes ist der Antriebstrang aus Motor, Getriebe, Achsen und Hydraulikblock komplett montiert. Nach der Ölbefüllung wird das Aggregat mit Steuerleitungen sowie der Dieselversorgung und Abgasleitung versehen. Dann fährt der Montagewagen mit dem Antriebstrang in eine schalldichte Kabine, startet und läuft zehn Minuten. Erst bei schwacher Last, dann bis zur höchsten Stufe, wobei 220 bar Druck im System erreicht wurden. Danach wird das Aggregat auf Undichtigkeiten geprüft. Ist alles o.k., maskieren Mitarbeiter alle Teile, die farbfrei bleiben sollen. Das Aggregat fährt dann ein in die riesige Lackieranlage. Hier behandelte Oberflächen halten dem Rostangriff im Salzsprühtest für 720 Stunden stand.

Die Lackierung steht genau im rechten Winkel zwischen der Kraftstrang- und Traktorenendmontage. In dieser zweiten Halle folgt die Komplettierung der Maschinen. In der Prüfkabine am Ende dieses Bandes läuft dann der Rund-um-Funktionscheck aller Systeme. Über 20 Mio. Euro investierte der Same Deutz-Fahr-Konzern in das Gebäude und die Technik dieser Lackieranlage. Aktuell verlassen 24 Traktoren täglich das Werk, möglich sind 40.

„Mit diesem Werk stellen wir uns heute den Herausforderungen an Technik, die morgen auf uns wartet“, so Rainer Morgenstern. Er ist Sprecher der Geschäftsführung SDF Deutschland und Commercial Executive Director Europe. Effizienz und Qualität der Traktorenproduktion sind das Eine: „Wir wollen bei unseren Besuchern den ,Wow-Effekt‘ erreichen“, formulierte Morgenstern das Ziel dieser 80-Mio.-Euro-Investition.

Mitarbeiter bereiten den Antriebsstrang für den ersten Testlauf vor. Danach gelangt er in die Lackierung.

Mitarbeiter bereiten den Antriebsstrang für den ersten Testlauf vor. Danach gelangt er in die Lackierung.

Die Werker fahren auf dem schwarzen Band mit. Alle Positionen des Traktors sind mit Hebehilfen erreichbar.

Die Werker fahren auf dem schwarzen Band mit. Alle Positionen des Traktors sind mit Hebehilfen erreichbar.

Den „Wow-Effekt“ beim Besucher unterstützt auch die ebenfalls neue Deutz-Fahr Arena. Das Besucherzentrum zeigt das aktuelle Traktoren- und Mähdrescher-Programm. Ein Kino, in dem die Werkführung der Besucher eingeleitet wird, und ein Museumsbereich empfangen die Gäste in freundlich heller Atmosphäre. Hier stehen Kommunikationszonen und Besprechungsräume auch Fachhändlern und ihren Kunden zur Verfügung.

Die Fassaden des Deutz-Fahr Werks und die Arena sind aufeinander abgestimmt, mit SDF-Logo, Aluminium, viel Glas und grünem Beton. Das zentrale SDF-Ersatzteillager befindet sich in unmittelbarer Nachbarschaft.

„Wir sind ein bodenständiges, italienisches Familienunternehmen. Wir freuen uns, dass uns die Inhaberfamilie Carozza mit der größten Einzelinvestition ihrer Unternehmensgeschichte hier in Lauingen so viel Vertrauen entgegenbringt“, so Morgenstern. SDF investierte in den letzten zehn Jahren weltweit 100 Mio. Euro jährlich.

2016 wurden gut 37.000 Traktoren in den Werken Deutschland, Italien, der Türkei und Indien gebaut. Hinzu kommen Mähdrescher aus Slowenien für Europa und in kleineren Größen aus zwei chinesischen Werken für den asiatischen Markt.

Unter der Marke Gregoire hat SDF 278 Trauben- und Olivenvollernter im Jahr 2016 gebaut. Der Konzern beschäftigt welweit gut 4.200 Menschen und erreichte 1,36 Mrd. Euro Umsatz in 2016 mit einem Gewinn vor Steuern und Abschreibungen von 8,7 Prozent. Der Marktanteil der SDF Traktorenmarken Deutz-Fahr, Same, Lamborghini und Hürlimann lag 2017 in Europa bei zwölf Prozent.

„Wir machen das, was wir können: Traktoren und Mähdrescher“, stellte Morgenstern vor den Teilnehmern der LandBauTechnik-Tagung heraus. Die SDF-Gruppe wolle kein Longline-Anbieter werden. „Landwirte sind Individualisten, ihre Anforderungen sind bei Arbeitsmaschinen sehr speziell. Da sollen Sie als Händler frei entscheiden können, welche Presse, welche Pflanzenschutztechnik und welches Bodenbearbeitungsgerät in Ihrer Region am besten passt!“ so Morgenstern abschließend.

LBT-Präsident Ulf Kopplin und LBT-Hauptgeschäftsführer Dr. Michael Oelck bedanken sich bei dem Gastgeber der Tagung, SDF-Deutschland Geschäftsführer Rainer Morgenstern (v.l.).

LBT-Präsident Ulf Kopplin und LBT-Hauptgeschäftsführer Dr. Michael Oelck bedanken sich bei dem Gastgeber der Tagung, SDF-Deutschland Geschäftsführer Rainer Morgenstern (v.l.).


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