Magazin Wirtschaft

Land- und Baumaschinenmechatroniker :

Berufsausbildung wird modernisiert

Förderung für Ausbildungsbetriebe durch den Staat mit neuer Überbetrieblichen Lehrlingsunterweisung (ÜLU) gesichert – Damit soll die Ausbildungsbereitschaft unterstützt werden

Land- und Baumaschinenmechatroniker: Berufsausbildung wird modernisiert

So geht Lernen heute: Rolf Figlestahler (2. v. r.) ist Ausbildungsmeister für Land- und Baumaschinentechnik an der Gewerbeakademie der Handwerkskammer Freiburg und für die überbetriebliche Ausbildung zuständig.

Schmutzige Hände: Aber auch Mechanik wird künftig noch genügend vermittelt.

Schmutzige Hände: Aber auch Mechanik wird künftig noch genügend vermittelt.

Wohl kaum ein Berufsbild findet eine so dynamische und rasante Veränderung wie der Beruf des Land- und Baumaschinenmechatronikers. Immer komplexere Systeme und eine weitreichende Digitalisierung verändern an diesem Beruf und die Anforderungen stetig. Jungen Menschen bietet die Ausbildung daher ein hohes Maß an Abwechslung. Doch die Breite der Themen und Inhalte ist durch den Ausbildungsbetrieb allein nicht abzudecken. Die Überbetrieblichen Lehrlingsunterweisungen (ÜLU) dienen daher zur systematischen Vermittlung und Vertiefung von Ausbildungsinhalten im Handwerk und ergänzen die betriebliche Ausbildung in entscheidenden Punkten.

Im deutschen dualen Ausbildungssystem gibt es den betrieblichen und den schulischen Teil. Was nicht jeder weiß: Die überbetriebliche Lehrlingsunterweisung ist Teil der Ausbildung.

Mit Zuschüssen von über 45 Millionen Euro fördert allein der Bund über das Wirtschaftsministerium die ÜLU in Deutschland über alle Gewerke jedes Jahr. Hinzu können Förderungen der Länder kommen. Mit den Zuschüssen soll ein Beitrag zu den von den Ausbildungsbetrieben zu tragenden Lehrgangs- und Unterbringungskosten geleistet werden.

Damit soll die Fachkräftesicherung durch die Stärkung und den Erhalt der Ausbildungsbereitschaft und -fähigkeit der Handwerksbetriebe unterstützt werden. Auch ist die Sicherung des technischen Know-hows durch eine bundesweit hohe Inanspruchnahme damit gegeben. Die Betriebe auch bei der Vermittlung schwieriger und zeitaufwendiger Ausbildungsinhalte zu unterstützen und eine gleichmäßig hohe Qualität des Berufsstands zu erreichen, ist ein weiteres Ziel.

Nicht jeder Betrieb hat die geforderte umfängliche Maschinentechnik

Gerade bei spezialisierten Betrieben kann nicht immer die in der bundesweit einheitlichen Ausbildungsordnung geforderte breite Maschinentechnik und IT-Technik im Tagesgeschäft vorgehalten werden; daher werden die Auszubildenden eines Jahrgangs für einige Wochen zu speziell auf die Berufe abgestimmten ÜLU-Kursen an dafür besonders ausgestatteten und autorisierten überbetrieblichen Schulungsstätten für das Land- und Baumaschinen-Handwerk zusammengezogen. Aktuell finden die unterstützenden Kurse an etwa 25 Schulungsstätten deutschlandweit statt. „Die ÜLU sind damit wesentlicher Teil der handwerklichen Grundausbildung in unserem Gewerk und entscheidend für die Qualität der Ausbildung“, so Bundesinnungsmeister Leo Thiesgen.

Über fünf Schulungswochen pro Jahr

Die Schulungsquote zeigt, in 2017 (Zahlen von 2018 liegen noch nicht vor) absolvierten rund 5.800 Lehrlinge in Fachstufen 5,5 Schulungswochen. Die Bildungsstätten werden bei der Anschaffung der passenden Schulungsgeräte und aktuellen digitalen Ausbildungsmittel unterstützt. „Hier zeigt sich, dass auch dem Bundes- und Landesministerien an der qualifizierten Ausstattung gelegen ist“, führt der stellvertretende Bundesinnungsmeister Eckard Vlach, aus. Trotzdem fordert der LandBauTechnik Bundesverband mittelfristig weitere und mehr Anstrengungen des Bundes und der Länder in der Ausstattung sowie in der in Berufsschulen und überbetrieblichen Schulungsstätten, um die Gleichwertigkeit der beruflichen und akademischen Bildung zu unterstützen, sowie in der Fort- und Weiterbildung aller Lehrenden. „Die Achillessehne der Deutschen Wirtschaft und auch in unserem Gewerk sind die zunehmend schwer zu findenden und zu bindenden Fachkräften. Schon heute können viele Aufträge nicht angenommen werden, da Fachkräfte in den Betrieben fehlen“, stellt Ulf Kopplin, Präsident des LandBauTechnik-Bundesverbands dar.

Diese zu unterstützen ist ein Ziel der überbetrieblichen Unterweisungen. Diese sind nun in zwei Jahren Arbeit im Arbeitskreis ÜLU des Bundesinnungsverbands in Zusammenarbeit mit dem Heinz-Piest-Institut für Handwerkstechnik Hannover (HPI) inhaltlich aktualisiert, neu gegliedert und umbenannt worden. Die modernisierten Kurse sind bereits von Seiten des HPI als Gutachter positiv geprüft und ganz aktuell seitens des BMWi als staatlicher Fördergeber genehmigt worden. Nun sind sie vom ZDH in Berlin zur Einführung an die Handwerksorganisation auch zur weiteren Beantragung von Fördergeldern bei den Landesministerien empfohlen worden.

Der Bundesinnungsverband hat sie umgehend der eigenen Organisation zur Kenntnis weitergeleitet. „Nachdem am 2. Mai 2017 das Verfahren zur kompletten Überarbeitung aller (LBT-eigenen) ÜLU-Lehrgänge im Beisein des HPI eröffnet wurde, konnte der Arbeitskreis ÜLU des Zentralverbands in Rekordzeit ein neues Tableau mit aufeinander abgestimmten Kursen neuester Themen und Techniken zusammenstellen. Dies beinhaltet auch wichtige Details zu Finanzierung, Verbrauchskosten und Investitionsempfehlungen der Ausstattungen der ÜBS, der überbetrieblichen Bildungsstätten“, fasst Leo Thiesgen das Projekt zusammen. „Damit tragen wir und insbesondere der hiesige Arbeitskreis von ehrenamtlich tätigen Fachleuten aus der Branche der dynamischen Entwicklung des Berufsbildes Rechnung. Ein herausragendes Ergebnis für die gesamte Branche – unser Dank gebührt der zielorientierten Mitarbeit der Fachleute aus der Branche. Damit ist die Förderung von tausenden von unseren Mitgliedern und Ausbildungsbetrieben gesichert“.

„Die neuen Kurse sind in ihrer Gesamtheit zu sehen und sind so angelegt, dass die Investitionen jeweils für mehr als nur den einen Kurs vorgesehen sind. Die Reihung und Namensgebung wurden leicht angepasst, sie bedeutet jedoch eine zwangsweise zeitliche Reihung“, sagt Peter Barchfeld vom BBZ Stade und Mitglied des Arbeitskreises. Neben den neuen obligatorischen sechs Kursen bleiben die Metallkurse FUE1 bis FUE3 weiter förderfähig. „Die Spezialisierungen unseres Berufs, insbesondere die Motorgeräte, also Kommunal- und Gartentechnik, sind darüber hinaus in eigenen ÜLU-Lehrgängen berücksichtigt und neuerdings auch in den herkömmlichen Kursen berücksichtigt“, so Barchfeld weiter.

Modernisierung besonders in der Digitalisierung

Die Schwerpunkte der Modernisierung sind vor allem in den Bereichen Elektronik und Datenübertragung erfolgt. „In der LandBauTechnik haben wir seit Jahren das höchste Maß an Fahrzeugtechnik. Während im Bereich Pkw noch über autonomes Fahren geredet wird, ist dieses bei uns gelebte Praxis“, erklärt Gunnar Niggemann von den Berufsbildenden Schulen Burgdorf, ebenfalls Mitglied des Arbeitskreises, „ein weiterer Schwerpunkt ist das Thema Digitalisierung, das sich in allen unseren Kursen wiederfindet. Wir brauchten daher keinen speziellen Digitalisierungskurs.“ Niggemann sieht zudem den Hochvoltbereich als zukunftsweisend an. „Die Dieseltechnologie wird in Zukunft nicht mehr 99 Prozent ausmachen, sie wird ersetzt durch Hochvolttechnik, vor allem im Kommunalbereich, und auch durch Erdgas/Gas und Brennstoffzellen. Hier ist es wichtig, dass wir im engen Austausch mit den Herstellern stehen und die Innovationen in diesem Bereich begleiten.“

Und so geht es weiter: „Der Bundesverband wird im Herbst diesen Jahres eine Berufsbildungstagung für Vertreter von Innungen (Obermeister oder Lehrlingswarte), von Landesverbänden, HWKs, Bildungsstätten-Leiter und sonstiger Beteiligter veranstalten, um zur Notwendigkeit und Inhalt der umfangreichen Änderungen, der vorgesehenen Modernisierungen und auch zur Einführung der ÜLU Kurse ab 2019 informieren – dies nicht zuletzt, um die Anforderungen des Marktes und der Fördergeber darzulegen“, so Barchfeld. Dann sollen die Innungen mit ihren ÜBL-Kursstätten entscheiden, welche Kurse sie in den Regionen anwenden. „Hier soll ein Mindestmaß an Kursen in jedem Bundesland eingeführt werden, damit dem Berufsbild und einem bundeseinheitlichen Mindeststandard Genüge getan wird“, betont Thiesgen.

Informationsveranstaltungen dazu finden am 21. Oktober 2019 in Kirchheim und am 28. Oktober 2019 in Lüneburg statt. Anschließend soll es im Frühjahr 2020 zusätzlich eine Informationsveranstaltung für die Ausbilder geben. „Wir werden darüber hinaus von Seiten des Verbandes die ÜBL ständig überwachen und überprüfen. Unsere Branche ist so fortschrittlich und schnelllebig in der Entwicklung, dass ich damit rechne, dass wir 2023/2024 die ÜBL erneut anpassen werden“, sagt Gunnar Niggemann. Die Qualität der Ausbildung und der Ausbilder zu wahren sei ein Ziel, das Bundesverband, Betriebe und Hersteller nur gemeinsam erreichen können.

„Bisher gibt es übrigens keinen Bundessieger, der ohne ÜLU ausgekommen ist, ich denke, das unterstreicht noch einmal mehr die Wichtigkeit“, resümiert Leo Thiesgen.

Die Neuerungen im Überblick:

■ Aus (alt:) LBM1/05 mit 2 Wochen und den Inhalten Hydraulik / Elektrik wird (neu:) ein Doppelkurs mit LBM1/19 (1 Woche), Inhalt: Hydraulik I – Systeme und Komponenten und LBM2/19 (1 Woche); Inhalt: Hydraulik II - Diagnose und Fehlersuche

■ Aus (alt:) LBM2/05 „Fehlerdiagnose und Instandsetzung wird (neu:) LBM3/19 „Fehlerdiagnose und Instandsetzung“

■ Aus (alt:) LBM3/05 „Metall“ wird (neu:) LBM8/19 „Metallbearbeitungstechnik“

■ Im neuen Kurs LBM6/19 (Hochvoltsysteme) sind die Inhalte vom alten LBM6/05 integriert

■ Der neue Kurs LBM9/19 „Datenüber-
tragungssysteme“ ersetzt (alt:) K5/10 aus dem Kfz-Bereich

■ Folgende Kurse wurden gestrichen, ihre Inhalte in andere Kurse integriert: LBM6/05 „Elektrotechnische Geräte und Schutzmaßnahmen“ und LBM8/05 „Übergabe von Maschinen an Kunden“ (faktisch Teil eines jeden ÜBL-Kurses)


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