Magazin Landschaftspflege

Ländliche Infrastruktur :

Mit nur 100 PS Leistung auf dem besten Weg

Die Instandhaltung von Flur- und Forstwegen ist häufig mit aufwändiger Großtechnik, mehreren Arbeitsschritten und viel Material verbunden. Die Firma HEN bietet genau das Gegenteil: Ein 100-PS-Traktor saniert Wege in einem Durchgang, meist komplett ohne neuen Schotter.

Ländliche Infrastruktur: Mit nur 100 PS Leistung auf dem besten Weg

Die Gießener WPF-200 im Einsatz: Fräsen, Mischen und Profilieren in einem Durchgang.

Die WPF200 kann hydraulisch seitlich verschoben und so genau auf das künftige Wegeprofil eingestellt werden.

Die WPF200 kann hydraulisch seitlich verschoben und so genau auf das künftige Wegeprofil eingestellt werden.

Wassergebundene Wege – die also nur auf Schotter o.ä. basieren – werden häufig lediglich durch Flickschusterei repariert. Haben sich durch Witterung und Verkehr Schlaglöcher gebildet, werden diese meist nur punktuell wieder zugeschüttet und per Hand verdichtet oder mit dem Planierschild abgezogen – was bekanntlich nicht lange hält. Ebenso kurz gedacht ist flächiges Überdecken mit Splitt: Mit dem Kipper an ein paar Stellen auf dem Weg geschüttet und anschließend mit dem Frontlader eine saubere Oberfläche ziehen. Schon nach dem ersten Winter ist ein großer Teil davon gespült und die alten Schlaglöcher im groben Unterbau kommen wieder hervor. Durch solche negativen Erfahrungen – hoher Materialaufwand, kaum langfristiger Nutzen – wird die Instandhaltung von Wegen häufig nur an den größten Problemstellen durchgeführt. Dazu kommt, dass viele Wege zu Zeiten gebaut wurden, als Schlepper noch mit 20 km/h und wenigen Tonnen Achslast unterwegs waren, außerdem boten 2,20 m breite Fahrspuren genügend Platz. Aktuelle Maschinen sind dagegen schwerer, größer und schneller, was sich am höheren Verschleiß vieler Wege deutlich zeigt.

Das bestätigte im Juni 2017 auch der Deutsche Bauernverband (DBV) im Rahmen der Tagung „Wege mit Zukunft“ des Landwirtschaftsministeriums und der Bund-Länder-Arbeitsgemeinschaft ARGE Landentwicklung: „Viele ländliche Wege genügen nicht mehr den heutigen Ansprüchen oder sind in einem desolaten Zustand. Der Investitionsstau ist groß. Der Lösung dieser wichtigen infrastrukturellen Frage dürfen sich Bund, Länder und Kommunen nicht verschließen.“ Von einem gut ausgebauten Wegenetz habe nicht nur die Landwirtschaft Vorteile, auch Freizeit und Erholung sowie die Wohnqualität und das Gewerbe profitierten davon, so der DBV.

Die so erforderliche fachmännische Wegesanierung ist aber oft mit großem Aufwand verbunden: 300-PS-Großschlepper mit Aufreißer im Frontanbau und schweren Steinfräsen im Heck sind hier durchaus nicht unüblich. Weitere erforderliche Arbeitsgänge mit einem Grader und das Verdichten mit meiner Walze oder großen Rüttelplatten erhöhen die Kosten noch einmal. Ein solcher Posten findet nicht in vielen Haushalten Platz – schließlich geht es ja „nur“ um Feldwege – da wird dann lieber weiter geflickt. Dass das auch viel einfacher und kostensparender geht, zeigt die Firma HEN. Seit 20 Jahren entwickeln die Ingenieure aus Steinheim bei Stuttgart Technik für den Wegebau. Das Wegepflegegerät WPF 200 kommt mit einem 100-PS-Schlepper aus, benötigt im Normalfall kein neues Material und saniert einen verschlissenen Weg mit Schlaglöchern, Fahrrinnen und anderen Schäden in einem Durchgang.

Eberhard Weil, Aufsichtsrat der HEN AG (rechts), übergab die Maschinen an Tiefbauamtsleiter Manfred Wunsch (zweiter von links) und Betriebshofleiter Christopher Görig (links) der Stadt Gießen.

Eberhard Weil, Aufsichtsrat der HEN AG (rechts), übergab die Maschinen an Tiefbauamtsleiter Manfred Wunsch (zweiter von links) und Betriebshofleiter Christopher Görig (links) der Stadt Gießen.

Für die WPF200 genügt eine 100-PS-Zugmaschine, die in vielen Kommunalbetrieben oder bei Dienstleistern schon vorhanden ist.

Für die WPF200 genügt eine 100-PS-Zugmaschine, die in vielen Kommunalbetrieben oder bei Dienstleistern schon vorhanden ist.

In einem Arbeitsgang

Das in 2 m Breite arbeitende Gerät fräst den vorhandenen Weg schonend auf, die Tiefe ist dabei einstellbar, so dass wirklich nur in der Verschleißschicht gearbeitet wird und der Unterbau unangetastet bleibt. Das entstehende lose Material wird direkt durchmischt und sofort wieder verdichtet. So entsteht eine komplett neue wassergebundene Fahrbahndecke. „Meistens ist ja genügend Material in Körnung 0 bis 32 vorhanden, es bleibt nur nicht, wo es soll“, erklärt Peter Nafzger, bei HEN Leiter des Produktbereichs und Mitglied der Geschäftsleitung.

Die Stadt Gießen setzt bereits seit 2016 auf die schwäbische Technik: „Früher wurde mit viel Personaleinsatz neues Material auf die Wege gebracht und mittels eines Graders eingebaut, was außerdem eine aufwändige Logistik erforderte. Diese Arbeit kann mit den HEN-Maschinen jetzt nur ein Mitarbeiter ohne zusätzliches Wegebaumaterial erledigen“, verdeutlichen Tiefbauamtsleiter Manfred Wunsch und Betriebshofleiter Christopher Görig die schnell erkennbar gewordenen Einsparungen. Ein nicht zu vernachlässigender Faktor für den langfristigen Erhalt der Wege ist dabei auch die Pflege deren Ränder, weshalb HEN auch die speziell dafür passende Bankettfräse SP.61 nach Gießen lieferte. Damit werden durch Bewuchs und Schwemmmaterial überhöhte Straßen- und Wegeränder auf bis zu 1,20 m Breite bearbeitet, um dort den Wasserablauf wieder zu gewährleisten. Das abgetragene Material wird fein verstreut oder neben dem Bankett abgelegt, der Wasserablaufwinkel kann ja nach Gegebenheit hydraulisch verstellt werden. Der Fendt Vario 412 des Bauhofs reicht dafür problemlos und bereitet so stündlich etwa 1,5 km Bankett auf. Die Pflegemaschine WPF 200 fräst anschließend das vorhandene Schottermaterial, mischt es durch und profiliert den Weg neu.

Durch den speziell für Pflegearbeiten entwickelten langsam drehenden Fräsrotor wird die Sieblinie des Schotters nicht verändert, sprich es erfolgt keine Zerkleinerung. Die Pflegearbeiten mit der WPF 200 verursachen zudem keinen Verschleiß am Material, die verbauten Schottermaterialien werden nicht abgerundet – wie etwa beim Grädern oder Planieren – und behalten dadurch ihre Verzahnungsfähigkeit, was für eine stetig gleichbleibende Tragfähigkeit des Weges sorgt. Die beiden integrierten Rüttelplatten verdichten das durchmischte und abgezogene Material direkt im gleichen Durchgang. So können je nach Zustand pro Stunde 600 bis 2800 m Weg saniert werden.

Die Bankettfräse SP.61 sorgt für freien Wasserablauf und trockene Seitenränder am Fahrbahnbelag.

Die Bankettfräse SP.61 sorgt für freien Wasserablauf und trockene Seitenränder am Fahrbahnbelag.

Wenn etwa niedrigere Reparatur-Qualität ausreicht, etwa für weniger stark genutzte Forstwege, kann auch eine günstige Kombination aus Frontgrader und Rüttelplatte im Heck genügen.

Wenn etwa niedrigere Reparatur-Qualität ausreicht, etwa für weniger stark genutzte Forstwege, kann auch eine günstige Kombination aus Frontgrader und Rüttelplatte im Heck genügen.

Maschine kann auch zusätzliches Material einbauen

Sollte der Weg nur noch ein sehr dürftiges Bett aufweisen und zu viel der Verschleißschicht fehlen, kann mit der Maschine auch zusätzliches Material eingebaut und zu einer homogenen Schicht aus altem und neuem Schotter aufgearbeitet werden. Dabei reicht es aus, das neue Material an einzelnen Stellen auf dem Weg abzukippen, den Rest übernimmt die WPF 200.

Angetrieben wird die Fräse über die 540er Zapfwelle, die Rüttelplatten werden über die Hydraulik versorgt und benötigen hier etwa 65 l/min sowie einen drucklosen Rücklauf. So können beide Systeme unabhängig voneinander betrieben werden, etwa wenn bei Bedarf nur gerüttelt werden muss.

Ihre Grenzen findet die Maschine bei Wegen aus gröberen Steinen und Felsen oder wenn auch der Unterbau tiefer als 10 cm stark beschädigt ist – dann muss auch dieser aufgearbeitet werden. Hier kommen die HEN Fräsen RBM-L zum Einsatz, sie können in Arbeitsbreiten von 105 bis 230 cm Steine aufbrechen oder auch Bitumenbeläge abfräsen, zerkleinern und einmischen und so Wegebaumaterial von 0 bis 45 Sieblinie herstellen. Erforderlich sind hier dann bis zu 200 PS, die kleinste Variante kommt aber schon mit 90 PS zurecht.

Die HEN-Maschinen arbeiten dabei ohne Aufreißer und können auch so direkt in den Boden eintauchen: „Das Aufreißen – häufig auf 40 bis 50 cm Arbeitstiefe durchgeführt – ist unserer Meinung das schlechteste, was man machen kann, da die Tiefe kaum regulierbar ist und immer wieder große Steine aus dem Unterbau nach oben gerissen werden. So entstehen Löcher im Unterbau, welche nur sehr schwierig wieder zu füllen sind – meist entstehen hier später wieder die ersten Schlaglöcher. Aufreißen ist extrem Verschleißintensiv für Technik und Umwelt“, so Nafzger. Sollte es doch nötig sein, wäre das seiner Ansicht nach aber auch schon eher eine Baumaßnahme, die entsprechend geplant sein sollte und kein Pflegen oder Instandhalten von Wegen mehr.

Wer weniger anspruchsvoll ist, kann auch mit einer Kombination aus dem Anbaugrader AG 250 im Fronthubwerk und einer Anbaurüttelplatte WRH 240 im Heck glücklich werden. „So werden die Löcher aber auch nur zugeschoben und die Oberfläche darüber verdichtet, vorhanden sind die Schäden ja immer noch. Die Reparaturqualität entspricht daher nicht der des WPF 200, die Anschaffung ist aber günstiger und macht etwa bei weniger stark genutzten Forstwegen Sinn“, sagt Nafzger.

Da häufig eine detaillierte Beratung auf den speziellen Einsatz hin erforderlich ist, übernimmt HEN den Vertrieb in Deutschland selbst. Wenn der Kunde Wert auf seinen örtlichen Händler legt, holt man diesen gerne samt Händlerrabatt mit ins Boot. Die Maschinen führt HEN auch dann direkt vor Ort selbst vor, der Kunde kann später aber im Fall des Falles zu seiner bewährten Werkstatt in der Nähe gehen und dort auch den Service erledigen lassen.

HEN AG Geräte- und Fahrzeugtechnik
D-71711 Steinheim
Telefon (0 71 44) 8 98 75-0
Telefax (0 71 44) 8 98 75-28
www.hen-ag.de
Tobias Meyer

Auch am Unimog funktioniert die WPF200 problemlos, zusätzliches Material könnte hier einfach auf der Ladefläche mitgeführt werden.

Auch am Unimog funktioniert die WPF200 problemlos, zusätzliches Material könnte hier einfach auf der Ladefläche mitgeführt werden.


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