Magazin Landschaftspflege

Kurzumtriebsplantagen :

Gehölzstreifen schützen vor Erosion

Lohnunternehmerin Susann Skalda etabliert Agroforstsysteme auf landwirtschaftlichen Flächen und setzt für die Holzernte einen neuartigen Anbau-Mähhacker ein – Bäume „pumpen“ das Grundwasser

Kurzumtriebsplantagen: Gehölzstreifen schützen vor Erosion

Mit dem Anbau-Mähhacker des Herstellers Kluge, der auch für kleine Flächen geeignet ist, können in Kurzumtriebsplantagen stündlich bis zu 0,5 ha Energieholz abgeerntet werden.

Gleich beim ersten Blick fällt auf, dass auf dem Acker von Thomas Domin im brandenburgischen Peickwitz etwas anders ist. Während die Agrarlandschaft ringsum ziemlich aufgeräumt wirkt, ziehen sich durch sein Feld mehrere Streifen mit Robinien und Pappeln. „Die vor drei bis vier Jahren quer zur Hauptwindrichtung angelegten Gehölzstreifen verhindern Winderosion, was auf diesem Feld vorher immer ein Thema war“, berichtet der Landwirt, der auf insgesamt 300 ha mit 20 bis 25 Bodenpunkten Marktfrüchte sowie Futter für seine 25 Mutterkühe und 40 Mastschweine anbaut.

Die Wechselwirkung zwischen Acker- und Forstkulturen verringere zudem die Verdunstung und die Bäume wirkten wie eine Pumpe auf Grundwasserströme. Bei gerade mal 550 bis 570 mm Niederschlag im Jahr wirke das durchaus positiv auf den Ertrag. Dadurch werde der Flächenverlust durch die Baumstreifen, bei ihm insgesamt 7 ha, mindestens ausgeglichen. Außerdem könne er die produzierten Hackschnitzel vermarkten.

Hilfe bei der Anlage von Gehölzstreifen

Dass die Flächengestaltung an mediterranes Flair erinnert, ist kein Zufall. In einigen Gegenden Südfrankreichs etwa gehören Agroforstsysteme zum Landschaftsbild. Wissenschaftler und Praktiker, die im noch bis 2019 laufenden Forschungsprojekt „AUFWERTEN“ zusammenar- beiten, sind überzeugt, dass Agroforstsysteme zum Beispiel auch die sandigen Böden in Südbrandenburg aufwerten könn- ten – für die Umwelt als auch in Hinsicht auf die Ertragssituation der Landwirte. Neben fehlender Förderung sehen Experten als ein Haupthindernis, dass sich die Flächennutzer zwar im Pflanzenbau aber nicht mit der Aufzucht von Bäumen auskennen.

Lohnunternehmerin Susann Skalda mit Landwirt Thomas Domin nach der Ernte eines von dem Dienstleister „Schradenholz“ angelegten Gehölzstreifens auf einer Agrarfläche im brandenburgischen Peickwitz.

Lohnunternehmerin Susann Skalda mit Landwirt Thomas Domin nach der Ernte eines von dem Dienstleister „Schradenholz“ angelegten Gehölzstreifens auf einer Agrarfläche im brandenburgischen Peickwitz.

Genau darin sieht Susann Skalda ihre Marktchance. Die studierte Forstwirtin und Holztechnologin gründete 2013 das Dienstleistungsunternehmen Schradenholz. Zuvor hatte sie sich als leitende Angestellte einer großen deutschen Forstbaumschule über mehrere Jahre mit Kurzumtriebsplantagen (KUP) für die Gewinnung von Energieholz beschäftigt. Der Name „Schraden“ ist von der früher dicht bewaldeten Landschaft im Grenzgebiet von Sachsen und Brandenburg abgeleitet. Neben der Beratung von Landwirten und Kommunen zur Anlage, Pflege und Nutzung von KUP und Agroforstsystemen gehören zu ihrem Leistungsangebot Holz- erntearbeiten, Landschaftspflege sowie die Trocknung und der Vertrieb von Hackschnitzeln.

Zur Technik, die sie dafür einsetzt, gehört seit kurzem der Anbau-Mähhacker MH-130. Das Gerät entwickelte die im sächsischen Königswartha ansässige und auf Sondermaschinenbau spezialisierte Kluge GmbH in Zusammenarbeit mit dem Leibniz-Institut für Agrartechnik und Bioökonomie (ATB) Potsdam. „Die Akteure des Brandenburger Forschungsprojektes zur Anlage von Agroforstsystemen waren an uns herangetreten, weil sie auf dem Markt kein Gerät fanden, mit dem sich kostengünstig auch stärkere Stämme ernten lassen und das für den Einsatz in einzelnen kleinen KUP-Beständen ohne größeren Aufwand schnell umgesetzt werden kann“, erläutert Dr. Peter Kögler von der Firma Kluge und ergänzt: „Das war für die Konstrukteure eine große Herausforderung, da beim Abschneiden, Einziehen und Hacken stärkerer Stämme enorme Kräfte vom Anbaugerät abgefangen werden müssen“. Auf der Agritechnica 2015 habe man das Maschinenkonzept erstmals vorgestellt und den Prototyp auf der Grundlage von Tests dann bis zur Serienproduktion weiterentwickelt. Mittlerweile sei der Anbau-Mähhacker nicht nur beim Lohnunternehmen Skalda im Einsatz, das die Entwicklung von Anfang an als Praxispartner begleitet, sondern bewähre sich beispielsweise auf KUP-Flächen des Heiztechnikherstellers Viessmann und bei der Bereitstellung von Energieholz für eine Kakaofabrik des Schokoladenkonzerns Ritter Sport in Nicaragua.

Ernte von Bäumen bis 20 cm Durchmesser

Das 1,8 t schwere Gerät ist im Front- oder Heckanbau an Standardschleppern mit einer Leistung ab 180 PS nutzbar und kann in einem Pkw-Anhänger zu den Einsatzorten mit gegebenenfalls kleinen Holzernteflächen transportiert werden. „Der Einsatz ist auch an Hanglagen möglich“, sagt Mitentwickler Hendrik Spikermann vom ATB Potsdam. Die Bäume mit einem Stammdurchmesser von bis zu 20 cm bei Weichholz (Pappel, Weide) bzw. bis zu 15 cm bei Hartholz (Robinie) werden von dem 1.300 mm großen Sägeblatt bei einer Drehzahl von 1.000 U/min stehend abgesägt und anschließend sofort von zwei bzw. vier Messern gehackt. Dadurch ist kein Vorspannen der Bäume nötig und es werden Beschädigungen im Wurzelbereich vermieden. Die Hackschnitzelgröße ist von G30 (fein) über G50 (mittel) bis G100 (grob) variabel einstellbar.

Blick in die Mäh-Hack-Einheit des Anbaugerätes für die Energieholz- ernte. Nach dem Abschneiden mit dem Sägeblatt werden die Stämme sofort auf die gewünschte Länge gehäckselt.

Blick in die Mäh-Hack-Einheit des Anbaugerätes für die Energieholz- ernte. Nach dem Abschneiden mit dem Sägeblatt werden die Stämme sofort auf die gewünschte Länge gehäckselt.

Bei Arbeitsgeschwindigkeiten zwischen 5 und 7 km/h beerntet das Gerät, das in der Standardausführung 65.000 Euro kostet, nach Aussage des Herstellers etwa einen halben Hektar KUP-Fläche pro Stunde. Die Ernteleistung der Mäh-Hack-Einheit an Frischmasse wird mit 40 bis 50  t/h angegeben.

Neben dem Anbau-Mähhacker setzt das Lohnunternehmen Skalda verschiedene Spezialmaschinen für die Holzernte und Landschaftspflege ein. Dazu gehört ein Bagger mit Woodcracker vom Hersteller Westtech. Der hydraulische Holzschneidkopf kann einzelne Bäume bis zu einer Stärke von 50 cm entnehmen. „Der Woodcracker hat erst kürzlich bei der Beräumung von Waldbrandflächen nahe Berlin gute Arbeit geleistet“, berichtet Susann Skalda. Stämme mit einem Durchmesser von bis zu einem Meter werden in einem Forstgroßhacker von Willibald zu Hackschnitzeln verarbeitet. Für den Transport und die weitere Aufbereitung des Brennstoffs stehen ein Schubboden-Lkw und Trocknungscontainer zur Verfügung.

Im Rahmen des Forschungsprojektes ist die 37-jährige, die auch als Geschäftsführerin im Verein Biomasse Schraden e. V. fungiert, als Praxispartner an der Entwicklung einer durch Sensoren gesteuerten und dadurch sehr energieeffizienten Kaltbelüftungstrocknung beteiligt. Die neue Trocknungstechnologie nutzt die bei den anfangs noch feuchten Hackschnitzeln entstehende Wärmeentwicklung. Über Lüftungsschächte wird die Feuchtigkeit mit Unterstützung von Ventilatoren abgeführt.

Vor allem auf trockenen und leichten Standorten können Agroforstsysteme die Erträge erhöhen und durch die zusätzliche Nutzung des Energieholzes den Verlust an Ackerfläche mehr als ausgleichen.

Vor allem auf trockenen und leichten Standorten können Agroforstsysteme die Erträge erhöhen und durch die zusätzliche Nutzung des Energieholzes den Verlust an Ackerfläche mehr als ausgleichen.

Dieser Baum hätte bei der Ernte mehr als doppelt so stark sein dürfen. Der Anbau-Mähhacker MH-130 erntet Stämme mit einem Durchmesser von bis zu 20 cm.

Dieser Baum hätte bei der Ernte mehr als doppelt so stark sein dürfen. Der Anbau-Mähhacker MH-130 erntet Stämme mit einem Durchmesser von bis zu 20 cm.

Die Kluge GmbH sucht für den Anbau-Mähhacker MH-130 Ver- triebspartner. Anfragen dazu beantwortet Dr. Peter Kögler, Telefon (03 51) 84 72 25 00, p.koegler@kluge-gmbh.de


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