Magazin Neuheiten

Kurz-Test – LS Mtron :

Koreanische Qualitätschmiede

LS-Mtron baut derzeit sein Händlernetz im D-A-CH-Gebiet auf. Wir haben uns mit dem Importeur unterhalten und mit der neuen MT1-Serie gemäht.

Kurz-Test – LS Mtron: Koreanische Qualitätschmiede

Auch im sehr hohen, groben Bewuchs hatte der MT1.25 keinerlei Schwierigkeiten.

Die Firmenstruktur um LS Traktoren in Deutschland wirkt auf den ersten Blick etwas verwirrend, das Ganze hat aber durchaus seinen Sinn: LS selbst ist ein indus- trieller Mischkonzern, bereits 1977 startete man die Traktoren-Produktion in Kooperation mit dem damaligen Fiat-Konzern (heute CNH). Bis 2005 lief alles noch unter dem Namen des bekannten Elektronik-Konzern LG, aufgrund des Wachstums von über 30 % pro Jahr lagerte man den Traktoren- und Gerätebereich in die dafür gegründete Firma LS Mtron aus. Ein Jahr später nahm man ein neues Werk in Betrieb, wo derzeit jährlich 20.000 Traktoren produziert werden. Der Hersteller ist inzwischen Marktführer in Südkorea. In den USA verdeutlicht die jährliche EDA-Umfrage, mit welchen Herstellern die dortigen Händler die beste Zusammenarbeit erfahren: In den letzten drei Jahren landete LS auf Platz eins der Traktorenhersteller. Anmerken muss man allerdings, dass Full-Liner dabei in einer gesonderten Kategorie laufen, hier lag 2017 John Deere ganz vorne. Aufgrund der starken Nachfrage in den USA baute LS ein neues Werk in North Carolina und will so bis 2020 die weltweite Produktion auf 50.000 Traktoren steigern.

Seit zwei Jahren mit Hanwha

Den Import nach Deutschland, Österreich und in die Schweiz übernimmt seit zwei Jahren die Hanwha Gruppe. Mit einer über 60-jährigen Firmengeschichte zählt sie zu den größten Konzernen Südkoreas und kann auch in Europa als finanzstarker Partner auftreten. Gerade hier liegt der große Unterschied eines wirklichen Wirtschaftskonzerns zu klassisch mittelständischen Importeuren in Deutschland: „Wir können mit LS auf Augenhöhe kommunizieren. Wenn wir regionale, marktspezifische Änderungen benötigen, hört man uns zu. Ein kleiner Importeur dagegen hat es hier schwer, seine Forderungen durchzusetzen“, erklärt Ryan Oh, Manager der Sales Division von Hanwha Europe.

Bildergalerie zu diesem Artikel

Koreanische Qualitätschmiede

Zur Bilder-Galerie

Aber selbst für einen in Solarenergie, Luftfahrt und Chemieindustrie erfahrenen Konzern wie Hanwha mit 60 Mrd. US-Dollar Umsatz ist ein komplett neuer und unbekannter Markt schwierig in kurzer Zeit zu erschließen. Daher hat man sich einen Partner gesucht, der den Markt kennt: Die TTC GmbH bei Nürnberg ist auf Kleintraktoren spezialisiert und arbeitet bereits seit 2010 mit LS-Mtron zusammen. Hier entwickelt man das Zubehör- und Anbaugeräteprogramm für den europäischen Markt, ebenso wurde ein Maschinen- und Ersatzteillager geschaffen. Um auf die sehr unterschiedlichen Markt- und Kundenanforderungen – gerade im professionellen Sektor – schnell und effizient reagieren zu können, werden die LS-Traktoren sowie Zubehör- und Anbaugeräte aus Europa direkt bei TTC montiert und für die Übergabe an den Endkunden fertiggestellt.

Da in den bisherigen Märkten in Asien und den USA selten Kabinen nachgefragt wurden, diese in Europa aber vor allem im Winterdienst oder bei schlechtem Wetter gewünscht sind, lässt Hanwha Kabinen mit Heizung extra für den europäischen Markt in Polen fertigen, angebaut werden sie bei TTC. Das neueste Modell – später mehr dazu – und auch der derzeit größte hierzulande angebotene Traktor XR50 werden mit eigenem optionalem Fahrerhaus angeboten – die Wünsche wurden in Südkorea bereits erhört. Ebenso hat LS die hauseigenen Frontlader mit einer hier üblichen Parallelführung ausgerüstet und die Schnellkuppler mit Skid Steer kompatibel zu anderen europäischen Herstellern wie Stoll gemacht. „Durch unseren Rundum-Service kann sich der Händler auf das Verkaufen konzentrieren, muss vor der Auslieferung keine Werkstattstunden einplanen und auch keine Anbaugeräte zusammenstellen und adaptieren“, verdeutlicht Oh.

LS zur klangvollen Marke machen

Den Sprung nach Europa begann man bewusst mit den Kleintraktoren, da bei Landwirtschaftstraktoren hierzulande meist auf bekannte Marken gesetzt wird. Bei kleineren Investitionen seien Kunden aber eher bereit, auch einmal neue Marken auszuprobieren. Daher will Hanwha den Namen LS über Qualität etablieren und neue Kunden vorerst nur im Kleintraktorensegment gewinnen. Später sollen dann auch die größeren Serien in Europa eingeführt werden, im koreanischen Programm knackt die XP7-Serie schon die 100-PS-Marke. Ebenso spekuliert der Hanwha Konzern darauf, künftig über das aktuell noch im Aufbau befindliche Händlernetz auch weitere Produkte vertreiben zu können: Aktuell arbeitet LS in einem Pilotprojekt mit LG etwa an Mährobotern und anderen Geräten.

Winterdiensttraktoren für 39 Euro pro Tag

Kürzlich orderte die Stadt Nürnberg 16 Traktoren für ihre Winterdienstflotte. Der Clou dabei: Die Maschinen wurden lediglich für die fünf betreffenden Monate im Jahr gemietet. Jeder der J27-Traktoren samt Ausrüstung kostet etwa 39 Euro pro Tag. Diesen Service bietet Hanwha allen Kunden: „So kann ein Betrieb nicht nur kurz eine Maschine testen, sondern eine ganze Flotte über eine komplette Saison“, erklärt Oh. „Sind die Fahrer und auch die Vorgesetzten mit Leistung und Wirtschaftlichkeit zufrieden, kann man die Maschinen jederzeit auch kaufen.“ Während der Sommermonate werden die Traktoren mit passender Technik für Grünland oder Kehrdienstleistungen ausgerüstet und an andere Interessenten vermietet. „So können wir einen breiteren Kundenstamm aufbauen und kommen schneller in den Markt“, hofft Oh.

Extrem lange Garantiezeit

Hanwha gibt zudem drei Jahre bzw. maximal 1.000 Betriebsstunden Garantie auf die Traktoren: „Das macht neben uns keiner. Wir wollen damit zeigen, dass wir unseren Produkten voll vertrauen und uns klar von Billigmarken aus Asien abheben“, erklärt Oh.

Seiner Ansicht nach setzen viele professionelle Anwender eher auf Langlebigkeit und guten Service als auf Kampfpreise. Aber auch Privatkunden wie Pferdehöfe oder Hobby-Waldbesitzer setzen immer mehr auf die wendigen und leicht zu bedienenden Kleintraktoren.

Potential sieht man hier auch für die neu vorgestellte MT1.25-Serie, sie ist auch auf der GaLaBau in Nürnberg zu sehen. Wir haben im Mäheinsatz bereits ein paar Runden gedreht. Die Maschinen verfügen über einen flachen Boden ohne Getriebetunnel, was einen bequemen Aufstieg ermöglicht. Der Grammer-Sitz ist komfortabel und mit Armlehnen ausgestattet, für Heckarbeiten kann er gedreht werden. Außerdem sind sämtliche Einstellungen vom Fahrersitz aus vornehmbar, etwa die Schnitthöhe des 152 cm-Zwischenachsmähwerks. 25 PS aus drei Zylindern spendiert der japanische Yanmar Dieselmotor (Tier 4), wodurch wir auch im dichtesten, weit über die Motorhaube ragenden Gras keine Probleme hatten. Mit angehobenem Zwischenachsmähwerk bot der Traktor noch immer 15 cm Bodenfreiheit, was im unebenen Gelände sehr hilfreich war, ebenso der Allradantrieb. Auch ein Frontlader mit 400 kg Hubkraft oder ein Heckbagger mit 3,6 m Reichweite stellen kein Problem für den Koreaner dar. Einziges Manko: Die Fahrgeschwindigkeit der MT1-Serie beträgt nur 15 km/h. Wer schneller unterwegs sein will, da größere Strecken bewältigt werden müssen, kommt an der etwas stärkeren J-Serie mit 24 km/h nicht vorbei – diese schnelle Variante wird übrigens ebenfalls speziell für die Europäer gebaut. Das Ausstattungsprogramm dagegen lässt keine Wünsche offen, da TTC selbst über 800 Geräte – alle Arbeitsbreiten und Varianten addiert – im Katalog führt: Neben vielfältiger Mähtechnik samt Grasaufnahme und Ballenpresse sind auch Bodenbearbeitung inklusive Drehpflug und Scheibenegge, Sätechnik – speziell für Rasen – Kehrmaschinen, Schneeschild und -fräse sowie Streuer oder auch Spezialequipment für die Pferdewirtschaft sowie Forst- und Brennholztechnik zu haben.


Bildergalerie zu diesem Artikel

Koreanische Qualitätschmiede

Koreanische Qualitätschmiede Zur Bilder-Galerie

Diesen Artikel bewerten

Diskutieren Sie mit

blog comments powered by Disqus