Die Schilf-Glasflügelzikade (Pentastiridius leporinus) stellt eine zunehmende Gefahr für die deutsche Landwirtschaft dar. Das Insekt überträgt bakterielle Erreger wie Candidatus Arsenophonus phytopathogenicus und Candidatus Phytoplasma solani, die Krankheiten wie das Syndrom der niedrigen Zuckergehalte (SBR) und die Stolbur-Krankheit auslösen. Diese Krankheiten führen zu erheblichen Ertrags- und Qualitätsverlusten in Kulturen wie Zuckerrüben, Kartoffeln und verschiedenen Gemüsesorten.
Ausbreitung in Deutschland
Die Schilf-Glasflügelzikade wurde ursprünglich in Frankreich beobachtet und hat sich seit den 1990er Jahren kontinuierlich nach Norden ausgebreitet. In Deutschland sind besonders die südlichen und mittleren Regionen betroffen. Im Jahr 2023 waren bereits rund 60.000 Hektar Zuckerrübenfläche von SBR betroffen, und 2024 stieg die Zahl auf 75.000 Hektar an, was nahezu 20 % der gesamten deutschen Zuckerrübenanbaufläche entspricht. Auch der Kartoffelanbau ist betroffen, wobei im Jahr 2023 rund 8.000 Hektar geschädigt wurden. Zudem wurden Infektionen in weiteren Kulturen wie Karotten, Roter Bete und Zwiebeln festgestellt.
Die Krankheiten, die durch die Zikade übertragen werden, äußern sich in Symptomen wie allgemeiner Vergilbung der Pflanzen, Verbräunung der Gefäßbündel und deformierten Knollen bei Kartoffeln. Diese Schäden führen zu erheblichen Einbußen. Bei Zuckerrüben sinkt der Zuckergehalt um 2–7 %, was die Wirtschaftlichkeit des Anbaus beeinträchtigt. Bei Kartoffeln wurden Ertragsausfälle von bis zu 50 % registriert. Die Ausbreitung der Zikade gefährdet somit die Existenz vieler landwirtschaftlicher Betriebe und hat weitreichende Folgen für die gesamte Wertschöpfungskette.
BEkämpfungsmassnahmen
Die Bekämpfung der Schilf-Glasflügelzikade gestaltet sich aufgrund ihres langen Flugzeitraums von Mai bis September und ihrer Anpassungsfähigkeit als schwierig. Der Einsatz von Insektiziden zeigt aufgrund der Mobilität der Zikade und des Fehlens spezifischer Mittel nur begrenzte Erfolge.
Alternative Ansätze zur Bekämpfung umfassen:
- Anpassung der Fruchtfolge: Der Anbau von Winterweizen nach Zuckerrüben wird vermieden, da beide Kulturen als Wirtspflanzen dienen und somit den Entwicklungszyklus der Zikade unterstützen.
- Bodenbearbeitung: Gezielte Maßnahmen zur Reduktion der im Boden lebenden Nymphenpopulationen helfen, die Schädlingsdichte zu verringern.
- Forschung und Züchtung: Die Entwicklung resistenter oder toleranter Sorten sowie die Erforschung biologischer Bekämpfungsmethoden, wie der Einsatz natürlicher Feinde, sind wesentliche Ansätze.
- Pflanzenstärkung: Der Einsatz von Pflanzenstärkungsmitteln trägt zur Erhöhung der Widerstandsfähigkeit der Pflanzen gegenüber den übertragenen Erregern bei.
Zusätzlich unterstützen staatliche Institutionen und Forschungseinrichtungen Projekte zur Erforschung effektiver Maßnahmen und neuer Pflanzenschutzmittel.
Bundesländer schlagen Alarm
Die Länder fordern Maßnahmen zur Bekämpfung der Schilf-Glasflügelzikade. Die Amtschefkonferenz (ACK) hat den Bund gebeten, bereits für die Saison 2025 eine Notfallzulassung wirksamer Pflanzenschutzmittel sicherzustellen. Zudem sollen die Rahmenbedingungen für die Entwicklung und reguläre Zulassung von Pflanzenschutzmitteln verbessert werden. Auf europäischer Ebene soll sich der Bund dafür einsetzen, dass die Möglichkeiten des Schutzes vor Schaderregern voll ausgeschöpft werden. Dringend geboten sei es, chemisch-synthetische Wirkstoffe zu erhalten und notwendige Bausteine wie moderne Pflanzenschutz- und Züchtungsverfahren verfügbar zu machen.
In ihrem Beschluss zeigen sich die Amtschefs der Länderagrarministerien besorgt über die möglichen Schäden, insbesondere bei Zuckerrüben sowie Kartoffeln und anderen Gemüsekulturen. Befürchtet werden massive Verluste nicht nur für Anbauer, sondern auch die verarbeitende Industrie und damit die Selbstversorgung mit pflanzlichen Nahrungsmitteln in Deutschland insgesamt. Es sei daher dringend erforderlich, kurzfristig effektive und nachhaltige Lösungen zum Schutz der Kulturen vor der Schilf-Glasflügelzikade zu erarbeiten, heißt es in einem ACK-Beschluss Mitte Januar.















