Kotte Landtechnik - Auch in Frankreich fährt man jetzt Garant

Neues Betriebsgelände eingeweiht und stabiler Umsatz für 2020 erwartet: Dr. Stefan Kotte, Geschäftsführer von Kotte Landtechnik, über Digitalisierung, Umsatzentwicklung und Zukunftspläne des Unternehmens

Kotte Landtechnik: Auch in Frankreich fährt man jetzt Garant

Mit der „Moorflitzer“-Bereifung bis zu 42 Zoll kann auch bei extrem schwierigen Bodenverhältnissen Gülle ausgebracht werden.

Kotte Landtechnik: Auch in Frankreich fährt man jetzt Garant

Dr. Stefan Kotte: „Vielleicht können wir die Vorjahreszahlen noch toppen.“ Kotte

Die Betonmischer und Baumaschinen haben den Platz geräumt, dafür stehen nagelneue Garant Güllewagen in Reih und Glied – jeder bereit zur Übergabe an den Kunden: Seit Ende Juni ist das erweiterte Betriebsgelände der Firma Kotte mit 4.000 Quadratmetern Ausstellungsfläche sowie zusätzlichen Parkplätzen fertiggestellt. Der Ausbau des Standortes war notwendig, da die Zahl der Mitarbeiter in den letzten Jahren stetig wuchs. Auf der deutlich vergrößerten Ausstellungsfläche werden Neufahrzeuge präsentiert. Zudem soll die Übergabe von Maschinen an den Kunden im Werk deutlich optimiert werden. Eine weitere Expansion habe man in der Planung bereits berücksichtigt, so Geschäftsführer Dr. Stefan Kotte (49): „Die für den Bau einer weiteren Montagehalle nötigen Anschlüsse, wie z.B. Wasser, sind zwar schon vorhanden, die Pläne liegen aber noch in der Schublade.“

Das Unternehmen beschäftigt aktuell am Standort im niedersächsischen Rieste 135 Mitarbeiter. Der Hersteller liefert pro Jahr rund 500 Fässer aus – ein Fünftel davon entfällt auf die Transporttechnik, wie beispielsweise Tankanhänger. Die Exportquote schätzt der Unternehmer auf 15 bis 20 Prozent. Davon gehen die meisten Maschinen nach Osteuropa, aber auch in die Schweiz und nach Österreich. Stolz berichtet Dr. Kotte, dass nun auch das erste Garant-Güllefass nach Frankreich ausgeliefert wurde.

Für das Jahr 2019 gibt das Unternehmen einen Umsatz von rund 50 Mio. Euro an und Dr. Kotte rechnet mit mindestens einer konstanten Entwicklung für das Jahr 2020: „Vielleicht können wir die Vorjahreszahlen dieses Jahr sogar noch toppen.“

Wie schätzt der Unternehmer den Umsatzeffekt durch die zeitlich begrenzte Mehrwertsteuersenkung in diesem Jahr ein? „Einige Kunden haben die für Juni geplanten Käufe in den Juli verschoben. Ebenso gehen wir für den Dezember von vorgezogenen Käufen für das nächste Jahr aus.“

Für dieses Jahr zeigt man sich insbesondere mit dem Geschäft der Schleppschuh- bzw. -schlauch-Verteiler zufrieden. Dr. Kotte führt dies auf das Inkrafttreten der Düngeverordnung und die höheren Anforderungen an Applikationstechniken zurück. „Eine verlustarme und noch effizientere Ausbringung mit insgesamt besserer Technik wird durch neue Verordnungen immer wichtiger.“ Werden aus diesen Gründen auch mehr Fässer mit NIR-Sensoren nachgefragt? Laut Dr. Kotte wird diese Technik bisher noch selten verkauft. Es fehle auch an einer einheitlichen europäischen Norm für das Gerät, die eine rechtssichere Analyse zulässt.

Kotte Landtechnik arbeitet seit nunmehr einem Jahr mit der BayWa zusammen – wie ist das Resümee? „Ich bin mit der Entscheidung für eine zukunftsträchtige Zusammenarbeit sehr zufrieden. Wir decken nun zusätzlich das Gebiet Bayern, Sachsen und Baden-Württemberg ab, und im ersten Jahr haben wir bereits 50 Güllewagen über die BayWa verkauft.“ Jedes Geschäft wird begleitet – von der Angebotserstellung bis hin zu Serviceanfragen. Der Hersteller arbeitet weiterhin mit mehreren Händlern zusammen, die starke Filialen haben und somit große Gebiete abdecken. Die sieben Kotte-Vertriebsmitarbeiter werden fast bei jedem Geschäft einbezogen und begleiten den Verkauf.

„Nach wie vor sind die Einachs- und Tandem-Güllewagen besonders gefragt – bei dem Tridem-Güllewagen ist der Bedarf geringer. Allerdings wird insgesamt mehr Volumen gefordert und wir beobachten auch eine Tendenz zu Selbstfahrern“, so Dr. Kotte.

Und wie sieht es mit der eigenen Abgrenzung zum Wettbewerb aus?

„Auf der einen Seite fertigen wir ein Standardprodukt. Auf der anderen Seite ermöglichen wir bei den Fässern auch ein hohes Maß an Individualisierung.“ So bietet das Unternehmen die Güllefässer im Baukastenprinzip an. Viele Komponenten sind frei vom Kunden konfigurierbar. Das Unternehmen fährt bei den Zulieferern eine „klare Linie“ und baut auf Geschäftsbeziehungen z.B. mit Walterscheid für Kupplungen/Gelenkwellen, Bomech für Schleppschuhtechnik und der Firma BPW für Fahrwerke/Triebachsen. Die aktuelle Lieferzeit für ein neues Fahrzeug beträgt sechs bis acht Monate.

Auch „smarte“ Technik

Weiterhin arbeitet Kotte in mehreren Abteilungen an „smarter“ Technik. So testete der Hersteller zusammen mit der Fachhochschule Osnabrück das Modell einer Datenbrille. Die Technik der VR/AR-Brillen soll in zwei Bereichen helfen: „In der Werkstatt mit einer Reparaturanleitung direkt auf der Brille und somit im unmittelbaren Sichtfeld des Mechanikers. Und im Vertrieb, um den Kunden ein individualisiertes Produkt auch visualisieren zu können“, so Dr. Kotte.

Für den September ist die Systemumstellung auf SAP Business One geplant, da in dieser Software u.a. auch ein Produktkonfigurator enthalten ist. Ebenfalls soll die Angebotserstellung erleichtert und der „hohe Beratungsbedarf und Abstimmungsprozess systemseitig unterstützt werden.“

Auch die Isobus-Steuerung ist ein Schwerpunkt der Entwicklung. So stellte Kotte Landtechnik die eigene Steuerung Go Control Iso auf der letzten Agritechnica vor: „Das Produkt wurde bereits ausgeliefert und besticht vor allem durch ein sehr intuitives User-Interface. Durch die AEF-Zertifizierung können wir ein hohes Maß an Konnektivität sicherstellen.“

Stefan Kotte erwartet im Vorfeld des Jahres 2025 durch den Beschluss der streifenweisen Ablage auf dem Grünland den nächsten Nachfrageschub an Gülletechnik. Auch die Richtlinie über nationale Emissionshöchstmengen für bestimmte Luftschadstoffe (NEC-Richtlinie) oder eine unmittelbare Einarbeitungspflicht helfen dem Geschäft: „Ich gehe davon aus, dass Gesetze und Verordnungen zu einem der stärksten Wachstumstreiber in den nächsten Jahren gehören werden. Das haben wir bereits durch die Düngeverordnung in diesem Jahr gemerkt.“ Der Unternehmer will sich dennoch nicht nur von den politischen Tendenzen abhängig machen. So plane man, sich zu einem „echten Fullliner“ im Bereich der Gülletechnik zu entwickeln, den Exportanteil weiter zu erhöhen und sich stärker zu diversifizieren – nicht nur am heimischen Markt. „Wir arbeiten stark daran, die Technik zur Ausbringung immer genauer und intelligenter zu machen.“

Was ist darunter genau zu verstehen? Stefan Kotte grinst verschmitzt, will sich aber nicht in die Karten schauen lassen: „Verraten wird noch nichts. Ich sage nur so viel: auf der Deluta im Dezember fällt der Vorhang.“

Kotte Landtechnik: Auch in Frankreich fährt man jetzt Garant

Die Fässer erlauben einen hohen Grad der Individualisierung.

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Erweitert um 4.000 Quadratmeter: Das Kotte Betriebsgelände in Rieste. Das Unternehmen liefert jährlich rund 500 Fasswagen aus.

Kotte Landtechnik – Zweites Standbein ist der Handel

Neben der Gülletechnik ist der Landmaschinenhandel das zweite Standbein des Unternehmens. Dort sind 20 Mitarbeiter beschäftigt. Der Marktanteil für den Bereich Traktoren liegt im Vertriebsgebiet nach Unternehmensangaben bei zehn Prozent. Das Sortiment umfasst Schlepper und Mähdrescher von Case IH, Fütterungstechnik von Mayer Siloking und Pöttinger für Bodenbearbeitung und Futterernte. Neu im Programm ist Schäffer für den Bereich Logistik.

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