Magazin Wirtschaft

Konjunkturbarometer Agrar :

Stimmung der deutschen Landwirte sinkt weiter

Nur 17 Prozent der befragten Landwirte wollen in den kommenden sechs Monaten in Maschinen investieren

Konjunkturbarometer Agrar: Stimmung der deutschen Landwirte sinkt weiter

Im Rahmen der Eröffnungspressekonferenz zur Internationalen Grünen Woche (IGW) am 15. Januar präsentierte der Präsident des Deutschen Bauernverbandes, Joachim Rukwied, die aktuellen Ergebnisse des Konjunkturbarometer Agrar für den Monat Dezember. Demnach hat sich die Stimmungslage der deutschen Landwirte noch weiter verschlechtert. Mit einem Indexwert von nur 8,2 Punkten wird die Lage sehr ungünstig beurteilt. Bereits in den vorangegangenen Erhebungen im März, Juni und September 2019 hatte sich die Stimmungslage in der deutschen Landwirtschaft eingetrübt. Der Indexwert fasst die Einschätzung der aktuellen wirtschaftlichen Entwicklung und die Erwartungen an die zukünftige wirtschaftliche Entwicklung zusammen. Während die aktuelle wirtschaftliche Situation gegenüber September nahezu unverändert beurteilt wird, haben sich die Erwartungen an die zukünftige wirtschaftliche Entwicklung weiter deutlich verschlechtert und mit einem Wert von 3,34 auf der Notenskala von 1 bis 5 einen bislang noch nicht gekannten Tiefstwert erreicht.

Unsichere Rahmenbedingungen

„Neben einer schwierigen wirtschaftlichen Lage belegen diese Ergebnisse vor allem eine hochgradige Verunsicherung in der Landwirtschaft. Wir Bauern sind Unternehmer. Jeder, der etwas unternehmen will, braucht verlässliche Rahmenbedingungen, um Zukunftsinvestitionen tätigen zu können. Darauf muss die Politik ausgerichtet werden“, kommentiert Bauernpräsident Rukwied die Zahlen des aktuellen Konjunkturbarometers.

Die Investitionsplanungen der Landwirte für die kommenden sechs Monate liegen unter dem Vorjahreswert. Nur 33 Prozent der Landwirte wollen in dieser Zeit investieren. Das für die nächsten sechs Monate geplante Investitionsvolumen liegt mit 3,8 Milliarden Euro um 0,5 Milliarden Euro unter dem entsprechenden Vorjahresstand. Rückläufig sind vor allem Investitionen in Wertschöpfung schaffende und Tierwohl fördernde Ställe. Einschließlich Hof- und Stalltechnik sind hierfür im nächsten halben Jahr nur 2,0 Milliarden Euro an Investitionen vorgesehen. Das sind im Jahresvergleich 0,3 Milliarden Euro weniger. Die beabsichtigten Investitionsvolumina in Maschinen und Geräte sowie Erneuerbare Energien dagegen liegen bei einem unveränderten Volumen von zusammen 1,7 Milliarden Euro. Allerdings wollen nur noch 17 Prozent der befragten Landwirte in Maschinen und Geräte investieren.

„Wenn nur noch jeder dritte Landwirt in die Zukunft investieren will, spiegelt das die äußerst schwierige wirtschaftliche Situation wider,“ so Rukwied zu den Ergebnissen der repräsentativen Umfrage.

Die Liquidität der Betriebe hat sich seit September zwar kaum verändert, fällt aber im Jahresvergleich deutlich schlechter aus. In Futterbaubetrieben und in Betrieben im Osten Deutschlands ist die Liquiditätslage besonders häufig angespannt.

Auf der Notenskala von 1 bis 5 wird die aktuelle wirtschaftliche Situation im Durchschnitt der Betriebe mit 3,13 etwas weniger ungünstig beurteilt als die künftige Entwicklung mit einem Wert von 3,34. Während die Einschätzung der aktuellen wirtschaftlichen Situation in den Veredlungsbetrieben gegenüber September durch die globalen Marktentwicklungen infolge der in Südostasien grassierenden Afrikanischen Schweinepest besser ausfällt und in den Ackerbaubetrieben nahezu unverändert bleibt, fällt die Lagebeurteilung in den Futterbaubetrieben schlechter aus. Die Zukunftserwartungen hingegen haben sich in allen Betriebsformen weiter verschlechtert. Der Anteil der Pessimisten ist mit 38 Prozent spürbar höher als der Anteil der Optimisten mit 9 Prozent.

Vor allem die Entwicklung der Schweinepreise hatte in den letzten Monaten einen positiven Einfluss auf die aktuelle Stimmungslage in der Landwirtschaft. Einen dämpfenden Einfluss auf die Beurteilung der aktuellen wirtschaftlichen Situation hatten dagegen die gestiegenen Futtermittel- und Energiepreise. Vor allem werden die politischen Einflussfaktoren wie die nationale und die EU-Agrarpolitik sowie die Wettbewerbsverhältnisse in der EU deutlich schlechter beurteilt. Diese Einflussfaktoren werden absolut gesehen in etwa so negativ beurteilt wie die Pachtpreise, von denen bislang der negativste Einfluss ausging.

Im Vergleich zum Dezember des Vorjahres werden die Preisentwicklungen bei Getreide, Milch, Rindern und Strom sowie der Einfluss der Agrarpolitik deutlich schlechter beurteilt. Positiven Einfluss auf die Stimmungslage haben im Jahresvergleich die Preisentwicklungen bei Schweinen, Futter- und Düngemitteln.

Das Konjunktur- und Investitionsbarometer Agrar wird vierteljährlich im Auftrag des DBV, des VDMA Fachverbandes Landtechnik und der Landwirtschaftlichen Rentenbank in einer repräsentativen Umfrage ermittelt. Zur aktuellen Runde im Dezember 2019 befragte dazu das Marktforschungsinstitut Produkt + Markt 1.500 Landwirte in ganz Deutschland.


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