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Die Autoren: Roland Kratz (li.), Verkaufsleitung Region Zentral (D/AT/PL/LUX) und Stefan Kiefer, Leitung Pflanzenbauinnovation, Amazonen-Werke
Nach der Bauernmilliarde, die mehrere Jahre zum überwiegenden Teil die Landtechnik förderte (besonders Düngetechnik, Hack- und Pflanzenschutztechnik), gab es im letzten Jahr eine Förderung der Rentenbank für Direktsaattechnik, und nun gibt es mal wieder eine Förderung in Niedersachsen unter anderem auch wieder von Hack- und Pflanzenschutztechnik.
Jede staatliche Förderung führt erst einmal zur Entwertung von entsprechenden Gebrauchtmaschinen. Sehr viele kleinere Betriebe, die mit einem jungen gebrauchten Gerät zurechtkämen, schauen, ob der Neukauf mit Förderung interessanter ist. Die gebrauchte Technik muss vom Handel zu geringeren Preisen vermarktet werden. Die kalkulierten Margen schmelzen dahin wie Schnee an der Sonne.
Was bezweckt die Politik eigentlich mit ihren Technik-Subventionen?
Gezielte Subventionierung von Technologien für positive Umwelteffekte wie zum Beispiel Grenzstreusysteme hatten vor Jahren noch eine Berechtigung. Heute sind moderne Systeme weit verbreitet und ohnehin vorgeschrieben. Eventuell ergibt es noch einen Sinn, gezielt kleine Betriebe in kleinen Strukturen zu fördern, da die Technik veraltet sein kann.
Eine neue Feldspritze schaltet und reinigt automatisiert und sorgt damit für „technik-bedingte“ Einsparungen, die einen gewissen Umwelteffekt haben. Diese Technologien kommen insbesondere bei den mittleren und großen Betrieben auch ohne Förderung in den Markt, da der Gewinn an Komfort und Anwendungssicherheit sehr groß ist. Auch hier könnte eine gezielte Förderung von Betrieben Sinn machen, die diese Technik noch nicht besitzen, beziehungsweise die Zusatzkosten für diese umweltrelevante Technik nicht aufbringen können. In der Regel werden aber alle gefördert.
Die finanzielle Unterstützung der Landwirtschaft wird vor allem mit der Förderung „nachhaltiger Anbausysteme“ begründet. So argumentierte die damalige Ministerin Klöckner bei der Vorstellung der Bauernmilliarde im Dezember 2020 mit der Aussicht auf „spürbare Einsparung von Dünger und Pflanzenschutzmittel“.
Die Technik allein liefert aber nur einen kleinen Beitrag zur Einsparung. Die Reduktion von Pflanzenschutz- und Düngemitteln oder auch die Reduktion der Bodenbearbeitung für den Bodenschutz (Förderung von Direktsaattechnik) gelingt nur, wenn der Praktiker die Technik auch einsetzt. Bestes Beispiel sind die Hackgeräte: Nach der Förderung stehen sie jetzt auch auf konventionellen Betrieben, die immer die Wahl haben, alternativ ein Herbizid ganzflächig einzusetzen. Der Aufwand an Arbeitszeit und die wetterbedingten ackerbaulichen Herausforderungen führen aber sehr oft dazu, dass die Geräte in der Ecke stehen und eine Reduktion des Aufwandes an Herbiziden ausbleibt. Gleiches gilt für Direktsaatmaschinen: Wenn in unserem Klimaraum Problemunkräuter, Schnecken und Mäuse die Oberhand gewinnen, die Erlöse sinken und der Grubber doch ständig im Einsatz ist, fehlt es vielleicht am ackerbaulichen Know-how und nicht an der Technik.
Eine weitere Hoffnung für Reduktion besteht in der „Digitalisierung“: Wenn denn die Maschinen kleinräumig die Mengen variieren können („Precision Farming“), wird der Landwirt bestimmt „seine Aufwandmengen an sensiblen Betriebsmitteln reduzieren“. So jedenfalls die Hoffnung der Experten in Politik und Verwaltung. Bei ackerbaulich und finanziell engen und gestressten Fruchtfolgen mit einem begrenzten Wirkstoff-Baukasten gilt allerdings die Regel „Null Toleranz“. Reduktion durch Technik passiert nur in geringstem Umfang. Precision Farming gehört je nach Standort zur „Guten fachlichen Praxis“, die der gut ausgebildete Landwirt nutzt, wenn sie denn ökonomisch-agronomischen Nutzen bringt. Auch da könnte sich der Staat weitgehend raushalten.
Wenn die Politik tatsächlich etwas bewegen will, hilft allein die längerfristige Förderung der tatsächlichen Anwendung von nachhaltigen Verfahren. Sinnvolle Konzepte wie zum Beispiel die Erweiterung der Fruchtfolgen mit Leguminosen, reduzierte kraftstoffsparende Bodenbearbeitung oder Integration von Untersaaten und Begleitpflanzen haben vielfältige positive Effekte für den Naturhaushalt und die Reduktion von Betriebsmitteln. Sie mindern aber in der Regel auch die Erlöse – sonst würde es ja heute schon jeder machen. Werden diese Konzepte langfristig gefördert, kommt die Investition in die passende Technik von ganz allein.
Noch besser würde es funktionieren, wenn Subventionen für Technik und Anwendung kombiniert werden. So könnte ein integriertes Kamera-Spot-Spraying-System (SmartSprayer) den Aufwand an Herbiziden in der Fruchtfolge reduzieren. Die volle Förderung gäbe es aber erst, wenn der Nachweis erbracht wird, dass es tatsächlich angewendet wurde.
Ähnlich dem niederländischen Modell (gemeinschaftliche Beantragung von Agrarumweltmaßnahmen) könnte der Gesetzgeber klar definierte Projekte fördern, die einen nachhaltigeren Ackerbau tatsächlich umsetzen. Die Landwirte oder vor allem auch die Gemeinschaft von Landwirten mit Lohnunternehmern oder Maschinenringen gönnt sich einen „digitalen oder ackerbaulichen Fachberater“, der mit seiner Expertise und Begleitung des Projektes das Ergebnis sicherstellt. Gerne unterstützt von einem digitalen Nachweis, welche Reduktionen von Betriebsmitteln tatsächlich erfolgt sind. Erst dann gibt es die vollständige finanzielle Unterstützung für beispielsweise den neuen SmartSprayer…
Wenn an der üblichen Förderpraxis nicht etwas geändert wird, kommen wir bald in die Situation, dass SmartSprayer-Selbstfahrer mit einem Kaufpreis von über 500.000 Euro gefördert werden, die nach fünf Jahren doch nur wenige Prozent Reduktion erreicht haben. Alternative Konzepte mit weniger Technik und mehr pflanzenbaulichen Ansätzen bringen vielleicht mehr Reduktion, werden aber kaum gefördert.
Ein Umsteuern in der Förderpolitik könnte zu einer Win-Win-Situation für alle Beteiligten führen, und vor allem würden auch die Steuergelder effektiver eingesetzt.















