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Magazin Landtechnik

KATEGORISIERUNG VON STANDARDTRAKTOREN TEIL 2 :

Der Body-Mass-Index für Traktoren

In Teil 1 im eilboten Nr. 36 präsentierte Roger Stirnimann von der HAFL Zollikofen in der Schweiz seinen Vorschlag für eine transparente Kategorisierung von Standardtraktoren. In Teil 2 gibt es mit den Angebotspaletten der führenden Hersteller die Probe aufs Exempel.

KATEGORISIERUNG VON STANDARDTRAKTOREN TEIL 2: Der Body-Mass-Index für Traktoren

Fendt-Familienbild: Nicht zu Hause war der kleine 700er, dafür noch der alte 900er zu Gast.

Nenne mir deine Merkmale und ich sage dir, wer du bist!

Nenne mir deine Merkmale und ich sage dir, wer du bist!

Zur Kategorisierung von Traktorbaureihen oder baugleichen Modellen gemäß vorliegendem Vorschlag bietet sich folgende Vorgehensweise an:

■ erste Grobzuordnung über das zulässige Gesamtgewicht (zGG)

■ wenn die zGG-Werte auf Übergängen liegen oder wenn die übrigen Kriterien nicht für die ermittelte Kategorie sprechen, mit Leergewicht und maximaler Reifengrösse an der Hinterachse weiterfahren

■ sollte dies immer noch nicht zu einem eindeutigen Ergebnis führen, zusätzlich Maximalleistung des Topmodells und Radstand betrachten.

In den nachstehenden Tabellen sind die aktuellen Traktorbaureihen von ausgewählten Herstellern mit den relevanten technischen Daten aufgeführt und nach dem vorliegenden Vorschlag kategorisiert. Tabelle 1 ist eine Wiederholung aus Heft 36.

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Die Traktorbaureihen von Fendt sind recht „homogen“ und lassen sich – mit Ausnahme der Baureihe 700 – jeweils als Ganzes einer Kategorie zuordnen, (siehe Tabelle 2). Die aktuelle 200er-Reihe passt vorbehaltlos in die Kategorie 3, für die Nachfolge-Baureihe (MY2021) wird das ebenfalls zutreffen. Nicht ganz eindeutig ist die Zuordnung beim 300er; das zGG von 8.5 t spricht auf den ersten Blick für Kategorie 4, die übrigen Kriterien weisen hingegen auf 5. Dass das zGG hier nicht ganz adäquat ist, zeigt sich auch am Nutzlast/Leergewichtsverhältnis, das mit < 0.5 wesentlich tiefer liegt als bei den darüber liegenden Baureihen mit Halbrahmen. Mit einer halben Tonne mehr zGG könnte Fendt aus den 300er Modellen „echte“ 5er machen.

Die Zuordnung der Baureihen 500 und 800 zu den Kategorien 6 resp. 9 ist recht eindeutig, etwas aus dem Rahmen fallen lediglich die kleinvolumigen Motoren. Derzeit nicht vertreten ist Fendt in den Kategorien 1, 2, 7a und 10. Die „alten“ 900er-Modelle lagen mit ihren Leergewichten von rund 11,5 t allerdings im Übergangsbereich zwischen den Kategorien 10 und 11. Die neue 900er-Baureihe wurde deutlich nach oben geschoben und es ist deshalb davon auszugehen, dass die Nachfolger der aktuellen 800er die 10er-Lücke schließen werden. Fendt ist weiterhin der einzige Hersteller, der Kategorie-12-Traktoren anbietet.

Ganz neu im 9er-Club: Serie 8 von Deutz-Fahr.

Ganz neu im 9er-Club: Serie 8 von Deutz-Fahr.

Ebenfalls neu im 9er-Club: Massey Ferguson 8S.

Ebenfalls neu im 9er-Club: Massey Ferguson 8S.

Die Angebotspalette von John Deere umfasst Traktoren der Kategorien 1 bis 11, mit zwei Lücken im unteren und mittleren Bereich (Tabelle 3). Das Modell 6135R mit 6-Zylinder-Chassis könnte in der 4-Zylinder-Topklasse mitspielen, gehört von den Hauptkriterien her aber in die Kategorie 6. Bei den vier 6M-Einstiegsmodelle (6090 – 6120M) spricht das hohe zGG von 10.45 t (optional) auf den ersten Blick ebenfalls für diese Kategorie, unter Berücksichtigung der übrigen Kriterien erweist sich letztlich aber die 5 als passend. Bezüglich zGG etwas „quer in der Landschaft“ stehen im Vergleich dazu die 6R-Modelle mit 4-Zylinder-Motoren, insbesondere der 6110R mit nur 8.95 t.

Mit der Einführung des neuen Topmodells 7R350 erhöhte John Deere das zGG bei der kompletten 7R-Baureihe auf 18 t (optional) und somit auf das Niveau der 8R. Über das Leergewicht, die Maximalleistung und den Radstand lassen sich diese zwei Baureihen aber gut auseinanderhalten (Kategorien 10 und 11).

Deutz-Fahr deckt mit dem aktuellen Modellangebot die Kategorien 1 bis 8 ab und hat mit der Serie 9 auch Kategorie 11-Traktoren im Angebot (Tabelle 4). Dazwischen klaffte bisher eine größere Lücke, die mit der neuen Serie 8 aber zumindest teilweise geschlossen wird. Die Serie 5 lässt sich der Kategorie 3 zuordnen, liegt beim zGG, beim Leergewicht und bei der Maximalleistung aber im Übergangsbereich zur Kategorie 4. Nicht ganz eindeutig ist das Bild bei der Serie 6C; mehrere Kriterien sprechen hier für die Kategorie 5, das zGG von 8 t beim Einstiegsmodell 6120 und der kleine Motor mit 3,6 l Hubraum fallen hierfür aber etwas aus dem Rahmen. Mit einem zGG von 11,5 t und einem Leergewicht von rund 7,75 t spielt die Serie 6.4 klar in der 4-Zylinder-Topliga, gewisse Vorbehalte gibt es aber auch hier wegen des kleinvolumigen Dieselmotors sowie des kurzen Radstandes.

Die Kategorie 7a ist aktuell noch dünn besiedelt, der Kubota M7003 gehört hier aber klar dazu.

Die Kategorie 7a ist aktuell noch dünn besiedelt, der Kubota M7003 gehört hier aber klar dazu.

Kandidat für die Kategorie 5: Die neue G-Serie von Valtra.

Kandidat für die Kategorie 5: Die neue G-Serie von Valtra.

Die Baureihen Elios und Atos von Claas lassen sich ohne Vorbehalte den Kategorien 1 bis 3 zuordnen, bei den Arion-Baureihen ist das Bild hingegen etwas weniger klar (Tabelle 5). Beim Arion 400 weist das zGG von 8.5 t zuerst auf Kategorie 4, die anderen Kriterien sprechen hingegen für die nächsthöhere. Claas täte ebenfalls gut daran, den 400ern eine halbe Tonne mehr zGG zu spendieren, um daraus „echte“ 5er zu machen. Auch bei den Arion Baureihen 500 und 600 passen die zGG‘s und die Leergewichte aufgrund der eher schweren Bauweise nicht so recht zueinander. Mit der Erhöhung des zGG‘s auf 15 t sind die Axion-Modelle 810 bis 870 in die Kategorie 9 aufgerückt, gehören hier aber immer noch zu den schwereren Vertretern. In der Kategorie 8 verbleibt das Modell Axion 800, da dieses aber baugleich ist, fehlen im Claas-Programm typische Kategorie-8-Modelle.

New Holland bietet Traktoren in den Kategorien 1 bis 11 an, mit Lücken bei den Kategorien 3, 7a und 9 (Tabelle 6). Die T6-Modelle basieren auf „alten“ 6-Zylinder-Chassis mit Radständen von 2,68 m, womit diese ebenfalls für die 4-Zylinder-Topklasse prädestiniert wären. Mit einem zGG von 10,5 t nutzt CNH dieses Potenzial aber nicht aus. Das Top-Modell T6.180 gehört mit seinem 6-Zylinder-Motor in die Kategorie 7b, weist ansonsten aber die gleichen Merkmale auf wie die vierzylindrigen T6-Modelle, was ihn hier zu einem ehr kompakten und leichten Vertreter macht. Die darüber liegenden Baureihen passen hingegen wieder sehr gut ins Raster, einzig die T8er kommen mit ihrem extrem langen Radstand von 3,50 m etwas „exotisch“ daher.

Das Traktorangebot von Massey Ferguson reicht ebenfalls von den Kategorien 1 bis 11, wies bisher aber Lücken in der 4-Zylinder-Mittelklasse und im Übergangsbereich zwischen 6-Zylinder-Mittelklasse und Großtraktoren auf (Tabelle 7). Letztere wird mit der neuen Baureihe 8S ein Stück weit geschlossen. Die Baureihe 6700S kann mit einem zGG von 12.5 t, einem Leergewicht von rund 7.5 t, einem Radstand von 2,67 m und dem 4.9-l-Motor mit bis zu 147 kW (200 PS) klar der Kategorie 7a zugeordnet werden. Umso größer ist damit aber die Lücke, die derzeit nach unten zur Baureihe 5700S hin besteht. Mit 500 kg mehr zGG hätte diese ebenfalls das Zeug für die Katgorie 5. Die Modelle der Baureihe 7700S sind typische Vertreter der Kategorien 7b und 8.

Ein ähnliches Bild liegt bei der Konzernschwester Valtra vor (Tabelle 8). Die A-Serien basieren bekanntlich auf den M-Baureihen, die S-Serie auf der 8700S-Baureihe von Massey Ferguson. Die N-Serie kann grundsätzlich der Kategorie 6 zugeordnet werden, die Top-Modelle liegen von der Motorisierung her aber ebenfalls im 7a-Bereich. Komplett aus dem Rahmen fällt das Einstiegsmodell N104, einerseits mit dem tiefen zGG, andererseits mit dem langen Radstand. Klar ist die Sache hingegen bei der neuen G-Serie, die sich vorbehaltlos der Kategorie 5 zuordnen lässt und die kleineren N-Modelle ablöst. Die T-Serie repräsentiert die Kategorie 8, die zwei kleinsten Modelle gehören mit ihren Leergewichten von weniger als 8 t aber zu den leichteren Vertretern.

Kubota bietet in Europa derzeit nur 4-Zylinder-Traktoren an (Tabelle 9). Die M7003-Modelle sind mit ihrem „big block“ mit 6.1 l Hubraum und zGG von 11,5 t aber typische 7a-Vertreter. Die neue Baureihe 6002M lässt sich in die Kategorie 6 einordnen. Etwas „exotisch“ kommen die größeren Modelle der Baureihe MGX-IV daher: Großer Motor, langer Radstand und trotzdem tiefes Leergewicht! Das „Gesamtbild“ spricht letztlich aber für Kategorie 5.

Etwas speziell ist das aktuelle Angebot von McCormick: In der Kompaktklasse ist dieses relativ dicht, in den beiden Mittelklassen hingegen eher dünn, mit der Baureihe X8 ist der italienische Hersteller dann aber wieder bei kompakten Großtraktoren vertreten (Tabelle 10). Mit der Umstellung der X7.4- und der kleineren X7.6-Modelle auf Abgasstufe V dürften sich gewisse Lücken aber noch schließen.

Lindner bewegt sich mit den Geotrac- und Lindtrac-Baureihen im unteren Leistungsbereich und in Nischenmärkten. Obwohl die Traktoren auf spezielle Einsatzbedingungen (v.a. anspruchsvolles Gelände) ausgelegt sind, lassen sie sich relativ klar den Kategorien 1 bis 5 zuordnen, Tabelle 11.

Abwärtskompatibilität

Der vorliegende Vorschlag ist für die Kategorisierung von aktuellen Traktorbaureihen/-modellen gedacht. Interessanterweise lassen sich damit aber auch ältere Baureihen grob zuordnen, wie aus den Tabellen 12 und 13 mit den Baureihen von Fendt und John Deere um 1995 hervorgeht. Die damaligen Top-Modelle Favorit 926 und 8400 beispielsweise lassen sich in die Kategorie 8 einreihen, die heute mit den Bestsellern Fendt 724 Vario resp. John Deere 6215R abgedeckt wird. Interessant ist auch der 4/6-Zylinder-Übergang, der damals zwischen den Kategorien 4/5 lag. Etwas größer als heute waren damit die Radstände und maximalen Reifengrößen hinten bei den Kategorien 5 und 6, weil es sich hier eben um 6-Zylinder-Traktoren handelte. Nach unten raus fallen hingegen die Leergewichte, was aber primär daran liegt, dass hinter den Tabellenwerten Prospektangaben stehen. Nichtsdestotrotz dürften die Traktoren damals eher leichter gewesen sein, u.a. wegen der einfacheren Motortechnik (keine Abgasnachbehandlungssysteme) und den weniger „üppigen“ Grundausstattungen (Federungssysteme, Klimaanlagen usw.).

Zusammenfassung

Mit diesem Beitrag wird ein Kategorisierungsraster für Standardtraktoren vorgestellt und anhand von konkreten Beispielen durchgespielt. Ein Großteil des Marktangebotes lässt sich relativ klar den definierten Kategorien zuordnen. Egal wie die Wertebereiche bei solchen Rastern festgelegt werden, es wird immer Beispiele geben, die auf den Übergängen liegen oder nicht ganz ins Bild passende Merkmale aufweisen. Letztlich handelt es sich bei diesem Raster aber um einen Vorschlag, über welchen man diskutieren kann.


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