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Agritechnica meets Oktoberfest

Das Karpfhamer Fest ist traditionell das bayerisch-österreichische Feierfest, eben: „Oans wia koans“. Das erlebten bei Traumwetter die über 400.000 Festgäste und Ausstellungsbesucher, und ließen bei Festwirten und Schaustellern die Kassen klingeln und bei den Ausstellern die Auftragsbücher füllen. Jan-Hinrich Löken war das erste Mal als Standpersonal auf dem Karpfhamer Fest eingesetzt. Lesen Sie, wie der Norddeutsche seine Premiere auf der Rottalschau erlebte.

Karpfhamer Fest/Rottalschau: Agritechnica meets Oktoberfest

Die Rottalschau bietet Landtechnik für süddeutsche Strukturen. Jan-Hinrich Löken (unten) war das erste Mal als Aussteller dabei.

Von Jan-Hinrich Löken

Aktualisiert am

Karpfhamer Fest/Rottalschau: Agritechnica meets Oktoberfest

Für mich als norddeutscher „Fischkopp“ war die Rottalschau in Karpfham bisher nicht mehr als irgendein landwirtschaftliches Ereignis in Süddeutschland. Ich ging davon aus, dass es sich dabei um eine Veranstaltung wie die Tarmstedter Ausstellung oder die MeLa in Mühlengeez handelt. In diesem Jahr wurde ich eines Besseren belehrt.

Mal ganz abgesehen davon, dass die Rottalschau mehr als 400.000 Besucher anzieht, zeigt die erstaunliche Menge von rund 620 Ausstellern aus den unterschiedlichsten Branchen, dass Karpfham auch überregional eine große Strahlkraft hat. Was weiter auffällt, ist die breite Präsenz der Global Player auf dem Ausstellungsgelände. Ob Grimme, Amazone, John Deere, Claas oder CNH, alles was Rang und Namen hat, ist hier entweder über einen Händler oder aber häufig direkt mit einem Stand vertreten. Dazwischen tummeln sich allerhand regionale Firmen, um ihre Innovationen an den Mann respektive die Frau zu bringen.

Natürlich lockt auch das Karpfhamer Fest mit seinen Attraktionen und Festzelten die Leute an. Ein Riesenrad, welches schon auf Kilometer Entfernung zu sehen ist und das gesamte Ausstellungsgelände überragt, sorgt bei der Fahrt für einen atemberaubenden Blick über diese quirlig bunte Veranstaltung. Eine Achterbahn und ein Looping sorgen dafür, dass auch die Freunde des Adrenalins nicht zu kurz kommen. Wer kann, kommt in Tracht. Das gehört hier eben auch zur Pflege des regionalen Brauchtums.

Wenn dann um 18 Uhr die Aussteller müde und „durchgegart“ in ihre Hotels wandern, wird der kleine 1.200-Seelen-Ort erst richtig wach. Locken doch die großen Festzelte mit Musik, Spaß und allerhand Traditionellem für Leib und Magen. Des Weiteren gibt es für die Besucher einen Strauß an Vergnügungen.

So groß einem das Fest auch erscheinen mag, trotzdem birgt es eine gewisse Gemütlichkeit, denn man ist hier noch weitestgehend unter sich. Anders als bei der Wies‘n in München, findet man hier keine Massen von betrunkenen Touristen aus aller Welt, die einmal das pseudo-deutsche Savoir Vivre in vollen Zügen auskosten wollen. Einzig die direkten Nachbarn aus dem nur etwa 30 Kilometer entfernten Oberösterreich geben sich hier ein Stelldichein.

Karpfhamer Fest/Rottalschau: Agritechnica meets Oktoberfest

Die Mischung machts: Abends geht‘s zum Volksfest.

Es geht allgemein ruhig zu. Grundsätzlich fordert das heiße Wetter den ein oder anderen Tribut, aber die Veranstalter sind gut gerüstet und auf alle Eventualitäten vorbereitet. Unser Stand, bestehend aus einem einfachen Zelt, ist nicht besonders groß. Das Zelt verwandelt sich im Laufe des Nachmittages in einen kleinen Backofen. Trotzdem sind die Gespräche sehr gut und aufschlussreich und geben mir einen besseren Eindruck der hiesigen Landwirtschaft. Die wichtigsten Themen betrafen, wie so oft, Hartmetall-Schare, aber auch das Aus der österrechischen Firma Regent, welche auch nördlich der Grenze viele Maschinen abgesetzt hat, sowie die Ungewissheit in Bezug auf die Zukunft der BayWa. Letztere gab sich keinerlei Blöße und präsentierte sich auf ihrem großen Stand im Herzen der Veranstaltung so, als sei da überhaupt nichts, um das man sich Sorgen machen müsse. Was nicht zuletzt unter den Besuchern für reichlich Scherze sorgte.

Einige Kunden auf dem Stand berichteten gar, dass man sich die Fahrt zur Agritechnica nach Hannover überlege, da die Rottal-Schau stetig attraktiver würde. Hier gebe es ja auch alles Wichtige zu sehen, ohne eine acht Stunden dauernde Fahrt auf sich nehmen zu müssen. Die Messe hier ist breit gefächert und dennoch auf die Bedürfnisse der Landwirte im süddeutschen Raum zugeschnitten. Sogar Landwirte aus Baden-Württemberg zieht es immer mehr hierher.

Ich bin nachhaltig beeindruckt von der Intensität dieser Veranstaltung und freue mich schon darauf, sie im nächsten Jahr wieder erleben zu dürfen.

Karpfhamer Fest/Rottalschau: Agritechnica meets Oktoberfest

Mein persönliches Highlight auf der Rottalschau

Der Erosionsminderer von der Firma AVR aus Belgien ist ein Gerät zur Minderung der Bodenerosion zwischen Kartoffeldämmen in Hanglagen. Er kann direkt hinter dem Dammformer der Pflanzmaschine angebaut werden. Seine Schaufeln nehmen Boden aus der Sohle zwischen den Dämmen auf. Die federnd gelagerten Halter der Schaufeln werden in variabel einstellbaren Abständen von hydraulisch angetriebenen Rollen auf einer Welle angehoben. So hinterlassen sie immer wieder kleine Zwischendämme in der Sohle, welche das Abfließen des Wassers hangabwärts verhindern. Dies ermöglicht eine bessere Nutzung des Wassers bei gleichzeitigem Schutz vor dem Abschwemmen der Nährstoffe. Eine genial einfache Idee mit hoher Wirksamkeit und auf die Bedürfnisse des Kartoffelanbaus in unebenem Gelände angepasst.


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