Magazin Rottal-Schau 2018

Karpfhamer Fest/Rottal-Schau :

Netzwerken zwischen Grubber und Feldhäcksler

Bald heißt es in Süddeutschland wieder: „Auf nach Karpfham!“ – Wir haben uns mit Ausstellern und Besuchern der Rottal-Schau aus der Region über ihre Erwartungen unterhalten.

Karpfhamer Fest/Rottal-Schau: Netzwerken zwischen Grubber und Feldhäcksler

Rottal-Schau: Über 400.000 Besucher erwarten die Gastgeber zur Ausstellung und zum Fest.

Vom 30. August bis 4. September – von Donnerstag Abend bis Dienstag Nacht – erwartet das bekannte bayerische Volksfest über 400.000 Besucher, nicht zuletzt wegen der ab Freitag, 31. August, früh geöffneten größten Landtechnikaustellung Süddeutschlands, der „Rottal-Schau“.

Auch die Themenbereiche Energie, Umwelt und Bauen sowie eine Verbraucher- und Gewerbeschau gehören dazu. Der Eintritt ist überall frei. Für viele Landwirte ist die Rottal-Schau in Süddeutschland und auch für Oberösterreich die wichtigste Veranstaltung zum Thema Landtechnik.

Die größte Veränderung zu den Vorjahren ist aber für den Besucher kaum ersichtlich: „Dieses Jahr steht die Veranstaltung erstmals wieder komplett unter der Verantwortung des Festvereins, denn der zweite Betreiber Haslinger hörte auf. Daher konnten wir dessen Flächen nun für die nächsten 20 Jahre pachten. Ab 2018 ist also alles wieder unter einem Dach“, erklärt Geschäftsführer Gottfried Kopplstätter.

Der Verein Karpfhamer Fest e.V. und seine fünf Vorstandsmitglieder planen und organisieren das Fest mit allen Ausstellungen. Auf 70.000 m² Freigelände und 6.000 m² Hallen zeigen 600 Firmen aktuelle Technik.

„Die Ausstellerzahlen sind aber nur scheinbar gewachsen, da ja die etwa 80 Plätze des bisherigen Nachbarn nun bei uns drauf kommen. Wirklich größer geworden ist die Rottalschau nicht“, so Kopplstätter.

Wichtig sei den Veranstaltern die Bodenständigkeit und ein realer Bezug zu den regionalen Bedürfnissen, auch um sich klar abzugrenzen: „Bei den großen Messen – etwa in Hannover – steht der Mähdrescher auf dem roten Teppich des gigantischen Herstellerstands. Bei uns dagegen stehen alle zusammen auf der grünen Wiese.

Bodenständigkeit und regionaler Bezug

Denn wir fördern verstärkt auch den kleinen Nischenmarkt, etwa, wenn ein Händler oder Maschinenbauer selbst eine Verbesserung oder ein eigenes Gerät entwickelt hat. Diese Dinge findet man in Karpfham auch – bei uns sind die Großen, aber auch die Kleinen. Viele Besucher sagen nach dem Fest häufig: Da gibt’s Sachen, die sieht man nur in Karpfham“, hebt Kopplstätter hervor.

Da die dürrebedingten Ernteausfälle in vielen Teilen Süddeutschlands glimpflicher ausgegangen sind, schätzt Kopplstätter die Konjunktur weiter positiv ein: „Wir haben schon schlechtere Zeiten erlebt, etwa, als die Bauern ihr ganzes Geld aufs Dach gepackt haben, um Solarstrom zu produzieren. In diesen Jahren haben unsere Händler schon etwas gejammert. Aber jetzt ist das Geschäft mit Landtechnik wieder sehr gut am Laufen, unsere Aussteller sind guter Dinge.“

Das Gelände gliedert sich in vier Sektoren. Parkplätze stehen genügend zur Verfügung.

Das Gelände gliedert sich in vier Sektoren. Parkplätze stehen genügend zur Verfügung.

Das sieht auch Matthias Willmerdinger aus der Nähe von Vilshofen an der Donau ganz ähnlich, er ist Hofnachfolger und als Betriebshelfer auch auf anderen Betrieben unterwegs: „Das Getreide ist etwas schlechter ausgefallen dieses Jahr. Bei uns steht aber der Mais gut da, wir hatten wohl etwas mehr Regen als andere Regionen. So katastrophal, dass sich die Händler sorgen machen müssten, sieht es hier also nicht aus.“ Da die Agritechnica in Hannover für ihn eine fast 700 km weite Anreise bedeutet, Karpfham aber als Ausflug gut in einer halben Stunde erreichbar ist, sieht er sich dort an, was es Neues in der Branche gibt. Durch die große Händlerauswahl könne er auch einmal bei anderen vorbeischauen, als nur bei den altbekannten. Grundsätzlich könne er sich auch vorstellen, dort etwas vor Ort zu kaufen.

Gute Landtechnikkonjunktur im Süden

Auch Alois Fastenmayr sieht die Konjunktur im süddeutschen Raum ähnlich, er ist Inhaber von Hartl Landtechnik mit Sitz etwa 15 km von Karpfham entfernt: „Der Traktorenmarkt war 2017 sehr gut, dieses Jahr verkaufen wir etwas weniger. Denn durch die neuen Vorschriften sind die Schlepper teurer geworden, daher haben die meisten Kunden letztes Jahr schon zugeschlagen. Das war aber absehbar. Die Ernte war ebenfalls nicht überall rosig, was natürlich ebenfalls die Möglichkeit für Investitionen in neue Technik hemmen kann. Dafür hat die neue Düngeverordnung dieses Jahr schon zu guten Absätzen in der Gülletechnik geführt.“ Etwas kritisch sieht der Landini-, McCormick- und Zetor-Händler, dass seit einigen Jahren neben den klassischen Händlern aus der Region auch immer mehr Hersteller auf der Ausstellung selbst vertreten sind: „Wir sind fast seit Anfang an dabei. In den fünf Tagen kann man viele Kunden wieder treffen und den Kontakt pflegen. Neue Kunden gibt es für uns dort aber nicht zu erschließen, da wir in unserer Region ja bereits bekannt sind. Durch den immer größeren Einzugsradius des Festes und wegen der immer stärker vertretenen Hersteller selbst mache ich aber nicht mehr Geschäft. Denn die neuen Besucher, die inzwischen auch von jenseits der bayerischen Nordgrenze aus anreisen, sind für mich natürlich uninteressant. Die kann ich ja nicht betreuen, da ihr Betrieb viel zu weit weg liegt.“ Die meisten Hersteller treten aber nicht mit eigenen Ständen auf, sondern stellen zusammen mit ihrer lokalen Vertretung aus.

Gelungene Symbiose zwischen Technikausstellung und Volksfest.

Gelungene Symbiose zwischen Technikausstellung und Volksfest.

Gülletechnik das interessante Thema

Auch Johannes Schlapp, Lohnunternehmer aus dem Raum Bamberg ist einer der weiter Gereisten, der zwar nicht direkt ein Geschäft vor Ort tätigen wird, aber trotzdem seit Jahren nach Karpfham fährt – falls die Maissaison nicht dazwischen kommt: „Dort sieht man auch kleinere Maschinen, die bei uns standortbezogen besser passen. Auf der Agritechnica stellen die Hersteller vor allem die größten Boliden aus. Zudem ist die Atmosphäre viel lockerer als auf einer klassischen Messe, was ich auch in den Gesprächen mit Herstellern und Händlern merke und mir sehr sympathisch ist. Gülletechnik ist aktuell das interessanteste Feld, ich bin zwar inzwischen gut ausgestattet, will aber auf dem Laufenden bleiben.“

Auch Maximilian Rosenberger ist Händler aus der Region Passau und zusammen mit Massey Ferguson als Aussteller auf der Rottal-Schau vertreten. Auch er sieht die Veranstaltung weniger als Verkaufsplattform, sondern als Möglichkeit zum Netzwerken: „Man kann schon Interessenten finden, wirklich zum Kaufabschluss kommt es dort aber nicht. Alles ‘in Karpfham Verkaufte‘ war bereits vorher abgeklärt und wird dort nur noch offiziell gemacht. Keiner kauft spontan am Sonntag für 100.000 Euro eine Maschine. Natürlich schauen wir uns auch mal bei den anderen Ausstellern um, denn man kennt sich ja. Das ist für uns eine Kontaktveranstaltung – was aber nicht nur Positives bedeutet: Viele Kunden sammeln übers Jahr ihre Probleme mit der Technik und sprechen diese dann bei uns am Stand direkt an. Durch den regionalen, ungezwungenen Charakter bekommen wir das auch mehr zu spüren als etwa die Kollegen auf der förmlicheren Agritechnica. Das gehört zu der Veranstaltung dazu, man muss ja auch über die Probleme reden und eine Lösung finden. Das ist besser, als das Ganze später irgendwo hintenrum zu hören. Da ist es auch von Vorteil, dass die Hersteller selbst mit dem passenden Fachpersonal mit vor Ort sind.“

Eselrennen gehören zum Rahmenprogramm.

Eselrennen gehören zum Rahmenprogramm.

Landtechnik für die Außen- und Innenwirtschaft.

Landtechnik für die Außen- und Innenwirtschaft.

Das schätzt auch Johann Kobler, Geschäftsführer der Agrolohn GmbH. Er war schon als kleiner Bub mit dem Vater auf dem Karpfhamer Fest, inzwischen ist der Dienstleister seit etwa 15 Jahren mit einem eigenen Stand auf der Rottal-Schau dabei. Auch für ihn ist der Kontakt zu Kunden, Händlern und Herstellern der wichtigste Aspekt: „Die ausgestellte Technik ist für mich nebensächlich. Ich gehe dorthin, um Gespräche zu führen. Dabei ist es mir egal, ob ein Mähdrescher danebensteht oder nicht.“

Auch beim Familienunternehmen Eder, die Technik für Landwirtschaft, Kommunaltechnik, Baugewerbe, Industrie und andere Bereiche anbietet, sieht man den engen Kontakt und die familiäre Stimmung als größten Vorteil: „Man hat über 90 % potentielle Kunden vor Ort, das bietet keine andere Messe in Deutschland. Wir machen dort seit Jahren sehr gute Geschäfte, nicht selten verkaufen wir direkt auf dem Stand auch Technik zu sechsstelligen Preisen. Vieles ist da aber schon vorbereitet. Attraktiv macht die Messe der freie Eintritt und die guten Parkmöglichkeiten, da man quasi sofort drin ist“, so Eder-Marketingleiter Klaus Kunert.

Einfache Anreise

Die einfache Anreise als großen Vorteil der Rottal-Schau bestätigt auch Krone-Vertriebsleiter Hans Dieter Heet: „Sie müssen nicht in eine Großstadt fahren wie in Hannover oder München bei Agritechnica und ZLF. Sie fahren direkt auf die grüne Wiese, zahlen ein paar Euro fürs Parken, gehen über die Straße und sind auf der Ausstellung.“ Daher zögen viele Besucher das Karpfhammer Fest den anderen Messen vor, denn dort sind ebenfalls alle Marken vertreten. Wie viele andere Hersteller möchte Krone die klassisch in Karpfham ausstellenden regionalen Händler nicht verdrängen, weshalb man sich nur auf dem Stand der Firma Faltner präsentiert, ihrem lokalen Vertriebspartner in der Region. Weitere süddeutsche Krone-Händler sind dort ebenfalls mit vertreten. Heet sieht zudem weitere Alleinstellungsmerkmale: „Natürlich ist Karpfham aber keine Neuheiten-Ausstellung wie die Agritechnica. Die Rottal-Schau ist auch hinsichtlich der ausgestellten Technik regionaler geprägt, sprich dort liegt das Grünland etwas mehr im Fokus. Natürlich haben wir auch einen Häcksler dabei, aber eben nicht gerade den großen 1100er.“

Andere Hersteller bringen aber auch beim Publikum noch unbekannte Produkte mit, Amazone etwa zeigt die neuen Cataya- und Centaya-Sämaschinen, die erstmals in Karpfham zu sehen sein werden.

Auch Neuheiten

Die pneumatische Centaya wird in Kombination mit der Kompaktscheibenegge CombiDisc ausgestellt, während die mechanische Cataya für diese Messe mit dem Kreiselgrubber KX kombiniert wird. Zudem hat man die neue Anbauscheibenegge Catros 3003 XL, mehrere neue Feldspritzen sowie ein eigenes Isobus-Terminal dabei. Für kommunale Bauhöfe und Dienstleister dürfte zudem der selbstfahrende Mäher Profihopper interessant sein. Auch Case IH hat am Stand seines Vertriebspartners die erst Ende Juli vorgestellte Axial Flow 250er Mähdrescherserie bereits dabei. Die Baureihe geht 2019 an den Start: „Kernstück der Änderungen für die neuen Modelle 7250, 8250 und 9250 ist die AFS Harvest Command-Option. Das Technologiepaket arbeitet mit insgesamt 16 Sensoren zur lückenlosen Überwachung der Maschine und passt sieben ver-schiedene Einstellungen an, um die Druschleistung zu maximieren“, erklärt Alfred Guth, Communication Manager bei Case IH.

Das Automatiksystem wird über das Bedienterminal AFS Pro700 in der Kabine gesteuert; es kann derzeit in Weizen, Raps, Mais und Sojabohnen eingesetzt werden. Außerdem werden Traktoren von 55 PS (Farmall A) bis zu 379 PS (Magnum) ausgestellt, ebenso sind zwei Rundballenpressen (RB 545 Presswickelkomination und variable Rundballenpresse RB465) und ein Farmlift Teleskoplader 525 vor Ort. Case IH-Produkte zum Precision Farming sind ein weiterer Schwerpunkt auf dem Stand der Gruber KG.

Einen gemeinsamen Nenner finden schließlich alle unsere Gesprächspartner, egal ob Besucher, Händler oder Hersteller: Das Karpfhamer Volksfest – die eigentliche Veranstaltung – funktioniert perfekt im Zusammenspiel mit der angekoppelten Rottal-Schau. Denn zusätzlich zum Rundgang durch die Technik kann man auf zahlreichen Fahrgeschäften oder anderen Volksfest-Aktivitäten auch mit der Familie noch etwas unternehmen und dank der 20.000 Sitzplätze in sechs Festzelten muss man auch erst um Mitternacht nach Hause. Vor einem wettertechnisch begründeten Besucherrückgang hat in Karpfham zudem niemand Angst: Die Besucher sind über Jahre sehr treu, egal ob brennende Hitze oder Dauerregen vorherrscht.

Termine

Öffnungszeiten Rottalschau

in allen Geländeteilen und Hallen freier Eintritt

Freitag, 31.08.2018 bis

Dienstag, 04.09.2018

täglich von

08.30 bis 18.00 Uhr

Weitere Informationen unter:

www.karpfhamerfest.de


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