Magazin Wirtschaft

Kalkulation :

Dienstleistungsqualität bedingt einen fairen Arbeitspreis

Dr. Martin Wesenberg vom Bundesverband Lohnunternehmen schildert die Kostensituation von Lohnunternehmen

Kalkulation: Dienstleistungsqualität bedingt einen fairen Arbeitspreis

Lohnunternehmer investieren im Schnitt 20 bis 25 Prozent ihres Jahresumsatzes in neue Maschinen.

Dr. Martin Wesenberg ist Geschäftführer des Bundesverband Lohnunternehmen e.V.

Dr. Martin Wesenberg ist Geschäftführer des Bundesverband Lohnunternehmen e.V.

In einer modernen Volkswirtschaft haben Dienstleistungen eine herauszustellende Bedeutung – auch in der Agrarwirtschaft. Landwirtschaftliche Dienstleistungen im 21. Jahrhundert bedeuten ein hohes Maß an Zuverlässigkeit sowie Arbeitsqualität und eine standortgerechte Beratung „on top“.

Die Qualität der Dienstleistungen steht immer in engem Zusammenhang mit ihren Kosten. Die Erkenntnis „Billig muss man sich leisten können“ bringt es auf den Punkt! Auch die Landwirtschaft hat nichts zu verschenken. Gute Betriebsergebnisse werden aber nur durch gute Leistungen bzw. Naturalerträge erzielt – und dafür sind optimale Produktionsverfahren (Technik, Betriebsmittel, Know how) grundlegend! Für den Bereich Lohnunternehmen heißt das: Wer viel verlangt, muss auch bereit sein, eine hochwertig ausgeführte Arbeit angemessen zu bezahlen. Auch im Tagesgeschäft eines Lohnunternehmens ergeben sich immer wieder Fragen und Diskussionen mit den Kunden, ob der Arbeitspreis für eine Dienstleistung gerechtfertigt ist oder warum eine Preiserhöhung notwendig wurde.

Arbeitspreise im Lohnunternehmen – richtig kalkuliert!

In einem Lohnunternehmen kommen viele Betriebsfaktoren zum Einsatz und müssen entsprechend entlohnt werden. Das qualifizierte Personal, die moderne Technik, die praxisgerechte Betriebsstätte und der verpflichtende Bürokratieaufwand „drum herum“ kosten in jedem Lohnunternehmen Geld, sind aber betriebsindividuell in der Höhe. Daher ist eine allgemein gültige Beschreibung der Betriebskosten nicht möglich.

Jeder Kunde hat nur eingeschränkten Einblick in den tatsächlichen Aufwand des Dienstleisters. Die Kosten für Personal, Betrieb und Organisation werden regelmäßig unterschätzt. Dienstleistungen im ländlichen Raum beginnen und enden nicht beim Kunden, sondern schon im Lohnunternehmen. Dort bedarf es eines hohen Aufwands an Personal- und Sachleistungen, um schlagkräftige, störungsfreie und termingerechte Dienstleistungen anbieten zu können.

Personalkosten

Die Personalkosten in einem Lohnunternehmen haben eine große Bedeutung. Neben dem Urlaubsanspruch des Mitarbeiters, gesetzlichen Feiertagen, Krankheitstagen und Zeiten für die berufliche Weiterbildung belasten insbesondere die betrieblichen Nebenzeiten die Kalkulation. Diese werden für die Arbeitsvor- bzw. -nachbereitung, für Reparatur- und Instandhaltungsarbeiten sowie für die Pflege der Betriebsausstattung benötigt.

In Lohnunternehmen, die hauptsächlich in der Landwirtschaft tätig sind, können diese internen Nebenzeiten bis zu 50 % der Jahresarbeitszeit ausmachen.

Die Personalkosten berechnen sich wie folgt:

1. Bruttolohn

2. Stundenlohn des Fahrers inklusive des Arbeitnehmeranteils in der Sozialversicherung. Nach dem Lohntarifvertrag ist der Ecklohn mit 12,50 Euro festgelegt, wobei höher qualifizierte Mitarbeiter deutlich besser bezahlt werden.

3. Arbeitgeberanteil der Sozialversicherung, Berufsgenossenschaft

Die soziale Absicherung der Mitarbeiter ist gesetzlich vorgeschrieben. Renten-, Kranken, Pflege- und Arbeitslosenversicherung tragen Arbeitgeber und -nehmer gemeinsam. Dafür zahlen Arbeitgeber anteilig und zusammen mit weiteren Umlagen etwa 22 % auf den Bruttoarbeitslohn des Mitarbeiters.

4. Urlaubs- und Feiertage bzw.

5. Fortbildung oder Krankheit

6. Die fortlaufende Qualifizierung der Mitarbeiter ist eine betriebliche und mitunter auch gesetzliche Vorgabe. Alle Formen von Nichtanwesenheit im Unternehmen verursachen Kosten, weil der Mitarbeiter in der Regel sein Gehalt weiterbezieht, aber keinen Umsatz erwirtschaften kann.

7. Interne Betriebszeiten

Beinhalten Rüst- und Wegezeiten, Zeiten für Wartung und Reinigung der Maschinen. Diese betriebliche Arbeitszeit wird in den Stundenpreis einkalkuliert.

Maschinenkosten

Lohnunternehmen sind technische Dienstleistungsbetriebe, die sich als Innovationsträger im ländlichen Raum verstehen. Entsprechend investieren Lohnunternehmen etwa 20  bis 25 % ihres Jahresumsatzes in neue Maschinen. Die Investitions- und Betriebskosten moderner leistungsfähiger Maschinen sind hoch:

1. Bereitstellungskosten

Abschreibung (Wertminderung durch Nutzung, technische Veralterung, etc., ersatzweise Miete oder die Leasingrate für die Maschine)

2. Zinskosten für das in der Investition gebundene Kapital

3. Das Kapital in eigen- oder fremdfinanzierten Investitionen ist über den entgangenen Zinsertrag oder den tatsächlichen Zinsaufwand korrekt zu bewerten.

4. Reparaturkosten

Bei Maschinen und Geräten, die im Einsatz sind, fallen Reparaturen aller Art an. Darunter fallen regelmäßige Inspektionen und die Wartung, sowie die Ersatz- und Verschleißteile.

5. Versicherung

Versicherungen dienen der Risikoabdeckung. Haftplicht-, Kasko- und Maschinenbruchversicherungen können erhebliche Jahresprämien auslösen.

6. Kraftstoffkosten

Die Kraftstoffkosten, insbesondere für Diesel, sind Hauptbestandteil der Betriebskosten bei landtechnischen Dienstleistungen. Die mitunter starken Preisschwankungen führen zu erheblichem Anpassungsdruck bei den Arbeitspreisen. Entsprechend weisen viele Lohnunternehmen die Dieselkosten auf den Rechnungen getrennt aus. Dadurch lässt sich die Ursache von Arbeitspreisveränderungen deutlich machen.

Allgemeine Kosten

1. Geschäftskosten

Die Geschäftskosten umfassen alle Kosten, die unmittelbar mit der Betriebsstätte in Verbindung stehen, wie Immobilien (Gebäude, Flächen, etc.) mit den entsprechenden Betriebskosten, Personal für Verwaltung, Geschäftsführung und Werkstatt, Verbrauchsmaterial im Büro, Telefon, Beratung und Versicherung.

2. Risiko und Gewinn

Lohnunternehmen sind Betriebsrisiken ausgesetzt, für die durch Bildung von Rücklagen nur innerbetrieblich vorgesorgt werden kann. Dazu zählen vorrangig Zahlungsausfälle bei Kunden und nicht versicherte Kapitalschäden. Diese Betriebsrisiken sind genau wie eine Versicherungsprämie in der Kostenkalkulation zu berücksichtigen und finden sich im Arbeitspreis wieder. Natürlich müssen auch Lohnunternehmen Freude an ihrer Arbeit haben und Betriebsgewinne erzielen. Dieses Geld dient dem eigenen Lebensunterhalt und der betrieblichen Entwicklung.

Alle Kostenblöcke sind bei der Arbeitspreisermittlung für Einzelmaschinen oder Prozessketten zu berücksichtigen. Folgende Beispiele wichtiger LU-Technik zeigen anhand eines Feldhäckslers und eines Schleppers exemplarisch die Kosten moderner Landtechnik (Grafiken unten).

Wichtig: Die dargestellten Kosten sind nicht allgemein gültig und können je nach Betrieb und Auslastung stark variieren. Die Auslastung bei Schleppern kann zwischen 500 und 1.500 Betriebsstunden pro Jahr variieren. Bei Feldhäckslern werden zwischen 250 und 500 Trommelstunden jährlich gezählt. Die landwirtschaftlichen Strukturbedingungen bestimmen in nicht unerheblichem Umfang die Auslastung und damit auch die Maschinenkosten.

Im Allgemeinen aber ist zu berücksichtigen, dass die Kosten für Landtechnik und Personal in den letzten Jahren stetig gestiegen sind. Das bekommen auch landwirtschaftliche Betriebe deutlich zu spüren, wenn sie Maschinen kaufen oder Mitarbeiter einstellen. Entsprechend ergeben sich nicht selten überraschende Ergebnisse für die betriebseigene Kalkulation eines Landwirts.


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