
Die Wahrscheinlichkeit, auf deutschen Autobahnen zwischen Aachen und Frankfurt/Oder einem grün-gelben Sattelzug mit Joskin-Logo zu begegnen, ist vergleichsweise hoch. Die firmeneigenen Lkw sind das Rückgrat eines ausgeklügelten Logistiksystems, das die fünf europäischen Produktionsstandorte des belgischen Unternehmens in Europa nahtlos miteinander verbindet. Vom Hauptsitz in Soumagne bis ins tausend Kilometer entfernte polnische Trzcianka durchlaufen Rohmaterialien, Bauteile und Baugruppen verschiedene Werke, um dort gezielt weiterverarbeitet zu werden.
Wie effizient diese Vernetzung funktioniert, konnten kürzlich Fachhändler aus den Niederlanden, Belgien, Deutschland und Frankreich bei einem Besuch im Werk Joskin Polska in Trzcianka erleben. Joskin öffnet regelmäßig seine Türen für Fachbesucher und zeigt die einzelnen Schritte der Fertigung. Jährlich nutzen mehr als 18.000 Interessierte die Gelegenheit, einen Blick hinter die Kulissen der Joskin Gruppe zu werfen. Der eilbote war dabei und erhielt Einblicke in die Produktion am polnischen Standort.
Hightech in Polen
Das 1999 gegründete Werk spielt heute eine zentrale Rolle innerhalb der Unternehmensgruppe. Auf 25,5 Hektar mit 72.000 Quadratmetern überdachter Produktionsfläche arbeiten rund 380 Beschäftigte. Hier entstehen komplette Maschinen ebenso wie zahlreiche Bauteile für andere Standorte. In Trzcianka werden an acht Montagelinien unter anderem die seriengefertigten Advantage Güllefässer (2.500 bis 28.000 Liter), Gülle-Ausbringgeräte, Stalldungstreuer der Reihen Siroko, Tornado, Ferti-Cap und Ferti-Space sowie Dreiseitenkipper wie Trans-Ex, Tetra-Cap und Delta-Cap produziert. Auch die Betimax-Viehtransporter – ein Bestseller in Deutschland – sowie Silo-Space 2 Häckseltransportwagen und Wago-Plattformanhänger werden ausschließlich hier gefertigt.
Die Gäste staunten über den hohen Automatisierungsgrad der Produktion in Polen. Allein in der Schweißabteilung sorgen sieben Roboter und mehrere halbautomatische Arbeitsstationen für eine effiziente Fertigung. Hinzu kommen zwei halbautomatische Lackieranlagen, die das Kugelstrahlen, das Auftragen der Farbe und das Trocknen umfassen. Ersatzteile und Werkzeuge werden in 18 Kardex-Umlaufregalen gelagert, um eine schnelle Verfügbarkeit zu gewährleisten.
90 erfahrene Handschweißer kümmern sich um besonders anspruchsvolle Bauteile oder heften diese vor dem eigentlichen Schweißvorgang zusammen. „Die individuell gefertigten Schweißschablonen werden ausschließlich in Belgien hergestellt“, erklärt Pierre Wuidar, Joskin-Vertriebsleiter für die deutschsprachigen Länder.
Zink schützt
Ein wesentlicher Faktor für die Langlebigkeit der Maschinen ist die Oberflächenbehandlung. Die Verzinkung spielt dabei eine zentrale Rolle. Seit 2010 betreibt der Hersteller in Trzcianka mit Joskin Ocynkownia eine der größten und modernsten Feuerverzinkungsanlagen Nordeuropas – es ist das Herzstück des Standortes. Das zehn Meter lange, 3,2 Meter breite und 3,4 Meter hohe Zinkbad fasst 600 Tonnen geschmolzenes Zink. Ganze Güllefasskörper können vollständig in die 450 Grad Celsius heiße Zinkschmelze eingetaucht und mit einem Zinküberzug versehen werden. Bei Vollauslastung im Dreischichtbetrieb hätte die Anlage eine Kapazität von rund 20.000 Tonnen pro Jahr, erläutert Wuidar. Die werde aber bislang nicht erreicht, obwohl hier auch Bauteile externer Kunden verzinkt werden.
Seit der Errichtung der Verzinkungsanlage hat sich der polnische Standort zu einem zentralen Knotenpunkt innerhalb der Unternehmensgruppe entwickelt. Joskin setzt in Trzcianka konsequent auf Expansion und Modernisierung, um Kapazitäten auszubauen und Engpässe zu vermeiden. Daran hält das Unternehmen fest: Beim jüngsten Händlerbesuch kündigte Victor Joskin eine weitere Vergrößerung an: Das Werksgelände soll um sechs Hektar wachsen, entstehen sollen neue Produktionsgebäude mit 2,1 Hektar überdachter Fläche. Eine Pulverbeschichtungsanlage wird die bestehende Lackierung und Feuerverzinkung ergänzen, um insbesondere dünnwandige Bauteile wie Dreiseitenkipperklappen noch präziser zu beschichten. Zudem sind eine optimierte Schweißerei und eine zusätzliche Montagelinie geplant. „Da die Expansionsmöglichkeiten am belgischen Hauptsitz begrenzt sind, prüfen wir auch den Bau einer Laserschneideanlage für Rohre und Profile in Polen als Ergänzung zu den Anlagen in Soumagne“, so Victor Joskin. Das Laserschneiden ersetze zahlreiche Schneid-, Biege- und Schweißvorgänge, steigere die Produktivität und senke die Selbstkosten. Außerdem profitiere das Design der Bauteile und damit auch die Maschinen selbst.

© Schulze Ising
Pierre Wuidar: „Jede Maschine erhält eine Fahrgestellnummer, die als Schlüssel für alle Produktions- und Kundendienst- informationen dient.“

© Schulze Ising
Joskin baut in Polen die gesamte Palette an Betimax Viehtransportern in Längen von fünf bis neun Metern.
Effiziente Logistik
Der Hauptsitz in Soumagne, rund 20 Kilometer von Lüttich entfernt, ist das Herzstück der Fertigung. Auf dem 17 Hektar großen Werksgelände mit sieben Hektar Hallenfläche entstehen unter anderem Fahrgestelle und Aufbauten für verschiedene Maschinen. Wenige Kilometer entfernt liegt das firmeneigene Spaw Tech Werk, das auf Schweißarbeiten spezialisiert ist. Viele der in Belgien produzierten Bauteile werden zur Verzinkung nach Polen transportiert und anschließend zur Endmontage nach Belgien zurückgeführt oder bleiben in Polen.
Um eine gleichbleibend hohe Qualität sicherzustellen, erfolgt die gesamte Stahlverarbeitung für alle Standorte zentral in Belgien. „Jährlich verarbeiten wir hier rund 20.000 Tonnen Stahl“, sagt Pierre Wuidar. Nach einer Qualitätsprüfung wird das Material mit Laserschneidanlagen zugeschnitten – ein Prozess, der rund um die Uhr an fünf Tagen pro Woche läuft, um alle Produktionsstätten kontinuierlich versorgen zu können.
Die enge Verzahnung der Standorte zeigt sich zum Beispiel bei der Produktion der Drakkar Transportwagen: Während die Fahrgestelle in Polen gefertigt werden, erfolgen der Aufbau und die Endmontage in Belgien. Gleiches gilt für die großen Silo-Space Silagewagen mit bis zu 59 Kubikmetern Ladevolumen und die Fertispace-Dungstreuer, deren Fahrgestelle ebenfalls aus Polen kommen.
Die ausgeklügelte Logistik spielt eine entscheidende Rolle innerhalb der Unternehmensgruppe. Ständig pendeln die 25 Lkw und Spezialanhänger aus dem firmeneigenen Fuhrpark zwischen den Werken, um Maschinen und Bauteile zu transportieren. Teilweise werden auch fertige Maschinen im 1.000-Kilometer-Umkreis direkt ausgeliefert. Ergänzend kooperiert Joskin mit externen Speditionen.
Neben Polen und Belgien verfügt Joskin über weitere Produktionsstätten in Frankreich. In Bourges entstehen Getreide- und Tiefbaukipper. Zudem gehört der französische Hersteller LeBoulch in der Normandie seit 2012 zur Unternehmensgruppe und ist auf landwirtschaftliche Kipper und Stalldungstreuer spezialisiert. „Frankreich ist der größte Markt für Muldenkipper“, bemerkt Wuidar in dem Zusammenhang.
In Sanem/Esch-sur-Alzette in Luxemburg baut Joskin derzeit eine neue Produktionshalle mit 15.000 Quadratmetern Fläche. Die Fertigstellung ist noch für dieses Jahr geplant. Künftig soll dort die Serienproduktion von Muldenkippern stattfinden. Victor Joskin begründet die Investition in den sechsten Standort mit den begrenzten Expansionsmöglichkeiten am Hauptsitz in Belgien sowie der guten Infrastruktur und der Verfügbarkeit qualifizierter Arbeitskräfte in Luxemburg.

© Schulze Ising
Minutenlang wird ein Fasskörper vollständig in die heiße Zinkschmelze eingetaucht.
„Made by Joskin“
Joskin setzt konsequent auf hohe Eigenfertigung: 85 Prozent der Bauteile entstehen im eigenen Haus, lediglich 15 Prozent werden zugekauft – darunter Reifen, Pumpen, Hydraulikschieber und Elektronikkomponenten. Auch Fahrwerke produziert das Unternehmen selbst. Jede Maschine erhält eine einmalige Fahrgestellnummer, die als Schlüssel für alle Produktions- und Kundendienstinformationen dient. Um Produktionsschwankungen zu vermeiden, fertigt Joskin ganzjährig mit konstantem Betriebsrhythmus und baut in ruhigeren Phasen Lagermaschinen. „Daher ist auch für Last-Minute-Kunden immer eine Joskin-Maschine schnell verfügbar“, erklärt Pierre Wuidar.
In Familienhand
Joskin versteht sich als Premiumhersteller mit einer breit gefächerten Produktpalette, die sich auf drei Hauptbereiche konzentriert. Den größten Anteil am Jahresumsatz – mehr als die Hälfte – steuert die Ausbringungstechnik bei, mit Güllefässern, Ausbringtechnik und Dungstreuern. Der Transportbereich umfasst Mulden-, Dreiseiten- und Tiefbaukipper sowie Häcksel- und Ballentransportwagen. Ergänzt wird das Portfolio durch Maschinen für die Tierhaltung, darunter Viehtransporter, Weidebelüfter, Weidepflegemäher und -mulcher sowie Wasserfässer. Aktuell liegt der Fokus auf der Optimierung bestehender Maschinen. „Wir konzentrieren uns darauf, unsere Produkte stetig weiterzuentwickeln“, erklärt Victor Joskin dazu.
Die Gruppe beschäftigt insgesamt knapp 900 Mitarbeiter und erzielt einen Jahresumsatz von rund 135 Millionen Euro. Seit der Gründung 1968 hat Joskin mehr als 130.000 Maschinen ausgeliefert, die über ein Netzwerk von mehr als 600 Händlern in über 60 Ländern verkauft werden. Bis heute ist Joskin in Familienhand. Neben den Firmengründern Victor und Marie-José Joskin ist die zweite Generation mit Vinciane, Didier und Murielle seit über 20 Jahren in der Unternehmensleitung aktiv. Die dritte Generation steht bereits in den Startlöchern. „Die Entscheidungswege bei Joskin sind kurz, Probleme lösen wir schnell“, betont Pierre Wuidar.















