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Joskin :

Chancen der Digitalisierung nutzen

Belgischer Hersteller feierte seine Erfolgsstory – In 50 Jahren vom Lohnunternehmen zum international anerkannten Landmaschinenproduzenten mit 780 Mitarbeitern – Gemeinsam mit dem Handel viel bewegen

Joskin: Chancen der Digitalisierung nutzen

Aus der Luft: 50 Jahre Joskin mit Menschen und Maschinen.

Mehrere hundert Händler zogen das Tridemfass einen Meter in die Höhe.

Mehrere hundert Händler zogen das Tridemfass einen Meter in die Höhe.

Über 400 Gäste packten in Soumagne tatkräftig mit an: An vier langen Stahlseilen zogen sie gemeinsam das 12 Tonnen schwere Joskin-Tridem Güllefass einen Meter in die Höhe. Über zwei Umlenkrollen und einen Autokran realisierten die belgischen Logistikexperten dieses Spektakel zum Abschluss ihrer Feier des 50-jährigen Jubiläums. Die Message war eindeutig: „Gemeinsam können wir, Joskin und ihr, unsere Händler, viel bewegen!“

Viel bewegt haben die Belgier in den letzten 50 Jahren allemal. Als Landwirt startete Victor Joskin 1968 mit einem eigenen Lohnunternehmen. Es folgte der Import und Vertrieb von Landtechnik. 1984 begann Joskin mit dem Bau eigener Fahrzeuge, vor allem Güllefasswagen. Die letzten 20 Jahre, in denen auch die zwei Töchter Murielle und Vinciane sowie Sohn Didier in das Geschäft einstiegen, brachten es auf ein durchschnittliches jährliches Wachstum von zehn Prozent. Heute beschäftigt Joskin in zwei Werken in Belgien, zwei in Frankreich und einer Produktion in Polen 780 Mitarbeiter und erreichte zuletzt einen Jahresumsatz von 98,5 Mio. Euro, die Schallmauer von 100 Mio. Euro wurde also nur knapp verfehlt.

Seit meinem letzten Werkrundgang 2015 ist der Maschinenpark an Lasern und Werkzeugmaschinen weiter gewachsen. Joel Blaise steht neben dem nagelneuen Blistronic Laser, der anlässlich der Jubiläumsfeier seinen ersten Tag Stahlplatten lasert. Mit zwölf Metern in der Minute trennt der Laser bis zu 15 mm dickes Metall. Mehr Roboterisierung, aus Mangel an Fachkräften in Belgien mehr Rationalisierung, schnellere effizientere Serienproduktion, um die Produktionskosten zu senken und die Qualität zu erhalten, das ist das ständige Credo von Firmengründer Victor Joskin und Sohn Didier. Dessen Herz schlägt als studierter Informatiker für die Prozessoptimierung.

Prozessoptimierung auch im Vertrieb: Vertriebsdirektor Valéry Bailly erntete mit seiner Kampagne von elf Maschinen, die anlässlich der 50-Jahr-Feier mit einem Endverkaufspreis für den Kunden beworben wurden, neben viel Lob auch Kritik einiger Händler. Die Idee hinter dieser Offensive: Einfache Maschinen und Fahrzeuge werden mit einem Knallerpreis versehen und in Deutschland frachtfrei an den Händler geliefert und über ihn verkauft. Der Kunde hatte die Maschine vorher online zum Festpreis reserviert. Über den Dealer Locator konnte er sich für einen Händler in seiner Nähe entscheiden. Dieser wickelte das Geschäft mit dem Kunden dann ab. Bailly: „Die Aktion sollte auf unser gesamtes Portfolio aufmerksam machen. Wir sind mehr als Hersteller von komplexen aufwändigen Güllefasswagen bekannt. Unser breites Programm an einfacherer Transporttechnik ist vielen noch nicht so gegenwärtig.“ 110 Anfragen und 1,75 Mio. Euro Umsatz brachte die Aktion, den meisten Zuspruch mit fast 50 Verkäufen erntete man in Frankreich. Dass nicht alle Händler die für sie eingepreiste Marge für angemessen hielten, verschwieg Bailly nicht: „Joskin werde weiter Aktionen mit Serienmaschinen durchführen, die Preisgestaltung für den Kunden bleibe dann aber dem Händler überlassen. „Wir müssen den Verkauf von einfachen Maschinen auch für unsere Händler so einfach wir möglich gestalten!“ so seine Überzeugung. Preis- und Rabattsystem von Joskin sollen für Seriengeräte so einfach und transparent sein, dass fast jeder Angestellte eines Händlers dem Kunden einen Endpreis nennen kann.

Dabei soll die neue Joskin App unterstützen, die mittels Online-Konfigurator eine Maschine zusammenstellen lässt. Vorerst gibt es sie nur für Händler, später auch für Endkunden.

Ebenfalls ausgebaut hat Joskin sein Extranet für die Vertriebspartner. Mit Eingabe der Seriennummer des Fahrzeugs lassen sich anhand von Explosionszeichnungen Ersatzteile leichter finden und sofort bestellen.

Der neue Häckseltransportwagen Silospace 2 mit 22 Grad geneigter Front. Zum Anhäckseln klappt das obere Drittel nach hinten.

Der neue Häckseltransportwagen Silospace 2 mit 22 Grad geneigter Front. Zum Anhäckseln klappt das obere Drittel nach hinten.

Extranet ausgebaut

Neben vielen technischen Dokumentationen lässt sich auch die Joskin Maschinenpopulation des Händlers und der Lagerbestand bei Joskin einsehen. „Alles soll einfach sein, um den Vertriebsaufwand zu senken und auch kleinere Maschinen mit Spaß verkaufen zu können,“ so Bailly.

In Deutschland betreuen fünf Außendienstler unter der Regie von Pierre Wuidar die Händler und Kunden.

Die Düngeverordnung sorgte für ordentlichen Schub im Geschäft. Mit 19 Mio. Euro Umsatz in 2018 ist Deutschland für Joskin mittlerweile der bedeutendste Einzelmarkt. Auch für das nächste Jahr erwartet Joskin hier Verkäufe wie auf dem Niveau von 2018. Der neue Silospace2 Transportwagen, der je Kubikmeter Volumen noch günstiger sein soll als sein Vorgänger, ist ein Beispiel für die Preisoffensive der Belgier. Für die kommende SIMA kündigt das Unternehmen einen „konkurrenzlos günstigen“ Güllefasswagen an.

Firmengründer Victor Joskin, (71), freute sich über die vielen Geburtstagsgäste aus aller Welt, die zum 50-Jährigen nach Soumagne gereist waren.

Im Team für die deutschen Händler aktiv: Manuel Hofmann, Valéry Bailly, Pierre Wuidar, Victor Joskin, Gerald Löfgen, Michael Peeters, Florian Kirchhoff und Pascal Hoss (v.l.).

Im Team für die deutschen Händler aktiv: Manuel Hofmann, Valéry Bailly, Pierre Wuidar, Victor Joskin, Gerald Löfgen, Michael Peeters, Florian Kirchhoff und Pascal Hoss (v.l.).

Joskin präsentierte das neugestaltete Extranet für seine Händler.

Joskin präsentierte das neugestaltete Extranet für seine Händler.

Geburtstagsgäste aus aller Welt

Mit Blick zurück auf sein Lebenswerk und voraus auf seine Kinder sieht er Joskin auch für die nächste Generation gerüstet. „Das haben wir schon immer so gemacht – dies war nie mein Leitspruch. Wir müssen uns verändern und die Chancen der Digitalisierung nutzen – hier im Werk und draußen im Vertrieb. Da führt auch für Sie als Händler künftig kein Weg daran vorbei“, so Victor Joskins Überzeugung.

Der Jahresumsatz von Joskin erreichte 98,5 Mio. Euro. Das Unternehmen hat zwei Werke in Frankreich, eines in Polen und in Belgien den Stammsitz.

Der Jahresumsatz von Joskin erreichte 98,5 Mio. Euro. Das Unternehmen hat zwei Werke in Frankreich, eines in Polen und in Belgien den Stammsitz.


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