Magazin Wirtschaft

Interview mit Dr. Bernd Scherer, VDMA Landtechnik :

„Aktuell keine nennenswerten Lieferengpässe“

Der eilbote fragte VDMA-Landtechnik-Geschäftsführer Dr. Bernd Scherer, wie sich die Corona Pandemie auf die deutsche Landtechnikindustrie auswirkt

VDMA-Landtechnik-Geschäftsführer Dr. Bernd Scherer: „Direkte Auswirkungen auf die deutsche und europäische Produktion sehen wir derzeit nicht.“

VDMA-Landtechnik-Geschäftsführer Dr. Bernd Scherer: „Direkte Auswirkungen auf die deutsche und europäische Produktion sehen wir derzeit nicht.“

Die deutsche Landtechnikindustrie nutzt viele Komponentenlieferanten. Ein Teil davon in China und auch in Norditalien, den vom Coronavirus stark betroffenen Regionen. So musste z. B. der norditalienische Zulieferer von elektronischen Bauteilen für Landmaschinen, MTA, sein Werk in Codogno schließen. Durch die Just in Time-Lieferketten sind die Puffer in unserer Branche begrenzt.

eilbote: Gibt es bereits Lieferengpässe, die sich auf die laufende Fertigung Ihrer Mitgliedsbetriebe auswirken?

Dr. Bernd Scherer: Die aktuelle Lage ist ohne Frage ernst. Wer hätte noch vor kurzem geglaubt, dass wir großflächige Quarantäne-Maßnahmen in einem westeuropäischen Land erleben würden? Hinzu kommt die aus Sicht der Wirtschaft ausgesprochen wichtige Rolle Chinas, des zweitgrößten Exportmarktes für Maschinen und Anlagen aus Deutschland. In der besonders betroffenen Region Hubei hat nach unserem Kenntnisstand kein VDMA-Mitglied einen Fabrikationsstandort.

In der Landtechnikindustrie gibt es aktuell keine nennenswerten Lieferengpässe. Aufgrund der tendenziell langen Durchlaufzeiten in unserer Branche sind Lieferschwierigkeiten aber in den kommenden Wochen nicht ganz auszuschließen.

Wie bereiten sich die Unternehmen vor?

Sollte es zu einer weiteren Ausbreitung der Epidemie kommen, so könnte die Problematik durch den Zugriff auf anderweitige Produktionsstandorte oder Lieferanten sicher ein gutes Stück entschärft werden. Eine Prognose, die den Planungshorizont einer Woche überschreitet, ist angesichts der Dynamik der Lage momentan jedoch kaum seriös zu treffen. Hellhörig sind die Unternehmen naturgemäß in allen Fragen, die den Gesundheitsschutz von Arbeitnehmern betreffen. Hier erleben wir insbesondere mit Blick auf die Entsendung und den Einsatz von Personal in betroffenen Regionen branchenweit ein ausgesprochen verantwortliches, ja behutsames Vorgehen. Sicherheit hat oberste Priorität.

Unsere Branche lebt überwiegend vom Export. Gibt es in vom Virus betroffenen Märkten bereits Auswirkungen auf den Ordereingang?

Direkte Auswirkungen auf die deutsche und europäische Produktion sehen wir derzeit nicht; lokale Auswirkungen in China und in den betroffenen italienischen Regionen liegen natürlich auf der Hand. Hält die Entwicklung weiter an oder verschärft sie sich sogar, könnte sich dies durchaus auf die Erzeugerpreise, allen voran im Milchsektor, durchschlagen. Schließlich ist China der weltgrößte Abnehmer europäischer Milchprodukte.

Die Fragen stellte Bernd Pawelzik.


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