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Interview mit Anthony van der Ley, Lemken :

„Wir bleiben optimistisch, da die sonstigen Einflussfaktoren gut sind.“

Wir sprachen mit Lemken-Geschäftsführer Anthony van der Ley über die Auswirkungen der Corona-Krise, Programmerweiterungen und die Situation auf den verschiedenen Märkten im laufenden Geschäftsjahr

Geschäftsführer Anthony van der Ley im Gespräch.

Geschäftsführer Anthony van der Ley im Gespräch.

Eilbote: Das dramatische „C“-Thema beherrscht Deutschland, Europa und die Welt. Wie läuft zur Zeit der Betrieb bei Lemken?

Anthony van der Ley: Das Coronavirus trifft uns natürlich stark. Stand heute können wir sagen, dass wir mit den nötigen Sicherheitsmaßnahmen und dem guten Zusammenhalt aller Mitarbeiter weitgehend produzieren können. Das heißt, die jetzigen Aufträge können bislang alle produziert und ausgeliefert werden. Damit zu rechnen ist, dass mehr als einzelne Kollegen ausfallen oder Lieferanten einen Teileengpass verursachen. Bis dato sind wir allen Mitarbeitern weltweit sehr dankbar, dass sie tapfer weiterarbeiten und dass wir damit unsere Kunden mit Maschinen und Service versorgen können.

Haben Sie vor dem Hintergrund der Möglichkeit eines Produktionsstopps erhöhte Lagerbestände aufgebaut?

Unser Produktprogramm zeichnet sich durch die große Varianz für den unterschiedlichen Kundenwunsch aus. Da ist es sehr schwierig, auf Vorrat zu produzieren. Derzeit fertigen wir aber auf hohem Niveau und sind für die aktuelle Saison gut lieferfähig. Für den weiteren Jahresverlauf müssen wir sehen. Hohe Lagerbestände sind natürlich mit Kosten verbunden, und das müssen wir angesichts des unsicheren Fortgangs gut genug eingrenzen.

In Ihrem Geschäftsbericht 2019 stellen Sie ein stabiles Umsatzniveau im Vergleich zum Vorjahr fest. Trotzdem gab es deutliche Verschiebungen in vielen einflussreichen Variablen. In welchen stellten Sie die stärksten Veränderungen fest?

Wir merken von Jahr zu Jahr, dass eine Prognose von Aufträgen schwieriger wird. Da helfen uns die verschiedenen Auslandsmärkte, um insbesondere geopolitische oder wetterbedingte und damit kaum planbare Einflüsse auszugleichen. Schwer zu sagen, was davon schwerer wiegt. Deshalb ist es für uns ein großes Thema, die Auftragsplanung mit der Fertigung optimal abzustimmen. Darauf sind unsere Produktionsabläufe allein schon durch den Saisonbezug ausgerichtet: Anlagen und Mitarbeiter passen sich möglichst dynamisch und flexibel den Marktschwankungen an.

Für die USA berichten Sie von einem Plus in Höhe von 23 Prozent. Können Sie diese Sonderentwicklung näher erläutern?

In den USA sind wir bereits seit einigen Jahren unterwegs. Die amerikanischen Farmer sind begeistert von unseren Kurzscheibeneggen und Grubbern, da sie deren effiziente Wirkungsweise zuvor nicht erkannt haben. Sie sparen mit diesen Geräten bis zu drei Arbeitsgänge und damit deutlich Kosten. Das sorgt für eine gute Nachfrage.

Im vergangenen Jahr hat Lemken sein Programm um den lange erwarteten himmelblauen Düngerstreuer ergänzt. Sie beziehen dies Gerät von Sulky, einem in anderen Produktsegmenten französischen Wettbewerber. Wie passt das zusammen – ist dies ein Beginn einer engeren Liaison?

Wir haben die Entwicklung eines Düngerstreuers an einen renommierten französischen Hersteller sozusagen ausgelagert. Hier haben wir den Vorteil, auf ein eingeführtes und bewiesenes Verfahren zu setzen. Wir haben ein breites Portfolio und können uns dadurch auf unsere anderen Segmente fokussieren. Sulky ist ein familiengeführtes Unternehmen ähnlich zu uns, da gelingen Absprachen sehr gut und verlässlich. Über unsere internationalen Vertriebsstrukturen können wir die Produkte breit in den Markt setzen und für Stückzahlen sorgen – ein Vorteil für beide Seiten.

Im Vergleich mit Wettbewerbern ist das Düngerstreuer-Programm noch recht übersichtlich. Wie und in welchem Zeitraum ist der Ausbau geplant? Wie ist das neue Angebot überhaupt bei Händlern und Endkunden aufgenommen worden?

Die Düngerstreuer in Lemken- Blau kommen bei unseren Landwirten sehr gut an. Die Maschinen sind einfach zu bedienen und arbeiten gleichzeitig funktional und präzise. Viele Händler sind sehr froh über diese Ergänzung und haben lange darauf gewartet. Wir haben uns für den Start bewusst auf eine Range von Produkten und wenige Märkte konzentriert, um unsere Kunden bestmöglich zu beraten und zu betreuen. Das hat auch sehr gut funktioniert. Für das nächste Jahr gehen wir einen Schritt weiter, d.h. wir planen die Ausweitung der Produktpalette und weitere Verkaufsregionen.

Ein weiteres neues Angebot Ihres Hauses sind SF-Pflanzenschutzspritzen. Wie sehen Sie in diesem Bereich Ihr Potenzial und mit welcher Typenanzahl wollen Sie hier zukünftig antreten?

Wir haben mit der Nova Selbstfahrerspritze zur letzten Agritechnica unter all unseren Neuheiten ein echtes Highlight ausgestellt. Die Resonanz war riesig und eine gute Bestätigung. Für dieses Jahr werden wir diese ersten Maschinen noch mal intensiv testen. Schon weiter sind wir mit unserer neuen Anhängespritze Orion, die dieses Jahr bereits in einer größeren Stückzahl verkauft wird.

Im Bereich mechanische Pflanzenschutztechnik ist Lemken jetzt durch die Übernahme von Steketee vertreten. Wie werden Sie dieses Segment weiterentwickeln?

Im ersten vollen Jahr nach der Übernahme hat Steketee ein Umsatzwachstum von mehr als 30 % erreicht. Es hätte sogar noch mehr sein können, aber wir wollen besser auf gesunde und strukturierte Weise weiterwachsen, um unsere Qualität und Zuverlässigkeit zu gewährleisten.

Für dieses Jahr haben wir bereits volle Auftragsbücher bis Ende Juni. Denn die Landwirte stehen weiter vor der Herausforderung, chemische Mittel zu reduzieren. Übrigens kommt das Interesse über Deutschland hinaus aus fast allen europäischen Ländern. Dabei merken wir, dass es sehr wichtig ist, das nötige Fachwissen zum Hacken zu vermitteln.

Wir haben durch die Übernahme ein junges dynamisches Kollegenteam dazugewonnen. Die Entwickler arbeiten daran, die Hacken noch intelligenter zu machen, sich an wechselnde Bodensituationen automatisch anpassen zu können. Nehmen Sie zum Beispiel unsere Messerverstellung, bei der sich die Hackbreite an die Pflanzenreihe anpasst.

Mit künstlicher Intelligenz wollen wir außerdem noch besser bestimmen, was die Pflanze ist und was Unkraut, das wird die Maschinen schneller machen.

Darüber hinaus sehen wir eine steigende Nachfrage nach Reihenspritzen und -düngung. Ob in Kombination mit einer Hacke oder nicht. Wir haben einen geeigneten Fronttank für diesen Zweck und arbeiten daran, solche Kombinationen serienmäßig anzubieten.

Die Direktsaat ist weiterhin ein viel diskutiertes Thema. Ist von Lemken mit entsprechender Technik zu rechnen?

Also, wenn Sie die reine Direktsaat meinen, entspricht das nicht unserer Ackerbau- und Gerätephilosophie. Wir beschäftigen uns aber sehr wohl mit Lösungen, um in Zwischenfruchtbeständen oder unter schwierigen Bodenbedingungen direkt säen zu können. Dabei geht es um erhöhte Schardrücke und hohe Einsatzsicherheit. Derlei Anforderungen fließen bei uns in neue Scharsysteme ein.

Streben Sie strategische Partnerschaften mit Longline-Konzernen an, vielleicht auch nur für bestimmte Vertriebsregionen?

Für einen starken Mittelständler gibt es sicher viele Optionen. Gerade im Moment haben wir aber den Eindruck, dass wir uns auf unsere Stärken und unsere Neutralität gut verlassen können und eine Kooperation mit einem Longliner keinen Nutzen bringt. Wir wollen weiter ein unabhängiges Familienunternehmen bleiben!

In Ihrer jüngsten Presseinformation schreiben Sie, dass die ersten Wochen des aktuellen Jahres von einer guten Nachfrage gekennzeichnet waren und eine positive Entwicklung erwarten ließen. Lässt sich diese optimistische Prognose vor dem aktuellen Hintergrund noch aufrechterhalten?

Wir sind mit einem sehr guten Auftragsbestand und einer hohen Produktivität in das neue Jahr gestartet. Leider hat uns das Virus einen gehörigen Strich durch die Rechnung gemacht. Eine weitere Vorhersage ist deshalb extrem schwierig, aber wir arbeiten hart daran, weiter liefern zu können. Wenn die Krise einen Nutzen hat, dann den, dass die Landwirte als Hersteller von gesunden Lebensmitteln öffentlich wieder in einem besseren Licht stehen. Das wünschen wir uns sehr. Wir bleiben grundsätzlich optimistisch, da die sonstigen Einflussfaktoren gut sind. Nach Regen kommt immer Sonnenschein.

Die Fragen stellte Jürgen Boomgaarden. Das Interview haben wir am 25. März per E-Mail geführt.


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