Magazin Wirtschaft

Internetkriminalität :

Neue Masche beim betrügerischen Maschinenkauf

Gefälschte Frachtpapiere und Ausnutzen echter Transportdienstleister/Plattformen verwirren

Internetkriminalität: Neue Masche beim betrügerischen Maschinenkauf

Täter verwenden z.B. den seriösen Anbieter „uShip“, um den Versand des Fahrzeugs vorzutäuschen.

Aktuell häufen sich bei der Polizei Niedersachsen die Hinweise auf gefälschte Verkaufsanzeigen in Fahrzeugportalen. Neben normalen Pkw sind auch Landmaschinen und Wohnmobile sehr beliebt. Die Täter fälschen dafür in den seriösen Verkaufsportalen die Verkaufsanzeigen. Hierfür werden beliebige Bilder aus anderen Anzeigen missbräuchlich eingesetzt. Zum Teil werden ganze Inhalte über den Fahrzeugzustand kopiert und unter anderer Örtlichkeit und natürlich anderen Erreichbarkeiten eingestellt. Die Opfer, auf der Suche nach dem Schnäppchen, gelangen über die Suche auf die gefälschten Anzeigen und nehmen Kontakt auf. Kurz darauf melden sich die Täter per Mail und erzählen verschiedene frei erfundene Geschichten, die plausibel klingen, warum das Fahrzeug verkauft werden müsse und wo es sich gerade befinden würde.

Die typische Geschichte ist, dass der Verkäufer sich aktuell im Ausland aufhalten würde und zuvor in Deutschland war. Aus Umzugs-/Arbeitsgründen oder der Änderung der familiären Situation (z.B. Tod des Ehemannes und selber kein Führerschein), wolle man sich nun schnell und günstig vom geliebten Fahrzeug trennen. Die Täter erbitten für einen seriösen Verkauf die Zusendung von eingescannten Personalausweisen, Bankdaten, Adressdaten. Im Gegenzug werden auch eingescannte Personaldokumente (z.B. Irischer Pass) verschickt. Hinzu kommen Zulassungsbescheinigungen oder andere angeblich amtliche Bestätigungen.

Hier ist bereits Vorsicht geboten, warnt die Polizei: Versenden Sie niemals eingescannte Personalausweise, Zulassungsbescheinigungen oder weitere sensible Daten. Die Täter werden diese Daten für spätere neue Betrügereien missbrauchen. Auch die bereits zugeschickten Daten (z.B. irischer Pass) der Täter, sind in der Regel gefälscht oder verfälscht. Fotos, Namen und Unterschriften werden mehr oder weniger gut in Bilder echter Ausweise mittels Bildbearbeitung hineinkopiert. Besonders auffällig sind hier, wie bereits erwähnt, die Passbilder, Unterschriften und Namen. Biometrische Passbilder werden nur selten verwendet. Sicherheitsmerkmale (z.B. Wasserzeichen, Stempel, Hintergrundmusterung) werden „übermalt“ oder über das Passfoto drüberkopiert. So sieht man oft weiße/unsaubere Stellen rund um die Unterschrift oder in den Namensfeldern, wo sonst z.B. in der Regel auch das Hintergrundmuster zu sehen sein müsste.

Im weiteren Verlauf fälschen die Täter Frachtbriefe, Überweisungsbelege, Treuhänderbelege, Zulassungsbescheinigungen. Auch hier werden Original-Belege, die im Internet kursieren, missbräuchlich verwendet und mittels Bildbearbeitung dem angeblichen Verkaufsobjekt angepasst. Dabei ist oft das schlechte Hineinkopieren von Textpassagen (falsche Schriftarten auf behördlichen Schreiben, Schreibschriften als Unterschrift), Stempeln oder Firmenlogos sehr auffällig.

In der Vergangenheit wurden durch die Täter auch Banken und Transportunternehmen ausgedacht. Für diese angeblichen Dienstleister wurden sogar Webseiten bereitgestellt. Das Opfer soll sich sicher fühlen, da es ja unabhängig von der Verkaufsanzeige den Transportdienst oder die Bank im Internet wiederfindet. Ein gefälschtes Unternehmen wird nicht erwartet. Zudem wurden auch entsprechende Auftragsbestätigungen von diesen gefälschten Anbietern an die Opfer per Mail geschickt.

Ein Beispiel: Ein Transportdienst soll es bereits seit einigen Jahren geben (so die Behauptung auf der Webseite). Die zugehörige Webseite besteht jedoch erst seit einigen Wochen/Monaten (Domainprüfung) und Fundstellen in Suchmaschinen sind nicht oder erst seit kurzem vorhanden.

Missbrauch von echten Transportdienstleistern

Eine aktuelle neue Masche ist der Missbrauch von echten Transportdienstleistern und Plattformen. So verwenden die Täter z.B. den Anbieter „uShip“. Bei uShip handelt es sich um eine seriöse Webseite, bei der Transportunternehmen oder auch Auftraggeber sich gegenseitig suchen und finden können. Möchte man z.B. einen großen Artikel (z.B. ein Auto) versenden, kann man diesen Sendungswunsch dort online einstellen. Findet ein Transportunternehmen diesen Wunsch, kann er dann ein entsprechendes Angebot für den Transport unterbreiten. Wird man sich einig, findet entsprechend ein Transport statt.

Die Masche der Täter ist nun, dass sie auf der dortigen Webseite den Transportwunsch des Fahrzeugs aus der gefälschten Verkaufsanzeige im Namen des Opfers einstellen. Der Transportwunsch ist nun öffentlich auf der Webseite von uShip einsehbar (inkl. Fahrzeugdaten, Namen, Fahrzeugfoto, Transportweg usw.). Den Link zur Seite senden die Täter dann dem Opfer. Das Opfer geht nun davon aus, dass der Transport des Autos soweit klar geht. Es ist für den Laien nicht sofort erkennbar, dass hier lediglich Gebote für den Transport gesucht werden und somit noch gar kein Transportauftrag besteht. In Verbindung mit weiteren gefälschten Dokumenten ist das Opfer schließlich bereit, das Geld an die Täter zu übermitteln.

Allgemeine Tipps der Polizei

■ Seien Sie vorsichtig bei Angeboten und Kaufgesuchen aus dem Ausland in englischer Sprache.

■ Nutzen und bestehen Sie auf bekannte und seriöse Zahlungsdienste/Treuhanddienste.

■ Nutzen und bestehen Sie auf bekannte und seriöse Transportdienstleister.

■ Sollten Sie Schecks vor Warenversand erhalten haben, lassen Sie diese durch Ihre Bank auf Echtheit überprüfen.

■ Weisen Sie Ihre Bank ggf. auf die Verkaufsumstände hin.

■ Fragen Sie notfalls bei einer Polizeidienststelle nach und prüfen Sie bzw. lassen Sie z.B. zugeschickte Ausweiskopien überprüfen.

■ Überprüfen Sie die angebotenen Treuhand- und Transportdienste z.B. mittels Internetsuchmaschinen und Domainabfragen (sogenannte Whois-Recherchen).

■ Melden Sie betrügerische Angebote


Diesen Artikel bewerten

Diskutieren Sie mit

blog comments powered by Disqus