Magazin Finanzen

Internationale Landtechnikmärkte :

Corona macht alles anders

Hatten die großen, börsennotierten Landtechnikhersteller für das Jahr 2020 ursprünglich mit einem Nullwachstum aber keinen weiteren Umsatzrückgängen gerechnet, sind durch die weltweite Ausbreitung des Covid-19-Virus alle Prognosen hinfällig geworden. So bestimmt anstatt des Wetters und der landwirtschaftlichen Zyklen einmal mehr die Politik – nun auch noch in ihrer Reaktion auf die wirtschaftlichen Verluste der Landwirte – die Erfolge der Landtechnikbranche und damit auch die Börsenkurse der Technikproduzenten.

Internationale Landtechnikmärkte: Corona macht alles anders

Neue Technologien und eine noch höhere Berufsqualifikation werden die Zukunft der Landwirtschaft sichern. Das Foto zeigt den vollautonomen Roboter „Smash“ von Yanmar.

„Corona-Krise? Von wegen: Pommes-Krise“, schrieb ein Fachmagazin im Frühling über die Probleme der Landwirte in Europa. Tatsächlich hatten Ausgangssperren und der Lockdown der Wirtschaft ihre ersten sichtbaren Auswirkungen auf die Nachfrage von Agrarprodukten bei Kartoffeln gezeigt. Statt an die Pommesbude, in die Gaststätten oder Kantinen zu gehen und dort die beliebten frittierten Kartoffelsticks zu ordern, saßen die Menschen nun zu Hause und stellten ihren Speiseplan um. Gemüse wurde teurer, der (Groß-)Handel aber blieb auf Bergen von Pommes sitzen, die für die Gastronomie bereitet waren. Ein Boom an Tiefkühlpommes für den Heimgebrauch jedoch blieb aus.

Nur ein Beispiel der ungeahnten Folgen einer Pandemie, die trotz der inzwischen erfolgten Lockerungen etwa in Europa auch weiterhin nicht wirklich abzusehen sind. Der Kampf gegen die Covid-19-Pandemie hat zu beispielloser Unsicherheit in den globalen Lieferketten der Nahrungsmittelversorgung geführt. Saisonarbeiter durften nicht reisen, Schlachthöfe mussten schließen, in Transport und Logistik von Agrarprodukten ist weiterhin mit Engpässen zu rechnen. Dazu kommt, dass sich die Nachfrage nach Nahrungsmitteln und gastronomischen Dienstleistungen vollkommen verändert hat.

Das wird gerade jetzt in der Urlaubszeit deutlich: Weil die reiselustigen Deutschen Balkonien als Urlaubsziel entdeckt haben, dürfte der Mehlverbrauch von Pizzabäckern in Italien oder Crepes-Ständen an der Côte d’Azur massiv zurückgehen.

Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit (OECD) sowie die Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) fassten es in einer Stellungnahme Mitte Juli wie folgt zusammen: „Die allgemein positiven mittelfristigen Aussichten für die Agrarproduktion und den Nahrungsmittelkonsum weltweit werden auf kurze Sicht durch die wirtschaftlichen und sozialen Effekte der Pandemie getrübt.“

Und war es in den vergangenen drei Jahren die chaotische Regierungsweise von US-Präsident Donald Trump, der besonders im Agrarbereich einen Handelskrieg mit China angezettelt hatte und so althergebrachte Zusammenhänge des weltweiten Agrarhandels durcheinanderbrachte, so ist es nun ausgerechnet die Politik, in welche die beiden Organisationen ihre Hoffnung setzen. In der Studie von OECD und FAO heißt es: „Regierungen sollten einerseits durch eine ausgewogene Politikgestaltung den unmittelbaren Erfordernissen gerecht werden, etwa den Arbeitskräfteengpässen, und andererseits beim Wiederaufbau des Sektors nach der Pandemie für nachhaltige Verbesserungen sorgen.“

Doch die zig Milliarden Dollar schweren staatlichen Hilfen, die von Indien über Europa bis zu den USA tatsächlich fließen, sehen überall anders aus. In den USA hofft der Wahlkämpfer Trump mit den schnellen Agrarhilfsdollars per Gießkanne, die Farmer an sich zu binden, tut aber nichts, die strukturellen Probleme seiner Landwirte zu lösen. In Europa fordern die in vielen Ländern erstarkten Grünen in den Landesparlamenten sowie in Brüssel, die Hilfen an ihre ideologischen Forderungen zu ihrem „Kampf gegen die industrielle Landwirtschaft“ zu knüpfen, ohne zu wissen, woher bezahlbare und ausreichende Lebensmittel in Zukunft kommen sollen. Im Agrarstaat Brasilien hingegen sieht Regierungschef Bolsonaro keine Notwendigkeit, seine Bauern zu stützen, weil er die Pandemie nur für „eine leichte Grippe“ hält.

Hersteller mehrfach getroffen

Die Landtechnikhersteller jedenfalls sind durch die Corona-Pandemie mehrfach getroffen. Zuerst stürzten die Aktienkurse der börsennotierten Hersteller mit im allgemeinen Crash der Börsen. Die Notierungen haben sich allen Unkenrufen in Sachen Überbewertung und Rezession allerdings schon wieder recht gut erholt. Grundsätzlich war das Kursminus der Landtechniker nicht so groß wie beim Rest des Maschinenbaus. Und auch die Erholung verlief schneller als bei anderen Branchen.

Doch die Internationalisierung mit Produktionsstandorten in verschiedenen Erdteilen sorgte zum einen für Engpässe bei den Zulieferern, zum anderen wurden Werksschließungen nötig. Der indische Traktorhersteller Mahindra & Mahindra etwa, der normalerweise zwischen 20.000 und 30.000 Schlepper pro Monat (!) ausliefert, wurde wegen des Lockdowns auf dem Subkontinent im April keinen einzigen Traktor los. Auch Agco fuhr sein Fendt-Werk in Marktoberdorf coronabedingt vorübergehend herunter, CNH Industrial konnte in Norditalien wegen der Ausgangsbeschränkungen gar nicht produzieren, bei John Deere in den USA wurde die Produktion mangels Teilen aus China stark behindert.

Neben Corona auch altbekannte Probleme

Liefer- und Produktionshemmnisse sind das eine, die Nachfrage seitens der Landwirte das andere. Während Ersteres zeitnah und durch die Unternehmen selbst zu lösen ist, zeigt sich bei der Investitionsbereitschaft der Bauern noch nicht wirklich eine Entspannung. Denn neben Corona sorgen altbekannte Probleme in den einzelnen Agrarregionen weiter für Unsicherheit.

Und so kann auch die jüngste Studie von OECD und FAO kein eindeutiges Resumee liefern. Einerseits sehen die Experten der Organisationen einen weiter steigenden Bedarf an Lebensmitteln aufgrund der wachsenden Weltbevölkerung. Das ist der ganz langfristige Ausblick. Andererseits rechnet die Studie in der kommenden Dekade nicht mit steigenden Preisen für Agrarrohstoffe. Ursache: Ausgerechnet die zunehmende Technisierung der Landwirtschaft – von mehr und mehr autonom fahrenden Maschinen, unterstützt durch Drohnen oder effizienterem Einsatz von modernem Saatgut bis hin zu besserer Ausbildung der Landwirte – sorgt zuerst einmal für überproportional steigende Erträge. Erst ab 2030 würde die gestiegene Bevölkerungszahl und die Änderung ihrer Ernährungsgewohnheiten wieder zu steigenden Preisen für die Rohstoffe und damit besseren Einkommen der Bauern sorgen. Gleichzeitig warnen die Experten vor kurzfristigen Knappheiten, die eben nicht nur durch eine Pandemie wie Corona und ihre Folgen, sondern auch durch Ereignisse wie die aktuell auf mehreren Erdteilen wütende Heuschreckenplage entstehen können.

Grundsätzlich sind die Zukunftsaussichten der Landtechnik also gar nicht so schlecht. Erfolg oder Misserfolg auf kürzere Sicht wird aber viel von den Entwicklungen in den einzelnen Regionen abhängen, in denen die Hersteller ihre Maschinen anbieten. Deshalb lohnt sich der Blick auf unterschiedliche Märkte wie etwa Indien. Der Subkontinent ist eine der Regionen der Welt, die von der Corona-Pandemie am schlimmsten getroffen wird. Gerade erst hatten sich die einzelnen Bundesstaaten dazu durchgerungen, Handelshemmnisse für Agrargüter untereinander – ein noch aus der britischen Kolonialzeit stammendes Relikt – abzubauen, da wurden neue Barrieren aufgezogen, um die Ausbreitung des Virus zu verlangsamen. Welche Folgen das hat, ist weiter unklar. Doch Ministerpräsident Narendra Modi setzt umso mehr auf den Ausbau der Landwirtschaft als Konjunkturmotor für das Land mit der zweitgrößten Bevölkerung der Erde. Schließlich erzielen rund 56 Prozent der Inderinnen und Inder ihr Einkommen im Bereich Landwirtschaft. Und trotz Hightech in den Großstädten ist der Holzpflug hinter dem Zugrind auf dem Lande noch nicht ganz ausgestorben.

Dereguliert werden die Märkte für Getreide, Kartoffeln, Zwiebeln, Pflanzenöle sowie Hülsenfrüchte. Und auch ein Terminmarkt für Agrarrohstoffe – anderswo eine Selbstverständlichkeit – soll eingeführt werden. Wenn Angebot und Nachfrage statt staatlicher Vorgaben die Preise für Agrargüter bestimmen, so das Kalkül der Regierung, bekommen die Bauern auch die Chance etwa bei schlechten Ernten den Mengenausfall durch höhere Preise kompensieren zu können. Das hat bereits zu einer Ausweitung etwa des Kartoffelanbaus und vor allem mehr Produktion von Gemüse geführt. Doch ganz gibt die Regierung das Zepter noch nicht aus der Hand: Wenn etwa Preise um mehr als 100 Prozent steigen, wird ein Median aus den Preisen der vergangenen fünf Jahre plus 50 Prozent Aufschlag als Obergrenze festgelegt. Trotzdem schieben die neuen Chancen auf Einkommen die Mechanisierung der indischen Landwirtschaft mächtig an: Auf den rund 25,5 Millionen Hektar Fläche für Gemüse und Früchteanbau hat sich die Erntemenge binnen zehn Jahren auf 314 Millionen Tonnen (12,3 Tonne pro Hektar) nahezu vervierfacht. Die entsprechenden Einkommen der Landwirte haben sich immerhin in etwa verdoppelt.

Das schiebt auch die Investitionen in Landtechnik an: Rajesh Jejurikar, Chef der Landtechniksparte des Multikonzerns Mahindra, verkündete noch im März voller Stolz:

„Wir sind glücklich, ein Wachstum von 21 Prozent beim Absatz von Traktoren auf dem heimischen Markt für das vergangene Jahr zu sehen. Und allein im Februar lagen die Traktorverkäufe mit 21.877 Stück auch um gut 20 Prozent über denen des Vorjahres.“ Der Corona-Pandemie zum Trotz investieren die Landwirte Indiens weiter: Für den Juni meldete Mahindra ein Absatzplus gegenüber dem Vorjahr von zwölf Prozent bei den Schleppern, Landtechnik insgesamt legte um gut zehn Prozent zu. Dieser Trend dürfte bei den direkten Wettbewerbern wie Tata, aber auch den in Indien präsenten Landtechnikern aus Deutschland, wie Claas oder Grimme, greifen.

Infrastruktur dringend nötig

Während der indische Subkontinent mit seinen 1,4 Milliarden Einwohnern zumindest auf eine zentrale Landwirtschaftspolitik setzen kann, ist das in den 55 Staaten des afrikanischen Kontinents unmöglich. Welche Folgen die Corona-Pandemie deshalb für Afrikas Landwirtschaft und damit die dringend notwendige Technisierung der Agrarproduktion haben wird, ist bisher schwer abzusehen. Zudem wird der Osten des Kontinents in diesem Jahr noch von einer anderen Plage gebeutelt. Riesige Heuschreckenschwärme fallen über Felder und Dörfer her und vernichten alles Essbare. Würde die Landwirtschaft schon über moderne Geräte wie Drohnen verfügen, könnten die Insekten wenigstens früh geortet und bekämpft werden. Doch das ist nur bei wenigen modernen Großfarmen der Fall. Doch selbst wenn nicht Heuschrecken die Lebensmittel vernichten, haben viele Länder Afrikas das Problem gigantischer Verluste nach der Ernte.

Das erst Anfang Juli mit Hilfe britischer Experten gegründete „African Centre of Excellence for sustainable cooling and cold chain“ etwa rechnet, dass beispielsweise im relativ gut entwickelten Ruanda 25 Prozent der Tomatenproduktion verderben, weil die Früchte in Erdgruben und nur mit Segeltuch bedeckt gelagert werden. Konventionelle Kühlhäuser mit ihrem hohen Energieverbrauch machen indes in der mit Strom schlecht versorgten Subsahara-Region wenig Sinn. Eine der Lösungen: Hallen mit klug gesteuerten Lüftungssystemen, unterstützt durch kühlende Verdunstungssysteme, bei denen der Wasserdampf wieder kondensiert wird. Solch eigentlich simple, energiesparende Technik soll dann auch in weiteren afrikanischen Ländern erprobt und auch in anderen Entwicklungsländern wie Indien zum Einsatz kommen. Können die Landwirte damit auch mehr ihrer Produktion auf die Märkte bringen, dürften sie die zusätzlichen Einnahmen in die weitere Mechanisierung investieren. So lange solche strukturellen Probleme nicht gelöst sind, bleiben große Teile des Kontinents für die Landtechnik-Hersteller nur ein Nebenmarkt.

USA nach wie vor größter Markt

Anders die USA als nach wie vor größter Landtechnikmarkt der Welt. Ein Bereich der US-Landwirtschaft wird besonders hart von der Corona-Pandemie getroffen: Die Schweinezüchter. Auf kurze Sicht liegt das unter anderem an der Schließung von Schlachthöfen. Das Virus hatte zuerst die Belegschaft der Metzger, dann zeitverzögert die Arbeiter auf den Farmen infiziert. Auf längere Sicht hat das Folgen auf das gesamte Branchengefüge – angefangen vom dann Pleite gegangenen Züchter und Mäster oder Futtermittellieferanten über die Schlachtbetriebe bis hin zu den Konsumenten, die sich ihr gewohntes Grillgut nicht mehr in der gewohnten Menge leisten können. Dermot Hayes, Agrarexperte der Iowa State University, erklärt dazu: „Die Schweinefleisch-Industrie wird nie mehr so wie vor der Pandemie sein.“ Zudem haben sich US-Präsident Trumps China-Ängsten zum Trotz ausgerechnet asiatische Großunternehmen mehr und mehr in die US-Schweinefleisch-Branche eingekauft. Weil besonders in China das Borstenvieh viel zu dicht bei der Bevölkerung gehalten wurde, hatte sich dort die Schweinepest so gut verbreiten können. Die Schweinehaltung in den USA ist da – anders als so manche biobewegten Konsumenten hierzulande denken – viel weitläufiger angelegt.

Doch auch wenn Corona die Schweinezüchter wohl am schlimmsten getroffen hat, die US-Landwirtschaft insgesamt steht nicht nur durch die Pandemie vor einem Strukturwandel und einem Sterben kleinerer Höfe. Denn schon der von Präsident Trump mit China angezettelte Handelskrieg hat für viele Farmer enorme Verluste bedeutet, die auch nicht durch die von Wahlkämpfer Trump versprochenen zig Milliarden Dollar an Hilfsgeldern aufgefangen werden können. Inzwischen zeichnet sich auch noch ab, dass die Handelsvereinbarung „Phase 1“ zwischen den USA und China, deren wesentlicher Bestandteil der Kauf von amerikanischen landwirtschaftlichen Erzeugnissen durch China ist, von den Asiaten nicht umgesetzt wird. Peking hat zumindest jüngst seine Staatsunternehmen angewiesen, mit dem Verweis auf Covid-19 keine US-Agrarprodukte mehr zu kaufen. Das bedeutet eine erneute Eskalation des Konflikts.

Zumindest die US-Landtechnik-Branche scheint vorerst mit einem blauen Auge davonzukommen. Zwar ist der Absatz von Maschinen im ersten Halbjahr deutlich zurückgegangen. Doch während etwa der Baumaschinenbereich rund 50 Prozent Umsatzeinbußen beklagen muss, liegen die Zahlen bei der Landtechnik nur etwa 20 Prozent im Minus zum Vorjahreszeitraum. Im zweiten Halbjahr könnten nach den Einnahmen aus der Ernte zudem die lange aufgeschobenen Ersatzinvestitionen der Farmer für Aufschwung am Landmaschinenmarkt sorgen. So ermittelten etwa die Experten des Wirtschaftsdienstes Bloomberg, dass die aktuelle Traktorflotte der US-Bauern über einen rollierenden Zehnjahreszeitraum die älteste seit Anfang der 1970er-Jahre ist.

Bisher meistens noch unter dem europäischen Radar: Der Landtechnikmarkt in Australien gewinnt insbesondere im Getreideanbau und in der Rindfleischproduktion an Bedeutung.

Bisher meistens noch unter dem europäischen Radar: Der Landtechnikmarkt in Australien gewinnt insbesondere im Getreideanbau und in der Rindfleischproduktion an Bedeutung.

Heuschrecken in Russland

Dem von Trump bewunderten russischen Präsidenten Putin erging es da mit seinen Landwirten besser. Zum einen spielt für ihn durch eine Verfassungsänderung das Thema Wahlkampf wohl keine Rolle mehr. Zum anderen ist Wladimir Putins Riesenreich zwar auch von der Pandemie betroffen, doch durch die geringe Bevölkerungsdichte in den Agrarregionen hat das Virus die Landwirtschaft nicht oder noch nicht stark betroffen. Entsprechend gut sieht es für die Landtechnikbranche in Russland aus: „Die Nachfrage hat unsere Erwartungen übertroffen. Wir haben daher gute Chancen, das laufende Jahr mit einem ordentlichen Ergebnis abzuschließen“, sagte etwa Bernd Scherer, Geschäftsführer des VDMA Landtechnik, in seiner Halbjahresanalyse zu dem Markt im Osten. Als Beleg kann hier das Ergebnis der Ekotechnika, der deutschen Holding des größten Händlers internationaler Landtechnik in Russland, dienen. Der Händler von Marken wie John Deere oder JCB hat in den ersten sechs Monaten des Geschäftsjahres 2019/2020 (30.09.) seinen Umsatz deutlich von 51,9 Mio. Euro um 44 Prozent auf 74,8 Mio. Euro gesteigert und ist weiter positiv gestimmt.

Ohne Auswirkungen bleibt die Pandemie aber auch in Russland nicht, weshalb Präsident Putin seinen Landwirten Investitionszuschüsse, etwa beim Kauf einheimischer Landtechnik, zugesagt hat. Dazu kommt, dass auch die zinsvergünstigten Darlehen für Landwirte nicht nur fortgesetzt, sondern auch im Umfang erhöht wurden. Und wie sich das Corona-Virus über die Welt verteilt, blieb Russland auch von einer anderen Plage nicht verschont: In den Kaukasus-Regionen sowie Gebieten rund um das Altai-Gebirge im Süden Sibiriens sind Heuschrecken-Schwärme eingefallen, die schon in Afrika, Pakistan oder Indien die Ernten ganzer Regionen vernichtet haben. Dennoch bleibt Russland ein chancenreicher Zukunftsmarkt für westliche Landtechnik, denn die großen Betriebe des Landes wollen und können auf moderne Technologie nicht verzichten.

Aus europäischer Sicht wenig beachtet, ist auch Australien für Landtechniker weiter bzw. wieder ein interessanter Markt. Nach den Dürren der vergangen drei Jahre und den damit zusammenhängenden Buschbränden regnet es in Down Under wieder kräftig. Allein die Weizenernte dürfte dieses Jahr um mindestens 20 Prozent höher ausfallen, auch die Rindfleischproduktion hat zugenommen. Doch diesen guten Nachrichten zum Trotz hat Covid-19 Australiens Landwirtschaft doch noch getroffen: Weil die Regierung in Canberra von China eine Untersuchung zur Entstehung und Ausbreitung des Virus gefordert hat, strafen die Kommunisten in Peking ihren wichtigen Lieferanten von Agrarerzeugnissen nun durch die Stornierung von Aufträgen ab. Wie weit das die neue Investitionslust der australischen Farmer hemmt, bleibt abzuwarten.

Hybrid-elektrische Zukunft

Gänzlich unabhängig von Corona oder wenig abhängig von staatlichen Hilfen für die Landwirtschaft werden die Landtechnik-Hersteller bei einem Trend mithalten müssen, um gegen die Wettbewerber den Anschluss nicht zu verlieren: Dem Smart Farming, also der Digitalisierung inklusive Künstlicher Intelligenz und Kombination wie Drohnen, Satelliten und neuen Sensortechniken. Auch eine stärkere Elektrifizierung der Maschinen ist nicht aufzuhalten.

Das britische Forschungs- und Beratungsunternehmen IDTechEx hat im Frühjahr einen Report veröffentlicht, der für in der Landwirtschaft eingesetzte elektrisch getriebene Fahrzeuge und Roboter bis 2030 einen Markt von 50 Mrd. US-Dollar jährlich sieht. Peter Harrop, Chef von IDTechEx, sieht den Wandel der Landtechnik vor allem von drei Trends getrieben: Dem Problem, geeignetes Personal zu finden, das noch in der Landwirtschaft arbeiten will, der verstärkten Anwendung von Precision Farming und schließlich den Vorteilen der Automation bei der Gewinnung von Agrarrohstoffen.

Was in dem 215-Seiten-Papier allerdings erst weit hinten steht, ist die Tatsache, dass Elektrifizierung in der Landtechnik in großen Teilen nicht den Einsatz von batteriegetriebenen Stromwägelchen meint, welche die vermeintlich umweltbewussten Großstädter so gerne in der heimischen Garage für die Fahrt zum Shoppingcenter aufladen. E-Landtechnik wird eher von der Hybrid-Technik bestimmt: Der nach wie vor hocheffiziente Dieselmotor liefert den netzunabhängigen Strom – etwa für den Einzelradantrieb und elektrische Komponenten, welche die Hydraulik ersetzen werden. Ein Beispiel dafür ist Kubota: Die Japaner stellten im Januar ihren sogenannten „Traum-Traktor“ vor. Der Prototyp fährt voll autonom und wird mit einzeln ansteuerbaren In-Rad-Motoren angetrieben, die ihn wendiger sowie in unterschiedlichstem Terrain einsetzbar machen sollen.

Batterien als Antrieb allein sind allerdings für agrarische Anwendungen einfach zu schwer, zu teuer und zudem nur mit erheblichen Belastungen für die Umwelt herzustellen sowie zu entsorgen. Und so wird sich eine vollständige Elektrifizierung der Landtechnik nur mit der Brennstoffzelle verwirklichen lassen, die mit Wasserstoff gefüttert wird. Dass Hersteller wie CNH Industrial (Case IH, Steyr, New Holland, Iveco) durch die Kooperation mit dem frisch an der Börse gestarteten Lkw-Hersteller Nikola schon an solchen Antrieben arbeiten, ist bekannt. Doch selbst wenn diese schon in wenigen Jahren serienreif wären, fehlt immer noch eine Infrastruktur, um genügend (politisch gewünschten) „grünen“ Wasserstoff aus alternativen Energien herzustellen und dann auch über Pipelines und Tankstellen zu verteilen.

So müssen sich die Hersteller also Schritt um Schritt an die neuen Technologien heranarbeiten und gleichzeitig bezahlbare konventionelle Technik anbieten. Die notwendigen Investitionen dürften von einem einzelnen Hersteller, und sei er so groß wie John Deere, wirtschaftlich nicht alleine gestemmt werden können. Heißt im Umkehrschluss: Wie bereits in der Autoindustrie wird es zu mehr Joint Ventures und Standardisierung in der Landtechnik kommen, und große Unternehmen werden kleinere aufkaufen. Die Corona-Krise wird diese Entwicklung nur ein wenig verzögern.

Post-Pandemie-Landwirtschaft

Michael Miille, Chef des Forschungsunternehmens Joyn Bio – ein Joint Venture von Bayer und Ginko Bioworks – greift bei seiner Betrachtung der Corona-Folgen für die Landwirtschaft weit in die Geschichte der Pandemien zurück. Von der Spanischen Grippe, die in der Humanmedizin Fortschritte brachte, über den asiatischen Sojabohnen-Rost, der 2005 in Brasilien auf den Feldern wütete, aber sich in der nördlichen Hemisphäre (bis jetzt) nicht ausbreiten konnte, weil er frostempfindlich ist, bis zum sogenannten Citrus Greening – einem aus China stammenden Bakterium, das von Blattflöhen übertragen wird, vor allem Orangen- oder Zitronenbäume zerstört und sich weltweit ausbreitet. Miille sieht trotzdem einen Silberstreifen für die Landwirtschaft am Horizont: „Wie in der Humanmedizin treibt nun eine gewaltige Welle von Geld die Technologie voran.“ Die vielen Tests und die Suche nach Impfstoffen beschleunigten die Forschung immens. Der in Stanford ausgebildete Chemiker hält es für möglich, dass es in der Pflanzentechnik zu einer Innovations-Explosion kommen könne „wie Anfang der 1960er-Jahre beim Rennen in der Raumfahrt um den ersten Flug zum Mond“.

Die Landtechnik muss zwar nicht zum Mond, der technologische Fortschritt wird sich in der Branche dennoch beschleunigen. Während viele selbsterklärte Landwirtschaftsexperten der deutschen (und europäischen) Politik immer noch glauben, eine Landwirtschaft wie vor 100 Jahren würde das Klima retten, dennoch die Bauern ausreichend finanzieren und gleichzeitig die steigende Weltbevölkerung ernähren, sind die Fachleute längst weiter. Sie wissen: Nur neue Technologie, besseres Wissen der Anwender und ein gesunder Wettbewerb werden die Landwirtschaft und damit die Zukunft sichern. Die Börsianer jedenfalls – immer schon auf die Zukunft ausgerichtet – sehen in der Landtechnik große Chancen und setzen entsprechend weiter auf die Aktien der Hersteller.

Der Autor – Carl Batisweiler

ist Textchef und Ressortleiter bei der Finanz-Wochenzeitung €uro am Sonntag sowie dem Monatsmagazin €uro. Er beschäftigt sich seit vielen Jahren mit den Agrarrohstoffmärkten sowie den börsennotierten Landtechnikherstellern weltweit.

Landtechnikaktien – Erholung läuft schneller als bei anderen Maschinenbauern

Die Aktienkurse der börsennotierten Landtechnik-Hersteller konnten sich nicht dem Corona-bedingten Absturz der Börsen entziehen. Die Bewertungen fielen aber nicht so stark wie in anderen Bereichen des Maschinenbaus, auch die Erholung läuft schneller und besser als in der produzierenden Industrie insgesamt. Die hier gezeigte Resilienz sollten langfristig ausgerichtete Aktien-Investoren nutzen und weiter auf ausgewählte Titel der Branche setzen. Krisenbedingt sind die Ziel- und Stopp-Kurse neu justiert worden.

Was bedeuten die Empfehlungen?

Bei „Halten“ ist von einer Entwicklung des Aktienkurses nahe der allgemeinen Entwicklung der Aktienmärkte zu erwarten.

Bei „Kaufen“ wird eine überproportionale Steigerung des Aktienkurses zu den breiten Aktienindizes erwartet.

„Zielkurs“ ist der Kurs, den die Aktie nach Analysten und anderen Experten auf Sicht von zwölf Monaten erreichen sollte.

„Verkaufen“: Der Kurs der Aktie wird sich schlechter als der breite Markt und nach unten entwickeln.

„Stoppkurs“: Damit sichern sich Anleger gegen allzu große Verluste ab. Fällt der Kurs auf oder unter die Marke, ist eine Neubetrachtung der Wertpapieranalyse notwendig, ein Verkauf meist geboten.

„ISIN“: Nummer des Wertpapiers für den Handel an der Börse.

Aktuelle Informationen im Internet unter www.finanzen.net. Eine Haftung wird nicht übernommen.

Die Informationen stellen keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren dar.

Kursstand 27.07.2020, 10.00 Uhr

Deere & Co (John Deere)

Von allen Landtechnikaktien hat sich der Kurs des Marktführers vom Corona-Crash am besten erholt und notiert nun wieder nahe seines Allzeithochs, bei 181 US-Dollar, das er im Februar noch markiert hatte. Vom Tief am 18. März hat die Notierung mehr als 60 Prozent zugelegt. Offensichtlich trauen die Börsianer dem Unternehmen mehr zu, als es die zuletzt Ende Mai gemeldeten Zahlen eigentlich hergeben würden.

Im Quartal von Februar bis April (Deere hat ein verschobenes Geschäftsjahr) meldete der Branchenprimus ein Umsatzminus von 18 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Mit dem Vorquartal dazugenommen, in dem sich der Corona-Virus noch nicht als Pandemie dargestellt hatte, fiel der Umsatz im Vergleich auch immer noch um 13 Prozent geringer aus. Das lag auch am Bereich Forstwesen und Bau, der auf Sechs-Monats-Basis sogar 25 Prozent Minus verzeichnen musste. Trotzdem gibt die Konzernführung noch eine Nettogewinnprognose für das Gesamtjahr ab, und zwar im weiten Bereich von 1,6 bis zwei Mrd. Dollar.

Das wären im Vorjahresvergleich zwar mindestens 40 Prozent weniger. Doch Deere zahlt regelmäßig Dividende, die Charttechnik zeigt im Grunde eine kontinuierliche Kurssteigerung. Und weil sich die Landtechnikbranche insgesamt in der Corona-Krise besser hält als der US-Maschinenbau allgemein, gehört der Titel aus der „Old Economy“ bei den Börsenanalysten zu den Favoriten. Nicht mehr günstig, dennoch ein Kauf.

ISIN: US 2441991054
Kurs: 151,02 Euro
Ziel: 175,00 Euro
Stopp: 120,00 Euro
Empfehlung: Kauf

Kubota

Der japanische Hersteller von Land- und Baumaschinen erweitert seine Produktion in Europa zwar kontinuierlich, mit einem ausgeprägten Exposee im Bereich der Reisernte und damit Asien hat die Corona-Pandemie aber bereits bei den bisher nur zum ersten Quartal vorliegenden Zahlen deutliche Spuren hinterlassen. Und im für Kubota wichtigen Geschäft in Thailand hatte eine Wasserknappheit das Traktorengeschäft negativ beeinflusst.

Ohnehin hatte sich der Absatz in der Baumaschinenbranche schon ohne die Pandemieinflüsse abgekühlt. Unter anderem, weil im weltweiten Minengeschäft etliche Stilllegungen oder Kapazitätsreduzierungen zu verzeichnen waren. Landtechnik und Baumaschinen einschließlich Motoren machen fast 80 Prozent der Kubota-Umsätze aus.

So war der Gewinn in Q1 bereits von der Virus-Krise betroffen und um gut 40 Prozent eingebrochen, der Umsatz (4,09 Milliarden US-Dollar) mit etwa acht Prozent Minus zeigte sich stabiler.

Eine Stütze im Portfolio von Kubota ist die Bewässerungstechnik (fast 20 Prozent vom Umsatz), die sich zwar auch nicht dem Abschwung entziehen konnte, aber sehr gute Zukunftsaussichten hat. Die Aktie der Japaner hat zwar Aufholpotenzial, doch der mögliche negative Einfluss des Geschäfts in den asiatischen Schwellenländern und Währungsrisiken durch den Yen sprechen derzeit eher für eine Halteposition.

ISIN: WKN 857751
JP 3266400005
Kurs: 12,70 Euro
Ziel: 15,00 Euro
Stopp: 10,16 Euro
Empfehlung: Halten

Agco (Fendt, Valtra, Challenger)

Die Halbjahreszahlen veröffentlicht der Konzern aus Duluth, Georgia, zwar erst in einer Woche, Analystenschätzungen gehen aber von einem Umsatzrückgang von bis zu 25 % für das zweite Quartal im Vergleich zum Vorjahreszeitraum aus. Viel besser waren hingegen noch die Zahlen zum ersten Quartal, bei dem unterm Strich nur ein kleines Umsatzminus von 3,4 % gestanden hatte. Während es zum Jahresanfang in Süd- und Nordamerika kräftige Umsatzzuwächse, insbesondere bei den Mähdreschern und großen Traktoren gegeben hatte, lieferte Asien ein zweistelliges Minus und der Absatz in Europa, dem Mittleren Osten und Afrika fiel um 4,7 % zurück. Vor allem die Produktion in China hatte Lockdown-bedingt schon gestockt und wegen der behinderten Teilelieferungen auch die Produktion in Europa getroffen. Die Folgen der Produktionsausfälle sollte Agco gut wegstecken können, ist doch die Liquiditätssituation im Branchenvergleich sehr gut. Selbst wenn das Halbjahr die deutlichen Umsatz- und Gewinn-einbußen der Schätzungen bringen sollte, sind strategische Zukäufe weiter gut möglich. Laut Agco-Chef Martin Richenhagen zeigt zudem der zukunftsträchtige Bereich Smart Farming erfreuliche Zuwächse. Der Aktienkurs hat noch großes Aufholpotenzial.

ISIN: US 0010841023
Kurs: 54,92 Euro
Ziel: 75,00 Euro
Stopp: 39,50 Euro
Empfehlung: Kauf

Wacker Neuson (Weidemann, Kramer)

Der Münchener Baumaschinenkonzern hat mit den Töchtern Weidemann und Kramer auch mit der Landtechnik ein wichtiges Standbein. Allerdings weisen die Bayern deren Zahlen nicht gesondert aus. Die endgültigen Zahlen für das erste Halbjahr werden zwar erst am 5. August veröffentlicht, doch Wacker scheint sich in der Corona-Krise wacker zu schlagen. Nach den Zahlen zum ersten Quartal hatte Firmenchef Martin Lehner die Dividende gestrichen, was auf herbe Einbußen schließen ließ. Nun kommt es wohl nicht ganz so dick: Während die Erlöse laut einer vorläufigen Schätzung im zweiten Quartal mit 386 Mio. Euro rund ein Viertel niedriger liegen dürften als ein Jahr zuvor, rechnet der Baumaschinenhersteller beim Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) mit 21 bis 22 Mio. Euro – immer noch ein herber Rückgang nach 55,2 Mio. Euro im Vorjahreszeitraum. Die entsprechende Marge soll 5,3 bis 5,8 Prozent erreichen (Vorjahr: 10,7 Prozent). Doch teuer war vor allem die komplette Abschreibung des Firmenwerts der US-Tochter, weil dort das Geschäft massiv eingebrochen ist. Die Börsenanalysten honorieren das mit Kaufempfehlungen. Jetzt muss Lehner allerdings auch liefern.

ISIN: DE 000WACK012
Kurs: 15,83 Euro
Ziel: 21,00 Euro
Stopp: 11,80 Euro
Empfehlung: Kaufen

CNH Industrial (Case IH, Steyr, New Holland)

Wäre es ein Kartenspiel, hielte die einst aus dem Fiat-Konzern abgespaltene CNH Industrial eindeutig den Schwarzen Peter in der Hand. Dabei hatte die mit dem US-amerikanischen Lkw-Hersteller Nikola eingegangene Partnerschaft gerade einen fulminanten Börsenstart hingelegt. Doch die Brennstoffzellen-Technologie von Nikola ist Zukunft, die Realität heißt: Bei Iveco, dem Motorenhersteller FPT (Fiat Power Train) sowie den Landtechnikern und Baumaschinen läuft es schlecht. Die Anfang Mai veröffentlichen Zahlen zum ersten Quartal weisen einen Verlust je Aktie von 0,06 US-Dollar aus, im Vorjahresviertel hatten 0,18 Dollar Gewinn je Aktie in den Büchern gestanden. Der Umsatz ging im Vorjahresvergleich um 14,8 Prozent zurück. Hier wurden 5,50 Mrd. gegenüber 6,46 Mrd. US-Dollar im Vorjahreszeitraum generiert. Analysten waren von einem Gewinn je Aktie von 0,18 Dollar ausgegangen. Auf der Umsatzseite hatten die Experten im Durchschnitt 6,20 Mrd. Dollar erwartet. Hubertus Mühlhäuser, deutscher Chef des Unternehmens von Herbst 2018 bis März dieses Jahres, hat die strukturellen Probleme wohl nicht zu verantworten. Auch wenn seine Strategie weiterverfolgt werden soll: Derzeit kein Investment.

ISIN: NL 0010545661
Kurs: 6,50 Euro
Ziel: –
Stopp: –
Empfehlung: Verkauf

Bucher Industries (Kuhn Group)

Der Chef des Mischkonzerns aus der Schweiz, Jacques Sanche, erwartet einen „sehr schwierigen“ weiteren Verlauf des Geschäftsjahres, hält sich mit konkreten Prognosen aber zurück.

Die vielen Produktionsstandorte – jüngst wurde im russischen Woronesch ein Kuhn-Werk erweitert, Kommunalfahrzeuge (Jetter) werden in Lettland oder England hergestellt, Bucher-Hydrauliks wiederum sitzt in Deutschland ebenso wie in Indien und Italien, Frankreich ist ein Schwerpunkt für Landtechnik, aber auch in Brasilien wird produziert – machten und machen es in Pandemiezeiten nicht einfacher.

Gerade die durch den Handelskrieg mit China betroffenen kleinen und mittleren Farmbetriebe in den USA halten sich in dem für Kuhn so wichtigen Markt bei den Investitionen zurück.

So lag der Gesamtumsatz des Konzerns mit rund 700 Mio. Schweizer Franken im ersten Quartal mit fast 15 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum zurück. Am stärksten schlug hier der Umsatzrückgang der Division Emhart Glas mit Flaschenmaschinen für Lebensmittel zu Buche. Derzeit ist die Aktie nur eine Halteposition, durch die Einschränkungen der EU beim Handel mit Aktien aus der Schweiz, die deshalb nur indirekt zu haben sind, für Investoren aus Deutschland aber ohnehin kein Investment.

ISIN: CH 0002432174
Kurs: 283,47 CHF
Ziel: – –
Stopp: 235,00 CHF
Empfehlung: Halten

Mahindra & Mahindra

Der indische Mischkonzern hat in seinem Portfolio von Hotels über eine Fluglinie, Auto- und Lastwagenproduktion sowie Motorrädern auf Basis der legendären Jawa-Maschinen aus der Tschechoslowakei, Software und Saatgut samt Insektiziden und Pestiziden auch Landmaschinen. Mit seinen Traktoren ist Mahindra sogar Marktführer im eigenen Lande, hält Beteiligungen an der türkischen Traktorschmiede Hisarlar oder am finnischen Mähdrescher-Hersteller Sampo Rosenlew. Gerade diese strategischen Joint Ventures machen die Mahindra-Aktie als Beimischung zu einem agrartechnisch ausgerichteten Depot für Investoren interessant, denn das so eingesammelte Know-how kann sich im stark wachsenden Markt der Landtechnik in Indien langfristig auszahlen. Und die zahlreichen anderen Konzern-Engagements machen eine Anlage quasi zum breit gestreuten Mischfonds. Nach den jüngsten Veröffentlichungen ist Mahindra nach dem massiven Lockdown der Corona-Pandemie bereits dabei, den Totalausfall beim Traktorenumsatz im April durch exzellente Zahlen im Juni auszugleichen. Weil die indische Regierung massiv auf die Landwirtschaft setzt, ist die Aktie eine attraktive Wette auf Schwellenländer nach Corona.

ISIN: US Y541641194
(ADR, liquider als die
in Indien notierte Aktie)
Kurs: 6,40 Euro
Ziel: 9,10 Euro
Stopp: 4,25 Euro
Empfehlung: Kaufen