Internationale Landmaschinenmärkte - Franzosen kaufen europaweit die meiste Landtechnik

Gute Nachfrage und höhere Preise kurbeln Umsatz an – Positive Wachstumsdynamik hält schon seit fünf Jahren – AXEMA-Verband verspricht weiterhin gute Aussichten – Landwirtschaft hat eine große Bedeutung

Internationale Landmaschinenmärkte: Franzosen kaufen europaweit die meiste Landtechnik

In Frankreich werden 27 Mio. Hektar der Landesfläche landwirtschaftlich genutzt, das ist mehr als die Hälfte.

Denkt man an Frankreich, so kommen einem unweigerlich gutes Essen, Wein, Haute Couture und natürlich die Metropole Paris mit ihren charmanten Straßencafés, dem Louvre und dem imposanten Eiffelturm in den Sinn.

Die „Grande Nation“ ist aber auch flächenmäßig das größte Land Europas und gleichzeitig der größte Agrarproduzent der EU. Laut Statistik beläuft sich der landwirtschaftliche Produktionswert auf über 81,5 Milliarden Euro, und auch mengenmäßig ist Frankreich ein großer Erzeuger von Getreide, Raps, Hülsenfrüchten, Zucker, Rindfleisch und Eiern in der EU. Kein Wunder, schließlich wird mehr als die Hälfte der Landesfläche landwirtschaftlich genutzt – und das sind über 27 Millionen Hektar.

Größter Markt

Kaum verwunderlich ist da, dass Frankreich an der Spitze des europäischen Marktes für Landtechnik steht – noch vor Deutschland, Italien, dem Vereinigten Königreich und Polen. Nach Informationen des AXEMA-Verbandes auf der Vorab-Pressekonferenz zur SIMA 2022 entfielen allein auf diese Top Five 66 Prozent des Gesamtumsatzes in Europa, der sich 2021 insgesamt (EU plus Vereinigtes Königreich) auf 34,2 Milliarden Euro belief. Nach vorläufigen Berechnungen des AXEMA-Verbandes kletterte der Landtechnikabsatz in Frankreich um 16 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der Markt, den der französische Herstellerverband als Summe aus dem Produktionswert im Inland (5,5 Milliarden Euro) plus Importe (5,7 Milliarden Euro) minus Exporte (4,1 Milliarden Euro) errechnet, stieg auf einen Wert von rund 7,1 Milliarden Euro.

Mit einem Produktionswert von knapp 5,5 Milliarden Euro war Frankreich nach Deutschland und Italien der drittwichtigste Landtechnikhersteller in der Europäischen Union. Insgesamt entfallen auf diese drei Länder zwei Drittel der wertmäßigen Produktion in der EU-27.

Mehr Technik importiert

Zudem erreichten die französischen Landmaschinenimporte mit 5,7 Milliarden Euro und damit einem Anstieg von 25,5 Prozent im vergangenen Jahr ebenfalls einen Rekordwert. Laut AXEMA wurde dieses Wachstum vor allem von den landwirtschaftlichen Traktoren (+50,9 Prozent) getragen, die mehr als ein Drittel der französischen Einfuhren von Landmaschinen ausmachen. Die Importe von Teilen und Zubehör, die 20 Prozent beisteuern, nahmen demnach ebenfalls stark zu (+23,6 Prozent), ebenso wie die Einfuhren von Geräten für den Gartenbau und die Forstwirtschaft (+17,8 Prozent). Besondere Erwähnung findet auch der sprunghafte Anstieg der Importe von Bodenbearbeitungsgeräten, die sogar die 400-Millionen-Euro-Grenze überschreiten konnten.

Nach weiteren Informationen des AXEMA-Verbandes ist Frankreich unverändert der weltweit zweitgrößte Importeur von Landmaschinen – hinter den Vereinigten Staaten und vor Deutschland und Kanada. Neu unter den Top Five der weltweit größten Landtechnikimporteure ist demnach Russland, das das Vereinigte Königreich in der aktuellen Statistik auf Platz sechs verweist.

Noch stärker als die Einfuhren konnten 2021 die französischen Exporte zulegen. Frankreich, der weltweit fünftgrößte Landtechnikexporteur, konnte seine Ausfuhren 2021 um mehr als 28 Prozent auf 4,1 Milliarden Euro steigern, die damit noch über dem Vor-Corona-Niveau von 3,5 Milliarden Euro lagen. Nach AXEMA-Angaben verkaufen die Franzosen ihre Landtechnik in die ganze Welt, aber mit einem Anteil von über 80 Prozent wird der größte Teil der französischen Gesamtausfuhren in anderen europäischen Ländern abgesetzt.

Traktoren stark im Plus

Auch die Neuzulassungen von Traktoren und Teleskopladern entwickelten sich positiv auf 40.728 Einheiten. Das entspricht einem Plus von fast neun Prozent gegenüber dem Vorjahr und ist laut AXEMA das beste Zulassungsergebnis seit dem Jahr 2013. Neben 4.675 Teleskopladern weist die Statistik 36.053 Erstzulassungen von Standardtraktoren aus. Damit bleibt Frankreich vor Deutschland und Italien der größte Schleppermarkt in Eu-ropa. Etwa jeder zweite neue Traktor wurde im vergangenen Jahr in diesen drei Ländern angemeldet. Laut AXEMA werden auch in Frankreich die Traktoren immer leistungsstärker. Demnach hatte 2021 jede zugelassene Neumaschine im Schnitt 156 PS unter der Haube. Das sind immerhin 26 PS mehr als noch im Jahr 2010.

Bücher gut gefüllt

Der französische Herstellerverband erwartet, dass sich die heimische Landtechniknachfrage auch in den kommenden Monaten weiter gut entwickeln wird. Für das Gesamtjahr 2022 rechnet AXEMA mit einem Marktvolumen von 7,7 Milliarden Euro, was einer Zunahme um zehn Prozent entsprechen würde. Gleich mehrere Faktoren könnten das Umsatzwachstum treiben:

Zum einen führt der Verband steigende Verkaufspreise für Maschinen und Geräte ins Feld. Zum anderen rechnet AXEMA trotz steigender Produktionskosten in der Landwirtschaft weiter mit einer regen Nachfrage. Hinzu komme ein Werteffekt, der sich aus der Nachfrageverlagerung hin zu leistungsfähigeren, größeren und technologisch fortschrittlicheren Maschinen ergibt.

Nach Verbandsaussagen waren die Auftragsbücher der Hersteller Ende September gut gefüllt und deckten im Durchschnitt die Produktion von fünf Monaten ab. AXEMA erwartet daher einen positiven Jahresauftakt im Jahr 2023. Zudem werde auch der Auftragsüberhang aus 2022 den Umsatz in den ersten Monaten des neuen Jahres ankurbeln. Für die zweite Jahreshälfte besteht jedoch eine erhebliche Unsicherheit, da die Fachleute nach fünf aufeinanderfolgenden Wachstumsjahren – übrigens dem längsten Wachstumszyklus seit Anfang der 1990er Jahre – einen Marktrückgang für Landtechnik nicht ausschließen. Über das Gesamtjahr 2023 könnte die Absatzdynamik daher abflauen. Dennoch schaut AXEMA positiv in die Zukunft und rechnet in einem günstigen Szenario mit einem Absatzplus von bis zu fünf Prozent. Hoffnungsvoll gestimmt ist der Herstellerverband auch im Hinblick auf die anhaltende internationale Lieferkettenproblematik mit einhergehenden Produktionsunterbrechungen insbesondere bei elektronischen und hydraulischen Komponenten. Demnach könnten die Störungen in den Lieferketten zwar noch einige Monate andauern. Insgesamt dürften sich die Lieferzeiten jedoch allmählich verkürzen und sich möglicherweise im Laufe des Jahres wieder normalisieren.

Internationale Landmaschinenmärkte: Franzosen kaufen europaweit die meiste Landtechnik

Frankreich – Bank: Französische Landwirte investieren verstärkt, auch bei Biogasanlagen

Crédit Agricole: Kreditnachfrage gegenüber Vorjahreszeitraum um 8,4 Prozent gestiegen

Die französischen Landwirte fragen aktuell offenbar verstärkt Kredite nach. Wie die Bank Crédit Agricole jetzt auf der Tiermesse „Space“ in Rennes berichtete, belief sich im ersten Halbjahr 2022 die gesamte Kreditnachfrage bei ihr auf 4,45 Mrd. Euro; das waren 8,4 % mehr als im Vorjahreszeitraum. Für das gesamte Jahr rechnet die „grüne“ Genossenschaftsbank mit einer Kreditvergabe von 8 Mrd. Euro oder sogar darüber hinaus. Der Direktor für den Agrarmarkt bei der Crédit Agricole, Jean-Christophe Roubin, stellte jedoch einschränkend fest, dass Inflation und Wetterunbilden die Ergebnisse in der zweiten Jahreshälfte beeinträchtigen könnten.

Als „sehr unsicher“ ordnete Roubin die Aussichten für 2023 ein. Sollten die Getreidepreise wieder sinken, die Preise für Betriebsmittel aber hoch bleiben, könnte sich das hier sehr schädlich auswirken.

Im Gesamtjahr 2021 vergab die Genossenschaftsbank Kredite in Höhe von 8,28 Mrd. Euro; das waren 7,8 %mehr als 2020. Am stärksten legten nach ihren Angaben die Investitionen in den Bereichen Gemüse, Getreide und Schafhaltung zu, und zwar um 17,1 %beziehungsweise 11,6 % und 10,4 % während die französischen Landwirte ihre Investitionen in den Segmenten Geflügel, Fleischrinder und Weinbau um 3,6 % sowie 1,6 % und 0,5 % verringerten. Von einer „Beschleunigung“ der Investitionen sprach die Crédit Agricole mit Blick auf die erneuerbaren Energien. Der Bank zufolge erhöhten die Landwirte 2021 gegenüber dem Vorjahr die Investitionen in Biogasanlagen um 78 % und in die Photo- voltaik (PV) um 62 %. Beispielsweise seien in der Bretagne in den vergangenen 18 Monaten 211 PV-Projekte finanziert worden. Die Crédit Agricole will ihre Sparte Energiewandel deutlich ausbauen.

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