Magazin Landwirtschaft

International Field Days Bulgaria :

Landtechnik-Lösungen oft auf Spitzenniveau

DLG International und IFW expo Heidelberg veranstalteten die ersten Feldtage in Bulgarien – Teilweise hochkarätige Betriebe fragen westeuropäische Spitzentechnik nach – 2019 mehr Maschinenhersteller erwartet

International Field Days Bulgaria: Landtechnik-Lösungen oft auf Spitzenniveau

Die ersten internationalen Feldtage in Bulgarien fanden von 5. bis 7. Juni in Plovdiv statt.

Schwarzer toniger Auenlehm: Auf diesem Boden standen die Kulturen.

Schwarzer toniger Auenlehm: Auf diesem Boden standen die Kulturen.

Dr. Reinhard Rossberg von der DLG deutet auf die fingerbreiten Risse in der 70 cm tiefen Grube des Bodenprofils: „Das zeigen tonige Böden, wenn sie austrocknen“, erläutert er. Wir stehen auf einer kleinen Versuchsfläche inmitten vieler weiterer Parzellen, Fahnen und weißen Zelten. Den Boden, auf dem diese ersten International Field Days in Plovdiv, im Südosten von Sofia, stattfinden, spricht Dr. Rossberg als einen tonigen Auenlehm an. Dieser Horizont über Sand ist ca. 70 cm stark und entstand durch Sedimentation aus eiszeitlichen Wasserströmen auf dem Weg Richtung Schwarzes Meer. Durch Ruß von Steppenbränden und Huminsäure ist der Ackerboden tiefschwarz gefärbt. Dieser sogenannte Minutenboden verlangt die Aussaat „just in time“. Ist die Saat aber erst einmal etabliert, bietet er ein gutes Wasser- und Nährstoffhaltevermögen. Die DLG International und die IFW expo Heidelberg veranstalten die Feldtage hier mit der Agrarfakultät der Universität Plovdiv. Auch die Flächen für die 130 Aussteller – überwiegend aus Pflanzenzucht und Agrarchemie – stellt die Universität zur Verfügung. Plovdiv liegt 130 km von Sofia entfernt. Vom Flughafen der bulgarischen Hauptstadt braucht man mit dem Auto eineinhalb Stunden bis dorthin.

Die Feldtage liefen vom 5. bis 7. Juni, das Wetter war schwülwarm bis 28°C. Einige Bestände hatten gelitten, da vor den Feldtagen zwei heftige Unwetter mit Starkregen das zu üppig gedüngte Getreide teilweise in das Lager zwang.

Die 47 Aussteller kamen aus Deutschland, Bulgarien, Rumänien, Ungarn, Österreich, Schweiz, der Türkei und Frankreich.

Unterschiedliche Strukturen

Branchenkenner sprechen von rund 7.000 Landwirten in ganz Bulgarien. Das Land hat insgesamt 7 Mio. Einwohner. Gut 1.000 landwirtschaftliche Betriebe bezeichnet man als groß, d. h. sie bearbeiten mehr als 200 Hektar, teilweise bis über 1.000 Hektar. Bei den restlichen Betrieben geht man von 20 Hektar Durchschnittsgroße aus. Die Böden sind fruchtbar, wenn die Niederschläge ausreichen.

Angebaut wird überwiegend Weizen, Raps, Körnermais, Sonnenblumen, durch das relativ warme Klima spielen auch Obst und Gemüse sowie um die Region Plovdiv herum auch Tabak eine Rolle. Die Donau ist Verkehrsweg für den Transport des Getreides in den rumänischen Schwarzmeerhafen Konstanza. Von dort wird viel nach Nordafrika verschifft. Aktuell gibt es einige Betriebe, die sich auf die Produktion von Hochdruckquaderballen mit Luzerne spezialisiert haben. Diese gelangen dann ebenfalls per Schiff zu den großen Milchviehanlagen im Nahen Osten.

Nikolay Kolev, Area Sales Manager Lemken Bulgaria, hat die ersten Azurit-Maschinen bei Kunden in der Vorführung.

Nikolay Kolev, Area Sales Manager Lemken Bulgaria, hat die ersten Azurit-Maschinen bei Kunden in der Vorführung.

Finn Petersen (li.) und Carsten Wolk von Claas: „Die bulgarischen Landwirte legen bei Dreschern Wert auf gute Strohqualität.“

Finn Petersen (li.) und Carsten Wolk von Claas: „Die bulgarischen Landwirte legen bei Dreschern Wert auf gute Strohqualität.“

Mähdrescher starten Anfang Juni

Jetzt läuft die Getreideernte. Die Erträge starten bei 45 dt/ha, erreichen aber auch 100 dt/ha, erklärt Finn Petersen. Er ist als Regional Director der Claas Gesellschaft in Bukarest für den Verkauf in den Ländern Rumänien und Bulgarien verantwortlich. Petersen ist gelernter Landmaschinenmechanikermeister. Als Kundendiensttechniker begleitete er die ersten 50 Drescher, die Claas 1993 nach Rumänien verkaufte. Seit 2011 leitet er die Geschäfte als Regional Director für Rumänien und Bulgarien. Der bulgarische Mähdreschermarkt insgesamt schwankt laut Petersen zwischen 120 bis 180 Einheiten jährlich. Für den Marktverlauf sind neben den Ernteergebnissen und Erzeugerpreisen wesentlich die verfügbaren EU-Fördergelder für Landtechnikinvestitionen ausschlaggebend.

Die bulgarischen Großbetriebe, die sich für Claas Mähdrescher entscheiden, greifen ganz oben in das Regal: Neben dem 600er Lexion Schüttler verkauften die Harsewinkler überwiegend Lexion 770 und 780, teilweise auch mit Gleisketten ausgerüstet. Gute Strohqualität zählt, die Drescher erreichen bis zu 60 Dreschtage jährlich, da sie in mehreren Kulturen arbeiten. Die Profibetriebe arbeiten mit Überladewagen und einer modernen Getreidereinigung und Lagerung in professionellen Siloanlagen. Ungefähr seit drei Jahren gewinnt die Rücknahme von Gebrauchtmaschinen an Bedeutung.

Petersen versucht in seinem Geschäftsgebiet junge, große Gebrauchte aus den deutschen Claas Gebrauchtmaschinenzentren abzusetzen. Im vierseitigen Verkaufsprospekt mit gebrauchten Dreschern sind auch Case IH, John Deere und New Holland-Maschinen zu finden.

Den Claas-Vertrieb in Bulgarien verantwortet die Firma Rapid. Das Unternehmen ist mit 55 Mitarbeitern in fünf Niederlassungen über Bulgarien verteilt. In Sofia gibt es ein zentrales Ersatzteillager. Bei Flottengeschäften unterstützt Petersen mit seinem Team den Händler und schaut sich die Maschinen bei größeren Rücknahmen auch selbst an.

Den Traktorenabsatz, der Jahresmarkt pendelt zwischen 500 bis 800 Einheiten meist zwischen 80 bis 120 PS, hält Rapid in Bulgarien auf dem Niveau des deutschen Claas-Marktanteils. Häcksler und Futtererntetechnik haben für Claas in diesem Land eine eher geringe Bedeutung.

Mit einer eigenen bulgarischen Ländergesellschaft ist auch Lemken auf dem Feldtag präsent. Am Lemken Stand treffe ich den Area Sales Manager Nikolay Kolev. Der Bulgare erläutert mir in perfektem Deutsch, dass die weitaus meisten Äcker Bulgariens gepflügt werden. Mulchsaatverfahren erhalten erst in den letzten zwei Jahren mehr Aufmerksamkeit von den Landwirten. „Die Marke Lemken ist in Bulgarien sehr bekannt“, so Kolev. In der Bodenbearbeitung sieht er sein Unternehmen in diesem Land marktführend. Meine Frage nach dem Verschleißteilumsatz auf den tonigen Böden, beantwortet er mit einem zufriedenen Lächeln, ohne eine exakte Zahl zu nennen. Lemken arbeitet in Bulgarien mit vier Händlern, die insgesamt 16 Verkaufsstellen betreiben. „Bei komplexeren Maschinen helfen wir mit Beratung!“ so Kolev. Aktuell forciert Kolev in seinem Land das Programm der Lemken Drilltechnik und Spritzen.

Neben Lemken präsentiert sich, den eigenen Angaben nach, Bulgariens größter Landmaschinenhersteller Madara. Madara baut mit 200 Mitarbeitenden ein breites Landtechnikprogramm. Auf den Feldtagen zeigt Madara z. B. eine große Scheibenegge und Packerwalzen. Im umfangreichen Katalog gibt es unter anderem noch Anhänger, Überladewagen sowie Düngerstreuer. „Wir sind sehr an Kontakten zu deutschen Händlern interessiert“, betont Madara-Gebietsleiter Stefan Stefanov. Zusätzlich bestünde auch die Möglichkeit der Lohnfertigung im Madara-Werk.

Stefan Kroppen, Gabriela Tucan und Anna Khomenko (v. l.) vom Team der IFW expo gehören zum Organisationsteam in Plovdiv.

Stefan Kroppen, Gabriela Tucan und Anna Khomenko (v. l.) vom Team der IFW expo gehören zum Organisationsteam in Plovdiv.

Joachim Herfort, Agrotop (links) und Ivan Chernogorov von NIK: „Großbetriebe setzen im Pflanzenschutz auf Selbstfahrer.“

Joachim Herfort, Agrotop (links) und Ivan Chernogorov von NIK: „Großbetriebe setzen im Pflanzenschutz auf Selbstfahrer.“

 

Für Baertschi, Schweizer Hersteller von Streifenfräsen und Hacktechnik für Sonderkulturen, war Matthias Bathon auf dem Feldtag vertreten. Mit dem Baertschi-Verfahren bearbeitet man lediglich die Streifen im Acker, in denen die Saat abgelegt wird. In der Tiefe reißt ein Schar den Unterboden auf. Darüber lockert eine Fräse diesen Bereich. Der Streifen zwischen den Säreihen bleibt unbearbeitet. Er soll so bei Nässe für eine bessere Tragfähigkeit sorgen sowie die Bodenerwärmung beschleunigen und das Wasser effizienter nutzen lassen. In der Nähe der Schwarzmeerküste hat Bathon bereits eine Maschine erfolgreich platziert.

Joachim Herfort von Agrotop berät die Besucher der Feldtage zum Thema Pflanzenschutzdüsen. Hierfür sieht er viel Erklärungsbedarf. Die großen Agrarbetriebe legen sehr großen Wert auf schlagkräftige Pflanzenschutztechnik und treiben die Professionalisierung voran. So verkauften die bulgarischen Landmaschinenhändler im letzten Jahr 46 Pflanzenschutz-Selbstfahrer und rund 50 gezogene Spritzen.

Bei Selbstfahrern führt Berthoud die Statistik an. Die hellblauen Maschinen des Unternehmens aus dem französischen Exel-Konzern verkauft das bulgarische Unternehmen NIK. Seit zehn Jahren vertreibt NIK Trimble Technik und widmet sich mit heute 200 Mitarbeitern neben der Bodenbeprobung und Auswertung von Satellitenkarten der Software-Programmierung auch dem Berthoud-Vertrieb. Der zuständige NIK Produktmanager Pflanzenschutz, Ivan Chernogorov, beschreibt die Großbetriebe als technisch sehr aufgeschlossen. Die Spritzen fahren auf dem Acker häufig bis zu 25 km/h schnell, die Aufwandmengen liegen zwischen 150 bis 200 l/ha.

Dimo Petrov vom Händler Tiger Agri vertreibt Same und Grimme-Technik.

Dimo Petrov vom Händler Tiger Agri vertreibt Same und Grimme-Technik.

Einige Meter weiter: Neben den Traktoren von Same steht ein einreihiger roter Kartoffelroder der Firma Grimme. Der Verkaufsberater vom Händler Tiger Agri, Dimio Petrov, hat noch elf Kollegen. Das Unternehmen, das neben der ersten Filiale in Plovdiv gerade einen weiteren Standort in Sofia aufbaut, gehört seiner Chefin Disana Volcanova. Tiger Agri verkauft jährlich gut zehn Same Traktoren und fünf Grimme Roder. Die größeren bulgarischen Kartoffelanbauer lagern die Knollen mit Boxenfüllern lose ein. Petrov ist an gebrauchter Kartoffeltechnik interessiert, er hat sich bereits persönlich in Deutschland informiert. „Das Preisniveau ist aber für uns zu hoch“, so seine Einschätzung.

Die DLG International-Tochter in Bulgarien mit Geschäftsführer Jordan Jordanov, Petra Jordanova, Vasil Radev und das Team der IFW expo Heidelberg mit Geschäftsführer Stefan Kresse, Anna Khomenko, Gabriela Tucan und Stephan Kroppen unterstützten die Vorbereitungen der Veranstaltung sowie die Ausrichtung vor Ort. Ein Fachprogramm der Veranstalter und Aussteller begleitete die International Field Days 2018.

Ein erweitertes Landtechnikangebot bei den nächsten Field Days 2019 wird sicherlich noch mehr Besucher als die knapp 2.000 in diesem Jahr anziehen. Die Nachfrage nach landtechnischen Lösungen auf hohem Niveau ist in Bulgarien jedenfalls vorhanden.

 

 


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