Magazin Landtechnik

Industriehof Scherenbostel :

Damit das Gras wieder dichter wird

Auf dem Grünland-Tag traten sieben Nachsaat-Kombinationen zur Praxisvorführung an

Industriehof Scherenbostel: Damit das Gras wieder dichter wird

Güttlers Greenmaster ist ideal für kleinere und mittelgroße Flächen.

Harmjürgen Bruns, Industriehof Scherenbostel (r.), konnte zahlreiche Besucher begrüßen. Anschließend gab es an jeder Maschine eine Einweisung. Hier erläutert Helmut Hutfilter von E und H Landtechnik den Aufbau der CV 3000 Pro von SMS.

Harmjürgen Bruns, Industriehof Scherenbostel (r.), konnte zahlreiche Besucher begrüßen. Anschließend gab es an jeder Maschine eine Einweisung. Hier erläutert Helmut Hutfilter von E und H Landtechnik den Aufbau der CV 3000 Pro von SMS.

Was war das für ein Sommer. Viel Sonne, viel Wärme, da brauchte niemand in den Süden zu reisen, um eine paradiesische Bräune zu erhalten. In unterschiedlichsten Brauntönen präsentierte sich zwischenzeitlich aber auch das Grünland. Auf vielen Flächen sah es von Weiterm aus wie nach der Getreideernte.

Bildergalerie zu diesem Artikel

Damit das Gras wieder dichter wird

Zur Bilder-Galerie

Brennendes Motto

Mit dem richtigen Blick für das, was in Feld und Flur passiert, hat der Industriehof Scherenbostel Ende September zum vierten Feld-Tag, dieses Mal jedoch ohne „Feld“, eingeladen. Das Motto der Veranstaltung war entsprechend brandaktuell: Die Nachsaat von Grünland.

In Deutschland werden ca. 4,7 Millionen Hektar als Dauergrünland genutzt. Das sind gut 28 Prozent der landwirtschaftlich genutzten Flächen. In den Regionen der klassischen Grünlandstandorte ist das die Grund- futterbasis. Statt der drei bis fünf Schnitte im Jahr, war es 2018 in manchen Regionen nur ein Schnitt, der nennenswerten Ertrag brachte. So rechnet die Landwirtschaftskammer Niedersachsen im Mittel mit 40 Prozent weniger Grünlandertrag als im Vorjahr. Aber nicht nur fehlender Ertrag ist ein Thema. Die Grasnarben sind vertrocknet. Die entstandenen Lücken werden von tiefwurzelnden Gräsern, wie zum Beispiel der Gemeinen Quecke oder der Gemeinen Rispe und weniger wünschenswerten Kräutern wie Wiesenkerbel, Bärenklau, Schafgarbe, Spitzwegerich, genutzt.

Pflegen statt Pflügen

Eine Neueinsaat, von einigen Landwirten vielleicht schon in Betracht gezogen, bedarf aber der Genehmigung. Die vorgesehene Maßnahme muss mindestens drei Tage vor Beginn der Bewilligungsstelle angezeigt werden. Denn schon der Einsatz der Kreiselegge kann als Grünlandumbruch und damit als Greening-Verstoß gewertet werden, weil die Grasnarbe mechanisch zerstört wird. Das Schleppen, Striegeln und Walzen sowie die Aussaat oder Düngung im Schlitzverfahren oder vergleichbare Maßnahmen müssen dagegen nicht genehmigt werden.

Sieben im Grünen

Es ist dem Team um Harmjürgen Bruns, Lagerleiter des Industriehofs Scherenbostel, wieder gelungen, kompetente Partner zusammenzubringen und dieses Mal die Gras-Nachsaat-Technik zu präsentieren. Obwohl in diesem Jahr die Einladungen etwas kurzfristiger als üblich geschrieben worden waren, hatten sich gut einhundert interessierte Besucher auf den Weg zur Weide bei Mellendorf gemacht. Sieben Nachsaat-Kombinationen traten nebeneinander auf den zugewiesenen Parzellen an. Bevor es in den Einsatz ging, gab es ausführliche Erklärungen zum Aufbau, den Optionen und der Arbeitsweise der Geräte.

Parzelle 1: Einböck mit dem 6 m Grünlandstriegel PneumaticStar Pro. Dieses Gerät ist eine Weiterentwicklung des bekannten PneumaticStar und speziell für Grünland-Betriebe oder Lohnunternehmer entwickelt. Die auf Griff gestellten schweren Frontstreifbleche ebnen schon vor den Tasträdern den Boden. Das nachfolgende Striegelfeld, die Zinken sind 6-reihig mit einem Strichabstand von 2,5 cm angeordnet, sorgt für Belüftung in den verfilzten Beständen.

Parzelle 2: Düvelsdorf mit dem 6,30 m Green Rake-Terra Roller. Auch hier werden Einebnen, Striegeln, Säen und zusätzliches Anwalzen in einem Arbeitsgang erledigt. Die 10 mm starken Striegelzinken stehen im Abstand von 6,5 cm. Die Cambridge-Walzen haben 45 cm Durchmesser.

Auf Parzelle 3 die CV 3000 Pro vom tschechischen Hersteller SMS, vertreten durch die E und H Landtechnik aus Wardenburg. Ein kompaktes Gerät mit Schleppschiene-Striegel und Prismenwalzen.

Auf Parzelle 4 die 8 m Perfekt GS803 von Saphir Fricke: Schleppschiene, Striegel, einem kraftflussoptimierten Rahmenaufbau aus Winkeleisen mit robustem Anbaubock und verstärkten Klappschanieren. Die Striegelsegmente können bis zu 250 mm unter dem starren Rahmen verstellt werden. Somit kann der Grünlandstriegel ebenfalls zur weiteren Auslastung auf dem Acker genutzt werden. Die zwölf Gleitkufen sollen den bodenschonenden Einsatz auch bei nassen oder stark beschädigten Grasnarben ermöglichen.

Parzelle 5: Greenmaster 300 von Güttler mit Schleppschiene-Striegel-Walzen. Ein so genanntes Ripperboard verdoppelt die Zinkenzahl der beiden Striegelreihen. Es macht somit aus dem 2-balkigen einen 4-balkigen Striegel. Damit sei der Harroflex der kürzeste und wendigste Striegel im Markt, so der Hersteller. Zur Rückverfestigung laufen hier Prismenwalzen.

Parzelle 6: Die Schlitzdrille 6 m von Vredo. In V-Form angeordnete Doppelscheiben schlitzen die Grasnarbe/ Boden. Die Saat wird zwischen die Scheiben dosiert. Die nachlaufende Packerwalze drückt den Boden wieder an.

Auf Parzelle 7: Die Grünlandprofi von APV aus Österreich. Auch hier sind Striegel und Walze in Kombination. Die Planierschiene ebnet Maulwurfshügel ein und verteilt die Erde gleichmäßig. Die APV Grünlandprofi hat zwei Reihen 12 mm und zwei Reihen 8 mm gekröpfte Rundfederzinken.

Fazit

Eine rundherum gelungene Veranstaltung. Sieben Hersteller haben ihre Geräte gegen- bzw. miteinander auf einer Fläche eingesetzt. Das war kein „Wettkampf“, sondern eine Demonstration der unterschiedlichen Ansätze und Einsatzmöglichkeiten rund um die Grünland-Nachsaat. Thematisch war sie gut abgerundet durch die vorgestellten Variationen und Optionen im praktischen Einsatz nebeneinander. Ergänzend zu den Grünland-Nachsaat-Geräten stellte die Firma Müthing das aktuelle Mulcherprogramm aus. Gleich nebenan präsentierte die KTB–Wedemark den Wiesenteufel, Rekultivierer auch nach Wildschweinschäden, und den neuen Humus Schlegelmulcher PM. In vier bis sechs Wochen, so wird bereits angekündigt, ist eine Begehung der Nachsaat-Flächen geplant.


Bildergalerie zu diesem Artikel

Damit das Gras wieder dichter wird

Damit das Gras wieder dichter wird Zur Bilder-Galerie

Diesen Artikel bewerten

Diskutieren Sie mit

blog comments powered by Disqus